Friedhof der Kuscheltiere (DVD) Testbericht

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ab 16,52
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Erfahrungsbericht von wildheart

Sometimes read is better

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Merkwürdig, dass Stephen King mit der filmischen Adaption seines Romans „The Shining“ durch Stanley Kubrick überhaupt nicht zufrieden war. Für seinen Bestseller „Friedhof der Kuscheltiere“ schrieb King selbst das Drehbuch. Was Mary Lambert inszenierte, kann jedoch kaum zufriedenstellen. Die Geschichte der Familie Creed – Vater Louis (Dale Midkiff), Mutter Rachel (Denise Crosby) und die Kinder Ellie (Blaze Berdahl) und Gage (Miko Hughes) –, die samt Kater an einer von Trucks stark befahrenen Landstraße in ein abgelegenes, idyllisches Haus zieht und ihre Erfahrungen mit Untoten am eigenen Leib machen muss, ist in Lamberts Inszenierung derart voraussehbar und ohne Spannung inszeniert, dass einem nicht das Grauen, sondern das Grausen kommt.

Der Nachbar der Creeds, Jud Crandall (Fred Gwynne), führt die Familie zu einem Tierfriedhof, später zu einer alten mysteriösen Grabstätte von Indianern. Schon bald spürt Louis, was es mit diesen beiden Orten auf sich hat. Als der Kater der Familie überfahren wird, begräbt er ihn auf dem Tierfriedhof, um den Kindern den Verlust zu ersparen – und prompt steht das Tierchen kurz darauf als untotes Katerchen mit entsprechend glühenden Augen und aggressivem Verhalten wieder im Haus der Creeds. Später wird auch der 19 Monate alte Gage von einem Truck tödlich erfasst. Als Rachel und Ellie sich bei den Großeltern von dem Schock erholen, gräbt Louis die Leiche seines Sohnes aus und begräbt sie auf dem Indianerfriedhof in der Hoffnung, Gage wieder zum Leben zu erwecken – gegen die Warnungen von Nachbar Jud und des ab und an auftauchenden Untoten Victor Pascow (Brad Greenquist).
Klar,
dass Gage als mordender Untoter zurückkehrt,
klar,
dass er nicht nur Jud, sondern gleich auch noch seine Mutter ins Jenseits befördert,
klar,
dass Louis daraufhin seine Frau auf dem special burial ground einbuddelt,
klar,
dass aus der liebenden Mutter und Ehefrau daraufhin ein murdering monster wird,
klar,
dass man sich den Rest denken kann.

Kings Roman ist ein umfangreiches, kompliziertes und komplexes Werk – heißt es. Ich habe ihn nie gelesen. Das hat sicherlich insofern Nachteile, als man Adaption und Roman nicht vergleichen kann (soweit das angesichts der unterschiedlichen Kriterien für Geschriebenes und Visualisiertes überhaupt möglich ist), kann aber auch vorteilhaft sein, da man einen Film aus sich selbst heraus beurteilen kann.

Kings Drehbuch, die Besetzung und die Inszenierung sind jedenfalls eine einzige Katastrophe. Das fängt an beim Hauptdarsteller Dale Midkiff, der weder ein ausdrucksstarkes Gesicht hat, noch in der Lage zu sein scheint, sich in die Rolle eines Mannes zu versetzen, dessen Familie nach und nach zerstört wird. So, wie Midkiff diesen Louis spielt, kann ihm (und dem Drehbuch) niemand abnehmen, dass er seinen Sohn – trotz der realistischen Warnungen Juds – auf dem mysteriösen Friedhof begräbt, dann von seinem Sohn mit Skalpell angegriffen wird, nachdem der Jud und Rachel getötet hat, und er obendrein das gleiche Spielchen mit Rachel wiederholt. Das widerspricht nicht nur jeglicher Logik, sondern nimmt der Geschichte ihre psychologische Plausibilität. Die beiden Hauptdarsteller Midkiff und Denise Crosby erscheinen in der Logik dieser Inszenierung mehr als die Untoten selbst als Zombies. So verhalten sie sich jedenfalls:

Warum tun die Creeds so überrascht, als sie erfahren, dass die Landstraße von Trucks stark befahren ist? Warum sind sie über den Friedhof nicht informiert? Haben Sie ein Haus gekauft, ohne sich vorher über Umgebung und Umstände zu informieren? Und selbst wenn sie dies nicht getan haben: Wieso schützen sie ihre Kinder nicht vor der gefährlichen Straße, indem sie beispielsweise einen Zaun bauen? Wieso spielen sie mit den Kindern auf einer Wiese, lassen Drachen steigen, ohne auf sie aufzupassen, so dass Gage unter die Räder eines Trucks gerät? Wieso nimmt Louis die Warnungen seines Nachbarn nicht ernst? Selbst dann nicht, als der tote Kater wieder kommt und aggressiv wird? Wieso begräbt er ihn überhaupt dort, wenn er klipp und klar und überzeugend darüber informiert wurde, was dann passieren wird?

Das reichte King und Lambert offensichtlich noch nicht. Um die Zahl der Ungereimtheiten zu erhöhen, lassen sie die Erwachsenen vor einem 19 Monate alten Knaben (!) erstarren und hilflos werden. Gage, mit dem Skalpell bewaffnet, ermordet Jud und Rachel, als wenn er ihnen körperlich überlegen wäre. Wieso konnten sie ein kleines Kind nicht entwaffnen? Das gelingt erst Louis? Warum? Um des Drehbuchs willen?

King und Lambert setzen noch eins drauf. Der Untote Pascow sieht aus, als habe man ihm eine Salamipizza ins Gesicht geklebt. Und so trivial und simpel sind alle gewollten Gruseleffekte in diesem Film: sie gruseln nicht. Was ich auch nicht begriffen habe (aber vielleicht bin ich begriffsstutzig): Wieso ist Pascow nicht aggressiv, sondern hilfsbereit? Ebensowenig muss man sich vor dem wiedererweckten Gage fürchten. Die Szenen, in denen er mit dem Skalpell sein Unwesen treibt, ließen mich kalt. Keine Adrenalinausschüttung. Das Böse, das dem Jungen angedichtet wird, ist im wahrsten Sinn des Wortes an-gedichtet. Alles in allem fällt mir dazu nur ein Wort ein: Cheap thrills.

Wie schrieb Richard Harrington in der „Washington Post“ so treffend: „Eine der Schlagzeilen in Film wie Buch ist: ‘Manchmal ist der Tod besser.’ Manchmal jedoch ist Lesen viel, viel besser.“

Wertung: 1 Punkt von 10 Punkten.

Unter dem Film konnte man am 17.11.2002 in Kabel1 leiden.

Friedhof der Kuscheltiere
(Pet Sematary)
USA 1989, 103 Minuten
Regie: Mary Lambert

Drehbuch: Stephen King, nach seinem Roman
Musik: Elliot Goldenthal
Kamera: Peter Stein
Schnitt: Daniel P. Hanley, Mike Hill
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Dale Midkiff (Louis Creed), Fred Gwynne (Jud Crandall), Denise Crosby (Rachel Creed), Brad Greenquist (Victor Pascow), Michael Lombard (Irwin Goldman), Miko Hughes (Gage Creed), Blaze Berdahl (Ellie Creed), Susan Blommaert (Missy Dandridge), Mara Clark (Marcy Charlton), Kavi Raz (Steve Masterton), Mary Louise Wilson (Dory Goldman), Andrew Hubatsek (Zelda)

Offizielle Homepage: –
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0098084

Weitere Filmkritik(en):
„Washington Post“ (Richard Harrington):
http://www.washingtonpost.com/wp-srv/style/longterm/movies/videos/petsemataryrharrington_a0aab5.htm

„Desert News“ (Chris Hicks):
http://deseretnews.com/movies/view/1,1257,1416,00.html


© Ulrich Behrens 2002 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

25 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    05.02.2010, 09:28 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    im fernsehen ist dieser ja schon oft in der zwischenzeit gezeigt worden, aber angeschaut hab ich ihn bis jetzt noch nie und das werde ich mir auch nicht antun, zumal ja, als der film anfiel, die kritiken dazu auch nicht so überwerflich waren. und so halbverweste gestalten haben es mir eh nicht so angetan. mit den untoten bin ich gerade im begriff mich anzufreunden. toller bericht, ein bw und ganz liebe grüße

  • Sayenna

    21.12.2006, 17:36 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)