Die fabelhafte Welt der Amélie (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von HaloB

Merci, Amélie !

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Berichte waren vielversprechend - über 7 Millionen Kinobesucher in Frankreich, phantasierende französische Teenager, die begeistert die Originalschauplätze des Filmes in Paris besuchten und bei denen die süße Amélie binnen kürzester Zeit eine ähnliche Begeisterung hervorruft wie hierzulande Harry Potter. Ein weiterer europäischer Film, der durch Ideen und liebevolle Erzähltechnik den Charme versprüht, den wohl niemals eine überzüchtete Hollywood-Produktion erreichen wird. Malerische Bilder aus einer der schönsten Städte weltweit, untrennbar verbunden mit ihrem Ruf der Stadt der Liebe .. Paris ist wohl die schönste Stadt, in der ein Film wie \"Die fabelhafte Welt der Amélie\" spielen kann.

Nicht zuletzte die Aussicht auf einen weiteren Streifen aus der \"alten Welt\", der durch phantasiereiche Ideen und der Liebe zum Detail besticht und direkt ins Herz der offenen Kinobesucher zielt - all das hat mich bewogen, Amélies kleine Abenteuer live mitzuerleben.
Eines vorab: Ich habe den Kinoabend genossen wie schon lange nicht mehr, und bin nur ungern aus der Traumwelt der unglaublich hübschen Amélie entlassen worden. Mit Lust auf mehr. Mit der Hoffnung, ein kleines Stück dieser Welt mit in meinen eigenen Alltag zu nehmen. Mit dem Glauben an einen Traum, der abseits unserer schnellen, materiellen Welt einen Anker bedeutet und den Blick auf die wesentlichen Details des Lebens richtet.

Merci, Amélie!



Die Handlung
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Die kleine Amélie (Audrey Tautou) wird 1974 in Paris geboren, Kind von recht kühlen Eltern, die dem phantasiereichen Mädchen niemals gerecht werden können. Die vermisste Wärme ihrer Eltern und der frühe, tragikomische Tod der Mutter bewegt Amélie schon sehr früh, sich in ihre eigene Traumwelt zu flüchten und eigene Erklärungen für die kleinen Rätsel den Lebens zu suchen.

Endlich erwachsen landet Amélie als Bedienung in einem Pariser Bistro. Von schrulligen und menschelnden Charakteren umgeben lebt Amélie weiterhin sehr einsam und in ihrer kleinen Phantasiewelt, bis sich die Geschichte wendet. In ihrem Appartment gut versteckt findet sich eine Dose aus den 50er Jahren, in denen sich Gegenstände eines kleinen Jungen befinden. Sie beschließt, den mittlerweile erwachsenen Besitzer aufzufinden und mit seinen verschollenen Gegenständen zu beglücken.
Falls dieser gerührt sein sollte, so beschließt sie, sich auch fortan \"in das Leben der anderen Menschen einzumischen\". Falls nicht, \"haben sie Pech gehabt\".

Ohne Details zu nennen (die muß man sich unbedingt selbst ansehen, daher möchte ich sie nicht verraten) beginnt an dieser Stelle ein Feuerwerk an humorvollen, romantischen und haarsträubend abgedrehten Einfällen, in deren Mittelpunkt sich Amélie stets als verträumt gebliebene junge Frau steht. Teilweise liebevoll und augenzwinkernd, stellenweise mit slapstikartigen Turbulenzen und punktuell mit tiefschwarzem Humor erzählt begleitet man Amélie durch ihre Welt und erhascht sprichwörtlich einen Blick in ihr großes Herz. Man verliebt sich sofort in die riesigen, kindlichen Augen der wunderschönen Hauptdarstellerin, die mit Audrey Tautou wohl perfekt besetzt ist.

Amélie wird zum Schutzengel ihrer Umwelt und agiert selbstlos als Schmiedin des Glückes anderer und als gute Fee ihrer Mitmenschen, die sie manchmal zu ihrem Lebensglück regelrecht zwingen muß. Während sie dies mit unnachahmlichen Einfällen und einer ausgeprägten Phantasie so tut, wandelt sie stets auf dieser dünnen Linie zwischen dem Lachen und dem gerührten Weinen der Zuschauer. Bis sie sich schließlich selbst in diesen geheimnisvollen jungen Mann verliebt, der täglich zerrissene Bilder aus einem Passbildautomaten aufsammelt und in ein Fotoalbum klebt.



Meine Meinung
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Bei nachträglicher Betrachtung des Films überrascht mich die Freigabe des Filmes für Kinder ab 6 Jahren ein wenig. Weniger allerdings, weil manche Szenen des Filmes nicht jugendfrei wären. Vielmehr wird sich einem Kind diesen Alters die Philosophie des Filmes und der hintergründige Humor deutlich verschlossen bleiben. Oder täusche ich mich mit dieser Einschätzung?

Jedenfalls hat der Regisseur Jean-Pierre Jeunet mit seinem Film ein kleines, pittoreskes kineastisches Meisterwerk erschaffen. Die kleine Amélie hat man bereits nach 5 Minuten in sein Herz geschlossen. Man verliert auch in einem kleinen dramaturgischen Loch nach etwa einem Drittel des Films an keiner Stelle das Interesse an ihrer Welt. Und wenn man aus dem Kino geht, dann mit einem lachenden (lächelnden) und einem weinenden Auge. Lächelnd, weil man so herzerfrischendes Erzählkino nur noch sehr selten zu sehen bekommt und beschwingt durch den herzlichen Humor ist. Weinend, weil man zumeist vergeblich nach diesen Menschen suchen wird und die Welt von Amélie wohl doch nur großes Gefühlskino ist. Oder etwas doch nicht ... ??

Aber auch für den Menschen mit zwanghaftem Interpretationsbedürfnis bietet der Film einiges. Geht es doch grundsätzlich oft darum, das Scheitern der Charaktere in unserer technokratischen Welt auf der einen Seite darzustellen, auf der anderen Seite und im gleichen Moment wieder in Frage zu stellen.
Schließlich sind die Menschen in Amélies Welt niemals große Gewinner. Alle leben ihre Schwächen offen und haben keinen Anspruch auf große Geschichten. Aber gerade aus den Augen Amélies betrachtet werden diese kleinen Geschichten des Lebens zu großem Kino, und eine beiläufige Ungereimtheit wird zu einem abenteuerlichen Rätsel, um sich letztendlich doch nur als Bagatelle zu offenbaren.

Aber für den Moment des Rätsels betrachtet ist alles ein Geheimnis, und ihre Geschichte ist ein Plädoyer für Phantasie und der Suche nach den wahrhaft wichtigen Dingen des Lebens: Liebe. Zwischenmenschliche Wärme. Und der Anblick eines flachen Steines, der, flach geworfen, mehrfach auf der oberfläche eines ruhenden Gewässers aufspringt und klatscht, um dann doch noch den Gesetzen der Physik zu folgen und abzutauchen. Nicht aber, ohne den Augen einen Moment Freude bereitet zu haben. Und nicht, ohne so laut wie möglich geplatscht zu haben.


C´est la vie.
Merci, Amélie !

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