True Romance (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
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Erfahrungsbericht von CiscoGianino
Bonnie & Clyde auf LSD
Pro:
Darsteller, Dialoge, Action, Humor, Soundtrack
Kontra:
Tarantinos Vorlage nicht originalgetreu umgesetzt
Empfehlung:
Ja
Der Einzelgänger Clarence Worley (Christian Slater) liebt Comics, Kung-Fu-Filme und Elvis Presley. An seinem Geburtstag geht er wie jedes Jahr ins Kino, wo er der zunächst aufdringlich erscheinenden Alabama (Patricia Arquette) begegnet. Die beiden verstehen sich so gut, dass sie die Nacht miteinander verbringen. Am nächsten Morgen beichtet Alabama Clarence, dass sie eigentlich ein Call-Girl ist, dass von seinem Chef bezahlt wurde um ihm zum Geburtstag eine Freude zu machen. Da sie ihn allerdings so sehr liebt, will sie ihr Call-Girl-Dasein aufgeben.
Clarence macht sich auf den Weg zu ihrem Zuhälter Drexl (Gary Oldman) um ihre Sache zu holen. Nach einem Streit kommt es zum Kampf zwischen den beiden, bei dem Clarence den Luden im Affekt tötet. Als er wieder zu Hause ist, müssen er und seine Liebste feststellen, dass Clarence den falschen Koffer mitgenommen hat: Statt Alabamas Sachen ist der Koffer randvoll mit Kokain.
Die beiden beschließen den Stoff zu verkaufen und mit dem Geld ein sorgenfreies Leben in Mexiko zu führen. Also machen sie sich auf nach Los Angeles zu Clarence’ altem Freund und angehendem Schauspieler Dick (Michael Rapaport), da sie der Meinung sind, dass Drogen sich am besten in der Filmmetropole verkaufen lassen.
Die Mafia, die das Pärchen nichtsahnend bestohlen hat, heftet sich nach einem kurzen, aber unschönen Besuch bei Clarence’ Vater (Dennis Hopper) an ihre Fersen um ihr Koks zurückzuerlangen.
Währenddessen machen Alabama und Clarence die Bekanntschaft mit Elliott (Bronson Pinchot), dem Assistenten eines Produzenten (Saul Rubinek), der Interesse an dem Kokain hat. Allerdings wird Elliott vollkommen zugekoks am Steuer seines Wagens von der Polizei verhaftet. Von zwei skrupellosen Cops (Chris Penn und Tom Sizemore) verhört, plaudert er auch gleich den gesamten Coup aus.
Beim Koks-Deal prallen dann die Mafia und die Cops aufeinander, was in einem blutigen Massaker endet...
Noch vor seinem Regiedebüt „Reservoir Dogs“ schrieb Quentin Tarantino das Drehbuch zu „True Romance“ – allerdings interessierte sich kein Studio dafür, so dass es in irgendeiner Schublade verschwand. Erst nach seinem Überraschungserfolgt wollte jeder Tarantino dazu nötigen, seine alten Scripts zu verfilmen. Doch Tarantino lehnte ab und verkaufte „True Romance“ und „Natural Born Killers“ lieber.
Anders als bei letzterem blieb bei „True Romance“ der Tarantino-Stil jedoch relativ gut erhalten. Auch wenn vieles geändert wurde, wie z.B. das bei Tarantino noch negative Ende, gibt es viel zu entdecken, was den Tarantino-Geist atmet: So sieht sich Christian Slater im Kino Sonny-Chiba-Filme aus der „Street Fighter“-Reihe an. Fraglich ist allerdings, warum Tarantino nicht der richtigen Trilogie treu blieb, denn neben „The Street Fighter“ und „Return of the Street Fighter“ gibt es nicht etwa mit „The Street Fighter’s Last Revenge“ den wahren Anschluss der Trilogie. Statt dessen läuft „Sister Streetfighter“ mit Etsuko Shiomi in der Hauptrolle, bei dem Sonny Chiba nur einen Kurzauftritt hat.
In einer anderen Szene sieht Patricia Arquette John Woos „A Better Tomorrow 2“ im Fernsehen und die Liebesszene in der Telefonzelle zwischen ihr und Slater ist „As Tears Go By“ von Tarantinos Lieblingsregisseur Wong Kar Wai entsprungen.
„True Romance“ ist bis in die kleinste Nebenrolle perfekt Besetzt. So kann man z.B. Val Kilmer als Elvis oder Brad Pitt als dauerbekifften Kumpel von Michael Rapaport begutachten. Das gesamte Ensemble ist ohnehin großartig aufgelegt: Christian Slater, der mittlerweile etwas in der Versenkung verschwunden ist, spielt hier die wohl coolste Rolle seiner Karriere und Patricia Arquette schaffte als Alabama ihren großen Durchbruch. Gary Oldman gibt mal wieder den Psychopaten, was er wie immer mit Bravour erledigt und Dennis Hopper darf in einer Nebenrolle glänzen: Einfach herrlich ist die Szene, in der er sich mit dem von Christopher Walken ebenfalls hochklassig verkörperten Mafiaboss ein Wortduell liefert, was für ihn nur schlecht enden kann. Trotzdem bewart er seine Würde und düpiert den Don dabei gleichzeitig dermaßen, dass sogar seine eigenen Gefolgsleute über ihn lachen. Total perplex von dieser Situation greift dieser dann zum einzig konsequenten Mittel um sich wieder Respekt zu verschaffen und tötet sein Gegenüber.
Einfach göttlich ist auch der knautschgesichtige Saul Rubinek („Blackjack“), der den giftigen Hollywood-Produzenten herrlich verschroben und arrogant mimt ohne ihn jemals hassenswert erscheinen zu lassen.
Regisseur Tony Scott, der in den letzten Jahren nur noch durch öde High-Tech-Thriller wie „Der Staatsfeind Nr. 1“ auffiel, beweist auch hier wieder, dass er ein hervorragender Handwerker ist. Da es ihm leider an Kreativität mangelt, steht und fällt er mit jedem Drehbuch, das er verfilmt. Zu seinem Glück liefert „Pulp Fiction“-Mastermind Tarantino ein echtes Glanzstück ab.
Inszenatorisch ist Scott voll auf der Höhe und es gelingt ihm wirklich unglaublich gut den ironischen Ton und das Charisma Tarantinos einzufangen, so dass man fast meinen könnte, der Meister säße selbst auf dem Regiestuhl.
Einfach märchenhaft zelebriert der Regisseur seine Story, so dass es gar nicht mehr stört, dass einige Passagen nicht aus Tarantinos Feder stammen und selbst das neue Ende weiß zu gefallen, da es hervorragend den Nerv des Films trifft. Untermalt werden die großartigen Bilder von einem sehr guten Soundtrack, der perfekt auf der Klaviatur der Gefühle spielt und von tragisch bis packend alles beinhaltet – sogar seine kitschigen Seiten sind wunderbar anzuhören.
Die Actionsequenzen sind gut dosiert und knallhart in Szene gesetzt, besonders das Finale geizt nicht mit riesigen Einschusslöchern und einem hohen Bodycount. Auch glänzt der Film durch den herrlichen Tarantino-Humor, auch wenn einiges aus der Vorlage dabei verloren ging. Die Dialoge sind trotzdem wunderbar pointiert und treffen immer ins Schwarze.
Insgesamt lässt sich Tony Scotts „Bonnie & Clyde auf LSD“ schlichtweg als atemberaubend bezeichnen. Die Bilder und die Geschichte sind von ungeheurer Schönheit, so dass man sagen muss, dass Scott mit „True Romance“ seinen besten Film neben „Last Boy Scout“ abgeliefert hat.
Originaltitel: True Romance
Produktionsland & -jahr: USA 1993
Regie: Tony Scott
Darsteller: Christian Slater, Patricia Arquette, Dennis Hopper, Christopher Walken, Gary Oldman, Chris Penn, Tom Sizemore, Saul Rubinek, Michael Rapaport, Val Kilmer, Brad Pitt, Samuel L. Jackson, James Gandolfini, Bronson Pinchot, Anna Thomson
Clarence macht sich auf den Weg zu ihrem Zuhälter Drexl (Gary Oldman) um ihre Sache zu holen. Nach einem Streit kommt es zum Kampf zwischen den beiden, bei dem Clarence den Luden im Affekt tötet. Als er wieder zu Hause ist, müssen er und seine Liebste feststellen, dass Clarence den falschen Koffer mitgenommen hat: Statt Alabamas Sachen ist der Koffer randvoll mit Kokain.
Die beiden beschließen den Stoff zu verkaufen und mit dem Geld ein sorgenfreies Leben in Mexiko zu führen. Also machen sie sich auf nach Los Angeles zu Clarence’ altem Freund und angehendem Schauspieler Dick (Michael Rapaport), da sie der Meinung sind, dass Drogen sich am besten in der Filmmetropole verkaufen lassen.
Die Mafia, die das Pärchen nichtsahnend bestohlen hat, heftet sich nach einem kurzen, aber unschönen Besuch bei Clarence’ Vater (Dennis Hopper) an ihre Fersen um ihr Koks zurückzuerlangen.
Währenddessen machen Alabama und Clarence die Bekanntschaft mit Elliott (Bronson Pinchot), dem Assistenten eines Produzenten (Saul Rubinek), der Interesse an dem Kokain hat. Allerdings wird Elliott vollkommen zugekoks am Steuer seines Wagens von der Polizei verhaftet. Von zwei skrupellosen Cops (Chris Penn und Tom Sizemore) verhört, plaudert er auch gleich den gesamten Coup aus.
Beim Koks-Deal prallen dann die Mafia und die Cops aufeinander, was in einem blutigen Massaker endet...
Noch vor seinem Regiedebüt „Reservoir Dogs“ schrieb Quentin Tarantino das Drehbuch zu „True Romance“ – allerdings interessierte sich kein Studio dafür, so dass es in irgendeiner Schublade verschwand. Erst nach seinem Überraschungserfolgt wollte jeder Tarantino dazu nötigen, seine alten Scripts zu verfilmen. Doch Tarantino lehnte ab und verkaufte „True Romance“ und „Natural Born Killers“ lieber.
Anders als bei letzterem blieb bei „True Romance“ der Tarantino-Stil jedoch relativ gut erhalten. Auch wenn vieles geändert wurde, wie z.B. das bei Tarantino noch negative Ende, gibt es viel zu entdecken, was den Tarantino-Geist atmet: So sieht sich Christian Slater im Kino Sonny-Chiba-Filme aus der „Street Fighter“-Reihe an. Fraglich ist allerdings, warum Tarantino nicht der richtigen Trilogie treu blieb, denn neben „The Street Fighter“ und „Return of the Street Fighter“ gibt es nicht etwa mit „The Street Fighter’s Last Revenge“ den wahren Anschluss der Trilogie. Statt dessen läuft „Sister Streetfighter“ mit Etsuko Shiomi in der Hauptrolle, bei dem Sonny Chiba nur einen Kurzauftritt hat.
In einer anderen Szene sieht Patricia Arquette John Woos „A Better Tomorrow 2“ im Fernsehen und die Liebesszene in der Telefonzelle zwischen ihr und Slater ist „As Tears Go By“ von Tarantinos Lieblingsregisseur Wong Kar Wai entsprungen.
„True Romance“ ist bis in die kleinste Nebenrolle perfekt Besetzt. So kann man z.B. Val Kilmer als Elvis oder Brad Pitt als dauerbekifften Kumpel von Michael Rapaport begutachten. Das gesamte Ensemble ist ohnehin großartig aufgelegt: Christian Slater, der mittlerweile etwas in der Versenkung verschwunden ist, spielt hier die wohl coolste Rolle seiner Karriere und Patricia Arquette schaffte als Alabama ihren großen Durchbruch. Gary Oldman gibt mal wieder den Psychopaten, was er wie immer mit Bravour erledigt und Dennis Hopper darf in einer Nebenrolle glänzen: Einfach herrlich ist die Szene, in der er sich mit dem von Christopher Walken ebenfalls hochklassig verkörperten Mafiaboss ein Wortduell liefert, was für ihn nur schlecht enden kann. Trotzdem bewart er seine Würde und düpiert den Don dabei gleichzeitig dermaßen, dass sogar seine eigenen Gefolgsleute über ihn lachen. Total perplex von dieser Situation greift dieser dann zum einzig konsequenten Mittel um sich wieder Respekt zu verschaffen und tötet sein Gegenüber.
Einfach göttlich ist auch der knautschgesichtige Saul Rubinek („Blackjack“), der den giftigen Hollywood-Produzenten herrlich verschroben und arrogant mimt ohne ihn jemals hassenswert erscheinen zu lassen.
Regisseur Tony Scott, der in den letzten Jahren nur noch durch öde High-Tech-Thriller wie „Der Staatsfeind Nr. 1“ auffiel, beweist auch hier wieder, dass er ein hervorragender Handwerker ist. Da es ihm leider an Kreativität mangelt, steht und fällt er mit jedem Drehbuch, das er verfilmt. Zu seinem Glück liefert „Pulp Fiction“-Mastermind Tarantino ein echtes Glanzstück ab.
Inszenatorisch ist Scott voll auf der Höhe und es gelingt ihm wirklich unglaublich gut den ironischen Ton und das Charisma Tarantinos einzufangen, so dass man fast meinen könnte, der Meister säße selbst auf dem Regiestuhl.
Einfach märchenhaft zelebriert der Regisseur seine Story, so dass es gar nicht mehr stört, dass einige Passagen nicht aus Tarantinos Feder stammen und selbst das neue Ende weiß zu gefallen, da es hervorragend den Nerv des Films trifft. Untermalt werden die großartigen Bilder von einem sehr guten Soundtrack, der perfekt auf der Klaviatur der Gefühle spielt und von tragisch bis packend alles beinhaltet – sogar seine kitschigen Seiten sind wunderbar anzuhören.
Die Actionsequenzen sind gut dosiert und knallhart in Szene gesetzt, besonders das Finale geizt nicht mit riesigen Einschusslöchern und einem hohen Bodycount. Auch glänzt der Film durch den herrlichen Tarantino-Humor, auch wenn einiges aus der Vorlage dabei verloren ging. Die Dialoge sind trotzdem wunderbar pointiert und treffen immer ins Schwarze.
Insgesamt lässt sich Tony Scotts „Bonnie & Clyde auf LSD“ schlichtweg als atemberaubend bezeichnen. Die Bilder und die Geschichte sind von ungeheurer Schönheit, so dass man sagen muss, dass Scott mit „True Romance“ seinen besten Film neben „Last Boy Scout“ abgeliefert hat.
Originaltitel: True Romance
Produktionsland & -jahr: USA 1993
Regie: Tony Scott
Darsteller: Christian Slater, Patricia Arquette, Dennis Hopper, Christopher Walken, Gary Oldman, Chris Penn, Tom Sizemore, Saul Rubinek, Michael Rapaport, Val Kilmer, Brad Pitt, Samuel L. Jackson, James Gandolfini, Bronson Pinchot, Anna Thomson
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