Luther (DVD) Testbericht




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Auf yopi.de gelistet seit 12/2010
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Erfahrungsbericht von w.gruentjens
Kein Kunstwerk
Pro:
Ein netter Film ...
Kontra:
... mit einigen Schwächen
Empfehlung:
Nein
Wer den Pianist gesehen hat, der weiß, wie man eine Geschichte, in der eine Person im Mittelpunkt steht, zu einem Meisterwerk machen kann, denn Polanski hat es ja geschafft. Ob Luthers Regisseur Eric Till den Pianist wohl gesehen hat, und wenn ja, ob er daraus gelernt hat? Wir werden sehen.
INHALT
Luther (Joseph Fiennes) gerät in ein Gewitter, in dem die Blitze dicht um ihn herum einschlagen. Er schreit hysterisch zu Gott um Hilfe und verspricht als Gegengabe, ins Kloster zu gehen. Sein Vater, der sich jahrzehntelang abgeschuftet hatte, um ihm ein Jura-Studium zu ermöglichen, ist davon nicht erbaut.
Luther jedenfalls zeigt sich als gelehriger und beredter Student, der es schließlich zum Doktor der Theologie bringt und schließlich so qualifiziert ist, dass er mit einem Auftrag nach Rom geschickt wird. Damit ist das erste Schlüsselerlebnis zugrundegelegt, das seinen weiteren Lebensweg – und den der ganzen Christenheit – bestimmen soll: Er erlebt Rom als einen Sündenpfuhl, den Klerus als verhurt und geldgierig, den Papst (recht unpassend von Uwe Ochsenknecht dargestellt) als Lebe- und Machtmensch.
Das zweite Schlüsselerlebnis hat er in der Heimat: Er erlebt den Ablassprediger Tetzel (Alfred Molina), der als Geldsammler durch die Lande zieht und den Ärmsten der Armen noch den letzten Heller aus der Tasche zieht, indem er ihnen für ihren Großvater, die Mutter, das Kind oder auch das eigene Seelenheil Hunderte von Jahren Verkürzung der Fegefeuerzeit verkauft. Noch heute kann man das, was mit dem Geld gemacht wurde, besichtigen: den Petersdom.
Luther kritisiert immer stärker die Missstände in der Kirche, durchdenkt sie, diskutiert sie und schlägt schließlich die von ihm zusammengefassten Thesen an die Tür der Kirche in Wittenberg an; und so beginnt nicht nur die Reformation, seine eigene Verfolgung, sondern es werden auch seine Worte verdreht und führen so zu Bauernaufständen und Bilderstürmerei.
QUALITÄT
Ich will nun nicht den ganzen Inhalt, den man in jedem Geschichts- oder Religionsbuch besser nachlesen könnte, erzählen; vielmehr will ich prüfen, ob der Film auch filmische Qualitäten hat, oder ob man nicht besser tut, die Dinge wirklich beim geschriebenen Wort zu belassen.
Schon zu Anfang – beim Gewitter – fällt einem die hysterische, übertrieben gezeichnete Figur des Luther auf; dies wird sogar bei mehreren „Begegnungen“ mit dem Teufel wiederholt, bis fast ins Peinliche wiederholt. Ob Luther, der Belesene, der Gelehrte, der spätere Mit-Schöpfer des Neuhochdeutschen, wirklich ein so paranoid wirkender junger Mann war? Ich glaube kaum.
Dann passiert die nächste Peinlichkeit: Statt die Personen vorzustellen, ihnen Zeit zu geben, auf den Zuschauer zu wirken, wird gehetzt und ein Erzähltempo vorgelegt, das schlimmer als in Harry Potter ist, aber zu diesem ernsten Thema schlechter passt.
Die nächste Peinlichkeit ist dann zu finden, wenn man auf die eine Sekunde wartet, in der die scheußliche Musik, die sogar während wichtiger Unterhaltungen dudelt, endlich einmal aufhört: Man sucht die Sekunde vergeblich; immer dudelt die Musik – furchtbar.
Wer dann noch darauf wartet, eine schauspielerische Leistung zu erleben, die sich sehen lassen kann, der wird – endlich – fündig: Peter Ustinov spielt Friedrich den Weisen so verschmitzt, ausdrucksvoll, sympathisch, dass es ein Genuss ist; freilich gesellen sich zu diesem Genuss in dem Film leider nicht viele andere Genüsse, jedenfalls nicht filmischer Art. Auch der Schauspielerin Claire Box kann man die etwas altjüngferlich wirkende Katharina von Bora, die Luther schließlich heiratet, nur abnehmen, ohne von ihr begeistert zu sein.
Im Übrigen sind aber weder die Leistungen der Schauspieler noch die Regie noch die Kamera noch das Drehbuch Anlass, bei diesem Film von einem Gesellenstück oder gar von einem Kunstwerk zu sprechen; eine Lehrlingsübung, die ganz nett ist, die aber für einen kritischen Zuschauer zu einem Machwerk gerät, wäre wohl die passendere Bezeichnung.
Dieser Film, vor dem mich die Kritiken gewarnt haben, die persönlichen Empfehlungen im Familien- und Freundeskreis aber nicht, hat schon beide Züge: Wer einen guten Film sucht, der ist hier an der falschen Stelle, wer mal was über Luther sehen will, der findet hier etwas, aber: Der Film ist hektisch, wo er ruhig sein sollte, hysterisch, wo er sachlich sein sollte, fad, wo er deutlich sein sollte; und Hektik im Schnitt, gepaart mit ständiger Musikberieselung, war ja schon immer das beste Mittel, einen ansatzweise mittelmäßigen Film zu einem eher schlechten Film zu machen.
Ich müsste schon überlegen, wenn mir noch ein paar Fehler einfallen sollten, die man hier noch hätte einbauen können, denn die schlimmsten Fehler wurden schon gemacht.
FAZIT
Wer einen künstlerischen oder auch nur einen guten Film sucht, der wird hier nicht fündig werden, und für die Leute, die eher unkünstlerische und schlechte Filme sehen, ist er zu langweilig.
Wer sich aber nur einmal eine bildhafte Vorstellung von Luthers Leben machen möchte und wer damit zufrieden ist, wenn sich Wahrheit und Legende nicht immer glücklich mischen und wenn die cineastische Qualität fragwürdig ist, der soll sich den Film ruhig ansehen, wenn er nicht so sehr wie ich unter den filmgestalterischen Fehlern leidet.
INHALT
Luther (Joseph Fiennes) gerät in ein Gewitter, in dem die Blitze dicht um ihn herum einschlagen. Er schreit hysterisch zu Gott um Hilfe und verspricht als Gegengabe, ins Kloster zu gehen. Sein Vater, der sich jahrzehntelang abgeschuftet hatte, um ihm ein Jura-Studium zu ermöglichen, ist davon nicht erbaut.
Luther jedenfalls zeigt sich als gelehriger und beredter Student, der es schließlich zum Doktor der Theologie bringt und schließlich so qualifiziert ist, dass er mit einem Auftrag nach Rom geschickt wird. Damit ist das erste Schlüsselerlebnis zugrundegelegt, das seinen weiteren Lebensweg – und den der ganzen Christenheit – bestimmen soll: Er erlebt Rom als einen Sündenpfuhl, den Klerus als verhurt und geldgierig, den Papst (recht unpassend von Uwe Ochsenknecht dargestellt) als Lebe- und Machtmensch.
Das zweite Schlüsselerlebnis hat er in der Heimat: Er erlebt den Ablassprediger Tetzel (Alfred Molina), der als Geldsammler durch die Lande zieht und den Ärmsten der Armen noch den letzten Heller aus der Tasche zieht, indem er ihnen für ihren Großvater, die Mutter, das Kind oder auch das eigene Seelenheil Hunderte von Jahren Verkürzung der Fegefeuerzeit verkauft. Noch heute kann man das, was mit dem Geld gemacht wurde, besichtigen: den Petersdom.
Luther kritisiert immer stärker die Missstände in der Kirche, durchdenkt sie, diskutiert sie und schlägt schließlich die von ihm zusammengefassten Thesen an die Tür der Kirche in Wittenberg an; und so beginnt nicht nur die Reformation, seine eigene Verfolgung, sondern es werden auch seine Worte verdreht und führen so zu Bauernaufständen und Bilderstürmerei.
QUALITÄT
Ich will nun nicht den ganzen Inhalt, den man in jedem Geschichts- oder Religionsbuch besser nachlesen könnte, erzählen; vielmehr will ich prüfen, ob der Film auch filmische Qualitäten hat, oder ob man nicht besser tut, die Dinge wirklich beim geschriebenen Wort zu belassen.
Schon zu Anfang – beim Gewitter – fällt einem die hysterische, übertrieben gezeichnete Figur des Luther auf; dies wird sogar bei mehreren „Begegnungen“ mit dem Teufel wiederholt, bis fast ins Peinliche wiederholt. Ob Luther, der Belesene, der Gelehrte, der spätere Mit-Schöpfer des Neuhochdeutschen, wirklich ein so paranoid wirkender junger Mann war? Ich glaube kaum.
Dann passiert die nächste Peinlichkeit: Statt die Personen vorzustellen, ihnen Zeit zu geben, auf den Zuschauer zu wirken, wird gehetzt und ein Erzähltempo vorgelegt, das schlimmer als in Harry Potter ist, aber zu diesem ernsten Thema schlechter passt.
Die nächste Peinlichkeit ist dann zu finden, wenn man auf die eine Sekunde wartet, in der die scheußliche Musik, die sogar während wichtiger Unterhaltungen dudelt, endlich einmal aufhört: Man sucht die Sekunde vergeblich; immer dudelt die Musik – furchtbar.
Wer dann noch darauf wartet, eine schauspielerische Leistung zu erleben, die sich sehen lassen kann, der wird – endlich – fündig: Peter Ustinov spielt Friedrich den Weisen so verschmitzt, ausdrucksvoll, sympathisch, dass es ein Genuss ist; freilich gesellen sich zu diesem Genuss in dem Film leider nicht viele andere Genüsse, jedenfalls nicht filmischer Art. Auch der Schauspielerin Claire Box kann man die etwas altjüngferlich wirkende Katharina von Bora, die Luther schließlich heiratet, nur abnehmen, ohne von ihr begeistert zu sein.
Im Übrigen sind aber weder die Leistungen der Schauspieler noch die Regie noch die Kamera noch das Drehbuch Anlass, bei diesem Film von einem Gesellenstück oder gar von einem Kunstwerk zu sprechen; eine Lehrlingsübung, die ganz nett ist, die aber für einen kritischen Zuschauer zu einem Machwerk gerät, wäre wohl die passendere Bezeichnung.
Dieser Film, vor dem mich die Kritiken gewarnt haben, die persönlichen Empfehlungen im Familien- und Freundeskreis aber nicht, hat schon beide Züge: Wer einen guten Film sucht, der ist hier an der falschen Stelle, wer mal was über Luther sehen will, der findet hier etwas, aber: Der Film ist hektisch, wo er ruhig sein sollte, hysterisch, wo er sachlich sein sollte, fad, wo er deutlich sein sollte; und Hektik im Schnitt, gepaart mit ständiger Musikberieselung, war ja schon immer das beste Mittel, einen ansatzweise mittelmäßigen Film zu einem eher schlechten Film zu machen.
Ich müsste schon überlegen, wenn mir noch ein paar Fehler einfallen sollten, die man hier noch hätte einbauen können, denn die schlimmsten Fehler wurden schon gemacht.
FAZIT
Wer einen künstlerischen oder auch nur einen guten Film sucht, der wird hier nicht fündig werden, und für die Leute, die eher unkünstlerische und schlechte Filme sehen, ist er zu langweilig.
Wer sich aber nur einmal eine bildhafte Vorstellung von Luthers Leben machen möchte und wer damit zufrieden ist, wenn sich Wahrheit und Legende nicht immer glücklich mischen und wenn die cineastische Qualität fragwürdig ist, der soll sich den Film ruhig ansehen, wenn er nicht so sehr wie ich unter den filmgestalterischen Fehlern leidet.
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