Wege zum Ruhm (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Einer der gelungensten Anti-Kriegsfilme!

Pro:

alles

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

„Die Originalität des Ersten Weltkrieges besteht darin, dass es für ihn keine Gründe gab und dass er zu nichts nütze war, abgesehen davon eben, dass er die Konditionen für den Zweiten Weltkrieg schuf. Er ist ein frappantes, vielleicht das offenkundigste Beispiel eines absurden, unsinnigen Krieges, der auf der Grundlage eines Zufalls entstanden ist.“ (Stanley Kubrick über den ersten Weltkrieg).


Dieser Satz, der die nun folgende Rezension zu Kubricks Film „Paths of Glory“ einleiten soll, belegt, warum der erste Weltkrieg prädestiniert dafür ist als Schauplatz eines Antikriegsfilmes zu dienen. Die Absurdität jenes Krieges ist sicher mit der wichtigste Grund, dass Kubrick diesen Krieg als Schauplatz wählte. Der zweite Grund dürfte ein Buch von Humphrey Cobb sein, dass Kubrick selbst mit fünfzehn Jahren las und welches als Vorlage für diesen Film diente. Dem Buch selbst liegt eine wahre Begebenheit, die sich während des ersten Weltkrieges zutrug, zu Grunde.


Der Film spielt im Jahre 1916. Es tobt seit zwei Jahren der erste Weltkrieg und wenn man von den ersten stürmischen Woche einmal absieht, herrscht seit zwei Jahren ein unerbittlicher Stellungskrieg an der deutsch-französischen Front. Tausende sind diesem Krieg schon zum Opfer gefallen, die Gebietsgewinne und -verluste auf beiden Seiten sind in wenigen Metern messbar.

Der Film handelt von drei Soldaten, die wegen Feigheit angeklagt werden und „als Beispiel“ erschossen werden. Dabei haben sie sich nichts vorzuwerfen.

Sie gehörten dem Regiment von Colonel Dax (Kirk Douglas) an. Dessen Vorgesetzten General Mireau (George Macready) wurde eine Beförderung in Aussicht gestellt, wenn er den Befehl gibt einen nahe gelegen Hügel zu stürmen. Mireau gibt den Befehl, Dax muss sich trotz erheblicher Bedenken beugen.

Doch der Angriff scheitert kläglich. In drei Gruppen sollten die Leute von Dax angreifen, nur zwei griffen an, die dritte Gruppe unter dem Kommando von Leutnant Roget (Wayne Morris) blieb zurück. Das feindliche Maschinengewehrfeuer war zu stark, zudem ist Roget eher ein Feigling.

Mireau tobt aufgrund dieses Misserfolges vor Wut. Er gab schon während des Gefechts den Befehl auf seine eigenen - nach seiner Ansicht - feigen Leute zu feuern, welcher aber von dem zur Ausführung bestimmten Soldaten verweigert wurde. Nun will er ein Exempel statuieren. Er wirft den Truppen von Dax Feigheit vor, und „als Beispiel“ für die anderen sollen drei hingerichtet werden. Dax gelingt es nicht den General davon abzubringen, er muss sich fügen.

Er lässt von seinen Leutnants drei Leute, aus jeder Gruppe einen auswählen. Es trifft Corporal Paris, der von Roget ausgewählt wurde, weil er einen Mord beobachtet hat, den dieser begangen hat. Er wird wegen Feigheit angeklagt, obwohl er kurz nach dem Beginn des Angriffs von einem toten Kameraden fast erschlagen wurde und in Ohnmacht fiel. Es trifft Corporal Ferol (Timothy Carey), den sein Vorgesetzter nicht leiden kann. Er wird wegen Feigheit angeklagt, obwohl er der Soldat war, der sich fast alleine am weitesten nach vorne gekämpft hat. Es trifft Corporal Lejeune (Kem Dibbs), den das Los ausgewählt hat. Er wird wegen Feigheit angeklagt, obwohl er genauso weit vorne kämpfte, wie die anderen Kameraden seiner Gruppe.

Obwohl Colonel Dax weiß, dass ihn diese seine Karriere kosten könnte, übernimmt der ehemalige Strafverteidiger die Verteidigung der drei Soldaten. Doch in einem Schnellverfahren, fern jeglicher Rechtsgrundsätze, werden die drei verurteilt: Tod durch Erschießen. Am nächsten Tag steht die Exekution an...


Wenige Filme haben es so verdient in einer Reihe „Kino des Anstosses“ gezeigt zu werden, wie Stanley Kubricks „Paths of Glory“. Erst musste der Film in Deutschland gedreht werden, da es durch die Zensur in den USA nicht möglich war, dann verbot die Zensur in den USA und Frankreich den Streifen. In Frankreich blieb er dies sogar noch für viele Jahre.

Unverständlich, wenn man den Film betracht. Selten ist ein Antikriegsfilm so eindringlich gewesen, Antikriegsfilme heutiger Zeit (und solche, die sich so schimpfen) sind meilenweit davon entfernt.

Kubrick hat seinen Film „Paths of Glory“, „Wege zum Ruhm“ getauft, ein passender Name, der die Kritik an der Denkweise des Offizierstandes, jener Gruppe in der Armee, die über alles entscheidet, aber am wenigsten kämpft, deutlich wiederspiegelt.

Deutliches Sinnbild dafür ist General Mireau. Er will die Höhe erst nicht erstürmen lassen, hält das Kommando für Selbstmord und aussichtslos. Dann wird ihm die Beförderung in Aussicht gestellt und alle Zweifel sind natürlich sofort beseitigt. Nicht wegen der in Aussicht gestellten Beförderung, wie er immer wieder betont, nur so. Mireau zeigt, wie sehr das persönliche Interesse, der Weg zum Ruhm bei den Offizieren im Vordergrund steht. Er schreckt dafür vor nichts zurück: „Soldaten sind wie Kinder. Wie diese brauchen sie Disziplin. Diese Erschießung wird ein Kräftigungsmittel für die Truppen sein. Nichts ermutigt mehr als die anderen sterben zu sehen!“

Ein ähnlicher Karrierist ist Roget. Auch er ist Offizier durch und durch. Aus persönlichen Motiven ermordet er einen Kameraden. Dem einfachen Soldaten, der ihn beobachtet, schmettert er nur entgegen: „Hast Du jemals versucht Dich gegen Offiziere zu beschweren? Versuch’s und du wirst sehen, wer von uns mehr Gehör findet!“

Dritter im Film dargestellter Offizier ist General Broulard (Adolphe Menjou). Ein Sinnbild für den angeklagten Stand, wenn er am Ende Colonel Dax für seine Taten bewundert und diesem sagt, dass dieser alles wohl nur gemacht habe, um befördert zu werden und an den Posten von Mireau zu kommen. Als sich herausstellt, dass dem nicht so ist, wirft er Dax Sentimentalität und Idealismus vor. Für ihn ist es unverständlich, dass jemand aus idealistischen Gründen auf Ruhm verzichtet.

Einzige Ausnahme, welche die Regel bestätigt, bei den Offizieren ist Dax. Er kommt von außerhalb, ist kein Militär durch und durch. Er war vorher Strafverteidiger. Er schätzt die Menschlichkeit am höchsten ein. Er sagt nicht nur, dass er seine Soldaten schützen will, er will sie auch schützen. Aber er kämpft gegen Windmühlen. Er muss selbst in den Krieg ziehen und seine Soldaten dahin schicken. Bezeichnend die Endsequenz. Die drei sind hingerichtet worden, Dax hat seinen Kampf für die Begnadigung verloren. Nun sieht er seine restlichen Truppen. Sie haben gerade ein paar Minuten in einer Kneipe die Zeit zum abschalten. Eine Frau singt ein Lied, die Soldaten weinen vor Heimweh. Dax schaut ihnen zu. Da ereilt ihn der Befehl, dass er sofort mit seinen Leuten wieder an die Front muss. Dax gibt der Truppe noch einige Minuten. Er ist nicht nur Offizier, sondern auch Mensch, aber trotzdem Gefangen im System der Armee und ihrer Befehlshierarchie.

Kubricks gelungener Antikriegsfilm ist und das ist es was ihn weiterhin auszeichnet kein plattes Plädoyer gegen Grausamkeit, Wahnsinn und Sinnlosigkeit des Krieges, sondern es ist gespickt mit satirischen Pfeilspitzen gegen das Militär, und vor allem gegen diejenigen, welche die Macht haben und sie missbrauchen. Wenn Mireau und Dax über Patriotismus diskutieren und Dax antwortet: „Der Patriotismus ist die letzte Zuflucht eines Schurken“ ist das genau so eine gelungene satirische Spitze, wie die Diskussion zweier Soldaten über den Tod, in der einer von beiden zum Schluss kommt, dass die Menschen nicht vor dem Tod selbst Angst haben, sondern nur vor der Todesart. Immerhin wird das MG dem Bajonett vorgezogen und auf eine Landmine will keiner treten. Nur das MG geht in Ordnung.

F A Z I T
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“Diese historische Situation hätte sich in irgendeinem Heer der Welt ereignen können. Ich hatte daran gedacht, sie in einem imaginären Heer spielen zu lassen. Und es wäre mir lieber gewesen, wenn diese Männer amerikanische Soldaten wären, aber nichts den Meutereien von 1917 Vergleichbares hat in unseren Armee stattgefunden. Mein Ziel war es einen Film gegen den Krieg zu machen!“ Mit einem Zitat von Stanley Kubrick begann diese Rezension, mit einem weiteren endet sie. Diesem Zitat ist nichts mehr hinzufügen. Kubricks Film ist einer der gelungensten Antikriegsfilme überhaupt und ein unbedingtes Must-see! Zehn von zehn Punkten!

D A T E N
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Titel Deutschland: Wege zum Ruhm
Originaltitel: Paths of Glory
Genre: Antikriegsfilm
USA 1957, FSK 12, Schwarz-Weiß, Laufzeit: 87 Minuten

Darsteller: Kirk Douglas (Colonel Dax), Ralph Meeker (Corporal Paris), Adolphe Menjou (General Broulard), George MacReady (General Mireau), Wayne Morris (Leutnant Roget)

Regie: Stanley Kubrick
Produzenten: Stanley Kubrick, Kirk Douglas, James B. Harris
Drehbuch: Stanley Kubrick, Calder Willingham, Jim Thompson nach einer Vorlage von Humphrey Cobb
Musik: Gerald Fried
Kamera: George Krause
Schnitt: Eva Kroll

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0050825/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=2988

© Björn Becher 2003

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