Keoma - Melodie des Sterbens (DVD) Testbericht

Keoma-melodie-des-sterbens-dvd-western
ab 8,96
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011

5 Sterne
(0)
4 Sterne
(2)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von CiscoGianino

Es ist leicht einen zu töten, der schon tot ist...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Das Halbblut Keoma (Franco Nero), der desillusioniert von den ewig wütenden, sinnlosen Kriegen ist, kommt in eine kleine Stadt, die vom Tyrannen Caldwell (Donal O’Brien) beherrscht wird. Keiner wagt sich gegen ihn und seine skrupellose Mörderbande aufzulehnen. Unter diesen befinden sich auch die Shannon-Brüder Butch, Sammy und Lenny (Orso Maria Guerrini, Antonio Marsina, Gianni Loffredo), die Keomas Halbbrüder sind. Ihr Vater (William Berger), der ein gefürchteter Revolverheld war, nahm diesen als kleines Kind bei sich auf nachdem seine ganze Familie niedergemetzelt wurde. Doch die drei konnten ihn nie leiden, da sie der Ansicht waren, ihr Vater bevorzuge Keoma.
Wie es im Italo-Western so kommen muss, legt sich Keoma natürlich mit Caldwell an. Unterstützt wird er von einem Schwarzen (Woody Strode), der früher für seinen Vater arbeitete und mit dem er seit seiner Kindheit befreundet ist. Nachdem Caldwell tot ist, erheben Keomas Halbbrüder Anspruch auf die Vormachtstellung im Ort, was der Titelheld nicht zu lassen will und so kommt es zum letzten Duell...

„Die Welt ist schlecht“, meint Keoma gleich zu Anfang des Films. Das ist sie häufig im Italo-Western und auch „Keoma“ macht da keine Ausnahme. Wie so oft spielt der Film in einer Welt, in der Hoffnung längst verloren scheint. In der Stadt grassiert die Cholera und Caldwell lässt die infizierten in eine Mine abtransportieren, damit sich nicht noch mehr anstecken. Die Bürger sind alle längst gebrochene Leute, die unter der Terrorherrschaft schon fast zu Grunde gegangen sind und keine Kraft mehr haben, sich gegen den Tyrannen zu erheben.
Keoma, der wie auch Franco Neros anderer, noch bekannterer Western-Charakter Django ein waschechter Antiheld ist, wird bei weitem nicht so pessimistisch dargestellt. Django war extrem selbstsüchtig und immer nur auf seinen Vorteil aus; Keomas Beweggründe werden im Film zwar nie richtig erläutert, doch scheint er etwas humaner zu sein. Im Verlauf des Films wird er sogar zu einer Art Heilsbringer hochstilisiert: Als er gefangen genommen wird, lassen ihn seine Brüder in bester Erlöser-Manier an ein Rad binden. Franco Neros lange Zottelmähne und sein Vollbart unterstreichen diesen Eindruck noch zusätzlich.

Franco Nero, der häufig mit Regisseur Enzo G. Castellari zusammenarbeitete, spielt seine Rolle wieder hervorragend und beweist, dass er zurecht zu den besten Western-Darstellern zählt. Der Ire Donal O’Brien, der ein Jahr später wieder einen Kriminellen in Sergio Martinos „Mannaja“ spielen sollte, gibt als bösartiger Caldwell mal wieder eine Glanzvorstellung. Gleiches gilt auch für Western-Veteran William Berger, der hier mit eingegrauten Haaren eine der besten Rollen seiner Karriere spielt.
Woody Strode („Spartacus“) spielt den zum Alkoholiker verkommenen Freund Keomas, der von allen Dorfbewohnern nur schikaniert wird. Zum Schluss besinnt er sich doch eines Besseren und gewinnt so seine Menschlichkeit zurück. Diese Wandlung wird etwas schnell vollzogen und bleibt deswegen nicht unbedingt glaubhaft. Strodes Sterbeszene ist ähnlich wie die in „Django – Die Nacht der langen Messer“, wo sein Partner von Luigi Montefiori gespielt wurde, der bei „Keoma“ mit am Drehbuch schrieb und von dem auch die ursprüngliche Idee zu diesem Film stammt. Montefiori, der in den 80ern in Joe D’Amatos „Man Eater“ für Aufsehen sorgte, benutzte auch einige weitere Elemente für das „Keoma“-Drehbuch: Dass beide Bösewichter Caldwell heißen, mag ja noch Zufall sein, aber es gibt viele Szenen, die an den 1969 entstandenen „Django – Die Nacht der langen Messer“ erinnern.

Regisseur Enzo G. Castellari beschreitet mit „Keoma“ eigentlich nur konventionelle Western-Pfade, aber es gelingt ihm dem Film einen mystischen Unterton beizumischen, der diesem Werk eine einzigartige Atmosphäre verleiht. Ein gutes Beispiel ist die mysteriöse, alte Frau, die ständig Keomas Weg kreuzt und von Zeit zu Zeit auch sein Handeln kommentiert. Auch muss man hier die großartige Kameraarbeit von Gianni Bergamini hervorheben, der den Film exzellent fotografiert hat und so erheblich zu seiner Mystik beiträgt.
Die Actionszenen sind, wie von Castellari gewohnt, erstklassig inszeniert und gehören wohl zum besten, was der Italo-Western zu bieten hat. Wie Sam Peckinpah intensiviert der Regisseur seine Shootouts mit vielen Zeitlupenaufnahmen, auch wenn er es manchmal etwas übertreibt.
Der Anfang des Films erinnert ein wenig an Sergio Corbuccis „Django“, wenn Franco Nero die schwangere Liza, gespielt von Olga Karlatos, aus den Händen einiger Männer befreit und danach im örtlichen Saloon für Unruhe sorgt. Ansonsten steht Castellaris Werk aber weitestgehend auf eigenen Füssen und das wirklich exzellent. Auch wenn die Dialoge von hoher Künstlichkeit zeugen und teilweise schon richtig gestelzt wirken, ist „Keoma“ dennoch ein grandioser Spätwestern, dem es noch einmal gelang das eigentlich schon tote Genre kurzzeitig wiederzubeleben.
Die Musik der de-Angelis-Brüder ist ebenfalls ganz hervorragend und besonders der Titelsong, der sich durch den ganzen Film zieht und das Geschehen kommentiert, weiß zu gefallen.

Insgesamt ein toller Film mit einigen kleinen Schwächen, den man aber trotzdem gesehen haben sollte.



Originaltitel: Keoma
Produktionsland & -jahr: Italien 1976
Regie: Enzo G. Castellari (=Enzo Girolami)
Drehbuch: Mino Roli, Nico Ducci, Luigi Montefiori, Enzo G. Castellari
Musik: Guido & Maurizio de Angelis
Kamera: Gianni Bergamini
Darsteller: Franco Nero, William Berger, Olga Karlatos, Woody Strode, Orso Maria Guerrini, Gabriella Giacobbe, Antonio Marsina, Gianni Loffredo, Donal O’Brien, Leopoldo Scavino

13 Bewertungen