Moonlight Mile (VHS) Testbericht

Moonlight-mile-vhs-drama
ab 21,47
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

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Erfahrungsbericht von mima007

In der Wahrheit liegt die Freiheit: bewegendes Drama

Pro:

bewegend, menschlich, klug & sensibel inszeniert, wunderbare Musik, guter Sound

Kontra:

Leih-DVD ohne Extras

Empfehlung:

Ja

Der gewaltsame Tod seiner Verlobten stürzt Joe Nash in ein Dilemma von Verpflichtungen und Schuldgefühlen, aus dem ihn nur zwei Dinge retten können: eine neue Liebe und die endgültige Wahrheit - von der er weiß, dass sie allen, die er liebt, wehtun wird. - Ein sehr menschlicher, bewegender Film von Brad Silberling (\"Stadt der Engel\"), der hier als Betroffener inszeniert hat. Selten sah man Susan Sarandon und Dustin Hoffman so gut spielen. Und Jake Gyllenhaal ist hier viel besser als in \"Donnie Darko\".

Filminfos
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O-Titel: Moonlight Mile (USA 2002), Leih-DVD: 5. Januar 2004
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Hauptdarsteller: Jake Gyllenhaal (Joe Nast), Dustin Hoffman (Ben Floss), Susan Sarandon (JoJo Floss), Ellen Pompeo (Bertie Knox), Holly Hunter (Mona Camp), Careena Melia (Diana Floss), Dabney Coleman (Mike Mulcahey) u.a.
Regie/Drehbuch: Brad Silberling
Musik: Mark Isham
Länge: 117 Minuten

Handlung
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Joe Nast (Gyllenhaal) ist ein Überlebender mit einem Problem. Er war mit Diana verlobt, die nun tot ist, ermordet, und muss mit der Trauer von Dianas Eltern klarkommen. Ihr Vater Ben (Hoffman) hat sich noch nicht damit abgefunden, dass Diana tot ist, und versucht, weiterzumachen, wie sich das für einen amerikanischen Familievater und Unternehmer gehört. Zusammen mit seinem Beinahe-Schwiegersohn Joe steigt er ins Immobiliengeschäft ein. Doch, wie gesagt, dabei hat Joe ein Problem.

Dianas Mutter JoJo (Sarandon) kann den gewaltsamen Tod ihres einzigen Kindes nicht verwinden und hat eine Schreibblockade: Sie kriegt keine Zeile mehr aufs Papier. In einem Traum fordert Diana ihren Verlobten auf, endlich die Wahrheit zu sagen. Nur ist sich Joe nicht sicher, ob diese seine Beinahe-Schwiegereltern nicht noch mehr verletzren würde.

Ein Umweg bietet sich an. Joe muss die 75 verschickten Einladungen zur Hochzeit zurückholen. Zusammen mit der unkonventionellen Postangestellten Bertie Knox (Pompeo), einer etwas chaotischen Blondine. Warum ist sie alleine? Joe findet es allmählich heraus, als er Bertie in einer Bar namens \"Cal\'s Place\" wiedertrifft und entdeckt, dass sein Lieblingslied \"Moonlight Mile\" von den Stones auch das von Bertie ist. Joe geht nun des öfteren in die Bar, weil Ben diese Ladenzeile \"entwickeln\" will und man den Besitzer \"überreden\" müsse zu verkaufen. Das will Joe angeblich erledigen.

Doch der Besitzer, Cal, ist in Vietnam während des Krieges verschollen - wir schreiben das Jahr 1973, aber das ist nicht entscheidend. Nur will seine Freundin Bertie Cals Tod nicht wahrhaben. Da sie beide ihre Partner verloren haben, fühlen sie sich verbunden und machen Liebe. Das aber merkt JoJo sofort - sie spürt, wie Joe ihr entgleitet und sie hilflos zurücklässt.

Endlich kommt der Tag des Gerichts, an dem Joe Nast gegen den Mörder seiner Verlobten aussagen soll. So will es nicht nur die ehrgeizige Anwältin (Hunter), sondern auch Ben, JoJo und alle anderen. Leider wird die Wahrheit niemandem gefallen. Und so kommt Joes schwerste Stunde, in der er allen, die ihn lieben, wehtun muss. Doch erst die Wahrheit macht alle frei.

Mein Eindruck: der Film
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Regisseur Brad Silberling weiß genau, wovon er redet, wovon sein Film handelt. Seine Freundin, die TV-Schauspielerin Rebecca Schaeffer, wurde 1989 von einem sogenannten \"Fan\" ermordet. In jener Zeit, so berichtete er dem US-Filmkritiker Roger Ebert, hatte er engen Kontakt zu Rebeccas Eltern. Sein Film \"Moonlight Mile\" ist daher auch eine Form der Auseinandersetzung mit seinen eigenen Erlebnissen, Gefühlen und Empfindungen in jener Trauerzeit. (Und vermutlich erzählt er davon in seinem Audiokommentar, der aber nur auf der Kauf-DVD zu finden ist.)

Die Ermordete hat eine Leerstelle hinterlassen. Wir bekommen sie nur in Joes Träumen zu Gesicht. Daher müssen wir uns aus den Reaktionen und Erinnerungen der Figuren zusammenreimen, was diese Leerstelle ausfüllt: Diana als Tochter, Freundin, Verlobte. Joe sieht sich in die Position der Verlorenen gedrängt: Er soll Kindes Statt einnehmen im Haus Floss. Doch wie könnte er das tun, ohne a) eine Lüge zu leben und b) sich selbst zu verlieren?

Der einzige Weg, der zur Lösung seines Dilemmas und zur Erlösung der Eltern von ihrem Schmerz führt, liegt in der Kundgebung der Wahrheit (die hier nicht verraten werden soll). Das Gleiche gilt übrigens auch für die Kriegswitwe Bertie: Erst wenn sie Cal loslässt und Joe ihr Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft zu geben vermag, gibt es für sie Freiheit von der \"kalten, toten Hand der Vergangenheit\".

Nicht nur die Kunst der Darsteller ist hier enorm eindrucksvoll. Selten sah man Sarandon besser spielen, und Pompeo ist eine wichtige Entdeckung. Hoffman erinnert an seine Paraderolle des \"Handlungsreisenden\" (nach dem Stück von Arthur Miller). Ebenso wichtig wie das Spiel der Darsteller ist die Musik, die Silberling stilecht, zeitgerecht, aber nie aufdringlich einsetzt. Dies ist kein Schmalzfilm, der sich in Trauerarbeit ergeht und dem Zuschauer das Taschentuch in die Hand drückt.

Die Musik stammt aus den Richtungen Country, Blues, Rock, Soul, Bob Dylan, Van Morrison und Tim Buckley (Abspannlied \"Song to the Siren\", gesungen von Robert Plant). Es sind zärtliche, gefühlvolle Liebeslieder und solche über den Schmerz der Trennung (\"Buckets of Rain\").

Ein menschlicherer und aufrichtigerer Film über die Trauerphase nach dem unerwarteten Verlust eines geliebten Menschen ist schwer vorstellbar. Aber vom Regisseur eines Films wie \"Stadt der Engel\" kann man so etwas erwarten.

Die DVD
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Technische Infos

Bildformate: 2,35:1
Tonformate: DD 5.1
Sprachen: D, GB
Untertitel: D, GB

Extras der Kauf-DVD:

• Audiokommentar von Brad Silberling, Dustin Hoffman und Jake Gyllenhaal
• Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur
• Hinter den Kulissen
• Deleted Scenes
• Trailer;
• Biografie & Filmografie

Mein Eindruck von der Leih-DVD:
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Die Leih-DVD, die ich hier bespreche, weist leider überhaupt keine Extras auf und erhält dafür Punktabzug. Lediglich Bild und Ton sind erste Sahne und gewährleisten ungetrübten Filmgenuss. Die kauf-DVD hingegen hält interessantes Hintergrundmaterial bereit. Davon erweist sich wohl der Audiokommentar von Regisseur und zweien seiner Hauptdarsteller als der aufschlussreichste Beitrag - neben den Interviews.

Unterm Strich
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Wie auch \"Stadt der Engel\" ist \"Moonlight Mile\" ein gefühlvoller und sehr sensibler Film über eine menschliche Ausnahmesituation. Vielleicht gibt es Querverbindungen zum Schicksal von Hinterbliebenen gefallener Soldaten. Das muss der Zuschauer aber selbst überlegen. Sicher aber gibt es solche Trauer-Situationen nach jedem Schulmassaker, von dem in den Nachrichten zu lesen ist, sei es an der Columbine Highschool (vgl. Michael Moores Film) oder in Erfurt (darüber gibt es ein Buch). Der Regisseur macht jedenfalls mutige Statements in seiner Filminszenierung, die hoffentlich zum Nachdenken anregen - wo auch immer dieser Film gezeigt wird.

Dies ist zwar eine Tragödie, doch es gibt auch viel zu lachen und zu schmunzeln. Es wäre aber keine bewegende Komödie, gäbe es nicht als Grundlage die genannte Tragödie. Beides zusammen ergibt eine beeindruckende, sehr wirkungsvolle Mischung, die noch lange im Gedächtnis nachwirkt. Es könnte sich lohnen, sich die Soundtrack-CD dazu zu besorgen - wunderbare Lieder warten darauf, gehört zu werden.

Michael Matzer (c) 2004ff

Offizielle Homepage: http://www.moonlight-mile.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0179098

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