Rosenstraße (DVD) Testbericht

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Rosenstrasse-dvd-drama
ab 7,00
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Erfahrungsbericht von bavaria123

Die Stille kann sehr laut sein

Pro:

Die gelungene Umsetzung eines authentischen Geschehens, schauspielerische Leistung

Kontra:

die Tonqualität, das Bonus-Material

Empfehlung:

Ja

Bei dem letzten Besuch in der hiesigen Bücherei habe ich mir eine ganze Menge DVD´s mitgebracht. Die Tage werden kürzer, das Fernsehprogramm bietet nicht immer Sehenswertes und so dachte ich mir, dass es bald Gelegenheit gibt, den einen oder anderen Film anzuschauen. Den ersten sah ich noch am gleichen Abend....welcher das war, ist nachfolgend zu lesen.


= Die DVD =

...ist am 02. Juni 2004 (EAN 4010324021663) bei Concorde erschienen und kostet 14,99 €.
Allgemeine Daten:
BildDVD : 2,35 :1 (16:9 anamorph)
TonDVD : Dolby 5.1
Dolby 2.0 (surround)
Sprachen : Deutsch, Englisch
Untertitel : Keine
FSK : ab 12 Jahre
Länge : 130 Minuten
Extras : Kinotrailer, Making of Rosenstrasse, Interviews mit den Hauptdarstellern, Interview mit Margarethe von Trotta und dem Produzenten Markus Zimmer, Audiokommentar von Margarethe von Trotta, Behind the Scenes Sequenzen, Cast&Crew Infos, Produktionsnotizen. Diese Extras dauern etwa 50 Minuten.

Darsteller und Rollen
Katja Riemann..........Lena Fischer
Martin Feifel............Fabian Fischer
Maria Schrader........Hannah Weinstein
Jürgen Vogel..........Arthur von Eschenbach
Jutta Lampe...........Ruth Weinstein
Doris Schade..........Lena Fischer im Alter von 90 Jahren
Svea Lohde............Ruth als junges Mädchen
Fedja von Huet.......Luis Marques
ausserdem u.a. Lena Stolze, Isolde Barth, Nina Kunzendorf und Carine Crutzen.

Die Regie führte Margarethe von Trotta, die ihr Können bereits bei Werken wie "Rosa Luxemburg" oder "Das Versprechen" bewiesen hat.

Das Cover der DVD ist oben abgebildet. Auf der Rückseite sind vier Filmbilder sowie ein paar Details über den Film und die DVD anzusehen.


= Die Geschichte =

Es geht hier um die Verfilmung der größten öffentlichen Protestaktion gegen den Naziterror in Berlin.
Aber der Film beginnt in Amerika. Gerade hat Ruth Weinstein ihren Mann zur letzten Ruhe geleitet. Zur Verwunderung der anwesenden Trauergäste ordnet sie jüdische Rituale an. Damit stösst sie besonders ihrer Tochter Hannah vor den Kopf, deren zukünftiger südamerikanischer Mann in Ruths Haus nicht mehr geduldet wird. Von ihrer Tante erfährt Hannah, dass ihre Mutter Jüdin ist und nur durch die selbstlose Hilfe einer Frau namens Lena Fischer in Berlin überleben konnte.
Hannah möchte nun mehr über diese Vergangenheit erfahren und reist nach Berlin. Dort kann sie die Retterin ihrer Mutter ausfindig machen. Zunächst gibt Hannah sich als Journalistin aus und beginnt mit Lena Fischer in die Zeit um den 27. Februar 1943 zurückzukehren.

An diesem Tag begann in Berlin in der Rosenstrasse die sogenannte "Fabrikaktion", bei der etwa 2.500 Menschen, die nichtjüdische Ehepartner hatten oder aus Mischehen stammten, in der Sozialverwaltung der Jüdischen Gemeinde eingeschlossen wurden. Die Angehörigen haben diese Massnahme aber nicht teilnahmslos hingenommen, sondern sich vor dem Gebäude versammelt und ihren Protest kundgetan. Eine der Demonstrantinnen ist Lena Fischer, die ihren jüdischen Mann in dem Gebäude weiss. Sie trifft hier auf die Halbwaise Ruth Weinstein, deren jüdische Mutter ebenfalls zu den Gefangenen gehört. Lena nimmt Ruth bei sich auf, gibt ihr eine neue Identität und versucht, nicht nur ihren Mann sondern auch Ruths Mutter aus der Gefangenschaft zu befreien.


= Meine Meinung =

Der Film schildert ein bedrückendes Kapitel der Vergangenheit.
Die nicht einfache Umsetzung der Realität ist in meinen Augen gelungen. Die Gefühle der Inhaftierten aber auch die der Angehörigen, die ausserhalb um das Überleben der Gefangenen kämpfen ist beeindruckend dargestellt. Keiner von ihnen weiss, wie es weitergehen wird...ob es ein Wiedersehen gibt. Diese Atmosphäre -innerhalb des Gebäudes, ausserhalb bei den Angehörigen und auch die Konfrontation der jeweiligen Gruppen mit den Nazis wird sehr einfühlsam und doch sehr deutlich gezeigt.
Zwei Schauspieler, die massgeblich dazu beitragen sind Katja Riemann als Lena Fischer und Jürgen Vogel, der ihren Bruder Arthur von Eschenbach darstellt. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass Katja Riemann für ihre Leistung den "Coppa Volpi" bei den 60. Filmfestspielen in Venedig in Empfang nehmen durfte.
Die Geschichte ist äußerst bewegend, gerät aber nie ins Kitschige oder übertrieben Sentimentale. Der Widerstand war machbar ... sei es im lauten Protest oder aber auch nur im sehr bedrückenden Schweigen.
Allein der Schluss lässt einige Fragen offen.

Der Film wird in zwei Ebenen dargestellt.
Da ist einmal Hannah und die 90jährige Lena Fischer, die über das Geschehene sprechen... und in Rückblicken werden eben die Vorkommnisse der sechs Tage im Jahre 1943 gezeigt. Dieser Spagat scheint etwas gewagt, ist aber in der Umsetzung und auch in der unterschiedlichen Farbgebung sehr gelungen. Während die Vergangenheit eher grau und vergilbt gezeichnet wird, sind die Szenen der Gegenwart bunter und direkter. Diese Retroperspektive wirkt deshalb auch nie verwirrend. Auch hier ist die Auszeichnung "Beste Kamera" für Franz Rath beim Bayrischen Filmpreis 2003 absolut gerechtfertigt.

Was mich an der DVD stört, ist die Tonqualität. Die 5.1 Tonspur ist extrem leise. Schaltet man sie lauter, so erzielt man einen leicht unnatürlichen und störenden Hall. Die Surround- Wiedergabe hat da durchaus Vorteile. Sie klingt ausgeglichener und ist auch von der Lautstärke her wesentlich besser.

Nicht sehenswert sind zudem weitestgehend die Extras.
Im "Making of", das fast die Hälfte der Bonus-Zeit einnimmt, erfährt man über die historischen Hintergründe so gut wie nichts. Es ist ein eher liebloses Zusammenfügen einzelner, wie ich finde unwichtiger, Einzelheiten. Ein anderes lang ausgelegtes Thema ist der Audiokommentar, der jedoch noch als durchaus informativ uns sehenswert zu beschreiben ist.
Die Interviews mit den Hauptdarstellern, mit Margarethe von Trotta und Markus Zimmer sind extrem oberflächlich und im Grunde überflüssig.
Der Blick hinter die Kulissen dauert gerade einmal knappe zwei Minuten. Dieses Extra-Material kann man gut und gerne übergehen - man versäumt nichts.


= Schlussfazit =

Der Film an sich ist ausgesprochen sehenswert. Das bewegende Thema, die gelungene Umsetzung, die schauspielerische Leistung und auch die Kameraführung ergeben ein überragendes Ganzes.
Die Vertonung und das Bonus-Material weisen allerdings diverse Schwächen auf, weshalb ich einen Stern in der Bewertung abziehe.


Danke für´s Lesen, Kommentieren und Bewerten, Bavaria



Für Yopi und Ciao

28 Bewertungen, 2 Kommentare

  • schnekuesschen

    10.04.2006, 14:48 Uhr von schnekuesschen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein klasse Bericht....LG Sandy :-)))

  • Venezianerin_2005

    10.04.2006, 14:30 Uhr von Venezianerin_2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG :o) Ina