Luther (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von maertens

Zur Hölle mit dem Papst

Pro:

gute Schauspieler, klare interessante Handlung

Kontra:

Kostüme zu bunt, Disney-Mittelalter

Empfehlung:

Ja

Warum habe ich mir diesen Film eigentlich angeschaut? Wohl in erster Linie, um die Landschaft und Städte in meiner näheren Heimat mal in einem Film zu sehen, aber auch bissel mehr über Luther zu erfahren, als nur den Umstand, dass er die katholische Kirche mit ihren Machenschaften in die Schranken wies und so den Protestantismus schuf. 123 Minuten sollten dafür ausreichen, ich war gespannt.

Nach den kulanten 12 Minuten Werbung ging der Film los, nur gut dass ich nicht im Cinemaxx war, da hätte das 30 Minuten gedauert. Die erste Szene beginnt etwas wirr, da stolpert ein Mann durchs Gewitter, permanent schlagen Blitze nur Zentimeter neben ihm ein. Fand ich schon mal sehr übertrieben. Na ja... Der Stolpernde ist Luther, welche zu Gott fleht, er möge ihn verschonen. Dieses Schlüsselerlebnis soll das Initial dafür gewesen sein, dass Luther später Mönch in Erfurth am Augustinerkloster wird.

Eine Pilgerfahrt nach Rom führt ihm vor Augen, wie mit dieser Gottesfurcht Geschäfte gemacht werden. Da werden den armen Bürgern die letzten Taler aus der Tasche gezogen und ihnen versprochen, sich damit aus dem Fegefeuer freizukaufen. Ja nicht nur das, man konnte sogar schon tote Verwandte aus der Hölle holen, wenn man nur ordentlich Geld spendet. Außerdem beobachtete er, dass die kirchlichen Würdenträger sich ganz und gar nicht an das Zölibatsgebot halten. Luther war angewidert von diesem sündigen Treiben, er sieht dass man alles kaufen kann, sogar die Sünde. Zurückgekehrt in Erfurt erzählt er seinem Pater davon, welcher das große Potential in Luther sieht, und ihn nach Wittenberg zum Theologiestudium schickt. Schließlich wird er sogar Professor der Theologie....

Als ein solcher wusste er genau, dass es für all die Thesen der Kirche keine Bibelzitate gibt, die dieses Treiben rechtfertigten. Zunächst hielt er noch still, bis ihm irgendwann der Kragen platzte, vor allem vor dem Hintergrund der Missstände in Wittenberg selber. Da erhängten sich Kinder aus Furcht vor Gott, Eltern verstecken ihre verkrüppelten Kinder usw. Als schließlich ein erfolgreicher Ablasshändler des Weges kam, der mit gar drastischen Bildern die Qualen der Hölle ausmalte und die Gläubigen quasi zum Ablasshandelkauf zwang, war das Maß überschritten. Das Ganze erinnerte mich fatal an Verkäufern auf Kaffeefahrten.. J Ausgelöst hatte dieses verstärkte Treiben auch in Deutschland Papst Leo der 10te, welcher damit den Bau des Petersdomes in Rom finanzieren wollte.

Schließlich schlug Luther seine Thesen an die Pforte der Schlosskirche in Wittenberg und löste damit einen Glaubenskrieg aus, der tausenden Menschen das Leben kostete. Ich will hier nicht den gesamten Filmablauf wiedergeben, dazu sollte man selber ins Kino gehen. Nur soviel: Der Film hat eine Art Happy End.

Die Schauspieler:

Joseph Fiennes als Hauptdarsteller ist sehr gut gewählt. Ob Luther tatsächlich ein solcher gutaussehende junger Mensch war sei dahingestellt. Emotionen kommen bei Fiennes sehr gut rüber, er ging in seiner Rolle hervorragend auf.

Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, ein Gönner Luthers wurde von Peter Ustinov verkörpert. Durch seine Rolle wurde der Film echt aufgewertet. Er brachte einen komödiantischen Aspekt in die Handlung.

Papst Leo der 10th wurde durch Uwe Ochsenknecht dargestellt, die einzige Fehlbesetzung im Film. Zumindest den toten Papst im Sarg spielte er ganz gut.

Alfred Molina als Ablasshändler Johann Tetzel war einfach göttlich. Drastisch, hinterhältig und böse, ein Feuerwerk an Gegenemotionen verursachend.

In Erinnerung geblieben sind mir noch Mathieu Carrière als Kardinal, welcher gewohnt brillant spielte, Benjamin Sadler als Georg Spalatin und Mitstreiter Luthers sowie Bruno Ganz als Pater Luthers.

Handlung:

Hier habe ich nichts auszusetzen. Die Geschichte wird brav chronologisch und auch logisch aufgebaut, ist verständlich und wird nie langweilig.

Kostüme/Ausstattung/Inszenierung:

Hier verliert der Film deutlich an positiven Aspekten. Es war mir alles viel zu üppig und zu bunt. Da gab es schon Filme, die authentischer dargestellt wurden. Bei denen erinnere ich mich auch daran, dass das Rot eines Kardinalsmantels nach soviel Grau richtig „reinknallte“, was ja auch der Effekt sein sollte. Aber offensichtlich wollte man „typisch Mittelalter“ darstellen, indem man fast alle Darsteller künstlich schmutzig machte. Dass das Mittelalter nicht gerade ein hygienisches Zeitalter war mag ja sein, aber mit so künstlich aussehenden Dreckstreifen im Gesicht sind die damals sicher nicht rumgelaufen.

Die mittelalterlichen Kulissen gefielen mir ganz gut, bis auf die eher durchschnittlichen Bilder, wenn ein Schwenk auf eine Stadtsilhouette gemacht wurde. Das habe ich schon realistischer gesehen.

Weiterhin störend empfand ich die etwas ungenaue Synchronisierung fremdsprachiger Schauspieler, das war mir dann doch etwas zu auffällig.

Website:
www.luther-der-film.de

Fazit:

Durchaus sehenswerter aber etwas unrealistischer Streifen. Eine Beratung mit Mittelalterexperten hätte hier sicherlich geholfen. Ansonsten brilliert der Film durch eine klar durchstrukturierte Handlung und gute Schauspieler. Der Kinogänger erwartet eine spannende Geschichtslektion, in der auch lustige Situationen nicht fehlen. Ein Film jedermann, ob religiös oder nicht. Von mit 4 von 5 Punkten, Sternen oder was auch immer.

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