Erfahrungsbericht von Linnemer
Verwirrung pur
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Der Film:
"The Blair Witch Project" hat bei vielen Menschen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Bei manchen sogar so tief, dass sie sich aufmachten, um den Ort des Geschehens selbst in Augenschein zu nehmen. Für jemanden wie Jeff (Jeffrey Donovan) ist dieses Verlangen ein gefundenes Fressen. Nachdem sich der Verkauf von "Blair Witch"-Devotionalien über das Internet schon als ziemlich einträglich erwiesen hat, ist er nunmehr auch ins Sightseeing-Geschäft eingestiegen und bietet für Interessierte die "Blair-Witch-Jagd" an, bei dem seine zahlenden Gäste unter seiner sachkundigen Führung durch die Black Hills streifen können. Seine ersten Kunden sind das Pärchen Stephen (Stephen Barker Turner) und Tristen (Tristen Skylar), die an einer Abhandlung über den Blair-Witch-Kult schreiben, Erica (Erica Leerhsen), die dem ganzen Treiben eigentlich eher ablehnend gegenübersteht, hat der Film ihrer Meinung nach doch den Stand der Hexen, dem sie sich selbst auch angehörig fühlt, wieder in Verruf gebracht und Kim (Kim Director), deren düsteres Outfit zwar ebenfalls auf eine gewisse Affinität zum Hexenwesen hindeutet, die aber den Wahrheitsgehalt des Filmes ziemlich nüchtern betrachtet.
Als Basislager für die erste Nacht wird die Ruine ausgesucht, welche die Überreste des Hauses des Kindermörders Rustin Parr darstellen. Einziger Störfaktor ist zunächst eine Reisegruppe von der Konkurrenz "Blair Witch Wanderung", die aber erfolgreich abgewimmelt werden kann. Was folgt ist eine alkohol- und drogenselige Nacht, an deren nächsten Morgen für die fünf ein Schock gehobener Güte wartet. Stephens und Tristens sämtliche Aufzeichnungen treiben in Form kleinster Papierschnitzel durch die Lüfte, dazu ist Jeffs umfangreiche Kameraausrüstung vollkommen zerstört; doch wie es dazu gekommen ist, dafür hat keiner der fünf eine Erklärung, weil alle unter dem selben Filmriss leiden, der immerhin ganze fünf Stunden der vergangenen Nacht umfasst. Da ist dann Kims Fähigkeit zur partiellen Hellsichtigkeit ausgesprochen praktisch, denn auf diese Weise finden sie zumindest den verbuddelten Inhalt der Kameras wieder, immerhin nährt das ihre Hoffnung, nach Sichtung des Filmmaterials wenigstens ein bisschen schlauer zu sein. Zuerst aber müssen erleben, wie Tristen eine Fehlgeburt erleidet, weshalb sie zunächst in das örtliche Krankenhaus eingeliefert wird. Dort bleibt sie aber nicht lange, da sich die Gruppe gleich danach in Jeffs Unterschlupf flüchtet, um endlich den Ereignissen auf den Grund zu gehen.
Aber, wie das Leben so spielt, beginnt nun das Grauen erst recht, denn auf den Bändern ist zunächst nur Schemenhaftes zu erkennen, um so deutlicher sind dagegen die rätselhaften Visionen, die nach und nach alle Anwesenden befallen, ganz abgesehen von den merkwürdigen roten Malen, die auf ihren Körpern erscheinen. Irgendwann macht sich unter ihnen die messerscharfe Schlussfolgerung breit, dass sie "etwas aus den Wäldern mitgebracht haben". Diejenigen, die lange genug leben, um schließlich die ganze Wahrheit, oder zumindest eine Version der ganzen Wahrheit zu erfahren, haben allerdings kaum einen Grund, über das Ergebnis sonderlich erfreut zu sein.
Dass das Original, "The Blair Witch Project" einen Schatten wirft, der jeden Nachfolgefilm, der versuchte, in denselben Fußstapfen zu wandern, verkümmern lassen würde, dürfte den Machern der Fortsetzung auch klar gewesen sein. Der Kniff, aus der Not eines beschränkten Budgets die Tugend eines durch seinen "Dokumentationscharakter" umso erschreckenderen Horrorfilm zu machen, ließ sich so nicht wiederholen. Insofern ist der Ansatz von "Blair Witch 2", die Ereignisse um den ersten Film, insbesondere dessen Auswirkungen auf Medien und Zuschauer, aufzugreifen, als kluge Entscheidung zu werten. Das Drehbuch des zweiten Teils weist auch einige Anhaltspunkte dafür auf, dass hier ein durchaus passables Stück Horrorkino hätte entstehen können: Der Einbruch einer mysteriösen Macht in das diesseitige Leben von Menschen, die, wenn auch in zugespitzter Form, genau der Zielgruppe des Films entsprechen, das verschlungene Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen und die beunruhigende Erkenntnis, dass selbst ein so scheinbar objektives Aufzeichnungsformat, wie ein VHS-Band nicht immer das zeigt, was doch eben gerade noch die feststehende Wahrheit sein sollte.
Aber schon die Einführung in den Film, die sich auf ein reales Geschehen und angebliche Dokumentaraufnahmen beruft, hat schon den Mangel, dass er sich damit an das Original anhängt, ohne jemals dessen "Authentizität" auch nur anzutäuschen, ähnliches ließe sich über die Idee sagen, dass auch hier die Filmfiguren die Namen ihrer Darsteller tragen.
Allerdings liegt hierbei nicht das wirkliche Problem von "Blair Witch 2". Dies findet sich vielmehr darin, dass je länger die Angelegenheit dauert, immer deutlicher wird, auf was für ein banales Gruselabenteuer die ganze Geschichte hinausläuft. Ein Versatzstück nach dem anderen wird aus dem reichhaltigen Fundus des billigen Schockkinos hervorgekramt, wobei alle gelungenen Ansätze der Story rücksichtslos unter die Räder geraten. Das Ganze ist trotz der gebrochenen Erzählstruktur viel zu durchsichtig geraten, weshalb insbesondere auch die große Auflösung am Schluss ins Leere geht. Und der Gehalt der Dialoge präsentiert sich in einer Schlichtheit, die letztlich erschreckender ist, als die eigentliche Handlung. Dadurch bleiben einem auch die Hauptfiguren denkbar fern, was bekanntlich nicht gerade die beste Voraussetzung zum Mitfiebern darstellt.
Damit entgeht "Blair Witch 2" zwar im Ergebnis der eigentlich naheliegenden Gefahr, im direkten Vergleich mit Teil 1 zu versagen, dazu haben die beiden Filme zu wenig gemeinsam. Im Konkurrenzkampf mit anderen Horror- oder Mysterythrillern gerät der Film aber durch seine bedauernswert auffälligen Mängel klar ins Hintertreffen. Der letzte Dialogsatz von "Blair Witch 2", der sich auf ein gerade abgespieltes Videoband bezieht, lautet übrigens "Das ist alles Quatsch"; angewendet auf den Film selbst, ist dem nichts mehr weiter hinzuzufügen.
Das Bild:
Im Groben und Ganzen ist die Bildqualität wirklich in Ordnung. Erst beim genaueren Hinsehen zeigt sich eine gewisse Nachlässigkeit bei der Detailtreue und der Klarheit der Konturen. Das stört zwar nicht wesentlich, hat aber doch Einfluss auf die Lebendigkeit des Bildeindrucks.
Der Ton:
Der Film hat wenige Momente, in denen er von den Soundeffekten her richtig glänzen kann. Dass ist vor allem im Vergleich zu dem vorgeschalteten Dolby-Digital-Trailer auffällig. Der Ton wird dominiert von den Dialogen und der Begleitmusik, die gut aufeinander abgestimmt sind, so dass in dieser Hinsicht kein Grund zur Klage besteht.
Special Features:
Außer einer Trailerparade, bei der auch der Trailer zu "Blair Witch 2" enthalten ist, hat diese Verleih-DVD keine Extras zu bieten. Diese werden erst auf der Kauf-DVD sein, die am 2. August veröffentlicht werden soll.
"The Blair Witch Project" hat bei vielen Menschen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Bei manchen sogar so tief, dass sie sich aufmachten, um den Ort des Geschehens selbst in Augenschein zu nehmen. Für jemanden wie Jeff (Jeffrey Donovan) ist dieses Verlangen ein gefundenes Fressen. Nachdem sich der Verkauf von "Blair Witch"-Devotionalien über das Internet schon als ziemlich einträglich erwiesen hat, ist er nunmehr auch ins Sightseeing-Geschäft eingestiegen und bietet für Interessierte die "Blair-Witch-Jagd" an, bei dem seine zahlenden Gäste unter seiner sachkundigen Führung durch die Black Hills streifen können. Seine ersten Kunden sind das Pärchen Stephen (Stephen Barker Turner) und Tristen (Tristen Skylar), die an einer Abhandlung über den Blair-Witch-Kult schreiben, Erica (Erica Leerhsen), die dem ganzen Treiben eigentlich eher ablehnend gegenübersteht, hat der Film ihrer Meinung nach doch den Stand der Hexen, dem sie sich selbst auch angehörig fühlt, wieder in Verruf gebracht und Kim (Kim Director), deren düsteres Outfit zwar ebenfalls auf eine gewisse Affinität zum Hexenwesen hindeutet, die aber den Wahrheitsgehalt des Filmes ziemlich nüchtern betrachtet.
Als Basislager für die erste Nacht wird die Ruine ausgesucht, welche die Überreste des Hauses des Kindermörders Rustin Parr darstellen. Einziger Störfaktor ist zunächst eine Reisegruppe von der Konkurrenz "Blair Witch Wanderung", die aber erfolgreich abgewimmelt werden kann. Was folgt ist eine alkohol- und drogenselige Nacht, an deren nächsten Morgen für die fünf ein Schock gehobener Güte wartet. Stephens und Tristens sämtliche Aufzeichnungen treiben in Form kleinster Papierschnitzel durch die Lüfte, dazu ist Jeffs umfangreiche Kameraausrüstung vollkommen zerstört; doch wie es dazu gekommen ist, dafür hat keiner der fünf eine Erklärung, weil alle unter dem selben Filmriss leiden, der immerhin ganze fünf Stunden der vergangenen Nacht umfasst. Da ist dann Kims Fähigkeit zur partiellen Hellsichtigkeit ausgesprochen praktisch, denn auf diese Weise finden sie zumindest den verbuddelten Inhalt der Kameras wieder, immerhin nährt das ihre Hoffnung, nach Sichtung des Filmmaterials wenigstens ein bisschen schlauer zu sein. Zuerst aber müssen erleben, wie Tristen eine Fehlgeburt erleidet, weshalb sie zunächst in das örtliche Krankenhaus eingeliefert wird. Dort bleibt sie aber nicht lange, da sich die Gruppe gleich danach in Jeffs Unterschlupf flüchtet, um endlich den Ereignissen auf den Grund zu gehen.
Aber, wie das Leben so spielt, beginnt nun das Grauen erst recht, denn auf den Bändern ist zunächst nur Schemenhaftes zu erkennen, um so deutlicher sind dagegen die rätselhaften Visionen, die nach und nach alle Anwesenden befallen, ganz abgesehen von den merkwürdigen roten Malen, die auf ihren Körpern erscheinen. Irgendwann macht sich unter ihnen die messerscharfe Schlussfolgerung breit, dass sie "etwas aus den Wäldern mitgebracht haben". Diejenigen, die lange genug leben, um schließlich die ganze Wahrheit, oder zumindest eine Version der ganzen Wahrheit zu erfahren, haben allerdings kaum einen Grund, über das Ergebnis sonderlich erfreut zu sein.
Dass das Original, "The Blair Witch Project" einen Schatten wirft, der jeden Nachfolgefilm, der versuchte, in denselben Fußstapfen zu wandern, verkümmern lassen würde, dürfte den Machern der Fortsetzung auch klar gewesen sein. Der Kniff, aus der Not eines beschränkten Budgets die Tugend eines durch seinen "Dokumentationscharakter" umso erschreckenderen Horrorfilm zu machen, ließ sich so nicht wiederholen. Insofern ist der Ansatz von "Blair Witch 2", die Ereignisse um den ersten Film, insbesondere dessen Auswirkungen auf Medien und Zuschauer, aufzugreifen, als kluge Entscheidung zu werten. Das Drehbuch des zweiten Teils weist auch einige Anhaltspunkte dafür auf, dass hier ein durchaus passables Stück Horrorkino hätte entstehen können: Der Einbruch einer mysteriösen Macht in das diesseitige Leben von Menschen, die, wenn auch in zugespitzter Form, genau der Zielgruppe des Films entsprechen, das verschlungene Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen und die beunruhigende Erkenntnis, dass selbst ein so scheinbar objektives Aufzeichnungsformat, wie ein VHS-Band nicht immer das zeigt, was doch eben gerade noch die feststehende Wahrheit sein sollte.
Aber schon die Einführung in den Film, die sich auf ein reales Geschehen und angebliche Dokumentaraufnahmen beruft, hat schon den Mangel, dass er sich damit an das Original anhängt, ohne jemals dessen "Authentizität" auch nur anzutäuschen, ähnliches ließe sich über die Idee sagen, dass auch hier die Filmfiguren die Namen ihrer Darsteller tragen.
Allerdings liegt hierbei nicht das wirkliche Problem von "Blair Witch 2". Dies findet sich vielmehr darin, dass je länger die Angelegenheit dauert, immer deutlicher wird, auf was für ein banales Gruselabenteuer die ganze Geschichte hinausläuft. Ein Versatzstück nach dem anderen wird aus dem reichhaltigen Fundus des billigen Schockkinos hervorgekramt, wobei alle gelungenen Ansätze der Story rücksichtslos unter die Räder geraten. Das Ganze ist trotz der gebrochenen Erzählstruktur viel zu durchsichtig geraten, weshalb insbesondere auch die große Auflösung am Schluss ins Leere geht. Und der Gehalt der Dialoge präsentiert sich in einer Schlichtheit, die letztlich erschreckender ist, als die eigentliche Handlung. Dadurch bleiben einem auch die Hauptfiguren denkbar fern, was bekanntlich nicht gerade die beste Voraussetzung zum Mitfiebern darstellt.
Damit entgeht "Blair Witch 2" zwar im Ergebnis der eigentlich naheliegenden Gefahr, im direkten Vergleich mit Teil 1 zu versagen, dazu haben die beiden Filme zu wenig gemeinsam. Im Konkurrenzkampf mit anderen Horror- oder Mysterythrillern gerät der Film aber durch seine bedauernswert auffälligen Mängel klar ins Hintertreffen. Der letzte Dialogsatz von "Blair Witch 2", der sich auf ein gerade abgespieltes Videoband bezieht, lautet übrigens "Das ist alles Quatsch"; angewendet auf den Film selbst, ist dem nichts mehr weiter hinzuzufügen.
Das Bild:
Im Groben und Ganzen ist die Bildqualität wirklich in Ordnung. Erst beim genaueren Hinsehen zeigt sich eine gewisse Nachlässigkeit bei der Detailtreue und der Klarheit der Konturen. Das stört zwar nicht wesentlich, hat aber doch Einfluss auf die Lebendigkeit des Bildeindrucks.
Der Ton:
Der Film hat wenige Momente, in denen er von den Soundeffekten her richtig glänzen kann. Dass ist vor allem im Vergleich zu dem vorgeschalteten Dolby-Digital-Trailer auffällig. Der Ton wird dominiert von den Dialogen und der Begleitmusik, die gut aufeinander abgestimmt sind, so dass in dieser Hinsicht kein Grund zur Klage besteht.
Special Features:
Außer einer Trailerparade, bei der auch der Trailer zu "Blair Witch 2" enthalten ist, hat diese Verleih-DVD keine Extras zu bieten. Diese werden erst auf der Kauf-DVD sein, die am 2. August veröffentlicht werden soll.
17 Bewertungen, 1 Kommentar
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17.03.2002, 23:18 Uhr von grandpaa
Bewertung: sehr hilfreichwie immer, perfekt :)
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