Im Namen des Vaters (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von JerryMaguire

In Nomine Patris - In The Name Of The Father

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Jim Sheridan drehte 1993 dieses sowohl beeindruckende als auch beängstigende Justiz-Drama um das Schicksal der unschuldig inhaftierten „Guildford Four“ nach einer wahren Begebenheit.

Die Geschichte des Films beginnt 1974 in Belfast. Eine Stadt, die gezeichnet ist vom allgegenwärtigen Straßenkrieg zwischen militanten Mitgliedern der IRA und dem englischen Militär.
Zerrüttete Häuser, ausgebrannte Autos, Anzeichen von Verwüstung und Zerstörung wohin das Auge blickt. Es herrscht Krieg in seiner schlimmsten Form.
Zivilisten werden zu Opfer der Gewalt und ohne ihr zutun geraten sie zwischen die verhärteten Fronten oder werden selbst gezwungen ihr Leben zu verteidigen.
Belfast ist auch die Heimat der Familie Conlon.
Giuseppe Conlon (Pete Postlethwaite), Oberhaupt der kleinbürgerlichen, irisch–katholischen Familie, arbeitet als Buchmacher und möchte möglichst nicht in die Spirale der Gewalt hineingezogen werden. Umso besorgter ist er um seinen erwachsenen Sohn Gerry (Daniel Day-Lewis), den er nach mehreren Schwierigkeiten mit der IRA und in der Hoffnung dem arbeitslosen Kleinkriminellen eine Perspektive aufzuzeigen, aus Sicherheitsgründen nach London schickt.
In der englischen Metropole angekommen, genießt der jüngere Conlon das Leben in einer Hippie-Gemeinde und seine uneingeschränkte Freiheit, bis ihn die Gewalttätigkeit und Zerstörungswut seiner Heimat nach London verfolgt.
Nach einer Serie von Bombenanschlägen in der Londoner Innenstadt gerät Gerry, aufgrund seiner irischen Herkunft, als Hauptverdächtiger ins Blickfeld der Polizei und zieht drei seiner Freunde, sowie Teile seiner Familie, darunter auch seinen Vater Giuseppe, ebenfalls in den Verdacht ganz konkret einen brutalen Anschlag auf das Guildford Pub vorbereitet und ausgeführt zu haben.
Nach tagelangen Verhören unter Aufsicht von Polizeichef Robert Dixon (Corin Redgrave), körperlicher und seelischer Folter gestehen Gerry und seine angeblichen Komplizen, Paul Hill (John Lynch), Paddy Armstrong (Mark Sheppard) und Carole Richardson (Beatie Edney) eine Tat, die sie nicht begangen haben.
Gerry und sein Vater, der wegen Beihilfe zum Mord angeklagt ist, werden trotz fadenscheiniger Beweise und einer bei weitem nicht einwandfrei bewiesenen Schuld zu mindestens 30 Jahren Gefängnis verurteilt.
Von der englischen Justiz zu Unrecht verurteilt und von der Bevölkerung und der Polizei zu Sündenböcken gestempelt beginnt für die Familie Conlon und die anderen Leidtragenden ein schier aussichtsloser Kampf für eine Wiederaufnahme des Verfahrens und die Erkenntnis das Gerechtigkeit für sie vielleicht nur ein Wort bleibt.


Produzent und Regisseur Sheridan zeichnet in diesem Film ein erschütterndes Bild des englischen Rechtswesens, das einem in dem Moment geradezu grotesk und erschreckend erscheint, wen man sich vor Augen hält, das dieser Film keine frei erfundene, sondern eine wirkliche Geschichte erzählt.
Der Nordirland-Konflikt ist zweifelsohne ein Thema, das die britische Regierung vor scheinbar unlösbare Probleme stellte und noch immer stellt, da ein Ende der Gewalt, insbesondere in den 70er Jahren kaum abzusehen war. Das die Justiz und ihr ausführendes Organ, die Polizei, vor allem nach einer Anschlagserie inmitten von London unter enormem öffentlichen und politischen Druck stand ist zweifelsohne verständlich, rechtfertigt jedoch in keinster Weise die Willkür mit der eine Verurteilung Unschuldiger erzwungen wurde.
Ermöglicht wurde die tagelange Folter unter der den Angeklagten ein Geständnis als letzter Ausweg erschien, nur durch ein zum damaligen Zeitpunkt erlassenes Gesetz, welches den Behörden erlaubte mutmaßliche Terroristen ohne eindeutigen Beweis ihrer Schuld, für 7 Tage in Gewahrsam zu behalten.

Ein Beschluss, der aufgrund der eskalierenden Gewalt und der zunehmenden Angst der zivilen Bevölkerung getroffen wurde und der Polizei einen größeren Ermittlungsspielraum ließ. Leider zuviel, wie das Beispiel Gerry Conlon zeigt.
Besonders erstaunlich an diesem Justiz-Skandal ist auch die Tatsache, das selbst nachdem Mitglieder der IRA den Anschlag gestanden hatten und somit die Unschuld der „Guildford Four“ bewiesen war, eine Wiederaufnahme des Verfahrens nicht zustande kam und bis heute kein Polizist, der in diesen Skandal verwickelt war, rechtmäßig verurteilt wurde.
Die Polizei muss ihr Gesicht wahren.

Neben dieser wahrlich packenden und betrübenden Geschichte beruht die Klasse des Films vor allem auf der Leistung seiner Hauptdarsteller.
Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis („Mein linker Fuß“, 1989) brilliert in der Titelrolle des Gerry Conlon und bietet eine hervorragende Darstellung, die ihm eine weiter Academy-Award-Nominierung einbrachte.
Day-Lewis, der zurzeit in „Gangs Of NewYork“ (er wurde wieder einmal für den Oscar nominiert) sein ganzes schauspielerisches Können aufbietet, scheint in seiner Rollenwahl sehr auf Qualität und künstlerisch ambitionierte Stoffe bedacht zu sein, was ihn von vielen seiner Kollegen unterscheidet.
In seiner Filmographie sucht man vergeblich ein Werk, das vollkommen auf Kommerz und reine Unterhaltung ausgerichtet ist.
Selbst die 100 Millionen-Produktion „Gangs Of New York“ von Regielegende Martin Scorsese, ist mehr historische Erzählung, als pures Unterhaltungskino.
Sorgfältig ausgewählte Rollen und ein unvergleichlich ausdrucksstarkes Spiel bestimmen die Filme, des in London geborenen Schauspielers, dem der Star-Kult eher unangenehm zu sein scheint.
Anders ist es auch nicht zu erklären, dass er sich eine fast 10-jährige Auszeit von Hollywood genommen hat, gerade zu dem Zeitpunkt als er mit Werken wie „Der letzte Mohikaner“ (1992), „Zeit der Unschuld“ (1993) und eben „Im Namen des Vaters“ (1993) auf dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere angelangt war und danach nur noch in zwei kleineren Produktionen 1996 und 1997 erschien. Eindrucksvoll meldet er sich jetzt zurück und knüpft an die herausragende Leistung in Jim Sheridans Drama an.

Pete Postlethwaite, den meisten wahrscheinlich als Anwalt Kobayashi aus „Die Üblichen Verdächtigen“ (1995) bekannt, darf auch nicht ungenannt bleiben. Seine Darstellung des kranken und dennoch niemals die Hoffnung verlierenden Vaters trägt sehr viel zur Authentizität des Films bei und verleiht dem Thema der schwierigen Vater-Sohn-Beziehung der Conlons viel Gewicht.
Denn trotz der packenden realen Erzählung steht die Beziehung der beiden im Mittelpunkt. Gerry versucht die unterdrückte Wut auf die Behörden und die Ungerechtigkeit, die ihm und seiner Familie widerfährt auf seinen Vater zu übertragen. Er wirft dem analytischen Denker und eher emotionslosen Giuseppe vor, ihn nie als vollwertigen Mann akzeptiert zu haben und in ihm nur seine Schwächen zu sehen. In diesen verbalen Auseinandersetzungen in ihrer gemeinsamen Gefängniszelle, die vor allem Gerrys Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit deutlich machen, sind die schauspielerisch stärksten Momente in der Handlung zu finden. Sowohl Day-Lewis als auch der hervorragend, zurückhaltend agierende Postlethwaite wirken als Vater-Sohn-Duo fesselnd real und am Ende meine ich sogar eine Ähnlichkeiten in den markanten Gesichtszügen beider ausmachen zu können.

Insgesamt eine herausragende Leistung von beiden, die viel zum Gelingen des Films beiträgt.
Zu guter letzt darf auch Emman Thompson nicht übergangen werden, die als Anwältin Gareth Peirce das Verfahren wieder aufrollt. Auch sie wurde wie Pete Postlethwaite, Daniel Day-Lewis, Regisseur Sheridan, das adaptierte Drehbuch von Terry George basierend auf dem vom echten Gerry Conlon verfassten Buch, der Filmschnitt und auch der Film selbst für den Oscar nominiert, gewann allerdings keinen davon, was die Qualität des Films auf keinen Fall herabwürdigen sollte.

Ganz im Gegenteil, war dieser Film für mich ein bedrückendes Drama, das aufgrund seiner tollen Schauspieler und einer traurigen Geschichte zu überzeugen weiß.
Sicherlich ist dieser Film anspruchsvoll und keine leichte Kinokost, die man mal so eben über sich ergehen lässt. Das aber auch ambitionierte Geschichten mit realem Hintergrund spannend sein können zeigt dieser Film auf unvergleichliche Weise.
Hinzu kommt die darstellerische Leistung der Schauspieler, insbesondere von Daniel Day-Lewis, der in meinen Augen allein für die Qualität eines Films bürgt.

Im Namen des Vaters ist großes Kino, mit einer Geschichte, die aufrüttelt, erschreckt und verstört, da sie eben nicht das Produkt eines erfinderischen Geistes ist, sondern ein unbarmherziges menschliches Schicksal erzählt.
Das Schicksal einer Gruppe von Menschen, die zu unschuldigen Opfern eines schmutzigen Krieges und einer selbstgerechten Justiz wurden.

Unbedingt ansehen!!!




JerryMaguire für

www.ciao.com
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10 Bewertungen