Die fabelhafte Welt der Amélie (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Natascha

Zauberhaft!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Schon wieder hinke ich mit einem Filmbericht den Ratings hinterher: \"Amelie\" wird zwar immer noch gespielt, aber die ganz großen Tage sind wohl schon vorbei. Und trotzdem - der Film begeistert mich so sehr, daß ich doch den Schritt noch mache.

Die fabelhafte Welt der Amelie ist ein französischer Film - von der ersten bis zur letzten Drehbuchzeile, von der ersten bis zur letzten Kameraeinstellung, von den Akteuren her, von der GEschichte her, von der Ausstattung, von der ganzen Atmosphäre her.

Nun ist der französische Film oftmals ein sehr angestrengt intellektueller, der sich bemüht, Realitätsnähe mit einer poetischen Ader zu verbinden und dadurch den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Deutliche Effekte werden vermieden, und vor allem gezielte \"Tricks\" abgelehnt. Gerne wird ein Frankreich bemüht, was es so gar nicht (mehr) gibt. Leider führt das oftmals nicht dazu, daß man gebannt im Kino sitzt, sondern sich eher wundert (z.B. bei Rohmer geht mir das immer so), was das alles soll.

In diese Kategorie französischen Films gehört die Amelie eigentlich auch. Und doch gelingt es der Mischung aus Regie, Kameraeinstellung, Drehbuch und Schauspielern, diesen Film in das zu verwandeln, was alle wollen: Ein Märchen, dessen Märchenhaftigkeit ganz nah an die Wirklichkeit reicht, so daß man gebannt, verwundert, berührt und seltsam melancholisch das Kino verläßt. Logische Brüche stören einen plötzlich nicht mehr, kleinere Unsauberkeiten übersieht man gerne.

Der FIlm handelt von Amelie, die nach einer äußerst merkwürdigen Kindheit in Paris kellnert (übrigens einer der ersten Brüche - wie sie hier angelangt ist, kann der Film nicht erklären). Ihre Umgebung ist skurril, verdreht, sehr \"menschlich\", ungeschönt: Da ist die Kassierin, die von der großen Liebe träumt und darüber zur Hypochonderin geworden ist, die alle nervt. Oder der Ex (!)-Freund der Thekendame, der tagtäglich hier sitzt und voller Eifersucht seine Ex-Freundin beobachtet und argwöhnt, daß sie mit jedem, dem sie ein Getränk reicht, ein Verhältnis habe und sie dann entsprechend anpöbelt. Oder die Inhaberin der Bar, die eine ehemalige Prostituierte mit schwerer Bein-Verletzung ist, und die jetzt hier ihr kärgliches Leben fristet.

Zu Hause geht es weiter: In einer vor allem roten Wohnung (auch da ein Bruch, den man aber gerne verzeiht): Woher hat Amelie die Neigung und Fähigkeit und Finanzen zur Dekoration?) in einem alten Haus erlebt Amelie ihre Nachbarn: Einen an der Glasknochenkrankheit leidenden alten Mann, der mit niemandem spricht außer einem geistig behinderten Gemüsehändlergehilfen und der jährlich ein Bild abmalt - immer dasgleiche von Renoir. Oder den Gemüsehändler, einen Pedanten und Sadisten. Oder die Concierge, die nach 20 Jahren immer noch ihrem Mann nachtrauert, der sich aus dem Staub gemacht hat.

Aus diesen Leben hält Amelie sich heraus. Sie hat von zu Hause erfahren, daß Menschen nebeneinander her leben, daß es keine Verbindungen gibt. Aber dann findet sie eines Tages ein Kästchen in ihrem Badezimmer und erkundet, durch Nachfragen bei den NAchbarn, wer es dort wohl als Kind versteckt hat. Sie gibt es zurück (eine erste wunderbare Szene, wie sie das Glück ganz unerkannt herbeiführt!) - und erlebt, daß sie EInfluß auf das Leben anderer nehmen kann. Und dieser Erkenntnis bleibt sie treu und beginnt nun, das Leben ihrer Mitmenschen langsam, vorsichtig und gewitzt zu beeinflussen. Hinreißend, wie sie ausgerechnet den Ex-Freund der Thekendame und die Kassierein aufeinander \"ansetzt\"!

Oder auch die Photos, die der \"getürmte\", weil gelangweilte, Lieblingsgartenzwerg ihres Vaters diesem aus aller Welt schickt, um ihn wieder an seine eigene Reiselust zu erinnern und aus der eigenen Tristesse zu erlösen.

Natürlich darf dabei nicht fehlen, daß auch sie selbst vom \"Sich-Einmischen\" profitiert. Sie findet ein Photoalbum, in dem jemand weggeworfene Paßbilder aus Bilderautomaten an Metro-Stationen einklebt. Ganz offensichtlich gibt es einen weiteren Menschen in der Stadt mit skurillen Neigungen. Und noch einen dritten - nämlich einen unbekannten Mann, der ganz oft in diesem Album auftaucht....

Eine der schönsten Szenen ist schließlich die Rückgabe des Albums. Spätestens hier nimmt einen der Film völlig gefangen, fiebert man mit - aber nicht auf so eine schnell wieder abflauende Weise, sondern andauernd.

Was den Film so bestechend macht, ist die Unaufdringlichkeit, mit der hier portraitiert wird. KLeine Szenen, keine großen Gesten. Stille Freude, kein Jubelschrei. Vorsichtige Andeutungen, keine platten Hüllen. Und immer wieder: Einfälle, zarte Bilder, zurückhaltende Emotionen. Die steinewerfende Amelie an einer Brücke beispielsweise - das ist keine Hollywood-Inszenierung, bei der auch jeder mitbekommt, daß hier jemand traurig und verlassen ist. Sondern ein stimmungsvolles Bild, bei dem man gebannt zuschaut.

Wer jetzt noch die Gelegenheit hat, sollte unbedingt einen Abend für Amelie \"opfern\" - die beschwingte Stimmung begleitet einen noch ein paar Tage. Und das will wirklich etwas heißen!

Danke für\'s Lesen,

Eure
Natascha

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