Der Herr der Ringe - Die zwei Türme (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak
RING FREI... Die zweite Runde!
Pro:
Das Warten hat ein Ende! Die Schlacht um Helms Klamm!! Umwerfende Bilder! Großartige Darsteller! (...)
Kontra:
Das sollen Ents sein? Und erneut: VIEL ZU KURZ!
Empfehlung:
Ja
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Die Geschichte geht in die zweite Runde
Mittelerde scheint dem Untergang geweiht. Die Ring-Gefährten, die mit ihrer Mission – der Zerstörung des Ringes – die letzte Hoffnung für die Menschen Mittelerdes waren, sind zerschlagen. Während Gandalf – ein mächtiger Magier – in den Minen von Moria gefallen ist, machen sich Frodo – der Ringträger – und sein treuergebner Diener Sam alleine auf den gefährlichen Weg nach Mordor. Doch schon nach wenigen Meilen der beschwerlichen Reise müssen die beiden Hobbits bemerken, dass sie nicht alleine sind. Sie werden verfolgt, verfolgt von Gollum, der immer noch seinen Schatz zurückhaben will.
Und auch die anderen beiden Hobbits Merry und Pippin haben kein leichtes Los gezogen, nachdem Boromir – ein menschlicher Gefährte – von den Orks getötet worden ist, wurden sie von den grauenhaften Orks entführt. Aber noch scheinen sie nicht gänzlich verloren. Aragorn – ein menschlicher Waldläufer –, Gimli – ein kampferprobter Zwerg – und Legolas – ein Elb – folgen ihrer Fährte, in der Hoffnung, dass sie ihrer hobbitschen Freunde lebend wiederfinden werden...
Die Reisen der gespaltenen Gefährten könnten abenteuerlicher nicht sein. Während Sam und Frodo sich zaghaft mit Gollum verbünden, umso den Weg nach Mordor zu finden, treffen Merry und Pippin in den Wäldern von Fangorn auf Baumbart – einen der letzten Ents. Und auch Aragorn und die sich langsam anfreundenden Gimli und Legolas treffen bei ihrer Suche in den Wäldern von Fangorn auf eine mächtige Person: Den weißen Magier. Doch nachdem er ihnen langsam sein wahres Gesicht offenbart, sehen sie ihren für todgeglaubten Freund Gandalf vor sich, der für seine letzte Aufgabe zurückgekehrt ist...
Vielleicht scheint sich das Glück der Menschen doch noch zu wenden, aber auch die bösen Gemüter Mittelerdes schlafen nicht. Saruman – ein Magier, der den Mächten Saurons verfallen ist – will mit seiner Armee aus Orks und den künstlich gezüchteten Uruk-Hais die Bewohner Rohans überlaufen und so die letzten aufrechten Völker Mittelerdes von Seiten Mordors und Rohans in die Zange zu nehmen. Eine erste große Schlacht steht bevor, die womöglich über das Schicksal der Menschen Mittelerdes entscheiden wird...
Mein langes Warten geht weiter
Die Nacht vom 18. auf den 19. Dezember des Jahres 2001 war in die entscheidenden Stunden vorangeschritten. Der Vorhang senkte sich über der Leinwand und ich hatte soeben den ersten Teil der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ gesehen. Schon seit meinem sechszehnten Lebensjahr wartete ich auf diesen einen Film. Den Film, der mein erklärtes Lieblingsbuch endlich auf die Leinwand bannen sollte. Ich verließ das Kino in der besagten Nacht in einem Trance-Zustand, war wie verzaubert. Meine Träume hatten den Weg auf die Kinoleinwand gefunden und nun sollte ich ein weiteres Jahr auf das Betrachten des zweiten Teiles warten. Das Leben kann in manchen Fällen ganz schön grausam sein. Eine Zeit voller Hoffnungen und schweißgebadeter Hände begann, die ich mit weiteren Besuchen des Kinofilmes und dem Kauf der DVD-Sammelbox zu verkürzen versucht hatte, doch am gestrigen Abend sollte nun mein Warten ein Ende haben...
Träume werden wahr
Die Messlatte war hochgesteckt worden. Nach dem umwerfend Erfolg des Vorgängers „Die Gefährten“ der sowohl die Herzen der Kritiker als auch die der Kinogänger im Sturm eroberte, erwartete man ein weiteres Meisterwerk von Peter Jackson. Und der dickbäuchige Neuseeländer – der zuvor vorwiegend durch seine anarchischen Splatterfilme (u.a. „Bad Taste“ und „Braindead“) die Aufmerksamkeit der Filmwelt erlangt hatte – enttäuscht seine Anhänger nicht. In monumentalen Bildern erzählt er die Geschichte weiter.
Wieder möchte man am liebsten in die Bilder eintauchen, möchte durch die weiten Landschaften Mittelerdes streifen und mit deren sagenumwobenen Einwohner plaudern. Möchte seine Hände ausstrecken, um Baumbart und seine Freunde zu berühren. Zwar verdüstert sich langsam der Himmel über Mittelerde und dank einiger Schlachten sind die Landschaften verwüstet, aber noch immer übt Mittelerde einen derartigen Zauber aus, dass man aus dem Schwelgen nicht mehr herauskommt.
Wenn zum grandiosen Abschluss dann die monumentale Schlacht um Helms Klamm ansteht – die den Zuschauer mit all ihren grandiosen Kampfesszenen, mit den umhersurrenden Pfeilen und den klirrenden Schwertern mit offenem Munde im Kinosessel erstarren lässt – weiß man spätestens, dass erneut die Träume Beine bekommen haben. Um diese Träume jedoch noch lebhafter und größer erscheinen zu lassen, hat Howard Shore erneut eine musikalische Untermalung komponiert, die sich perfekt den Bildern unterordnet. Sie erscheint dem Zuschauer zu keinem Zeitpunkt als zu aufdringlich, ergänzt die Szenen lediglich mit ihrer Dynamik und ihrem epochalen „Erscheinungsbild“.
Der Mann mit den Fäden in den Händen
Peter Jackson war für die meisten Kinogänger bis zum vergangenen September ein unbeschriebenes Blatt. Zumeist wurde man verwundert angeguckt, wenn man sein Name erwähnte. „Was in Neuseeland werden auch Filme gedreht?“ Doch alle „Ignoranten“ wurden mit „die Gefährten“ eines besseren belehrt. Der Hollywood-Verweigerer Jackson weiß den Zuschauer gefangen zu nehmen, ohne hierbei ein übertriebenes Feuerwerk an offensichtlichen Special-effects zu zünden. Er verlässt sich auf die überwältigende Buchvorlage von John Ronald Reuel Tolkien und lässt den Betrachter in jedem Moment seine Liebe zu Tolkiens Universum spüren. Mit seinem gesamten Herzblut inszeniert er seinen Traum von „der Herr der Ringe“ und vollbringt so eine der besten Regieleistungen der letzten Jahre, die hoffentlich im nächsten Jahr mit dem höchstverdienten Oscar honoriert wird. Wer bei einem derartigen Mammutprojekt die Kontrolle behält ist einfach der beste Regisseur eines gesamten Jahres!
Die Gefährten
Die Besetzung der einzelnen Gefährten hat sich glücklicherweise nicht verändert. Wie auch, drehte Peter Jackson sein Epos doch in einem Atemzug von ein einhalb Jahren und konnte so dauerhaft auf seine Akteure zurückgreifen. Unzweifelhaft ein riskanter Schachzug, der sich aber durch die phantastisch aufspielenden Darsteller mehr als rechtfertigte.
Elijah Wood, der nach seinem ersten Auftreten als Ringträger endlich den verdienten Medienruhm einheimsen konnte, verkörpert wundervoll ausdrucksstark den Hobbit Frodo. Langsam aber sicher wächst der junge Akteur in die Rolle hinein und kann auch mich als zunächst kritischen Betrachter überzeugen. Doch auch in „die zwei Türme“ muss Wood im Vergleich mit Sean Astin (Samweis Gamdschie) den Kürzeren ziehen. Astin spielt mit Leib und Seele den herzensguten Gärtner auf Reisen. Sagt mit seinen Blicken teilweise mehr als manch anderer Akteur in seiner gesamten Darbietung. Dankenswerterweise wurde die Rolle Astins im zweiten Teil der Filmtrilogie ausgebaut, ging er in „die Gefährten“ noch in der Masse unter, kann Sam nun seine ganze Ehrerbietung und Freundschaft gegenüber seinem Herrn Frodo offenbaren.
Mein unangefochtene Liebling wird jedoch auf immer und ewig Sir Ian McKellen bleiben. Mit jedem seiner Schritte auf der Leinwand ist er die perfekte Reinkarnation eines weisen Magiers, mit jedem Atemzug ist man sich sicher, dass es keine bessere Wahl für die Figur des Gandalfs geben könnte. Leider muss der gandalf-verehrende Zuschauer in „die zwei Türme“ feststellen, dass die Auftritt des herzensguten Magiers noch rarer gesät sind als schon im vorangegangenen Teil. Dafür sind diese wenigen Momente jedoch mit einer derartigen Magie versehen, dass man seine Augen nicht von der Leinwand nehmen kann.
Allein das erste Auftreten McKellens als Gandalf, der Weiße ist derartig ausdrucksstark, dass es unzweifelhaft der größte Augenblick des gesamten Filmes ist. Welch ein wundervoller Gesichtsausdruck! Ein Gesichtsausdruck, der wahrlich Bände spricht und Gandalf den menschlichen Charme eines liebenswerten Großvaters verleiht.
Und auch der Däne Viggo Mortensen brilliert erneut in seiner Rolle als Aragorn. Verkörperte er zu Beginn „der Gefährten“ noch eine zwielichtige Figur, deren genau Absichten man sich nicht erschließen konnte, wandelt er sich immer mehr zum strahlenden Held, der sein Leben für den Sieg des Guten geben würde. An seiner Seite bekommen nun Gimli – dargestellt von John Rhys-Davies (u.a. „Die vergessene Welt“) – und Legolas – dargeboten von Orlando Bloom (u.a. „Black Hawk down“) – vermehrt Sendezeit. Langsam kann man ihre sich entwickelnde Freundschaft erkennen und wenn sie in der Schlacht um Helms Klamm nebeneinander kämpfen und sich versuchen gegenseitig zu übertrumpfen, ist dies einfach wundervoll „menschlich“ und warmherzig. Sicherlich, einige werden sich ärgern, dass Gimli mit einigen seiner Kommentare auf den Spuren eines Komikers wandelt, aber für meienn Geschmack sind dies eindeutig die Zeichen eines typischen vor sich hingrummelnden Zwerges, der mürrisch durch die Lande zieht.
Unzweifelhaft wurde das Geschehen um die Gefährten, die Rohan unterstützen, in den Mittelpunkt des Filmes gestellt. Verständlicherweise, so kann man hier auch die atemberaubendsten Bilder inszenieren. Nur schade, dass Billy Boyd (Pippin) – der mit dem ersten „Ring“-Film sein filmisches Major-Debüt feierte – und Dominic Monaghan (Merry) – der ebenso zuvor vorwiegend auf den britischen Theaterbühnen vorzufinden war – unter dieser „Spezialisierung“ des Filmes leiden müssen. Ihre Szenen mit den Ents machen nur einen geringen Teil des Filmes aus, so dass die beiden erneut nicht ihre gesamtes schauspielerisches Potential offenbaren können und wie Randfiguren erscheinen.
Die Freunde und Feinde der Gefährten
Aber auch neben den zentralen Figuren wird Mittelerde von zahllosen Charakteren bevölkert, die hier eine kurze Erwähnung verdienen. Denn was wären die Gefährten ohne ihre Freunde, die ihnen in ausweglosen Situationen zur Seite stehen. Und auch ohne ihre zahllosen Gegenspieler wäre das Leben der Gefährten mehr als langweilig – gänzlich ohne Kämpfe, die das Adrenalin höher schlagen lassen. Sicherlich wurden so nur wenige Zuschauer den Weg ins Kino finden...
Angefangen bei den Nebenrollen sei bei Christopher Lee, der erneut als Saruman zu begutachten ist und seiner Rolle wieder die gewohnte dämonisch-böse Ader verleiht. Der achtzigjährige Brite – der seinen Weltruhm vor allem seinen legendären Auftritten als „Dracula“ in den Produktionen der Hammer-Studios verdankt – erweist sich wiederholt als perfekte Besetzung für den abtrünnigen Magier. An seiner Seite hat er mit Brad Dourif – den man (u.a.)schon in dem Filmklassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“ bestaunen konnte – als Gríma Schlangenzunge einen ebenbürtigen Untergebenen. Kriecherisch wie eine Schlange schleicht Dourif durch seine Szenen, versucht mit seinen Blicken seine Gegenspieler zu unterwandern. Großartig!
Aber auch die verbleibenden Guten in Mittelerde sind mit überaus beeindruckenden Darstellern besetzt. Bernhard Hill – der in seiner langen Karriere (u.a.) den Kapitän der „Titanic“ spielte – erscheint als Théoden unter seiner anfänglichen Maske als gebrechlicher Greis. Leise flüstert er, droht zu jedem Zeitpunkt seiner Schwäche zu erliegen. Doch nach der Austreibung des Bösen aus seinem Körper erscheint er wieder als der mächtige und stolze König. Als seine Nichte Éowyn tritt die Australierin Miranda Otto – die (u.a.) in dem Psycho-Thriller „Schatten der Wahrheit zu sehen war – auf. Mit ihrer grazilen Erscheinung passt sie zunächst nicht direkt in die verruchte Welt des Filmes. Nach und nach erkennt man jedoch, dass Éowyn das Herz einer Kämpferin hat und in der männerbetonten Welt Tolkiens (beziehungsweise Jacksons) herauszustechen scheint.
Leider verbleiben den Elben Mittelerdes im zweiten Teil der Filmtrilogie nur einige kleine Szenen. So macht doch gerade das grazile Volk der Spitzohren einen Großteil der Magie Mittelerdes aus. Um diese Nachteile jedoch auszumerzen hat Jackson erneut die Rolle Arwens – stilvoll dargeboten von Liv Tyler – im Vergleich zu der Romanvorlage ausgebaut. Sie erscheint Aragorn in einer Vision und schafft so Platz um auch die weiteren Elben Galadriel – wieder eine kühle Cate Blanchett – und Elrond – Hugo Weaving, der (u.a.) auch schon in „The Matrix“ zu sehen war – auf der Leinwand zu zeigen. Und gerade diese kurzen Momenten erfüllen den Kinosaal erneut mit einem gewissen Gefühl der Magie. Die leisen Stimmen der Elben, ihre zierliche Erscheinung, die es erneut dem Zuschauer nicht erlaubt den Blick von der Leinwand zu nehmen.
Und wenn Träume nicht wahr werden, muss mit Computern nachgeholfen werden
Verständlicherweise fiel es den Machern der „der Herr der Ringe“-Trilogie nicht leicht ihre Visionen zu visualisieren. So wurde an zahlreichen Stellen mit den Rechnerleistungen unzähliger Computer nachgeholfen, um das Mittelerde der Film-Trilogie so lebendig und realistisch wie möglich erscheinen zu lassen. Und auch in „die zwei Türme“ vollbringen die Macher erneut wahre Meisterleistungen, die sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern die Geschichte wundervoll ergänzen. Angefangen bei den monumentalen Schlachten um Helms Klamm und Isengard – die mit zahllosen computeranimierten Menschen und Orks noch erschlagender auf den Betrachter wirken – über die Darstellung der Ents – weise Baumwesen – bis hin zu den schauderhaften Ringreitern – die in „die zwei Türme“ ihre Pferde gegen Flugechsen eingetauscht haben – , hier waren wahre Meister am Werk.
Doch das größte Kunststück ist wohl unzweifelhaft die Visualisierung Gollums. Richard Taylor und seine Oscar-honorierten Mitarbeiter retouchierten nach den Dreharbeiten Andy Serkins, den Darsteller des Gollums, gänzlich aus dem Filmmaterial heraus und ersetzten diesen durch eine computeranimierte Figur. Um selbige jedoch so realistische wie möglich erscheinen zu lassen, musste Serkins die gesamten Szenen in einem verkabelten Anzug erneut einspielen. Und beim Bestaunen der einzelnen Szenen kann man sehen, welch hervorragende Trickarbeit sie hier vollbracht haben. Gollum wirkt wie ein normaler „Mensch“. Und dank einer gelungenen Charakterisierung, die sich wunderbar in den Zwiegesprächen zwischen der gespaltenen Persönlichkeit Gollums widerspiegelt, wird diese „Menschlichkeit“ noch um einiges vergrößert.
Die restlichen Tricktechniken konnte der Kinobesucher schon beim vorangegangen Teil bestaunen. Seien es die am Computer geschrumpften Hobbit-Darsteller oder die monumental-vergrößerten Schlachten. Die Neuseeländer geben sich nicht mit halben Sachen ab, alles erscheint perfekt, obwohl das kritische Auge hier und da mal das Agieren vor einem Blue-Screen erkennen kann. Aber dies soll die phantastische Arbeit der Weta-Studios in keinem Fall mindern, denn andere Mammutproduktionen haben in dieser Hinsicht schon einige Aussetzer mehr zu verbuchen gehabt.
*Waren meine Träume nicht zuvor etwas anders?
Diese Frage wird sich wohl jeder „vorgebildete“ Kinogänger nach dem Betrachten des Filmes stellen. Und auch ich muss gestehen, dass ich zahllose Veränderungen der Buchvorlage durch Peter Jackson und seine mitschreibenden Drehbuchautoren (Frances Walsh, Philippa Boyens und Stephen Sinclair) erkennen musste. Gerade zu Beginn des Filmes scheint Jackson voranzupreschen wie ein Wirbelwind. Er reißt einen großen Teil des Geschehens nur kurz an, geht nicht direkt auf die Hintergründe ein. Und um das Maß noch überzustrapazieren, dichtet er dem Werk zahllose Szenen hinzu, die selbst vor einem „Tod“ Aragorns nicht zurückschrecken.
Doch soll man dies dem neuseeländischen Filmemacher wirklich ankreiden? Hat er nicht schon vor seinem Vertragsabschluss mit den Produzenten von New Line Cinema offenbart, dass dies seine Interpretation des Buches werden würde? Und selbst wenn, sollte man nicht versuchen, das Buch – das mehr als fünfzig Jahre als unverfilmbar galt – und den Film gesondert zu betrachten? Muss man denn an allem etwas Negatives sehen? Und vor allem, sollte man bedenken, dass der Film ein Produkt ist, das auch „unwissende“ Zuschauer ansprechen soll und nicht den enormen Zeitrahmen von 179 Minuten überschreiten soll.
Ich für meinen Teil habe es erneut erfolgreich geschafft die von mir verehrte Romanvorlage auszublenden. Habe mich von den Bildern des Filmes verzaubern lassen und konnte so eine grandiose Inszenierung betrachten, die mich an mein geliebtes Buch erinnerte. Zwar hier und da einige Abweichungen aufwies, aber wer will schon werkgetreue Umsetzungen, die ohne jegliche neue Überraschungen und Ideen über die Leinwand plätschern?
Am Rande sollte ich aber vielleicht auch erwähnen, dass bei der Darstellung der Ents zwischen meiner Vorstellung und der im Film eine enorme Diskrepanz herrscht, die mich an den Rande der Verzweiflung trieb. Im Buch wurden sie kurz gesagt als lebende Bäume beschrieben und ebenso hatte ich mir selbige vorgestellt. Große imposante Bäume, die sich irgendwie auf ihren Wurzeln fortbewegen, in deren Stamm man ein Gesicht erkennen kann und vor allem mit einer klassischen Belaubung gesegnet sind. Doch wenn man sich den Film anguckt muss man wohl oder übel feststellen, dass der gute Herr Jackson eine gänzliche andere Vorstellung von den eindrucksvollen Ents hatte. Sie erscheinen grob beschrieben als in die Länge gezogener Baumstumpf, dessen unterer Teil sich in zwei Beine gabelt, auf dessen „Kopf“ sich vereinzelte Äste mit einer spärlichen Beblätterung tummeln und deren restliche Äste als Arme erscheinen. Sicherlich war ich zunächst etwas entrüstet bei der ersten Betrachtung der Ents und stand kurz davor den Film zu verteufeln. Aber dann fiel mir glücklicherweise wieder ein, dass dies die Interpretation des Herrn Jackson ist. Und ohne das besagte Vorwissen erscheinen die Ents sicherlich auch äußerst imposant als das was sie sein sollen: Baumwesen.
Fazit - A new power is rising...
Und auch bei „die zwei Türme“ kann ich als großer Verehrer Tolkiens eine uneingeschränkte Guckempfehlung aussprechen. Jackson nimmt sich zwar zahllose Freiheiten heraus, die bei einigen Liebhabern, die zwanghaft an der Buchvorlage klammern, für Verrisse sorgen werden. Aber auch hier kann ich nur sagen: Ein Buch wie „der Herr der Ringe“ kann man nicht besser auf die Leinwand bannen. Daher einfach ins Kino gehen und sich von den epochalen Schlachten und den großartigen Schauspielern verzaubern lassen.
Aber angemerkt sei, dass potentielle Kinogänger, die den ersten Teil noch nicht gesehen haben, den Fuß nur zögernd ins Kino setzen sollten. Ohne eine kurze Zusammenfassung der vorangegangenen Geschehnisse stürzt Peter Jackson in die neusten Ereignisse, was einen unwissenden Betrachter sicherlich zu zahllosen Stirnrunzeln verhelfen wird. Sicherlich findet man sich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase auch im Film zurecht und kann vor allem die abschließende Schlacht um Helms Klamm in vollen Zügen genießen, aber trotz alledem wird man das Gesamtwerk nicht richtig würdigen können und mit einigen unbeantworteten Fragen das Kino verlassen.
Wertung: 9 ringtragende Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: www.derherrderringe-film.de
Die verfasste Kritik bezieht sich auf die Kinofassung. Der Film erhält im Extended Cut die Höchstwertung!
Ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Die Geschichte geht in die zweite Runde
Mittelerde scheint dem Untergang geweiht. Die Ring-Gefährten, die mit ihrer Mission – der Zerstörung des Ringes – die letzte Hoffnung für die Menschen Mittelerdes waren, sind zerschlagen. Während Gandalf – ein mächtiger Magier – in den Minen von Moria gefallen ist, machen sich Frodo – der Ringträger – und sein treuergebner Diener Sam alleine auf den gefährlichen Weg nach Mordor. Doch schon nach wenigen Meilen der beschwerlichen Reise müssen die beiden Hobbits bemerken, dass sie nicht alleine sind. Sie werden verfolgt, verfolgt von Gollum, der immer noch seinen Schatz zurückhaben will.
Und auch die anderen beiden Hobbits Merry und Pippin haben kein leichtes Los gezogen, nachdem Boromir – ein menschlicher Gefährte – von den Orks getötet worden ist, wurden sie von den grauenhaften Orks entführt. Aber noch scheinen sie nicht gänzlich verloren. Aragorn – ein menschlicher Waldläufer –, Gimli – ein kampferprobter Zwerg – und Legolas – ein Elb – folgen ihrer Fährte, in der Hoffnung, dass sie ihrer hobbitschen Freunde lebend wiederfinden werden...
Die Reisen der gespaltenen Gefährten könnten abenteuerlicher nicht sein. Während Sam und Frodo sich zaghaft mit Gollum verbünden, umso den Weg nach Mordor zu finden, treffen Merry und Pippin in den Wäldern von Fangorn auf Baumbart – einen der letzten Ents. Und auch Aragorn und die sich langsam anfreundenden Gimli und Legolas treffen bei ihrer Suche in den Wäldern von Fangorn auf eine mächtige Person: Den weißen Magier. Doch nachdem er ihnen langsam sein wahres Gesicht offenbart, sehen sie ihren für todgeglaubten Freund Gandalf vor sich, der für seine letzte Aufgabe zurückgekehrt ist...
Vielleicht scheint sich das Glück der Menschen doch noch zu wenden, aber auch die bösen Gemüter Mittelerdes schlafen nicht. Saruman – ein Magier, der den Mächten Saurons verfallen ist – will mit seiner Armee aus Orks und den künstlich gezüchteten Uruk-Hais die Bewohner Rohans überlaufen und so die letzten aufrechten Völker Mittelerdes von Seiten Mordors und Rohans in die Zange zu nehmen. Eine erste große Schlacht steht bevor, die womöglich über das Schicksal der Menschen Mittelerdes entscheiden wird...
Mein langes Warten geht weiter
Die Nacht vom 18. auf den 19. Dezember des Jahres 2001 war in die entscheidenden Stunden vorangeschritten. Der Vorhang senkte sich über der Leinwand und ich hatte soeben den ersten Teil der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ gesehen. Schon seit meinem sechszehnten Lebensjahr wartete ich auf diesen einen Film. Den Film, der mein erklärtes Lieblingsbuch endlich auf die Leinwand bannen sollte. Ich verließ das Kino in der besagten Nacht in einem Trance-Zustand, war wie verzaubert. Meine Träume hatten den Weg auf die Kinoleinwand gefunden und nun sollte ich ein weiteres Jahr auf das Betrachten des zweiten Teiles warten. Das Leben kann in manchen Fällen ganz schön grausam sein. Eine Zeit voller Hoffnungen und schweißgebadeter Hände begann, die ich mit weiteren Besuchen des Kinofilmes und dem Kauf der DVD-Sammelbox zu verkürzen versucht hatte, doch am gestrigen Abend sollte nun mein Warten ein Ende haben...
Träume werden wahr
Die Messlatte war hochgesteckt worden. Nach dem umwerfend Erfolg des Vorgängers „Die Gefährten“ der sowohl die Herzen der Kritiker als auch die der Kinogänger im Sturm eroberte, erwartete man ein weiteres Meisterwerk von Peter Jackson. Und der dickbäuchige Neuseeländer – der zuvor vorwiegend durch seine anarchischen Splatterfilme (u.a. „Bad Taste“ und „Braindead“) die Aufmerksamkeit der Filmwelt erlangt hatte – enttäuscht seine Anhänger nicht. In monumentalen Bildern erzählt er die Geschichte weiter.
Wieder möchte man am liebsten in die Bilder eintauchen, möchte durch die weiten Landschaften Mittelerdes streifen und mit deren sagenumwobenen Einwohner plaudern. Möchte seine Hände ausstrecken, um Baumbart und seine Freunde zu berühren. Zwar verdüstert sich langsam der Himmel über Mittelerde und dank einiger Schlachten sind die Landschaften verwüstet, aber noch immer übt Mittelerde einen derartigen Zauber aus, dass man aus dem Schwelgen nicht mehr herauskommt.
Wenn zum grandiosen Abschluss dann die monumentale Schlacht um Helms Klamm ansteht – die den Zuschauer mit all ihren grandiosen Kampfesszenen, mit den umhersurrenden Pfeilen und den klirrenden Schwertern mit offenem Munde im Kinosessel erstarren lässt – weiß man spätestens, dass erneut die Träume Beine bekommen haben. Um diese Träume jedoch noch lebhafter und größer erscheinen zu lassen, hat Howard Shore erneut eine musikalische Untermalung komponiert, die sich perfekt den Bildern unterordnet. Sie erscheint dem Zuschauer zu keinem Zeitpunkt als zu aufdringlich, ergänzt die Szenen lediglich mit ihrer Dynamik und ihrem epochalen „Erscheinungsbild“.
Der Mann mit den Fäden in den Händen
Peter Jackson war für die meisten Kinogänger bis zum vergangenen September ein unbeschriebenes Blatt. Zumeist wurde man verwundert angeguckt, wenn man sein Name erwähnte. „Was in Neuseeland werden auch Filme gedreht?“ Doch alle „Ignoranten“ wurden mit „die Gefährten“ eines besseren belehrt. Der Hollywood-Verweigerer Jackson weiß den Zuschauer gefangen zu nehmen, ohne hierbei ein übertriebenes Feuerwerk an offensichtlichen Special-effects zu zünden. Er verlässt sich auf die überwältigende Buchvorlage von John Ronald Reuel Tolkien und lässt den Betrachter in jedem Moment seine Liebe zu Tolkiens Universum spüren. Mit seinem gesamten Herzblut inszeniert er seinen Traum von „der Herr der Ringe“ und vollbringt so eine der besten Regieleistungen der letzten Jahre, die hoffentlich im nächsten Jahr mit dem höchstverdienten Oscar honoriert wird. Wer bei einem derartigen Mammutprojekt die Kontrolle behält ist einfach der beste Regisseur eines gesamten Jahres!
Die Gefährten
Die Besetzung der einzelnen Gefährten hat sich glücklicherweise nicht verändert. Wie auch, drehte Peter Jackson sein Epos doch in einem Atemzug von ein einhalb Jahren und konnte so dauerhaft auf seine Akteure zurückgreifen. Unzweifelhaft ein riskanter Schachzug, der sich aber durch die phantastisch aufspielenden Darsteller mehr als rechtfertigte.
Elijah Wood, der nach seinem ersten Auftreten als Ringträger endlich den verdienten Medienruhm einheimsen konnte, verkörpert wundervoll ausdrucksstark den Hobbit Frodo. Langsam aber sicher wächst der junge Akteur in die Rolle hinein und kann auch mich als zunächst kritischen Betrachter überzeugen. Doch auch in „die zwei Türme“ muss Wood im Vergleich mit Sean Astin (Samweis Gamdschie) den Kürzeren ziehen. Astin spielt mit Leib und Seele den herzensguten Gärtner auf Reisen. Sagt mit seinen Blicken teilweise mehr als manch anderer Akteur in seiner gesamten Darbietung. Dankenswerterweise wurde die Rolle Astins im zweiten Teil der Filmtrilogie ausgebaut, ging er in „die Gefährten“ noch in der Masse unter, kann Sam nun seine ganze Ehrerbietung und Freundschaft gegenüber seinem Herrn Frodo offenbaren.
Mein unangefochtene Liebling wird jedoch auf immer und ewig Sir Ian McKellen bleiben. Mit jedem seiner Schritte auf der Leinwand ist er die perfekte Reinkarnation eines weisen Magiers, mit jedem Atemzug ist man sich sicher, dass es keine bessere Wahl für die Figur des Gandalfs geben könnte. Leider muss der gandalf-verehrende Zuschauer in „die zwei Türme“ feststellen, dass die Auftritt des herzensguten Magiers noch rarer gesät sind als schon im vorangegangenen Teil. Dafür sind diese wenigen Momente jedoch mit einer derartigen Magie versehen, dass man seine Augen nicht von der Leinwand nehmen kann.
Allein das erste Auftreten McKellens als Gandalf, der Weiße ist derartig ausdrucksstark, dass es unzweifelhaft der größte Augenblick des gesamten Filmes ist. Welch ein wundervoller Gesichtsausdruck! Ein Gesichtsausdruck, der wahrlich Bände spricht und Gandalf den menschlichen Charme eines liebenswerten Großvaters verleiht.
Und auch der Däne Viggo Mortensen brilliert erneut in seiner Rolle als Aragorn. Verkörperte er zu Beginn „der Gefährten“ noch eine zwielichtige Figur, deren genau Absichten man sich nicht erschließen konnte, wandelt er sich immer mehr zum strahlenden Held, der sein Leben für den Sieg des Guten geben würde. An seiner Seite bekommen nun Gimli – dargestellt von John Rhys-Davies (u.a. „Die vergessene Welt“) – und Legolas – dargeboten von Orlando Bloom (u.a. „Black Hawk down“) – vermehrt Sendezeit. Langsam kann man ihre sich entwickelnde Freundschaft erkennen und wenn sie in der Schlacht um Helms Klamm nebeneinander kämpfen und sich versuchen gegenseitig zu übertrumpfen, ist dies einfach wundervoll „menschlich“ und warmherzig. Sicherlich, einige werden sich ärgern, dass Gimli mit einigen seiner Kommentare auf den Spuren eines Komikers wandelt, aber für meienn Geschmack sind dies eindeutig die Zeichen eines typischen vor sich hingrummelnden Zwerges, der mürrisch durch die Lande zieht.
Unzweifelhaft wurde das Geschehen um die Gefährten, die Rohan unterstützen, in den Mittelpunkt des Filmes gestellt. Verständlicherweise, so kann man hier auch die atemberaubendsten Bilder inszenieren. Nur schade, dass Billy Boyd (Pippin) – der mit dem ersten „Ring“-Film sein filmisches Major-Debüt feierte – und Dominic Monaghan (Merry) – der ebenso zuvor vorwiegend auf den britischen Theaterbühnen vorzufinden war – unter dieser „Spezialisierung“ des Filmes leiden müssen. Ihre Szenen mit den Ents machen nur einen geringen Teil des Filmes aus, so dass die beiden erneut nicht ihre gesamtes schauspielerisches Potential offenbaren können und wie Randfiguren erscheinen.
Die Freunde und Feinde der Gefährten
Aber auch neben den zentralen Figuren wird Mittelerde von zahllosen Charakteren bevölkert, die hier eine kurze Erwähnung verdienen. Denn was wären die Gefährten ohne ihre Freunde, die ihnen in ausweglosen Situationen zur Seite stehen. Und auch ohne ihre zahllosen Gegenspieler wäre das Leben der Gefährten mehr als langweilig – gänzlich ohne Kämpfe, die das Adrenalin höher schlagen lassen. Sicherlich wurden so nur wenige Zuschauer den Weg ins Kino finden...
Angefangen bei den Nebenrollen sei bei Christopher Lee, der erneut als Saruman zu begutachten ist und seiner Rolle wieder die gewohnte dämonisch-böse Ader verleiht. Der achtzigjährige Brite – der seinen Weltruhm vor allem seinen legendären Auftritten als „Dracula“ in den Produktionen der Hammer-Studios verdankt – erweist sich wiederholt als perfekte Besetzung für den abtrünnigen Magier. An seiner Seite hat er mit Brad Dourif – den man (u.a.)schon in dem Filmklassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“ bestaunen konnte – als Gríma Schlangenzunge einen ebenbürtigen Untergebenen. Kriecherisch wie eine Schlange schleicht Dourif durch seine Szenen, versucht mit seinen Blicken seine Gegenspieler zu unterwandern. Großartig!
Aber auch die verbleibenden Guten in Mittelerde sind mit überaus beeindruckenden Darstellern besetzt. Bernhard Hill – der in seiner langen Karriere (u.a.) den Kapitän der „Titanic“ spielte – erscheint als Théoden unter seiner anfänglichen Maske als gebrechlicher Greis. Leise flüstert er, droht zu jedem Zeitpunkt seiner Schwäche zu erliegen. Doch nach der Austreibung des Bösen aus seinem Körper erscheint er wieder als der mächtige und stolze König. Als seine Nichte Éowyn tritt die Australierin Miranda Otto – die (u.a.) in dem Psycho-Thriller „Schatten der Wahrheit zu sehen war – auf. Mit ihrer grazilen Erscheinung passt sie zunächst nicht direkt in die verruchte Welt des Filmes. Nach und nach erkennt man jedoch, dass Éowyn das Herz einer Kämpferin hat und in der männerbetonten Welt Tolkiens (beziehungsweise Jacksons) herauszustechen scheint.
Leider verbleiben den Elben Mittelerdes im zweiten Teil der Filmtrilogie nur einige kleine Szenen. So macht doch gerade das grazile Volk der Spitzohren einen Großteil der Magie Mittelerdes aus. Um diese Nachteile jedoch auszumerzen hat Jackson erneut die Rolle Arwens – stilvoll dargeboten von Liv Tyler – im Vergleich zu der Romanvorlage ausgebaut. Sie erscheint Aragorn in einer Vision und schafft so Platz um auch die weiteren Elben Galadriel – wieder eine kühle Cate Blanchett – und Elrond – Hugo Weaving, der (u.a.) auch schon in „The Matrix“ zu sehen war – auf der Leinwand zu zeigen. Und gerade diese kurzen Momenten erfüllen den Kinosaal erneut mit einem gewissen Gefühl der Magie. Die leisen Stimmen der Elben, ihre zierliche Erscheinung, die es erneut dem Zuschauer nicht erlaubt den Blick von der Leinwand zu nehmen.
Und wenn Träume nicht wahr werden, muss mit Computern nachgeholfen werden
Verständlicherweise fiel es den Machern der „der Herr der Ringe“-Trilogie nicht leicht ihre Visionen zu visualisieren. So wurde an zahlreichen Stellen mit den Rechnerleistungen unzähliger Computer nachgeholfen, um das Mittelerde der Film-Trilogie so lebendig und realistisch wie möglich erscheinen zu lassen. Und auch in „die zwei Türme“ vollbringen die Macher erneut wahre Meisterleistungen, die sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern die Geschichte wundervoll ergänzen. Angefangen bei den monumentalen Schlachten um Helms Klamm und Isengard – die mit zahllosen computeranimierten Menschen und Orks noch erschlagender auf den Betrachter wirken – über die Darstellung der Ents – weise Baumwesen – bis hin zu den schauderhaften Ringreitern – die in „die zwei Türme“ ihre Pferde gegen Flugechsen eingetauscht haben – , hier waren wahre Meister am Werk.
Doch das größte Kunststück ist wohl unzweifelhaft die Visualisierung Gollums. Richard Taylor und seine Oscar-honorierten Mitarbeiter retouchierten nach den Dreharbeiten Andy Serkins, den Darsteller des Gollums, gänzlich aus dem Filmmaterial heraus und ersetzten diesen durch eine computeranimierte Figur. Um selbige jedoch so realistische wie möglich erscheinen zu lassen, musste Serkins die gesamten Szenen in einem verkabelten Anzug erneut einspielen. Und beim Bestaunen der einzelnen Szenen kann man sehen, welch hervorragende Trickarbeit sie hier vollbracht haben. Gollum wirkt wie ein normaler „Mensch“. Und dank einer gelungenen Charakterisierung, die sich wunderbar in den Zwiegesprächen zwischen der gespaltenen Persönlichkeit Gollums widerspiegelt, wird diese „Menschlichkeit“ noch um einiges vergrößert.
Die restlichen Tricktechniken konnte der Kinobesucher schon beim vorangegangen Teil bestaunen. Seien es die am Computer geschrumpften Hobbit-Darsteller oder die monumental-vergrößerten Schlachten. Die Neuseeländer geben sich nicht mit halben Sachen ab, alles erscheint perfekt, obwohl das kritische Auge hier und da mal das Agieren vor einem Blue-Screen erkennen kann. Aber dies soll die phantastische Arbeit der Weta-Studios in keinem Fall mindern, denn andere Mammutproduktionen haben in dieser Hinsicht schon einige Aussetzer mehr zu verbuchen gehabt.
*Waren meine Träume nicht zuvor etwas anders?
Diese Frage wird sich wohl jeder „vorgebildete“ Kinogänger nach dem Betrachten des Filmes stellen. Und auch ich muss gestehen, dass ich zahllose Veränderungen der Buchvorlage durch Peter Jackson und seine mitschreibenden Drehbuchautoren (Frances Walsh, Philippa Boyens und Stephen Sinclair) erkennen musste. Gerade zu Beginn des Filmes scheint Jackson voranzupreschen wie ein Wirbelwind. Er reißt einen großen Teil des Geschehens nur kurz an, geht nicht direkt auf die Hintergründe ein. Und um das Maß noch überzustrapazieren, dichtet er dem Werk zahllose Szenen hinzu, die selbst vor einem „Tod“ Aragorns nicht zurückschrecken.
Doch soll man dies dem neuseeländischen Filmemacher wirklich ankreiden? Hat er nicht schon vor seinem Vertragsabschluss mit den Produzenten von New Line Cinema offenbart, dass dies seine Interpretation des Buches werden würde? Und selbst wenn, sollte man nicht versuchen, das Buch – das mehr als fünfzig Jahre als unverfilmbar galt – und den Film gesondert zu betrachten? Muss man denn an allem etwas Negatives sehen? Und vor allem, sollte man bedenken, dass der Film ein Produkt ist, das auch „unwissende“ Zuschauer ansprechen soll und nicht den enormen Zeitrahmen von 179 Minuten überschreiten soll.
Ich für meinen Teil habe es erneut erfolgreich geschafft die von mir verehrte Romanvorlage auszublenden. Habe mich von den Bildern des Filmes verzaubern lassen und konnte so eine grandiose Inszenierung betrachten, die mich an mein geliebtes Buch erinnerte. Zwar hier und da einige Abweichungen aufwies, aber wer will schon werkgetreue Umsetzungen, die ohne jegliche neue Überraschungen und Ideen über die Leinwand plätschern?
Am Rande sollte ich aber vielleicht auch erwähnen, dass bei der Darstellung der Ents zwischen meiner Vorstellung und der im Film eine enorme Diskrepanz herrscht, die mich an den Rande der Verzweiflung trieb. Im Buch wurden sie kurz gesagt als lebende Bäume beschrieben und ebenso hatte ich mir selbige vorgestellt. Große imposante Bäume, die sich irgendwie auf ihren Wurzeln fortbewegen, in deren Stamm man ein Gesicht erkennen kann und vor allem mit einer klassischen Belaubung gesegnet sind. Doch wenn man sich den Film anguckt muss man wohl oder übel feststellen, dass der gute Herr Jackson eine gänzliche andere Vorstellung von den eindrucksvollen Ents hatte. Sie erscheinen grob beschrieben als in die Länge gezogener Baumstumpf, dessen unterer Teil sich in zwei Beine gabelt, auf dessen „Kopf“ sich vereinzelte Äste mit einer spärlichen Beblätterung tummeln und deren restliche Äste als Arme erscheinen. Sicherlich war ich zunächst etwas entrüstet bei der ersten Betrachtung der Ents und stand kurz davor den Film zu verteufeln. Aber dann fiel mir glücklicherweise wieder ein, dass dies die Interpretation des Herrn Jackson ist. Und ohne das besagte Vorwissen erscheinen die Ents sicherlich auch äußerst imposant als das was sie sein sollen: Baumwesen.
Fazit - A new power is rising...
Und auch bei „die zwei Türme“ kann ich als großer Verehrer Tolkiens eine uneingeschränkte Guckempfehlung aussprechen. Jackson nimmt sich zwar zahllose Freiheiten heraus, die bei einigen Liebhabern, die zwanghaft an der Buchvorlage klammern, für Verrisse sorgen werden. Aber auch hier kann ich nur sagen: Ein Buch wie „der Herr der Ringe“ kann man nicht besser auf die Leinwand bannen. Daher einfach ins Kino gehen und sich von den epochalen Schlachten und den großartigen Schauspielern verzaubern lassen.
Aber angemerkt sei, dass potentielle Kinogänger, die den ersten Teil noch nicht gesehen haben, den Fuß nur zögernd ins Kino setzen sollten. Ohne eine kurze Zusammenfassung der vorangegangenen Geschehnisse stürzt Peter Jackson in die neusten Ereignisse, was einen unwissenden Betrachter sicherlich zu zahllosen Stirnrunzeln verhelfen wird. Sicherlich findet man sich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase auch im Film zurecht und kann vor allem die abschließende Schlacht um Helms Klamm in vollen Zügen genießen, aber trotz alledem wird man das Gesamtwerk nicht richtig würdigen können und mit einigen unbeantworteten Fragen das Kino verlassen.
Wertung: 9 ringtragende Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: www.derherrderringe-film.de
Die verfasste Kritik bezieht sich auf die Kinofassung. Der Film erhält im Extended Cut die Höchstwertung!
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