Magnolia (DVD) Testbericht

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ab 5,67
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Erfahrungsbericht von Kuhli

82% Regenwahrscheinlichkeit beim Exodus 8:2

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Magnolie, die (benannt nach dem franz. Botaniker Magnol, gest. 1715), Gattung aus der Familie der Magnoliaceen, schöne Bäume und Sträucher mit meist großen und ganzrandigen, immergrünen oder abfallenden Blättern und großen, endständigen weißen, roten oder blauroten, wohlriechenden Blüten,...“

Das sagt also das Lexikon (unter anderem) über Magnolien, aber was diese Blüte besonderes ausmacht erfährt man auch hier nicht. Aber egal ob aus Stahl oder nicht, sie ist und bleibt hart und zerbrechlich zugleich.

### Story ###

--- Da es sich hierbei um einen Episodenfilm handelt ist eine durchgängige, chronologische Zusammenfassung überflüssig ---

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10 Menschen - 10 Schicksale
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* Earl Partridge (Jason Robards)

Er ist nicht nur reich, sondern auch todgeweiht, da er einen Lungentumor hat. Sein sehnlichster letzter Wunsch ist seinen Sohn wieder zu sehen mit dem er sich vor langer Zeit zerstritten hat. Gepflegt wird der alte Mann von...

* Phil (Philip Seymour Hoffman)

Der Krankenpfleger versucht mit allen Mitteln Earl zu helfen seinen Sohn wieder zu finden.

* Linda Partridge (Julianne Moore)

Erst als ihr Mann Earl im sterben liegt merkt sie wirklich, wie sehr sie ihn liebt und verfällt der Tablettensucht.

* Frank Mackey (Tom Cruise)

Er ist ein selbsternannter Sexguru und TV-Star und mit seiner Einstellung “Respektiere den Penis, zähme die Fotze” zieht er sehr erfolgreich durch die Gegend. Wird er seinen Vater vor dessen Tod wiedersehen wollen.

* Officer Jim Kurring (John C. Reilly)

Er ist genauso einsam wie alle anderen hier, doch wie das Schicksal so will lernt er eine Frau kennen, die aber ein Geheimnis hat, diese Frau ist…

* Claudia Gator ( Melora Walters)

Sie ist kokssüchtig und steigt (un)gerne schon mal mit fremden Männern ins Bett, doch warum sie ihr Leben nicht in den Griff bekommt, weiß nur ihr gehasster Vater...

* Jimmy Gator ( Philip Baker Hall)

Er ist Quizmaster der erfolgreichen Kindersendungen „What do kids now“, lebt ein scheinheiliges Eheleben und ist ebenfalls an Krebs erkrankt.

* Rose Gator (Melinda Dillon)

Als sie erfährt warum die Tochter ihren Vater hasst, möchte sie sich mit ihr versöhnen, doch was wird aus der Ehe?

* Stanley ( Jeremy Blackman)

Er ist momentaner Champion der oben genannten Quizshow und auf dem besten Wege den Rekord zu brechen, doch er leidet nicht nur darunter, dass sein allein erziehender Vater in nur wegen seines Quizerfolgs zu lieben scheint, sondern er hat auch eine schwache Blase.

* Donnie Smith (William H. Macy)

Er ist der mittlerweile erwachsene Rekordhalter der Quizshow und wird noch heute Jahrzehnte später darauf angesprochen, doch dieser Gewinn war wohl sein einziger Erfolg im Leben. Er verliert nicht nur seinen schlechten Job, sondern kann auch nicht seine wahren Gefühle für den muskulösen Barkeeper seiner Stammkneipe zeigen.

### Kritik ###

Man sagt immer Robert Altman sei der Meister des Episodenfilms und sein „Short Cuts“ wäre darin die Offenbarung. Meine Frage dazu : Altman wer? Short Cuts was? Nie gehört!
Natürlich kenne ich sowohl Altman als auch seine Filme, aber P.T. Anderson hat mit Magnolia wohl die neue Referenz in diesem Genre geschaffen.

***Der Anfang***

Der Film fängt wirklich überraschend an. Die ersten fünf Minuten des Films sind die wahrsten und wirken doch so unwahrscheinlich. Anderson rechtfertigt mit diesen wenigen Szenen die komplette Story seines Films. Er zeigt dort drei wahre Gehschichten, die sich wirklich so zugetragen haben, die aber auch so unglaublich erscheinen, dass man sie nicht für möglich hält.
Anderson hatte wohl Angst, dass man seinem Film Unglaubwirklichkeit unterstellen könnte, und so sagt er ganz klar, wenn diese drei wahren Gehschichten so passiert sind, wieso sollten dann die Zufälle und Schicksale in diesem Film nicht auch so passieren können.

Überlang und nachhaltig, ein Film dessen volle Wirkung einem erst spät klar wird.

Auch wenn sich die einzelnen Geschichten alle miteinander verweben, haben die Menschen alle ein eigenes Schicksal und so was zu erzählen braucht Zeit und die nimmt sich der Regisseur auch. 3 Stunden Drama ist eine ganze Menge, aber keine 3 Sekunden Langeweile kommen hier auf. Keine Szene ist überflüssig, jede Sekunde die man sieht möchte man nicht vergessen.

Ruhig und schwer verdaulich, ein Film der genauso leise wie provokant ist

Dramen bieten oft genug diese überdramatisierten Leidensszenen, die den Zuschauer wach halten sollen, natürlich findet man diese Wendungen hier auch, aber bei der Länge des Films kommen die ruhigen Szenen wohl auf 99% und gerade dadurch wirken die 1% noch intensiver. Aber auch die ruhigen Szenen sind so intensiv und beweisen das Schauspielkünste nun mal wichtiger sind, als man manchmal meint. Hier hätte man mangelndes Talent nicht durch Optik und Musik überdecken können und das musste hier zum Glück auch nicht gemacht werden.

Traurig und ehrlich, ein Film der so wahr ist, dass er weh tut.

Man hat hier keine Zeit darüber nachzudenken, ob dieser Film langweilig ist, denn man möchte nichts verpassen. Emotionen gibt’s hier im Überfluss, Hass und Wut bevorzugt. Hat man in „normalen“ Filmen 2-3 Personen mit denen man mitfühlt und leidet, hat man hier mindestens das dreifach. Egal ob man die Personen hasst, dafür was sie gemacht haben, bemitleidet, weil sie einsam sind, oder mit ihnen enttäuscht wird, man leidet mit allen mit. Gut oder Böse gibt’s nicht, da der Regisseur nicht verurteilt, sondern eben bemitleidet.
Mancher möge denken, dass dieser Film im abgrundtiefen Kitsch versinkt, aber hier gibt’s keine einzige melodramatische Szene, dramatisch auf jeden Fall, aber typisches Hollywood-auf-die-tränendrüse-drücken finden man nirgends. Und wie schafft man das? Mit ironischer Tragik, sarkastischer Ehrlichkeit und einer abgedrehten Storyverknüpfung.
Über diesen Film könnte man stundenlang diskutieren. Vor allem würde ich gerne etwas über P.T. Andersons Kindheit erfahren, denn in diesem Film sind sämtliche Väter die Ursachen jeglichen Übels. Ist dieser Film eine Kindheitsbewältigung des Regisseurs? Müsste man mal nachforschen. Aber auch sonst liefert der Film interessante Aspekte. Ist jeder Mensch wirklich einsam und schafft diese Einsamkeit eine Gemeinsamkeit? Jeder ist gemeinsam einsam! Könnte was dran sein.

Wunderschön und packend, ein Film dessen Bilder einen fesseln.

Dramen sind dröge und trist gefilmt! Konnte man meinen, bis im Jahr 2000 gleich zwei Filme auf die Leinwand kamen, die mit diesem Vorurteil aufräumten. American Beauty war das eine, Magnolia das andere. Vor allem am Ende wünscht man sich das der Bilderregen niemals aufhört, aber auch die 2 ½ Stunden davor wirken sehr warm und persönlich und sind oft gerade durch ihre Einfachheit genial.

Altbekannt und neu, ein Film der genau wie Boogie Nights ist, nur ganz anders.

Der Film ist genau wie P.T. Andersons vorheriger genauso „geiler“ Film „Boogie Nights“. Eine Menge verwobener Geschichten, die irgendwie zusammenfinden und von einem genialen Ensemble getragen werden. Trotzdem ist er komplett anders, denn gab es bei Boogie Nights“ noch eine Hauptgeschichte und einige Nebenhandlungen , ist hier jede Handlung beides, keiner wurde mehr Bedeutung gegeben als der anderen. Zudem ist „Boogie Nights“ eine bunte, knallige Zeitreise in die funky 70er und das ist Magnolia natürlich auf keinen Fall.

***Das Ende***

Mal wieder fällt mir ein Wort besonders ein : GENIAL. Auch wenn ich es nicht ganz verstehe, das könnte aber auch daran liegen, das ich nicht wirklich bibelfest bin. Denn jeder weiß, das regen die Luft reinigt, aber Andersons Regen ist eine biblische Plage führt aber auch zusammen und verbindet, ganz nach dem Motto „Für mich soll’s grüne Frösche regnen“. Gänsehaut und Erstaunen sind hier vorprogrammiert.

*** Die Schauspieler ***



Ein bisschen Wortspiel zwischendurch muss sein, also : Ein Potpourri an genialen Schauspielern, die in ihren Rollen gerade aufblühen. Potpourri, aufblühen!!! Verstanden? Blumen – Magnolien!!! Witzig oder? Naja, darüber lässt sich streiten.

Jaja, die Schauspieler. Eigentlich brauch man über dieses Ensemble nichts mehr zu sagen, eine Auflistung würde eigentlich reichen. So viele klasse Schauspieler in einem Film ist der absolute Wahnsinn und einige davon kennt man ja auch schon aus Boogie Nights zusammen.

Tom Cruise (Top Gun, Rain Man, Eyes Wide Shut) als Sexguru, was will man mehr. Er zeigt hier sowohl den oberflächlich wirkenden Macho, als auch den ruhigen leidenden Sohn. Er war für diese Rolle Oscarnominiert und Golden Globe-ausgezeichnet

Juliane Moore (Vergessene Welt, Hannibal) arbeitete nach Boogie Nights wieder mit Anderson und ist der absolute Hammer. Ihre Szene als sie die ganzen Medikamente abholen will und von dem Apotheker als süchtig hingestellt wird und sich darauf hin emotionsgeladen verteidigt ist mehr als schrecklich genial. Für mich eine der intensivsten, schlimmsten Szenen des Films.

John C. Reilly ist auch wieder dabei. In Boogie Nights hatte er ja eher eine kleine Rolle, hier wird zum einzigen Menschen, der vernünftig zusein scheint, bis er in Tränen zusammen bricht weil er seine Waffe nicht mehr finden kann.

William H. Macy (Emergency Room, Fargo, Jurassic Parc 3) war in Boogie Nights schon ein Loser und hier ist er es natürlich auch wieder. Er spielt den Verlierer so grandios wie immer, so tragisch, dass man schon wieder über ihn lachen muss.

Philipp Seymour Hoffman (Happiness) spielt genauso wie schon in Boogie Nights eine eher kleine Rolle, hat hier aber wenigstens eine bessere Frisur und Klamotten, die seine unvorteilhafte Figur diesmal verdecken.

Natürlich darf man auch die älteren Semester nicht vergessen, die jeder kennt auch wenn man die Namen vielleicht nicht immer drauf hat.

Jason Robards dessen Rolle tragischer Weise Realität wurde, da er kurze Zeit später tatsächlich an Krebs starb.

Philip Baker Hall und Melora Walters, Jeremy Blackman, Melinda Dillon und Ricky Jay

*** Die Musik ***

Zwar gibt’s hier ein paar altbekannte Lieder, aber neben der stimmigen Hauptscore von Jon Brion bewegt vor allem das von Aimee Mann gesungene Titellied „Save me“.


### Fazit ###

Was soll ich sagen außer : Anschauen und genießen. Boogie Nights war kein Einzelfall, sondern anscheinend nur eine Aufwärmübung. Hier gibt’s genug Action, aber keine Explosionen oder Verfolgungsjagden, sondern einfach emotionale Action. Jede einzelne Szene jedes einzelnen Schauspielers ist ein Meisterwerk. Und nicht von der Länge abschrecken lassen.

### DVD ###

Muss man bei Boogie Nights mit einer schlecht ausgestatteten Scheibe vorlieb nehmen, bekommt man hier sogar ein Doppel-DVD vorgesetzt.

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DVD1 - Film
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***Bildqualität***

Perfekt, mehr muss ich wohl nicht sagen. Kräftige Farben, keinerlei Verunreinigungen, starker Kontrast und das von Anfang bis Ende, was will man mehr? Und das ganze gibt’s natürlich in widescreen 16:9 ( 1:2,35)

***Tonqualität***

Dramen haben ja nie sonderlich viele Surroundeffekte, da hauptsächlich Dialoge die Soundkulisse bestimmen. Hier ist das zwar bis aufs Ende auch nicht viel anders, aber die Musik wirkt immer sehr räumlich und wenn’s Effekte gibt, dann sind die auch perfekt. Zudem ist der Ton durchgängig sehr klar und sauber.
Man kann hier in Deutsch zwischen Dolby Digital 5.1 und Dolby Surround wählen und in Englisch Dolby Digital 5.1. Leider sind in der englischen Sprachfassung die Untertitel aber nicht ausblendbar.

***Menü***

Normalerweise bin ich ja ein Fan von schon animierten und musikunterlegten, aufwendigen Menüs. Hier wurde gänzlich darauf verzichtet, weil man wohl Abstriche machen musste, um eine ordentliche Bild- und Tonqualität zu gewährleisten. So eine DVD hat ja auch nicht unbegrenzt Speicher.
Komischerweise ist diese Menü, obwohl es so simpel ist, perfekt. Einfach komplett schwarz, rechts ein großes Bild von einer Magnolie und links dann ziemlich klein die wenigen Auswahlpunkte.
Was man lediglich anprangern könnte ist das Kapitelmenü. Nicht nur, das ich es überarbeitungsfähig finde, das ein 3-Stunden-Film gerade mal 12 Kapitel hat, wobei doch sonst jeder 90-minüter meistens mindesten 25 hat, zudem kann man nicht direkt z.B. auf die letzte Kapitelseite, man muss sich durchklicken.

***User prohibitions***

Was soll das eigentlich? Dieses „Feature“ hat absolut keinen Sinn und findet sich so oft auf DVD’s. Ja, auch hier darf man während des laufenden Films nicht die Sprache wechseln oder Untertitel zu- oder abschalten, hierfür muss man immer ins Menü wechseln.

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DVD2 – Extras
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Surprise, surprise (...?)

Oh, wie schön, eine Überraschung! Für mich? Das wär aber doch nicht nötig gewesen. Was? Hierhinter verbirgt sich nur ein Testbild? Nicht ganz, denn hier gibt’s ein nettes Hidden Feature. Wartet man ca. 20 Sekunden starten fast 9 Minuten Outtakes.

Frank Mackey Seminar (3:45 Min)

Hier sieht man noch mal das komplette Sex-Seminar aus dem Film, das im Film wegen der Handlungssprünge zerschnitten wurde.

Frank Mackey TV Spot (1:32)

Dieser Spot läuft im Film in einem Fernseher, hier hat man ihn noch mal komplett und in Vollbild.

Teaser (1:01)

Eigentlich ein Trailer nur etwas kürzer, der auch keine Story vorweg nimmt, sondern nur die Charaktere vorstellt.

Trailer (2:36)

Der Trailer halt, was soll man dazu noch sagen?

TV-Spots (zusammen 4:27)

Hier findet man doch tatsächlich 9 verschiedene Fernsehspots, die sich alle einem anderen Aspekt des Films annehmen aber nicht alle ausgestrahlt wurden.

Musikvideo „Save Me“ von Aimee Mann (4:27)

Die frau die schon das Titellied für Pleasantville intoniert hat, zeigt hier wieder ihren Drang zu sanften, traurigen Melodien.

Making Of (1:12:43)

Juhu, kein Werbe-Making-Of in dem jeder jeden lobt, wie toll doch der Film ist. Dieses wirklich aufschlussreiche Making Of ist eher wie ein Tagebuch geschnitten. Und das beruhigt auch alle Tierschützer, denn man sieht das kein echter Frosch sein Leben lassen musste.

Alle Extras sind in Englisch und Deutsch untertitelt

*** Booklet ***

Kein Büchlein sondern zum ausklappen. Hier findet man neben der Auflistung der Kapitel des Films und der Extras interessante Produktionsnotizen über „Die Bildgewaltige Antwort auf Short Cuts“, „Das Drehbuch“, „Die Produktion“, „Die Songs“. Auf der Rückseite befinden sich dann noch die für Kinowelt typischen Verweise auf andere DVD-Titel des Verleihers.

###Fazit###

Für einen in Deutschland verhältnismäßig unbekannten Film ist die DVD bis auf kleine Schönheitsfehler (die typisch Kinowelt sind) perfekt. Sowohl in Bezug auf die technische Qualität als auch die Fülle der Extras. Lediglich ein Audiokommentar des Regisseurs hätte ich mir gerne gewünscht, ansonsten ist diese DVD jedem zu empfehlen der gute Filme schon in der ersten Sekunde erkennt.

FILMDATEN

Magnolia, USA 2000
Von Paul Thomas Anderson
52 Sekunden weniger und der Film wäre genau 3 Stunden lang
FSK 12

Ausgezeichnet auf der Berlinale mit dem „Goldenen Bär 2000“ als bester Film

14 Bewertungen