Pearl Harbor (DVD) Testbericht

Pearl-harbor-dvd-antikriegsfilm
ab 5,89
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 12/2008

Erfahrungsbericht von Crazy-Noodle

Knutsch und Knall-Bumm...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Handlung:

1941, die Welt befindet sich im 2. Weltkrieg. Amerika leistet sich noch den Luxus, diesen Krieg als ein rein europäisches Problem zu betrachten. Die auf Hawaii im Militärstützpunkt „Pearl Harbor“ stationierten Truppen, See- und Fliegerstaffeln geniessen das Paradies. Die einzige Aufgabe der Krankenschwestern ist die Behandlung von Sonnenbränden. Vor diesem Hintergrund wird die Geschichte der beiden Freunde Rafe McCawley (Ben Affleck) und Danny Walker (Josh Hartnett) erzählt. Seit Kindesbeinen eng miteinander befreundet, sind sie sich quasi gegenseitig der Bruder, den man selbst nie hatte.

Rafe möchte sich keinen faulen Lenz machen und etwas erleben, bevor er alt ist. Deshalb hatte er sich freiwillig für einen Einsatz in einer englischen Fliegerstaffel gemeldet, um seinen Teil im Kampf gegen das Hitler-Deutschland beizutragen. Dies war jedoch, bevor er zauberhafte Krankenschwester Evelyn kennen- und lieben gelernt hat und so bittet er seinen besten Freund Danny, dass er im Falle seines Todes Evelyn die Nachricht überbringt.

Es kommt, wie es kommen muss: Rafe wird über dem Ärmelkanal abgeschossen und gilt als gefallen. Wie versprochen, überbringt Danny Evelyn die traurige Nachricht von Rafe´s Tod. In den folgenden Monaten gehen sich die beiden mehr oder weniger aus dem Weg, nur um sich dann umso heftiger und überstürzter ineinander zu verlieben. Plötzlich steht Rafe vor ihnen. Rafe´s Freude über das Wiedersehen weicht schnell Verärgerung und Wut über den besten Freund, der ihm in seiner Abwesenheit die Frau ausgespannt hat. Die Situation steuert auf eine Eskalation hin, als am nächsten morgen die Japaner völlig überraschend Pearl Harbor bombardieren...

Problem:

Pearl Harbor hat es nicht leicht gehabt und wird auch weiterhin Schwierigkeiten haben, eine feste Fangemeinde zu finden, die ihn als Ganzes akzeptieren. Denn im Grunde muss man den Film in zwei Hälften teilen. Die ersten 90 Minuten von Pearl Harbor wird die Geschichte von Rafe und Danny erzählt. Davon, wie Rafe bei der Fliegeruntersuchung „seine“ Evelyn kennenlernt und für sich gewinnt (großer Lacher bei der Champagnerflasche!). Es wird von Rafe´s Abenteuer in der Fremde erzählt und von dem Schmerz derer, die von seinem vermeintlichen Tod erfahren.

Rafe´s Rückkehr nach Hawaii stellt den Übergang zum zweiten Teil des Filmes dar. Keine Gefühlsduseleien mehr, jetzt geht’s um die Wurst! Ebenfalls etwa 90 Minuten fliegen hunderte digitale Kampfflieger, begleitet von Hans Zimmers genialem Soundtrack, über Hawaii hinweg, um die ebenfalls digital erschaffenen Militärschiffe zu zerbomben und versenken.

Genau diese Zweiteilung stellt auch das Problem dar. Der Actionfan wird sich beim zweiten Ansehen möglicherweise die schnulzige Liebesgeschichte sparen und per Kapitelanwahl direkt mit dem Angriff der Japaner starten. Andererseits werden sich alle, die eher Gefallen an romantischen Liebesgeschichten finden, kaum mit der sehr actionreichen zweiten Hälfte anfreunden können.

Nächstes Problem ist der stellenweise kaum erträgliche Pathos, den Regisseur Michael Bay (Armageddon) in den Film eingebracht hat. Wenn schon zu Beginn des Filmes die beiden Steppkes Rafe und Danny rufen „Für die Freiheit! Für Amerika!“ weiß man schon, was einen erwartet. Amerika als ein unschuldiges, geschundenes Land, dass sich durch seine patriotischen und heroischen Helden gegen das Böse in der Welt zu wehren weiss. Die meiste Zeit über stört das nicht weiter, aber stellenweise wurde wirklich sehr dick aufgetragen.

Bild:

Angesichts des noch jungen Filmes sind keinerlei Bildprobleme zu befürchten gewesen, was sich so auch bestätigt hat. Das Bild ist von Farben über Kontrast bis hin zur Schärfe einfach tadellos.

Ton:

Da Pearl Harbor aus dem Jahr 2001 stammt, wurden bereits alle Möglichkeiten des digitalen Zeitalters genutzt und auch für den Sound umgesetzt. Sind die ersten 90 Minuten des Films durch die Liebesgeschichte sehr frontlastig, geht es in der zweiten Hälfte im wahrsten Sinne des Wortes „rund“. Eine Dolby Digital-Anlage und einen kräftigen Subwoofer vorausgesetzt, kann man sich bei der Explosion und dem zerbersten der USS Arizona sämtliche Sympathien der Nachbarn verspielen. In der Szene, in der der Koch Dori (Cuba Gooding Jr.) über das Deck läuft und das Schiff dabei unter MG-Feuer liegt, zischen einem die Kugeln von allen Seiten nur so um die Ohren.

Darsteller:

Als Darsteller konnte man für Pearl Harbor einige hochkarätige Stars verpflichten, auch wenn diese teilweise nur in Nebenrollen auftauchen. So sind neben Ben Affleck, Josh Hartnett und Kate Beckinsale in unterschiedlich grossen Nebenrollen Jon Voight, Alec Baldwin, Cuba Gooding jr. und Dan Aykroyd zu finden. Auch John Diehl (der „Zito“ aus Miami Vice) ist kurz als Arzt im Krankenhaus zu sehen.

Das Problem ist, dass die Hauptdarsteller ausnahmslos wandelnde Klischees verkörpern. Die Männer sind schmucke Herzensbrecher, die erstens tolle Kerle sind und zweitens auch mitten im wildesten Schlachtgetümmel stets Herr der Lage sind. Der von Alec Baldwin dargestellte Colonel Doolittle ist ein tougher Pilot mit dem Herzen auf der rechten Seite, der immer einen markigen Spruch auf Lager hat und auch vor einem Kamikaze-Flug nicht zurückschrecken würde, wenn es denn sein müsste. Evelyn schliesslich (Kate Beckinsale) ist eine makellos schöne, junge Frau, die einerseits äußerst selbstbewußt ist, dabei aber auch zerbrechlich wirkt, in den schweren Stunden aber über sich hinaus wächst.

Besonderes Schmankerl: Während des Angriffs der Japaner, als Evelyn auf der Strasse steht und die Kamera um sie herumfährt, kann man plötzlich Bruce Willis als verletzten umherlaufen sehen. Man hat sich einfach den Spass erlaubt und den guten Bruce kurzerhand digital aus einer Szene aus „Stirb Langsam“ hineinkopiert.

Ausstattung der DVD:

Auf der DVD (die 2-DVD-Version) liegt Pearl Harbor in deutscher Synchronisation und auch im englischen Original vor. Leider kann man die Audiospuren nicht während des Films wechseln sondern muss die Einstellungen über das stilistisch hervorragende DVD-Menü vornehmen.

Untertitel sind in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Türkisch verfügbar.

Leider sind die Dialoge der Japaner in englisch untertitelt. Das an sich wäre noch kein Problem, wenn die weissen Untertitel nicht oft wegen des Hintergrundes schlecht zu lesen wären. Während man noch dabei ist, die Untertitel überhaupt zu erkennen und lesen, wechseln sie auch schon wieder. Für das Verständnis für die Gründe der Japaner zur Bombardierung von Pearl Harbor wären deutsche Untertitel sicherlich sinnvoller gewesen.

Da der Film eine Länge 176 Minuten hat, mussten die Extras auf einer 2. DVD untergebracht werden. Hier findet sich ein etwa 60-minütiges Making-Of, dass allerdings zeitweise eher einer Werbesendung gleicht, aber dennoch recht informativ ist. Neben der Erläuterung einiger Tricks kommen hier Überlebende des tatsächlichen Anschlages zu Wort, die emotional aufgewühlt ihre Erlebnisse während dieser Stunden schildern.

Etwas eigenartig finde ich, dass diesem etwa 60-minütigem Special ein lediglich 3 Minuten langer Bericht über „Die japanische Sicht“ gegenüber steht. Ich finde, das die japanische Sicht der Dinge deutlich zu kurz ist.

Weiterhin enthalten ist ein Musikvideo von Faith Hill und die Original Kinotrailer.

Fazit:

Pearl Harbor ist die perfekte Umsetzung dessen, was man gemeinhin als „Popcorn-Kino“ bezeichnet. Hinsetzen, Hirn aus, geniessen. Pearl Harbor bietet von jedem etwas. Drama, Freundschaft, Liebe, Action, Schmerz. In dieser Hinsicht ist Pearl Harbor wirklich „grosses“ Kino.

Durch die Klischeebeladenen Figuren und den dick aufgetragenen Pathos bleibt allerdings ein schaler Beigeschmack, wenn die tapferen Amerikaner über alle Maßen glorifiziert werden.

Ich möchte auch bezweifeln, dass die Ereignisse des 07. Dezember 1941 historisch korrekt wiedergegeben wurden. Das Making Of verrät, das man sich wohl alle Mühe gegeben hat, aber ich bin mir sicher, dass einige Fakten „übersehen“ wurden. Denn trotz dieser angeblichen Mühe, die Ereignisse korrekt wiederzugeben, finden sich doch einige, wenn auch kleine Fehler: Der Angriff der Japaner begann Sonntags in den Morgenstunden um etwa 6 bis 7 Uhr. Trotzdem spielen im Film Kinder bereits Baseball und Männer spielen Golf. Da passt was nicht...

Pearl Harbor ist perfekte Unterhaltung. Mehr nicht. Wer mehr von diesem Film erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Die Liebesgeschichte ist meiner Meinung nach nicht so schmalzig, wie man oft lesen konnte. Und die zweite Hälfte des Films absolut perfektes Actionkino, wie es mit dem derzeitigen Stand der Technik kaum besser umzusetzen ist.

Die erste Hälfte fürs Herz, die zweite Hälfte fürs Auge, das Bier und die Chips für mich

14 Bewertungen