The 13th Floor (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von catmother
Die Welt in der Welt in der Welt
Pro:
ganz interessante und streitbare Idee
Kontra:
manchmal recht undurchsichtig und unlogisch
Empfehlung:
Ja
Zu sehen um 1.15 Uhr auf der ARD.
** Die Geschichte **
Ein alter Mann (Armin Mueller-Stahl) schreibt in einem Hotelzimmer einen Brief, der verdammt nach einem Abschied klingt. Er läßt eine junge Frau im Zimmer zurück und hinterlegt den Umschlag am Tresen der Hotelbar. Dann fährt er nach Hause, legt sich ins Bett und wacht in einem Raum mit vielen Computern auf. Kurze Zeit später ist er tot, erstochen von jemandem, den er offensichtlich kannte.
Die erste Szene spielt eindeutig in den 30er Jahren, die andere in der heutigen Zeit. Über diesen Zeitunterschied steht man jedoch als Zuschauer zunächst im Dunkeln.
Douglas Hall (Craig Bierko) findet frühmorgens Blut auf seinem Wachbecken und ein blutiges Hemd in der Wäsche. Außerdem er wird von einem Detektiv McBain (Dennis Haysbert) aufs Revier bestellt, um einen Mann zu identifizieren, der sich als Fuller herausstellt, sein Boss und Freund, jener Mann aus der ersten Szene. Niemand von seinen Freunden und Angestellten kann sich seinen Tod erklären.
Da taucht plötzlich eine Frau (Gretchen Mol) auf, die sich Jane Fuller nennt und behauptet, dessen Tochter zu sein. Auch von ihr hat noch nie jemand gehört. Ms. Fuller macht sich schnell ein Bild über die Vermögensverhältnisse und das Erbe; dabei stellt sich heraus, daß Fuller zwei Tage vor seinem Tod sein Testament geändert hat und die Firma, immerhin 2 Milliarden wert, jetzt an Hall geht. Jane dagegen behauptet, Fuller wollte die Firma schließen.
Der Konzern befaßte sich mit der Entwicklung von virtuellen Welten. Speziell der begnadete Programmierer Whitney (Vincent D’Onofrio) arbeitet an einem Programm, bei dem das Bewußtsein einer Person der heutigen Zeit in eine virtuellen Existenz, auf ein selbständig lernendes Cyberwesen in einer anderen Welt übertragen wird. Man schafft sich einfach eine sogenannte elektronisch simulierte Identitätseinheit, die in einer anderen Zeit existiert. So simulierten die Programmierer das Los Angeles von 1937, weil Fuller seine Jugendzeit noch einmal erleben wollte.
Da Hall kein Alibi hat und in der besagten Nacht einen Anruf von Fuller bekam, wirkt er jetzt sehr verdächtig. Dazu kommt, daß ein Zeuge Hall mit dem Toten gesehen hat, ihn erst zu erpressen versucht und nun auch noch tot ist.
Im Speicher seines Anrufbeantworters findet Hall tatsächlich einen Anruf von Fuller am Abend seines Todes und die Botschaft, er habe ihm eine Nachricht im System hinterlassen.
Um seine Unschuld zu beweisen, geht Hall schließlich selbst ins System und findet sich wie beabsichtigt im Jahr 1937 wieder. Dort lebt er als Bankangestellter, hat aber immer noch das Bewußtsein von Douglas Hall. Also kennt sich hier auch nicht besonders aus und muß sich erst einmal zurechtfinden. Er macht sich nun auf die Suche nach einer Kontaktperson mit jener Nachricht von Fuller. In einem Antiquitätengeschäft trifft er sogar auf einen Mann namens Grierson, der Fuller zum Verwechseln ähnlich sieht. Offenbar hatte jeder seiner Kollegen da unten eine andere Existenz mit seinem Gesicht; selbst Whitney treibt sich hier als Barmann herum.
Als sich Hall dann später noch einmal einloggt, weiß er, daß der Barmann (Whitneys Doppelgänger) den Brief hat. Und der ist echt sauer, denn er hat den Brief gelesen und die in ihm vorhandenen Informationen von Fuller nachverfolgt. Nun will er Hall für seine Desillusionierung büßen lassen. Der entkommt mit knapper Not und tut genau das, was der Barmann ihm erzählte. So erfährt auch er die ganze grausame Wahrheit...
** Darsteller **
Mit den Darstellern, allen voran Armin Müller-Stahl, geben sich hier schon einige namhafte Mimen die Ehre.
Von Armin Müller-Stahl bin ich dieses ruhige, besonnene, distinguiert wirkende Spiel gewohnt. Leider hat er nicht allzu viel Spielraum, um sein Können für Charakterrollen unter Beweis zu stellen.
Stahl hatte eine erfolgreiche Karriere als Schauspieler bei der DEFA in Filmen wie "Königskinder" (1962) und "Jakob der Lügner" oder "Nackt unter Wölfen" (1963), bevor er nach dem Engagement für Wolf Biermann die damalige DDR verließ und wie Manfred Krug in den Westen ging. Auch hier spielte er einducksvoll und wurde für seine Rolle in Rainer Werner Fassbinders "Lola" 1981 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.
Danach ging er in die USA, arbeitete unter Regisseuren wie Costa-Gavras ("Music Box", 1989), Barry Levinson ("Avalon", 1990), Jim Jarmusch ("Night On Earth", 1991) und Volker Schlöndorff ("Der Unhold", 1996). Für "Shine" (1996) bekam er eine Oscar-Nominierung.
Inzwischen führt er auch Regie, z. B. "Gespräch mit dem Biest".
Zuletzt sah man ihn in „Die Manns“ und "Die Kreuzritter" (beide 2001).
Craig Bierko war mir bis dato unbekannt, obwohl mir sein Gesicht irgendwie vertraut war. Er trägt den Film fast allein, wirkt mir jedoch manchmal zu hilflos. Außerdem hat er fast immer den gleichen Gesichtsausdruck. Allerdings erforderte es schon etwas an überzeugendem Spiel, drei unterschiedliche Charaktere gleichzeitig zu spielen. Das hat er für meine Begriffe gut gemeistert.
Gretchen Mol war offensichtlich nur die schöne Beigabe, damit es kein ausgesprochener Mannsfilm wird. Spielen kann sie für meine Begriffe nicht. Ich habe sie vor kurzem in einem anderen Film auf Premiere gesehen – die Frau ist offensichtlich nur wegen ihrer Blondheit zum Schauspiel gekommen.
Nein, das nehme ich zurück, sie hat immerhin eine anerkannte Ausbildung, während der sie immerhin in zahlreichen Werbespots und einigen Bühnenrollen zu sehen war, bevor sie 1996 ihr Filmdebüt in Spike Lees "Girl 6" gab. Zu sehen war sie außerdem in "Das Begräbnis" (1996), "Wie ich zum ersten Mal Selbstmord beging" (1996), "Donnie Brasco" (1997), Woody Allens "Celebrity" (1998) und "Sweet and Lowdown" (1999).
Vincent D’Onofrio wurde nach einigen Bühnen- und Filmnebenrollen schlagartig bekannt in Stanley Kubricks Antikriegsfilm "Full Metal Jacket" (1987) als durchgedrehter Rekrut Pyle, für den er sich fünfzig Kilo Übergewicht anfutterte. Danach sah man ihn regelmäßig in Filmen, u. a. als Orson Welles in Tim Burtons "Ed Wood" (1994), bevor er als Edgarkostüm einer fiesen Alienkakerlake in "Men in Black" (1997) endgültig bekannt wurde. Zu sehen war er außerdem in "Pizza, Pizza - Ein Stück vom Himmel" (1987), "John F. Kennedy - Tatort Dallas", "Entscheidung aus Liebe", Salz auf unserer Haut", "The Cell" (2000) und seit einigen Jahren auch in der TV-Serie „Criminal intent“.
Inzwischen ist er auch als Produzent tätig.
** Filmkritik **
Ich muß zugeben, der Film hat einen äußerst faszinierenden Aspekt und wirft bei genauer Betrachtung die eine mögliche große Frage auf: Sind wir real? Oder geht es uns wie den Filmfiguren, die nur der Abklatsch eines Originals sind, das uns in einem System einfach erschaffen hat und uns hier unten herumwursteln läßt?
Gerade im Zeitalter von sich immer schneller entwickelnden technischen und virtuellen Möglichkeiten ist die Frage, in welcher Welt wir eigentlich leben, immerhin nicht absurd.
Mit „The 13th Floor“ wurde der SciFi-Roman "Simulacron-3" von Daniel F. Galouye aus dem Jahr 1964 verfilmt. Aber angesichts der heute ausgereifteren technischen Möglichkeiten wirkt der Plot etwas altbacken Denn was damals pure Fiktion war und auch so rüberkommt, ist heute ja durchaus vorstellbar. Trotzdem bleibt „The 13th Floor“ mit seiner Idee meines Erachtens hinter der Perfektion und der Brillanz von z. B. „Matrix“ zurück. Vieles ist konfus, undurchsichtig und man muß sich den Film eigentlich mehrmals ansehen, um wirklich dahinter zu kommen, wer jetzt in welchem Körper steckt, wer in welcher Zeit lebt, und wer Schöpfer und wer Geschöpf ist.
Einige Aspekte sind mir nicht ganz logisch gewesen und machen für mich die kleine Schwäche des Films aus: woher z. B. wußte Hall, der doch zum ersten Mal im System war, wohin er gehen mußte? Er hatte Adressen und Namen und es ist nicht ganz klar, woher?
Außerdem wissen wir aus anderen Filmen und aus der Physik, daß zwei Körper nie gleichzeitig an einer Stelle sein können. Trotzdem bewegen sich in der Geschichte teilweise drei Existenzen parallel und zeitgleich.
Was mir gut gefallen hat, waren die teilweise schönen Bilder, z.B. wie Ballhaus die Szenen im LA der 30er Jahre wie vergilbtes Papier aussehen läßt, die der heutigen Welt jedoch nüchtern und ätherisch.
Allerdings ist der Film nicht ganz einfach zu begreifen, wenn man ihn nur einmal ansieht. Die Feinheiten der verschlungenen Ebenen und Handlungsstränge kommen erst so richtig zutage, wenn man ihn sich mehrmals zu Gemüte führt. Da hilft nur aufnehmen.
Das Zitat zu Beginn des Films „I think, therefore I am – Ich denke, also bin ich!“
von Descartes (1596-1650) ist an sich schon eine philosophische Abhandlung wert.
** Meine Meinung**
"The 13th Floor" ist ein durchaus sehenswerter Film mit einem interessanten Ansatz von der Thematik her, guten Darstellern, aber kleinen Schwächen in der Logik.
Gut, lautet mein Urteil.
** Daten **
USA 1999
Genre: Science Fiction Thriller
Originaltitel: The 13th Floor
Regie: Roland Emmerich
Filmmusik: Harald Kloser
FSK 12
21 Bewertungen, 7 Kommentare
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20.12.2005, 16:57 Uhr von MasterDeniz
Bewertung: sehr hilfreichSehr Hilfreich. Gegenlesen macht viel freude, vorallem zur Weichnachtszeit :-) Schöne Grüße
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17.12.2005, 13:41 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich***SH und LG***
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16.12.2005, 20:39 Uhr von flowerdoro
Bewertung: sehr hilfreichprima bericht!
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16.12.2005, 18:10 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichEin ganz interessanter Film, stimmt. Schön beschrieben.
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16.12.2005, 16:46 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichlohnt sich schon alleine wegen armin müller-stahl.
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16.12.2005, 16:12 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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16.12.2005, 15:38 Uhr von Lidlefood
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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