Immer Ärger mit Harry (DVD) Testbericht
D
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2010
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Vier Hochzeiter und ein Todesfall
Pro:
ein Hitchcock
Kontra:
für Hitchcock - Fans gibt's hier kein Kontra
Empfehlung:
Ja
"Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben" - offenbar hat sich die Warnung, die in der Zeile aus Rilkes bekanntem "Herbsttag"-Gedicht steckt, nicht nur der bislang finanziell erfolglose Maler Sam Marlowe (der junge John Forsythe) zu Herzen genommen, sondern auch der verrentete Seebär Captain Albert Wiles (Edmund Gwenn): Ersterer macht der jungen Alleinerziehenden Jennifer Rogers (Shirley McLaine in ihrer ersten Filmrolle) schöne Augen, der Captain a.D. hofft augenscheinlich auf einen zweiten Frühling mit der etwas altjüngferlich wirkenden Miss Gravely (Mildred Natwick).
Die Kulisse für die kleinen Amouren bildet ein kleines, ländliches Örtchen irgendwo in Vermont - umgeben von malerischen Wäldern, in dessen Baumkronen der Herbst feurige Pracht entfacht hat. Das ganze Szenario wirkt mit Tante Emma-Laden und Marlowe'scher Dauer-Vernissage am Apfelweinstand, als habe wer eines der Tableaus des amerikanischen Illustrators Norman Rockwell zum Leben erweckt: Über allen Wipfeln ist Ruh', und so trübt nur ein Detail das Bild kompletter Harmonie und ländlichen Friedens: ein mausetoter Fremder.
Der Exitus des Ex
Im lichten Wald, dort wo des Jägers Büchse munter knallt, hat ihn, Knall auf Fall, der Tod ereilt. Zufall? Oder doch ein Jagdunfall? Von letzterem ist zumindest der auf der Pirsch befindliche Süßwasserkapitän Wiles überzeugt. Was tun? Noch bevor der rüstige Captain sich diese Frage schlüssig beantworten kann, schlägt er sich erst einmal in die Büsche, denn plötzlich scheinen alle Wege zu Harry zu führen: Erst taucht Jennifer Rogers nebst Filius auf - und stellt zu ihrem größten Entzücken fest, dass es sich bei dem Entschlafenen um ihren Ex-Mann Harry Worp handelt. Ein Landstreicher profitiert davon, dass der verblichene Verflossene zu Lebzeiten die gleiche Schuhgröße wie er selbst bevorzugte, der Dorfdoktor mit Schwäche für das Rezitieren von Shakespeare-Sonnetten (116) läuft dem Leblosen im wahrsten Wortsinne über die Füße und murmelt zerstreut eine Entschuldigung - nacheinander gibt sich die halbe Ortschaft ein munteres Stelldichein, und überhaupt herrscht plötzlich rund um die sterbliche Hülle des unbekannten Wanderers ein Betrieb wie vor Lenins Mausoleum.
Lieber Vergraben als Aufhebens machen
Angesichts solch emsiger Betriebsamkeit kann es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Deputy Sheriff Calvin Wiggs (Royal Dano) Wind von der Angelegenheit bekommt - und das, findet nicht nur der Käpt'n, gibt dann wieder nur eine Menge Scherereien, die man sich ersparen kann: Besser, man lässt den Toten ohne viel Aufhebens verschwinden. Mit dieser Ansicht steht er keineswegs alleine da - ebenso wenig wie mit der Überzeugung, verantwortlich für das plötzliche Ableben des unglücklichen Harry zu sein. Bei Kaffee und Selbstgebackenem vertraut Miss Gravely ihrem Galan an, Harry habe sie in die Büsche zu zerren versucht - und sein Tod sei wahrscheinlich die direkte Folge ihrer Notwehr. Miss Rogers hingegen kann sich vorstellen, dass ein Schlag, den sie Harry mit der Milchflasche verpasst hat, den ungeliebten Ex vom Leben zum Tode befördert hat.
Sollte der Käpt'n am Ende gar kein Todesschütze sein? Den ficht sowohl Harrys Tod wie das heimliche Verbuddeln des Leichnams offenkundig weniger an als die quälende Ungewissheit, ob er, der Käpt'n, denn nun wirklich einen tödlichen Treffer gelandet hat oder nicht. Es hilft alles nichts: der tote Harry wird wieder ans Tageslicht geholt - und das ist erst der Auftakt einer für den Zuschauer höchst vergnüglichen Abfolge von neuerlichen Begräbnissen und Exhumierungen. Bis, zu guter Letzt, ein Millionär auf Durchreise Marlowes Gemälde aufkauft, der Maler Miss Rogers die Heirat anträgt, es sich abzeichnet, dass auch Captain Wiles und Ivy Gravely den Ehehafen ansteuern und der Ärger um Harry (die näheren Todesumstände seien an dieser Stelle nicht verraten) sich endlich in Wohlgefallen auflöst, vergehen 99 Minuten, in denen sich nicht nur erklärte Hitchcock-Fans gut unterhalten fühlen dürften.
Kein typischer Hitchcock
Hitchcocks Film aus dem Jahre 1955 ist alles andere als ein typischer Vertreter des Ouevres vom "Master of Suspense". Im Gegensatz zu den meisten Filmen Hitchcocks, in denen der schwarze Humor lediglich dem "comic relief" dient, also dem Auflösen der Anspannung durch befreiendes Gelächter, ist "Immer Ärger mit Harry" durch und durch schwarze Komödie. Die anderen Markenzeichen, die einen typischen "Hitchcock" ausmachen, fehlen hier sämtlich: Der zu Unrecht Verdächtigte, der in stets auswegloser erscheinende Situationen gerät (wie z.B. in "Der unsichtbare Dritte" oder "Frenzy")? Fehlanzeige. Das unheimliche Rätsel, das schlagartig die schockierende Auflösung erfährt ("Psycho", "Eine Dame verschwindet")? Nicht vorhanden.
"Immer Ärger mit Harry" ist die Karikatur eines "Whodunnit" und wirkt wie ein Stück Volkstheater, dem man eine ordentlichen Schuss Leichenbitter verpasst hat: Ohnsorg-Theater trifft "Arsen und Spitzenhäubchen". Und so ist "Immer Ärger mit Harry" mit seinen seltsam-teilnahmlos agierenden Figuren vielleicht auch zu verstehen: als Satire aufs kleinbürgerliche Postkarten-Idyll - bevölkert von Typen, die den Tod weniger als Trauerfall denn als lästige Unterbrechung geordneter Verhältnisse sehen.
R e sü m e e
Ein atypischer, für manchen aber vielleicht gerade deswegen sehenswerter Hitchcock - und eine gute Empfehlung für Freunde schwarzhumoriger, espritvoller Unterhaltung. Der DVD-Transfer von Hitchcocks "Ein Männlein liegt im Walde"-Geschichte verdient insofern lobende Erwähnung, als dass Farben und Schärfe angesichts des Alters des Films von geradezu Atem beraubender Brillanz sind. Der englische und deutsche Mono-Ton sind klar und verständlich. Das im Jahr 2001 produzierte, ca. halbstündige Making of "The Trouble with Harry - isn't over" wartet mit einer Reihe interessanter Hintergrundinformationen auf; außerdem bietet die DVD den Trailer, eine "Kunstgalerie" (schreckliche Übersetzung - "Dia-Show" fände ich treffender) sowie eine "Trailer-Kompilation", die für "Die Hitchcock Collection" wirbt, eine 14 Hitchcock-Filme umfassende Sammlung, deren Erwerb ich Fans sehr ans Herz legen kann (ich habe bei Karstadt 99 Euro dafür bezahlt - ein, wie ich finde, durchaus vertretbarer Preis für einige von "Hitchs" bekanntesten Werken, die zudem allesamt in guter bis sehr guter Ausstattung daherkommen).
Die Kulisse für die kleinen Amouren bildet ein kleines, ländliches Örtchen irgendwo in Vermont - umgeben von malerischen Wäldern, in dessen Baumkronen der Herbst feurige Pracht entfacht hat. Das ganze Szenario wirkt mit Tante Emma-Laden und Marlowe'scher Dauer-Vernissage am Apfelweinstand, als habe wer eines der Tableaus des amerikanischen Illustrators Norman Rockwell zum Leben erweckt: Über allen Wipfeln ist Ruh', und so trübt nur ein Detail das Bild kompletter Harmonie und ländlichen Friedens: ein mausetoter Fremder.
Der Exitus des Ex
Im lichten Wald, dort wo des Jägers Büchse munter knallt, hat ihn, Knall auf Fall, der Tod ereilt. Zufall? Oder doch ein Jagdunfall? Von letzterem ist zumindest der auf der Pirsch befindliche Süßwasserkapitän Wiles überzeugt. Was tun? Noch bevor der rüstige Captain sich diese Frage schlüssig beantworten kann, schlägt er sich erst einmal in die Büsche, denn plötzlich scheinen alle Wege zu Harry zu führen: Erst taucht Jennifer Rogers nebst Filius auf - und stellt zu ihrem größten Entzücken fest, dass es sich bei dem Entschlafenen um ihren Ex-Mann Harry Worp handelt. Ein Landstreicher profitiert davon, dass der verblichene Verflossene zu Lebzeiten die gleiche Schuhgröße wie er selbst bevorzugte, der Dorfdoktor mit Schwäche für das Rezitieren von Shakespeare-Sonnetten (116) läuft dem Leblosen im wahrsten Wortsinne über die Füße und murmelt zerstreut eine Entschuldigung - nacheinander gibt sich die halbe Ortschaft ein munteres Stelldichein, und überhaupt herrscht plötzlich rund um die sterbliche Hülle des unbekannten Wanderers ein Betrieb wie vor Lenins Mausoleum.
Lieber Vergraben als Aufhebens machen
Angesichts solch emsiger Betriebsamkeit kann es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Deputy Sheriff Calvin Wiggs (Royal Dano) Wind von der Angelegenheit bekommt - und das, findet nicht nur der Käpt'n, gibt dann wieder nur eine Menge Scherereien, die man sich ersparen kann: Besser, man lässt den Toten ohne viel Aufhebens verschwinden. Mit dieser Ansicht steht er keineswegs alleine da - ebenso wenig wie mit der Überzeugung, verantwortlich für das plötzliche Ableben des unglücklichen Harry zu sein. Bei Kaffee und Selbstgebackenem vertraut Miss Gravely ihrem Galan an, Harry habe sie in die Büsche zu zerren versucht - und sein Tod sei wahrscheinlich die direkte Folge ihrer Notwehr. Miss Rogers hingegen kann sich vorstellen, dass ein Schlag, den sie Harry mit der Milchflasche verpasst hat, den ungeliebten Ex vom Leben zum Tode befördert hat.
Sollte der Käpt'n am Ende gar kein Todesschütze sein? Den ficht sowohl Harrys Tod wie das heimliche Verbuddeln des Leichnams offenkundig weniger an als die quälende Ungewissheit, ob er, der Käpt'n, denn nun wirklich einen tödlichen Treffer gelandet hat oder nicht. Es hilft alles nichts: der tote Harry wird wieder ans Tageslicht geholt - und das ist erst der Auftakt einer für den Zuschauer höchst vergnüglichen Abfolge von neuerlichen Begräbnissen und Exhumierungen. Bis, zu guter Letzt, ein Millionär auf Durchreise Marlowes Gemälde aufkauft, der Maler Miss Rogers die Heirat anträgt, es sich abzeichnet, dass auch Captain Wiles und Ivy Gravely den Ehehafen ansteuern und der Ärger um Harry (die näheren Todesumstände seien an dieser Stelle nicht verraten) sich endlich in Wohlgefallen auflöst, vergehen 99 Minuten, in denen sich nicht nur erklärte Hitchcock-Fans gut unterhalten fühlen dürften.
Kein typischer Hitchcock
Hitchcocks Film aus dem Jahre 1955 ist alles andere als ein typischer Vertreter des Ouevres vom "Master of Suspense". Im Gegensatz zu den meisten Filmen Hitchcocks, in denen der schwarze Humor lediglich dem "comic relief" dient, also dem Auflösen der Anspannung durch befreiendes Gelächter, ist "Immer Ärger mit Harry" durch und durch schwarze Komödie. Die anderen Markenzeichen, die einen typischen "Hitchcock" ausmachen, fehlen hier sämtlich: Der zu Unrecht Verdächtigte, der in stets auswegloser erscheinende Situationen gerät (wie z.B. in "Der unsichtbare Dritte" oder "Frenzy")? Fehlanzeige. Das unheimliche Rätsel, das schlagartig die schockierende Auflösung erfährt ("Psycho", "Eine Dame verschwindet")? Nicht vorhanden.
"Immer Ärger mit Harry" ist die Karikatur eines "Whodunnit" und wirkt wie ein Stück Volkstheater, dem man eine ordentlichen Schuss Leichenbitter verpasst hat: Ohnsorg-Theater trifft "Arsen und Spitzenhäubchen". Und so ist "Immer Ärger mit Harry" mit seinen seltsam-teilnahmlos agierenden Figuren vielleicht auch zu verstehen: als Satire aufs kleinbürgerliche Postkarten-Idyll - bevölkert von Typen, die den Tod weniger als Trauerfall denn als lästige Unterbrechung geordneter Verhältnisse sehen.
R e sü m e e
Ein atypischer, für manchen aber vielleicht gerade deswegen sehenswerter Hitchcock - und eine gute Empfehlung für Freunde schwarzhumoriger, espritvoller Unterhaltung. Der DVD-Transfer von Hitchcocks "Ein Männlein liegt im Walde"-Geschichte verdient insofern lobende Erwähnung, als dass Farben und Schärfe angesichts des Alters des Films von geradezu Atem beraubender Brillanz sind. Der englische und deutsche Mono-Ton sind klar und verständlich. Das im Jahr 2001 produzierte, ca. halbstündige Making of "The Trouble with Harry - isn't over" wartet mit einer Reihe interessanter Hintergrundinformationen auf; außerdem bietet die DVD den Trailer, eine "Kunstgalerie" (schreckliche Übersetzung - "Dia-Show" fände ich treffender) sowie eine "Trailer-Kompilation", die für "Die Hitchcock Collection" wirbt, eine 14 Hitchcock-Filme umfassende Sammlung, deren Erwerb ich Fans sehr ans Herz legen kann (ich habe bei Karstadt 99 Euro dafür bezahlt - ein, wie ich finde, durchaus vertretbarer Preis für einige von "Hitchs" bekanntesten Werken, die zudem allesamt in guter bis sehr guter Ausstattung daherkommen).
19 Bewertungen, 6 Kommentare
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06.01.2007, 13:02 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
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27.09.2006, 16:21 Uhr von mural9
Bewertung: sehr hilfreichLG Inna
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19.01.2006, 10:47 Uhr von angie1977
Bewertung: sehr hilfreichtoller film - toller bericht
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19.01.2006, 00:12 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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17.01.2006, 19:58 Uhr von Lidlefood
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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17.01.2006, 17:48 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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