Birthday Girl - Braut auf Bestellung (VHS) Testbericht

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ab 5,62
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Erfahrungsbericht von wildheart

Inszeniertes Chaos

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Die Geschichte eines englischen Bankangestellten und einer russischen Gangsterbraut findet im „Filmdienst“ Beifall: „Der Aufeinanderprall fremder Kulturen ist ein bekannter, tragfähiger Komödienstoff; für die Konfrontation von Russen mit der westlichen Lebensart gilt seit Lubitschs ‘Ninotschka’ das Gleiche. ‘Birthday Girl’ geht also scheinbar auf Nummer Sicher, variiert dann aber überraschend die Variablen auf eine Weise, die stark an Jonathan Demmes ‘Gefährliche Freundin’ erinnert.“ Armer Lubitsch! „Blickpunkt: Film“ hat die „non-verbale Kommunikation“ im ersten Teil des Films gefallen (die habe viel Humor?). Dann aber wandle sich „die originelle Love Story in einen wild-brutalen Action-Krimi. Dies sorgt zwar für Tempo und Spannung, verhindert aber gleichzeitig, dass das feinnuancierte Spiel zwischen der souverän agierenden Nicole Kidman und dem unschlagbar sympathisch-trotteligen und gleichzeitig gewitzten Ben Chaplin weiter zur Geltung kommt“. Also der Humor hielt sich in Grenzen und auch von einen „wild-brutalen Action-Krimi“ war weit und breit nicht sehr viel zu sehen (1).

Inhalt
Der zurückhaltende, schüchterne und heimlich Pornos anschauende Bankangestellte John (Ben Chaplin) träumt in seinem reihenhausbestimmten Londoner Vorort von der Frau des Lebens. Mangels geeigneter Damen in seiner Umgebung sucht er im Internet unter „From Russia With Love“. Eines Tages steht „sie“ dann vor ihm: die kettenrauchende, aber attraktive Nadia (Nicole Kidman). Alle telefonischen Beschwerden beim Heiratsvermittler darüber, dass Nadia kein Wort englisch spricht, enden für John bei einem Anrufbeantworter. Ein Umtausch der „Ware“ scheint ausgeschlossen. Dabei hatte sich John so darauf gefreut, endlich jemanden zum Reden zu haben. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig. Nadia spielt zum einen das Klischee der Katalog-Frau, die sich dem „Kunden“ hingibt, andererseits aber auch selbstbewusst durchs Leben spaziert. John versucht, das Beste aus der Situation zu machen und findet Nadia schon bald sympathischer. Vielleicht könnte sie wirklich seine Frau werden. Er schenkt ihr ein russisch-englisches Dictionary, damit sie englisch lernen kann.

Eines Tages erscheinen bei Ben plötzlich zwei Russen: Yuri (Mathieu Kassovitz) und Alexei (Vincent Cassel), die Nadia offenbar schon lange kennen. Sie scheinen sehr sympathisch zu sein, doch John ist nicht sehr angetan davon, dass beide sich bei ihm einnisten. Yuri spricht englisch, Alexei nicht. Als John ein paar Tage später in die Küche kommt, sitzt Nadia gefesselt auf dem Stuhl und Alexei bedroht sie. Er und Yuri zwingen John, bei der Bank, in der er arbeitet und gerade befördert worden ist, Geld zu stehlen, wenn Nadia nichts passieren soll ...

Inszenierung
Die Ausgangssituation des Films ist gar nicht schlecht gewählt. Ein Mann, der sich eine „Frau per Katalog“ bestellt und glaubt, daraus könne irgendeine Art von Beziehung werden, die – ja von was eigentlich bestimmt ist? Und eine Frau, die glaubt, über eine solche Beziehung in ein besseres Leben als in ihrer Heimat zu wechseln. Die Illusionen, Ungereimtheiten, auch das Abstoßende dieser Form von Menschenhandel sind schon lange bekannt. Doch Tom und Jez Butterworth verweilen nicht bei diesem Thema, das zwischen Drama und Komödie durchaus einen Platz hätte finden können. Sie wechseln die Szenerie nach dem Auftauchen von Yuri und Alexei und begeben sich in das Genre des Kriminalfilms. Aus Nadia wird Sophia, die Betrügerin, aus John der Einfaltspinsel, der sich hat total überrumpeln lassen, und zwei skrupellose russische Gangster hauen John nach Strich und Faden übers Ohr. Danach – nach dem zunächst unbemerkten Bankraub mit zwei Geigenkasten (in denen John das Geld deponiert) – wechselt das Genre erneut zu einer Art Romanze mit Roadmovie-Anklängen. John und Nadia gleich Sophia kommen sich näher; Sophia „erkennt“ in John einen liebevollen Menschen usw. usf.

Nicole Kidman spielt ihre Rolle anfangs durchaus überzeugend, ebenso Ben Chaplin einen törichten Bankangestellten, der erst spät merkt, was mit ihm geschieht, und dann auf den Boden der Tatsachen zurückfindet. Aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jez Butterworth sich nicht entscheiden konnte, was der Film denn nun eigentlich sein soll: Komödie, Krimi, Action-Film, Romanze, Road-Movie – von allem ein bisschen und von jedem zu wenig. Der Film schweift durch die Genre, ohne auch nur eines wirklich durchzuhalten. Dabei wäre dieser seichte Flug durch die Handlung wirklich nicht notwendig gewesen. Denn die Figuren John und Nadia wären es wert gewesen, sich entwickeln zu können, bekommen aber angesichts der hektischen Wechsel kaum eine Chance dazu. Kidman und Chaplin wirken manchmal etwas verloren in dieser Handlung.

Statt dessen spielt Butterworth mit dem Publikum, lässt Plausibilität gar nicht erst aufkommen und verzichtet darauf, bestimmte Probleme, die sich aus der Anfangskonstellation des Films ergeben, zu vertiefen. Sobald es angezeigt scheint, die Figuren sich ausspielen zu lassen, wechselt die Szenerie, das Genre. Man verliert sehr schnell das Interesse; die paar durchaus ironischen Szenen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Konzept nicht stimmig ist. Ich habe selten einen Film gesehen, in dem die erforderliche Einheitlichkeit des Dramas derart konterkariert wurde.

Fazit
Als Nadia und John gegen Schluss des Films zu Fuß zum Flugplatz unterwegs sind, wäre es Zeit gewesen, in die Tiefe zu gehen. Nichts da. Die nichts sagenden Dialoge der beiden plätschern vor sich hin. Oder John sitzt wortlos da, vor sich hinstarrend und man fragt sich, was das alles soll. Cassel und Kassovitz spielen zwei Gangster, deren Skrupellosigkeit auch mehr bemüht wirkt als in irgendeiner Weise überzeugend. Man wird das Gefühl nicht los, das Regie und Drehbuch hier und dort ein bisschen an der Oberfläche der Handlung kratzen, um dann fluchtartig die Szene zu wechseln. Das Happyend am Schluss des Films wirkt aufgesetzt, als wenn es vorgeschrieben worden wäre. Schlechter kann man es kaum noch machen.

(1) Zit, n. www.angelaufen.de

Birthday Girl
(Birthday Girl)
USA, Großbritannien 2001, 93 Minuten
Regie: Jez Butterworth

Drehbuch: Tom Butterworth, Jez Butterworth
Musik: Stephen Warbeck
Kamera: Oliver Stapleton
Schnitt: Christopher Tellefsen
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Nicole Kidman (Sophia / Nadia), Ben Chaplin (John), Vincent Cassel (Alexei), Mathieu Kassovitz (Yuri), Kate Lynn Evans (Clare), Stephen Mangan (Bankmanager), Alexander Armstrong (Robert Moseley), Sally Phillips (Karen)

Offizielle Homepage: http://www.filmfourmovie.co.uk/birthday/
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0188453

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/2002/02/020103.html
„Movie Reviews“ (James Berardinelli):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/b/birthday_girl.html
„epd-Film“ 9/2002 (Heike-Melba Fendel), S. 38


© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)

27 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    09.09.2011, 10:51 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    aber die story an-und-für-sich, hört sich nicht mal so schlecht an. bw und ganz liebe grüße

  • Sayenna

    17.12.2006, 14:40 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)