Im Namen des Vaters (DVD) Testbericht

Im-namen-des-vaters-dvd-drama
ab 6,55
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 04/2011

5 Sterne
(4)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Eric_Draven

Wer hat Dir beigebracht, die Bombe zu bauen?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Bei einem meiner letzten virtuellen Streifzüge durch den Laden meines favorisierten australischen DVD- Händlers fiel mir ein Film auf, der sich schon seit Ewigkeiten in meiner privaten Videosammlung befindet und den ich folglich unbedingt auf DVD besitzen musste, zumal die australische Scheibe auch eine deutsche Tonspur besitzt. Nachdem sich nun also "Im Namen des Vaters" bereits seit einiger Zeit in meiner DVD- Sammlung befindet habe ich nun gestern endlich die Zeit gefunden, mir dieses Meisterwerk mal wieder anzuschauen und kam zu dem Entschluß, dass ich Euch diesen Film auf keinen Fall vorenthalten sollte.

Die Handlung beginnt im von den Briten besetzten Irland der 70er Jahre, wo die Atmosphäre gespannt ist und immer wieder Straßenschlachten entflammen. Der junge Ire Gerry Conlon (Daniel Day-Lewis) bestreitet seinen Lebensunterhalt hauptsächlich durch Diebstahl, weshalb er immer wieder in Probleme, auch mit der IRA, gerät. Daher wird er eines Tages von seinem Vater Guiseppe (Pete Postlethwaite ©Eric_Draven) nach England geschickt.
Auf der Fähre trifft Gerry einen alten Kumpel und zieht mit diesem in London in eine Hippie- Kommune, um dort den Drogen und der freien Liebe zu frönen.
Doch auch in England ist die Nordirland- Problematik stets präsent, da eine gewaltige Bombenattentatswelle über London zieht. Als die IRA eines Nachts ein Soldatenpub in die Luft sprengt, werden Gerry und einige seiner WG- Genossen von einem anderen Mitbewohner zu Unrecht bei der Polizei angezeigt und natürlich sofort verhaftet. Das gerade neu verabschiedete Anti- Terror- Gesetz bevollmächtigt die Staatsgewalt dabei, die Verdächtigen sieben Tage lang festzuhalten, ohne Anklage gegen diese zu erheben. Da der Polizeiapparat aufgrund der immer häufiger werdenden Anschläge unter enormem Druck steht, werden Gerry und seine Kumpanen mit brutalsten Methoden zum Geständnis gezwungen und kurz später wird auch fast Gerrys komplette Familie verhaftet und der Mittäterschaft angeklagt.
Als die "Guildford Four" werden schließlich am Ende eines langen Gerichtsprozesses Gerry und drei seiner Freunde zu 30 Jahren Haft verurteilt, der Rest der Familie wird als technische Basis der IRA angesehen und jedes Familienmitglied wird zu Haftstrafen zwischen 8 und 14 Jahren verurteilt.
Erst viele Jahre später nimmt sich die Anwältin Gareth Pierce (Emma Thompson) erneut des Falles an, um die Unschuld der Verurteilten zu beweisen. Dabei tauchen plötzlich ganz neue Beweismittel auf, die von der Polizei vorher verschwiegen wurden.

Regie in diesem sehr bewegenden Politdrama von 1993 führte Jim Sheridan, der für seine Arbeit mit drei der sieben Oscarnominierungen 1994 belohnt wurde, die "Im Namen des Vaters" erhielt. Gereicht hat es damals allerdings nur zu einem goldenen Bären auf der Berlinale, bei der Oscarverleihung musste er sich Steven Spielberg und "Schindlers Liste" geschlagen geben. Auch im Jahre 1990 war Jim Sheridan bereits für den Oscar als bester Regisseur nominiert gewesen, damals für den Film "Mein linker Fuß".

Auch Daniel Day-Lewis wurde für seine fantastische Performance als Gerry Conlon mit einer Oscarnominierung belohnt. Bekannt wurde er durch Rollen in "Mein linker Fuß" und "Der Boxer", beide ebenfalls unter dem Regisseur Jim Sheridan, die meisten werden ihn aber wohl noch aus seiner Hauptrolle in "Der letzte Mohikaner" in Erinnerung haben, demnächst wird er dann in Martin Scorseses Gangsterdrama "Gangs of New York" zu sehen sein.

Die Rolle von Gerrys Vater Guiseppe Conlon wird gemimt von Peter Postlethwaite, den man aus etlichen Filmen wie "Alien 3", "Romeo & Julia", "Jurassic Park" oder ebenfalls "Der letzte Mohikaner" kennt und der ebenfalls seine Rolle perfekt verkörpert und daher auch mit einer Oscarnominierung, seiner bisher einzigen, belohnt wurde.

Die im Vergleich zu den beiden Hauptdarstellern etwa kleiner geratene Rolle der Anwältin Gareth Pierce übernahm Emma Thompson, womit sie ebenfalls eine Oscarnominierung einheimsen konnte, den sie ja bereits ein Jahr zuvor für "Howards End" als beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte, ein Erfolg, welcher sich dann zwei weitere Jahre später mit "Sinn und Sinnlichkeit" nochmals wiederholen sollte.


Das Drehbuch zum Film indessen wurde auf der Basis von Gerry Conlons autobiografischem Buch "Proved Innocent" verfasst, womit klar sein dürfte, dass es sich hierbei nicht um den üblichen Hollywood-Stoff handelt, sondern die Geschichte auf tatsächlichen Fakten basiert, wobei natürlich aus dramaturgischen Gründen das ein oder andere etwas verdreht wurde:
So wird der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Gerry und seinem Vater Guiseppe im Film viel Zeit gewidmet und diese ist ein Hauptbestandteil der Handlung. Da passte es natürlich nicht so ganz im Bild, dass die beiden in Wirklichkeit in den Hochsicherheitstrakten von zwei unterschiedlichen Gefängnissen landeten, wo Guiseppe dann 1980 auch verstarb.
Weiterhin ist im Film zu sehen, wie sich Gerry im Gefängnis von einem inhaftierten IRA-Mitglied distanziert, während in Wirklichkeit die Familie Conlon kräftig von den IRA- Mitgliedern unterstützt wurden. Tatsächlich standen dann auch bei der späteren erneuten Gerichtsverhandlung ein ganzes Anwaltsteam hinter den Conlons, während im Film selbst diese Ehre Emma Thompsons als einsame Kämpferin für die Menschenrechte ganz alleine vorbehalten bleibt.



Trotz dieser kleinen historischen Unwahrheiten ist "Im Namen des Vaters" einer meiner absoluten Lieblingsfilme, den ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Sämtliche Mitwirkenden, angefangen beim Regisseur bis hin zu den kleinsten Nebenrollen agieren über die komplette Spieldauer von gut zwei Stunden (127 Min.) fantastisch, was ein faszinierendes Politdrama zur Folge hat, in dem auch die Vater-Sohn-Beziehung sehr schön dargestellt und entwickelt wird und das jeder zumindest einmal gesehen haben sollte. Die FSK-Freigabe erhielt "Im Namen des Vaters" ab 12 Jahren, eine durchaus angemessene Altersempfehlung, wie ich meine. Produziert wurde der Film in Irland und England 1993 (©Eric_Draven).

Und ganz am Ende bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich jedes mal, wenn ich den Film sehe, zutiefst erschüttert darüber bin, wie hier eine ganze Familie bis zu 15 Jahre unschuldig im Knast verbringen musste, nur weil ein Ire in England am Falschen Ort zur falschen Zeit war und die Englische Justiz dringend einen Sündenbock brauchte. Und die Verantwortlichen dafür sind noch heute auf freiem Fuß und wurden nie zur Rechenschaft dafür gezogen, eine mir absolut unbegreifliche Tatsache.

Wem ich nun ein wenig Lust auf den Film gemacht habe, kann das Meisterwerk entweder direkt in Australien bei ezydvd.com.au für umgerechnet etwa 20 Euro auf DVD ordern (zuzüglich 3 Euro Portokosten), während die gleiche Scheibe mit deutschem Booklet bei Amazon mit knapp 30 Euro etwas teurer ist. Auch gut sortierte Videotheken sollten den Film aber eigentlich noch im Programm haben, und auch ein deutsches Kaufvideo ist meines Wissens derzeit noch erhältlich.

Bleibt mir nun nur noch, den Film mit der bestmöglichen Wertung zu versehen und mich bis zum nächsten Bericht zu verabschieden,
bis denn,
Euer © Eric_Draven

6 Bewertungen, 1 Kommentar

  • HilkMAN

    20.02.2002, 06:25 Uhr von HilkMAN
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Filmkritik. Die Details der wahren Geschichte kannte ich auch noch nicht. Aber den Film habe ich hier auch rumliegen und gerade erst wieder gesehen. Auch in einem Pogues-Lied werden die Guildford Four ja erwaehnt. Viele Gruesse von HilkMAN