Magnolia (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
Reue, Begegnungen, Entscheidungen ~ und Musikblanervkotzkram.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
===Magnolia=== ein Werk darbietet, welches die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers erfordert, war mir bewusst. Auch jener stellt eine Art Einzel-Geschichten-Werk dar, bei dem jedoch nach und nach die nur scheinbar unterschiedlichsten Handlungsstränge zusammengeführt werden. Jene, die diese Machart bereits bei „Tatsächlich Liebe“, „Nine lives“ oder auch „8 Blickwinkel“ bzw. „11:14“ verfluchten, können getrost an dem (angeblichen?) Meisterwerk vorbeischauen.
Obschon mich die ersten gesprochenen Worte durchaus ob ihrer faszinierenden Verstrickungen durchaus in ihren Bann zogen _(auch wenn die mir persönlich wieder- und wieder begegnende Story „Taucher im Baum“ langsam ein wenig aufdringlich erscheint)_, geht mir sodann die unmittelbare Anschlussumsetzung derartig auf die Nerven, dass ich bereits an dieser Stelle gegen den Gedanken ankämpfte, die DVD zurück in ihre Warteposition zu befördern. Ich meine: ich rede hier immerhin von stolzen 5 (!) Minuten Musikblanervkotzkram.
So sehr mich der Umstand, dass auch hier ~ wie in den kürzlich gesehenen „Devil“ ~ alles mit einem Selbstmord beginnt, der kurioserweise zum „Mittäterschaft beim eigenen Tod“ fungiert, auch ansprach ~ so sehr kam ich mit der Folge, dass die folgenden Minuten (!!!) unter der Filmmusik untergingen, nicht zurecht. '''Jene Musik ist lauter als die stattfindenden Dialoge; so dass man hier entweder die Lautstärkeregelung gen Nachbarbelästigung bewegt oder schlicht und ergreifend beschließt, dass jene Gespräche sicherlich nicht so wichtig sind.'''
Die nachfolgende, überaus langsame Einführung der diversen Charaktere kennt man sicherlich von vergleichbaren Werken ~ wenngleich jedoch nicht in dieser penetranten Art und Weise. Es dauert meines Erachtens nach arg lange, bis sich die ersten Zusammenhänge aufdröseln. Erstaunlicherweise muss man dem Ganzen jedoch zu Gute halten, dass sich bis dato eigentlich kaum nennenswerte Längen feststellen lassen ~ was bei 180Minuten Spielfilmlänge durchaus eine Leistung darstellt.
Die _Handlung_ selbst lässt sich eher anreißen als wiedergeben; eben weil es hier keinen wirklichen Anfang, Hauptteil und Schluss gibt. Zum einen geht es um den TV-Produzenten Big Earl (Jason Robards), der seinen Pfleger Phil (Philip Seymor Hoffman) auf dem Sterbebett bietet, Kontakt zu seinem Sohn Frank (Tom Cruise) aufzunehmen. Jener gibt gewisse „Männer-Kurse“, verleugnet in Interviews seinen Vater und weigert sich seit Jahren, einen Blick in seinen wahren Charakter zu offenbaren. Interessant wohl auch der Umstand, dass Tom Cruise, den ich selbst nicht leiden kann, hier eine (beinahe) absolute Arschloch-Rolle spielt ~ somit wurde die Rolle des Frank in meinen Augen wunderbar besetzt.
Gleichermaßen geht es um eine Gameshow, in der Kinder gegen Erwachsene antreten. Favorit ist der junge Stanley, der täglich 5 Taschen voller Bücher mit sich herumschleppt um seinen immensen Wissensdurst stillen zu können. Rick als „Wunderkindvater“ ist diesbezüglich besonders ehrgeizig ~ und wutentbrannt, als Stanley kurz vor dem neuen Rekord aufzugeben scheint. Besonders hervorzuheben meines Erachtens nach, dass in „Magnolia“ ebenfalls der ehemalige Kinderstar Donnie (William H. Macy) seinen Platz findet: Donnies Karriere ist schon lange vorbei, kaum jemand erinnert sich an ihn. Die Worte „ich war intelligent, heute bin ich dumm“ berühren den Zuschauer durchaus; werden vor allem durch den Ort der stattfindenden Szenerie einfühlsam unterstrichen.
Desweiteren muss sich der Zuschauer mit dem an Krebs erkrankten Game-Showmaster Jimmy Gator (Phillip Backer Hall) auseinandersetzten, der 2 Monate vor seinem Tod seine Tochter Claudia (Melora Walters) aufsucht, um sich mit ihr zu versöhnen. Jene wirft ihn jedoch kurzerhand vor die Tür, nähert sich im weiteren Verlauf langsam dem Polizisten Jim (John C. Reilly) an ~ und berührt meiner Ansicht nach den Zuschauer insgesamt am intensivsten.
===Explizites===
So sehr ich von der Eingangsumsetzung genervt war, so rasch vergaß ich jenes auch wieder. '''„Magnolia“ dröselt sich langsam auf, spielt meiner Ansicht nach bedauerlicherweise jedoch hin und wieder zu intensiv mit dem schnellen Szenenwechsel.''' Gleichermaßen wollten die Macher meiner Meinung nach zu viel ~ '''es scheint, als hätte Regisseur und zugleich Drehbuchautor Paul Thomas Anderson unbedingt bahnbrechende Gefühlsstürze im potentiellen Zuschauer auslösen wollen und schoss damit vereinzelt über das wohlgemeinte Ziel hinaus.''' Ein Pfleger, der Anteil an den tragischen Umständen seines Patienten nimmt, darf durchaus sein ~ doch insgesamt kämpft er meiner Ansicht nach zu oft mit der Fassung, den Tränen und steht überdies (zu) vielen Charakteren mit seiner Zartbesaitung in nichts nach.
Natürlich geht es hier um ein Drama; ein Melodram gar schon ~ '''jede Persönlichkeit offenbart in „Magnolia“ seine eigene Verletzlichkeit, Sehnsüchte, (aufgegebenen) Hoffnungen und gleichermaßen womöglich gar Abgründe und lässt den Filmgucker kaum kalt.'''
Nichtsdestotrotz weiß man durchaus nach der hälftigen Spielzeit bereits: alle Charaktere sind auf ihre eigene Art und Weise gebrochen; und fertig.
Nur: fertig ist der Film hier noch lange nicht.
'''Raffiniert zweifellos die Momente, in denen zuvor scheinbar unzusammenhängendes aufeinandertrifft ~ doch so wirklich überzeugen kann mich „Magnolia“ schlussendlich nicht.'''
Wie bereits gesagt will das Gesamtwerk meines Erachtens nach zu viel; hätte man ein bis zwei Personen aus der Geschichte herausgelassen, so wäre der hier stattfindenden Oberflächlichkeit entgegengewirkt worden.
Unabstreitbar gaben sich die Macher Mühe, jeder Figur Tiefe, Vergangenheit und Begründung für das momentane tun einzuimpfen, ohne den Film noch zeitaufwändiger darzubieten ~ '''doch stellenweise fehlt einfach das gewisse Etwas, das i-Tüpfelchen, der etwas sezierendere Einblick''', um zu verstehen, wieso jemand etwas tut bzw. nicht tut.
Insbesondere über Claudia hätte ich gerne noch mehr erfahren; eben weil jene die meiner Ansicht nach authentischste Figur darstellt. Mit der kurz angerissenen Begründung, weswegen sie ihren Vater nicht mehr sehen wollte und dessen damit verbundener (Nicht-)Aufklärung bin ich an dieser Stelle keineswegs zufrieden. Ebenso wenig konnte ich jener Entscheidung Lindas folgen, zu tun, was sie ihres Erachtens nach tun musste. Ob die Idee der Macher, die gesamte Handlung auf einen einzelnen Tag zu beschränken, wirklich so herausragend genial war, muss somit ein jeder für sich selbst entscheiden.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: es geht mir nicht darum, dass ein Film möglichst alle Fragen beantwortet und absolut nachvollziehbar bleibt. Ganz im Gegenteil: „Magnolia“ besticht einerseits gerade dadurch, dass man über vielerlei im Anschluss noch nachdenkt, debattieren und analysieren kann ~ andererseits laufen einige Umstände für meinen Geschmack viel zu sehr ins Leere oder gar Fragwürdige.
Die Aussage, dass sich binnen eines Tages oder gar nur eines Momentes das ganze Leben ändern kann, ist keinesfalls eine Offenbarung, auf die man bis dato noch nie aus eigenen Erfahrungen selbst zurückgreifen konnte. Was an für sich nichts ausmacht ~ und doch gleichzeitig wieder Mit-Aspekt dafür darstellt, dass ich mir ein bis zwei Eckpfeiler (im Sinne von Personen) weniger, dafür etwas rundere Einblicke gewünscht hätte.
Und dann, Freunde des „ich guck den Film bis zum Schluss, um den vermeintlichen Knaller nicht zu verpassen“ Monologs ~ dann regnet es Frösche. Echte, richtige Frösche. Vom Himmel. Statt eines handelsüblichen Regenschauers. Frösche.
'''Mehr habe ich dazu nicht mehr zu sagen.'''
===Summa summarum=== involviert „Magnolia“ durch die Bank überzeugende Darsteller, die allesamt das Beste aus ihrer Rolle machen (wobei die Unterstellung naheliegt, dass Tom Cruise mehr oder minder einfach nur sich selbst spielt).
Auch der Aspekt, dass der Film 3 Stunden dauert, fällt nicht weiter negativ auf, eben weil es doch immer irgendwo spannend bleibt. Winzige Längen gibt es, aber eben nicht in der überbordenden Art und Weise, dass man sich fragen muss, wem man für die verlorene Zeit verantwortlich machen darf.
Prolog sowie Nachwort stellen einen nicht minder interessanten Denkanstoß über Zufall und Schicksal dar ~ doch insgesamt konnte mich „Magnolia“ nicht überzeugen. Die regnenden Frösche können da metaphorisch gemeint sein wie sie wollen ~ ich empfand jene eher als unpassend; genau wie der wiederkehrende „Trick“; bei an für sich wichtigen Dialogen jene mittels überbordender Filmmusik unhörbar zu machen.
Wie bereits mehrfach erwähnt empfinde ich den Gehalt des Werkes als „too much“; hätte man Claudias Eltern völlig aus der Szenerie herausgelassen, so würde mein Gesamturteil womöglich ein wenig sanfter ausfallen ~ sofern somit andererpersonig etwas nachgebessert worden würde. Nicht zuletzt knubbelt sich die Tragik schlussendlich zu sehr; unbedingt gleichzeitig alle Figuren an unterschiedlichen Orten zusammenbrechen zu lassen, während sie obendrein den gleichen Radiosong mitsingen.... ähm... _nein_.
Die TV-Movie DVD selbst verfügt über wenige Extras; sprich: ein paar Texttafeln zu Darsteller und Film sowie diverse Trailer. Andere DVD-Versionen mögen durchaus und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anderes Zusatzmaterial involvieren ~ doch das ist mir sowas von egal, dass nachfolgendes auf der Hand liegt: was auch immer der Regisseur vielleicht noch zu sagen hatte, ich persönlich bin nach einmaligem Anschauen zwar nicht völlig verstimmt, aber „Magnolia“-bezüglich durchaus bedient.
Dann doch viel lieber wieder und wieder „Magnolien aus Stahl“ ~ „Magnolia“ erhält nichtsdestotrotz drei Sterne und eine arg bedingte Guck-Empfehlung.
Wer die DVD nun direkt kauft, der ist mal wieder selber Schuld.
31 Bewertungen, 11 Kommentare
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03.03.2011, 10:24 Uhr von goat
Bewertung: sehr hilfreichDer kommt auf meine Liste! Vielen Dank!
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02.03.2011, 12:52 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Grüsse, Talulah
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27.02.2011, 20:28 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
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25.02.2011, 23:01 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichschönes wochenende lg. petra
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25.02.2011, 20:13 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund ein wunderschönes wochenende
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25.02.2011, 18:18 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichSchönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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25.02.2011, 16:28 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima beschrieben....
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25.02.2011, 15:18 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima beschrieben! Freue mich, wenn du auch bei mir reinschaust :) GLG
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25.02.2011, 14:44 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichSchönen Tag und Lg Sigi
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25.02.2011, 14:37 Uhr von catmum68
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreicher Bericht, LG
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25.02.2011, 14:17 Uhr von babygiftzwerg
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht. LG Ulrike
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