Der Herr der Ringe - Die zwei Türme (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Klops

KANN MAN SO TOLKIENS WERK GERECHT WERDEN?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

1.Einleitung

Ganz genau am 23.12.2002 war es also endlich soweit: Ich war im Kino und haben mir den zweiten Teil der Herr der Ringe Saga angesehen, der den Untertitel „Die zwei Türme“ trägt. Der erste Teil, den ich fast auf den Tag genau ein Jahr davor sah, konnte mich schon vollends überzeugen und inzwischen habe ich auch alle Bücher gelesen, umso gespannter war ich also auf Teil 2, welcher von der Buchvorlage her normalerweise mit einigen wichtigen und spannenden Ereignissen aufwarten müsste.

2.Die Vorgeschichte

In grauer Vorzeit wurden Ringe für die Menschen, die Elben und die Zwerge geschmiedet, aber Sauron, der dunkle Herrscher von Mordor, schmiedete einen Ring, der alle anderen beherrschte und mit dem er die Welt beherrschen konnte. Isildur konnte ihm den Ring entwenden, allerdings wurde der Ring nicht zerstört und so konnte Sauron weiterexistieren. Eines Tages fand ein Mensch namens Smeagol den Ring, der ihn viele Jahrhunderte behielt und durch ihn verdorben und somit zum Wesen Gollum wurde. Durch einen Zufall gelangte der Ring in die Hände des Hobbits Bilbo Beutlin. Hier setzt der erste Film ein.

Bilbo vererbt den Ring seinem Neffen Frodo. Kurze Zeit später merkt Gandalf der Graue, ein weiser Zauberer, dass es der eine Ring ist, der alles andere beherrschen kann. Sauron hat bereits seine Fühler nach dem Ring ausgestreckt und hat seine Späher ausgeschickt. Frodo macht sich auf nach Bruchtal, wo eine neunköpfige Gemeinschaft gebildet wird, die den Ring nach Mordor bringen und dort in den Flammen des Schicksalsberges zerstören soll. Frodo meldet sich freiwillig als Ringträger, allerdings misslingt dieser Auftrag: Gandalf stirbt in den Minen Morias, Boromir, der Sohn des Herrschers von Gondor wird getötet, Merry und Pippin, die beiden Hobbits, werden von Orks verschleppt. Ihre Fährte nehmen der Zwerg Gimli, der Elb Legolas und der Erbe Isildurs, Aragorn auf. Frodo, der Ringträger hat sich zusammen mit seinem treuen Diener Sam Gamdschie nach Mordor aufgemacht. Mit dem Zauberer Saruman von Isengart hat Sauron einen starken Verbündeten. Für den Kontinent Mittelerde und dessen Bewohner steht eine düstere Zeit bevor.

3.Die zwei Türme

Aragorn, Legolas und Gimli nehmen die Fährte von Merry und Pippin auf, kommen den Orks, welche die beiden Hobbits nach Isengart bringen wollen allerdings nicht hinterher. Auf ihrem Weg durchstreifen die drei Verfolger Rohan, das Land der Reiter, wo sie erfahren, dass die Orkbande getötet und verbrannt wurde. Die drei haben wenig Hoffnung, finden dann aber heraus, dass Merry und Pippin in den alten Wald Fangorn fliehen konnten. Im Wald treffen Legolas, Aragorn und Gimli auf Gandalf, der als Gandalf der Weisse wiedergeboren wurde. Zu viert suchen sie Theoden, den König von Rohan, auf, welcher von Schlangenzunge, einem Diener Sarumans, gedanklich vergiftet wird. Gandalf schafft es, Theoden von diesem Fluch zu befreien, sodass er endlich die Gefahr für sein Land erkennt. Rohan ist beinahe schutzlos und Saruman hat schon einen Angriff auf Edoras, die Hauptstadt Rohans geplant. Theoden beschließt nach Helms Klamm zu fliehen, während Gandalf versucht den vorher ausgestoßenen Eomer und seine Reiter zurückzuholen. Als Saruman von diesem Plan erfährt, schickt er ein riesiges Heer nach Helms Klamm um Rohan niederzuwerfen, eine riesige Schlacht entbrennt.

Merry und Pippin sind im Wald auf Baumbart, einen Ent getroffen. Die Ents sind eine schon fast vergessene Rasse, die als Schäfer des Waldes bezeichnet werden und selber aussehen wie Bäume. Merry und Pippin versuchen den Widerstand und die Hilfe der Ents zu wecken um einen Angriff auf Isengart zu starten.

Frodo und Sam treffen in einem großen Gebirge auf Gollum, der unbedingt den Ring, seinen Schatz, zurückhaben will. Nachdem sie ihn überwältigen können, schwört er ihnen die Treue und will sie zum Tor von Mordor bringen. Dieses Vorhaben gelingt auch, aber am Tor ist kein Durchkommen möglich. Zum Glück kennt Gollum noch einen zweiten Weg nach Mordor, welchen Frodo, Sam und Gollum auch einschlagen. Auf diesem Weg werden die drei ergriffen und lernen Faramir, Boromirs Bruder kennen, welcher sie vorerst festnimmt und den Ring für sich und Gondor beansprucht.

4.Meine Meinung

Zuallererst möchte ich erst mal Peter Jackson loben, dass er nicht vollkommen an der Handlung des Buches klebt, sondern sich ein bisschen davon entfernt, eigene Ideen und Interpretationen in seinen Film hereinbringt, sich aber trotzdem nicht meilenweit vom Inhalt des Buches entfernt. Teilweise sind es nur kleine Abänderungen, die schon beinahe als Ungenauigkeiten abgetan werden könnten, teilweise aber auch neue Zweige, so zum Beispiel die Trennung Aragorns von den Reitern Rohans auf dem Weg zu Helms Klamm. Auch die Gefangennahme von Frodo und Sam ist im Buch nur ansatzweise vorhanden, die beiden werden schnell wieder freigelassen, im Film werden die beiden noch nach Osgiliath mitgenommen und werden dann erst freigelassen. Das Verhältnis ist im Film eher schlecht, wirkt es im Buch hingegen schon fast freundschaftlich, aber ich finde es wie gesagt, recht gut, dass sich Jackson ein bisschen vom Buch getrennt hat und nicht stur alles wiedergibt, was Tolkien geschrieben hat.

Vergleiche zwischen Buch und Film sind eigentlich nie gut und Tolkiens Werk ist auch mit 9 Stunden Film nicht gerecht zu werden, dafür ist es einfach zu umfangreich. Auch hier sieht man wieder ein großes Problem: Die Zeitabstände und Wanderungen wirken viel zu kurz, trotzdem ist es filmisch nicht anders zu lösen, wenn man noch in einem angemessenen Zeitrahmen bleiben will.

Die meisten Charaktere sind sehr gut dargestellt und bringen ihre „Vorbilder“ aus den Büchern sehr gut auf die Leinwand, allerdings muss ich eine Ausnahme machen: Faramir wirkt in den Büchern sehr reif, sogar ein bisschen weise, während er im Film einen habgierigen, ein bisschen selbstverliebten Eindruck macht. Aus meiner Sicht sollten die Charaktere schon ungefähr mit ihren Facetten und Eigenschaften so bestehen bleiben, wie sie in der Vorlage sind. Daher finde ich es auch nicht so gut, dass Gimli, der Zwerg ein bisschen zur Witzfigur gemacht wird: Einmal stürzt er vom Pferd, dann wiederum kann er nicht über die Mauer sehen. Besonders letzteres finde ich genau vor der Schlacht um Helms Klamm unpassend, da so ein bisschen die Ernsthaftigkeit vor dieser wichtigen Schlacht verloren geht. Die anderen Charaktere sind wirklich sehr gut dargestellt, Aragorn zeigt sich tapfer und edel, aber eben auch freundschaftlich, während Sam sich sehr um seinen Herren Frodo sorgt und sich ihm völlig unterordnet.

Sehr herauszuheben sind natürlich auch die tollen Animationen und Special Effects. Als erstes fällt dem Zuschauer natürlich Gollum auf, der wirklich toll aussieht und fast schon perfekt gestaltet ist. Zudem stellt Gollum einen der wahrscheinlich interessantesten Charaktere dar. Dieses Wesen führt ständig einen inneren Konflikt: Auf der einen Seite ist da der durchtriebene Gollum, der es nur auf den Ring, seinen Schatz abgesehen hat, und dann ist da wieder der zerbrechliche, weinerliche, menschliche Smeagol, der Frodo als Freund und Beschützer ansieht. Smeagol scheint im Laufe des Filmes zu siegen, wird dann aber doch erdrückt, weil er enttäuscht und hintergangen wird, zumindest scheint es für ihn so. Diese Wandlung während des Filmes ist toll zu beobachten und in einem Selbstgespräch von Gollum sieht man diesen inneren Konflikt, diese Last, die Gollum immer noch trägt. Sehr interessant sind auch die Parallelen zwischen Frodo und Gollum, die sich langsam und in Ansätzen aufzeigen. Auch Frodo hängt schon sehr an dem Ring, will ihn nicht wieder hergeben und ist bereit jeden zu töten, der dem Ring zu nahe kommt. Zudem vollzieht Frodo hier den Wandel des naiven Jungen, der blauäugig durch die Welt läuft, zum gezeichneten, echten Mann, der die Gefahr sieht und merkt was für eine Last er sich selbst auferlegt hat. Dieser Wandel ist anfangs nur unterschwellig festzustellen, zeigt sich später aber umso deutlicher.

Eine große Animationsarbeit waren auch die riesigen Ents, die lange von der restlichen Welt abgeschnitten waren. Diese sehen aus meiner Sicht sehr gut aus, allerdings wirkt ihr Gang etwas sehr staksig, wahrscheinlich ist das aber auch so geplant, denn ein geschmeidiger Gang wäre diesen Wesen wohl kaum zuzutrauen. Auch die tollen Special Effects sind ansonsten wieder hervorzuheben. Wann immer es eine Explosion, eine Schlacht oder auch nur einen kleinen Kampf gibt, alles sieht fantastisch aus. Man betrachte alleine die riesigen Wesen an Mordors Tor, die das selbige aufmachen oder an die Schlacht um Helms Klamm, welche einen der Höhepunkte des Filmes darstellt. Dieses riesige Heer von Orks, welches auf die Festung zumarschiert ist toll anzusehen und wirkt richtig furchteinflössend. Der Angriff auf Helms Klamm und die ganze Schlacht ist dann sowieso nur noch faszinierend. Die Kämpfe sind einfach toll und haben viele Facetten. Die Stimmung der Burginsassen schwankt ständig. Anfangs ist die Überraschung über die Schwäche von Sarumans Heer vorhanden, die sich dann in Niedergeschlagenheit umwandelt, als der richtige Angriff folgt und die Orks die Übermacht gewinnen. Erst als die Kämpfer wieder aufgemuntert und motiviert werden von Aragorn und ihrem König Theoden, schöpfen sie wieder Mut und ziehen in den Kampf.

Die Orks sehen wirklich faszinierend und erschreckend zugleich aus. Diese scheinbar nicht sehr intelligenten Wesen kämpfen bis zum Schluss und geben nie auf, sind aber auch in der Lage sich gegenseitig zu zerfleischen und da liegt ihre große Schwäche und der wohl größte Fehler: Ihnen fehlt der Zusammenhalt, sie kämpfen nicht zusammen und keiner stirbt für den anderen, wo der große Vorteil der Menschen liegt.

Sogar in dem Film, der keinen Bezug zur Realität hat, sondern ein Film für sich ist, der die Menschen einfach verzaubern soll, gibt es eine große Parallele, die auch in der Realität zum Verderben führen kann: nämlich der Wille nach Macht. Meistens ist es so, dass der größte Hass entbrennt und Menschen bereit sind, alles für die Macht zu tun. Zudem ist zu beobachten, dass jeder seine Anhänger hat, die als Marionetten missbraucht werden, ohne dass diese es merken. Saruman sieht sich als Verbündeten Saurons, dabei wird er nur benutzt, um Mittelerde schneller zu unterjochen und zu besiegen. Ähnlich ist es mit Schlangenzunge, der jeden Befehl Sarumans ausführt, aber dennoch nur benutzt wird und in Sarumans Augen nichts wert ist.

Bei den Schauspielern möchte ich als erstes Elijah Wood nennen, der Frodo verkörpert. Dieser hat zwar nicht die größte Rolle in „Die zwei Türme“, hat aber insgesamt die größte Bedeutung für die Geschichte. Elijah Wood spielt die Rolle des Frodo wirklich toll, besonders der Wandel des naiven Jungen zum echten Mann, der auch die negativen Seiten der Welt sieht, hat mir sehr gefallen. Seine Last wird immer schwerer und man merkt die ersten Veränderungen an seiner Person, welche sehr glaubhaft und gut dargestellt werden. Auch die Verspieltheit und Leichtigkeit verfliegt, es fällt Frodo immer schwerer zu lachen. Das Gegenteil hiervon ist wohl Sam, der durch Sean Astin dargestellt wird. Sam findet auch den schlechtesten Situationen etwas gutes ab und kann Frodo zumindest manchmal erheitern. Sam würde alles für Frodo tun und stellt sich jedem in den Weg, der gegen Frodo ist. Astin verkörpert diese Rolle wirklich gut und glaubhaft und weiß auf jeden Fall zu überzeugen.

Ian McKellen, der Gandalf spielt, kann auch in „Die zwei Türme“, wieder seine Väterlichkeit und Fürsorge zum Ausdruck bringen und weiß damit jeden Zuschauer zu berühren. Allerdings kann er auch anders sein, seine harte Seite zeigen und sich durchsetzen, wenn er meint es wäre das beste. Er wandelt sich von Gandalf dem Grauen zu Gandalf dem Weissen und wird zu einer echten Lichtgestalt, die von jedem bewundert wird. Ian McKellen spielt seine Rolle einzigartig und hat aus meiner Sicht leider viel zu wenig Szenen, in denen er sein Können unter Beweis stellen kann.

Aragorn, der von Viggo Mortensen verkörpert wird, zeigt vor allem seine Tugendhaftigkeit und sein Ehrgefühl, allerdings ist er dabei nicht unantastbar, sondern entwickelt auch eine gute Freundschaft zu Gimli und Legolas. Ich muss Mortensen ein großes Kompliment aussprechen, denn er spielt seine Rolle sehr überzeugend. Das gleiche gilt für Orlando Bloom in der Rolle von Legolas, der die Reinheit, Treue und Ehrlichkeit der Elben sehr gut darstellt. Nicht so gut fand ich hingegen John Rhys-Davies, der Gimli spielt, was nicht mal an seinen schauspielerischen Fähigkeiten liegt, sondern vielmehr daran, dass seine Figur ein bisschen lächerlich gemacht wird, was so gar nicht passen will. Auch die Synchronstimme fand ich nicht sehr glücklich gewählt.

Überzeugend waren hingegen die Rollen von Dominic Monaghan und Billy Boyd, welche Merry und Pippin darstellen. Die beiden machen ihre Rolle gut und stellen die Flucht vor den Orks und die Begegnung mit Baumbart sehr gut dar. Anfangs haben sie Angst vor Baumbart, trotzdem bleibt ihr freches Mundwerk erhalten und sie zeigen auch großen Mut und Willen, die Ents zum Widerstand gegen Saruman zu bewegen.

Auch die übrigen Schauspieler wissen zu überzeugen, alle spielen sehr gut und überzeugend, kaum ein Statist wirkt fehl am Platze und wirklich alle machen einen guten Job.

5.Fazit

In den knapp 3 Stunden des Filmes habe ich mich nie gelangweilt. Der Film ist durchweg spannend, wartet mit tollen Schauspielern, interessanten Charakteren und grandiosen Special Effects und Schlachten auf. Über die minimalen Schwächen kann ich hinweg sehen, sodass ich hier eine klare 1 und eine Empfehlung vergebe.

Danke für das Lesen meines Berichtes. Über Kommentare und Gästebucheinträge freue ich mich immer.

Gruss, euer Stefan (Klops).

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