Allein (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Stepnwolf
Du liebst mich, aber du weißt nicht, wer ich bin.
Pro:
anrührendes und nachdenkliches Debütwerk, Lavinia Wilson, ruhig fotografiert
Kontra:
Unklarheit über die Krankheit?, restliche Besetzung geht unter
Empfehlung:
Ja
BORDERLINE - SYNDROM (*):
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Einige Symptome, die auf Borderline verweisen: Das Vermeiden von Alleinsein und rasch wechselnde, instabile Beziehungen. Ein impulsives Verhaltensmuster in Konflikten. Selbstverletzendes Verhalten. Manipulative oder echte Suizidversuche. Der Missbrauch verschiedener, oft auch wechselnder Süchte. Ein abweichendes Sexualverhalten. Häufige Depressionen und eine gefühlte innere Leere, sowie diffuse Ängste. Psychosenahe Episoden, meist recht bunt mit schnell wechselnden Symptomen.
Allgemein ist eine Borderline-Störung durch ein durchgehendes Muster von Instabilität im Bereich der Stimmung, der Affekte, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Selbstbildes geprägt. Zu bemerken ist in der Regel auch ein weitgehendes Unvermögen, Zwischentöne von extremen Polaritäten (Macht/Ohnmacht, Gut/Böse, Autonomie/Selbstaufgabe) zu sehen und zu fühlen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die grenzenlose Beziehungssehnsucht bei genauso tiefen Ängsten vor wirklich nahen Beziehungen, da sich diese oft als enttäuschend und missbräuchlich erwiesen haben.
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DER FILM
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ÜBERLEGE WOHL, BEVOR DU DICH DER EINSAMKEIT GIBST, OB DU AUCH FÜR DICH SELBST EIN HEILSAMER UMGANG BIST. (Marie von Ebner-Eschenbach)
Maria (gespielt von Lavinia Wilson) ist Studentin und jobbt nebenbei in der Uni-Bibliothek. Maria feiert gern, trinkt gern und ist eine lebensfrohe, freundliche Erscheinung. Maria ist jung und hübsch, vergnügt sich trotzdem gern mit dem älteren Wolfgang (Richy Müller) und ist auch sonst diversen, ihr unbekannten Männern nicht abgeneigt. Was oft als One Night Stand endet.
Und doch: Maria ist allein! Nur ihre beste Freundin Sarah (Victoria Mayer) kennt ihr Geheimnis. Maria ist krank. Diagnose: Borderline-Syndrom!
Doch dann lernt Maria Jan (Maximilian Brückner) kennen, der so ganz anders ist als alle vorher. Und für ihn will sie den Kampf gegen die Krankheit aufnehmen, ohne ihm davon etwas zu sagen.
Kann sie ihm so weit vertrauen um ihr Geheimnis zu lüften? Reagiert Jan wie alle vor ihm? Lässt auch er Maria allein?
GLÜCKLICH ALLEIN IST DIE SEELE, DIE LIEBT. (Johann Wolfgang von Goethe)
Stille - Ruhe - Gelassenheit. Attribute, die auf Alleinsein zutreffen könnten. Stille, Ruhe und Gelassenheit strahlt auch der Film aus. Regisseur Thomas Durchschlag verzichtet bei der filmischen Umsetzung auf Geschwindigkeit, Action oder Hektik. Ruhige Bilder, mal in Totale oder Halbnah, die eine gewisse Distanz erzeugen, wechseln mit noch ruhigeren Bildern in Nah- und sogar Detailaufnahme. Letzteres zieht uns automatisch in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin Maria hinein. Man ertappt sich dabei, nachzudenken über solch Dinge wie: Wozu braucht sie eigentlich die Rasierklingen? Warum schluckt sie Massen von Tabletten, noch dazu in Kombination mit diversen Alkoholika?
Das wir uns diese Fragen stellen, ist auf den Umstand zurückzuführen, zu Beginn nichts über die Krankheit Marias zu erfahren. Und selbst im Verlauf des Films wird nie wirklich klar, welche Krankheit dahinter steckt. Nicht einmal fällt das Wort Borderline. Diese Unwissenheit lässt uns eine ambivalente Beziehung zur Figur der Maria aufbauen: Auf der einen Seite leiden wir mit, fühlen den Schmerz und die Trauer. Aber trotzdem kommt manchmal auch das Kopfschütteln über die spontanen aggressiven Ausbrüche Marias, die sich in vereinzelter Antipathie äußert. Zumindest ging es mir so.
Die Identifikation mit der Hauptfigur baut sich dann über Jan auf. Ebenso wie er versucht hinter das Geheimnis der einerseits emotional depressiven Gewaltausbrüche und den anschließenden Hilfe suchenden bedürftigen Szenen Marias zu kommen und sie dabei lieben lernt, geht es uns. Am Ende hoffen wir auf ein Happy End, egal wie fragil es erscheinen möge.
Die Bilder von Kameramann Michael Wiesweg untermauern durch die häufig dunkel gehaltenen Szenen (bei Marias nächtlichen Trips), im Wechsel mit hellen und positiv wirkenden Szenen (exemplarisch der Rückzugs- und Ruhepunkt Marias: ein überdimensionaler Eisenpfeiler im landschaftlichen Nichts) diese gespalten erscheinende Persönlichkeit Marias. Die Atmosphäre ist ständig gespannt, wirkt erdrückend. Man erwartet jeden Moment einen tragischen (und auch tödlichen) Höhepunkt, der das Ende aller aufkommenden Hoffnungen wäre. Exzellente Kameraarbeit, überzeugend gefühlsecht und nah am Leben.
Das die Bilder so perfekt wirken, ist auch viel mit der fast gar nicht vorhandenen Musik zu begründen. Abgesehen von der lauten Discoszene ist die Musikuntermalung nur bei den gedankenverlorenen Stellen zu vernehmen. Leise Klaviertöne, ruhige Melodien, die gekonnt gerade die depressivsten und melancholischsten Szenen Marias begleiten. Ansonsten auch hier: Ruhe - Stille - Gelassenheit. Umso lauter sind dann die verbalen oder lärmenden Ausbrüche zu vernehmen, was natürlich gewolltes Stilmittel darstellt.
Am Ende steht und fällt die Qualität von ALLEIN mit der Hauptdarstellerin der Maria. Was mich ohne Umschweife zu den schauspielerischen Leistungen bringt.
WENN DICH ALLES VERLASSEN HAT, KOMMT DAS ALLEIN SEIN.
WENN DU ALLES VERLASSEN HAST, KOMMT DIE EINSAMKEIT.
(Schiller; Nicht Friedrich, die Band.)
Und dazu lässt sich kurz und knapp sagen: LAVINIA WILSON trägt diesen Film! Und zwar ganz allein (um im Bild zu bleiben).
Diese Intensität der kranken Maria bringt Lavinia Wilson so intensiv, ehrlich, fordernd, natürlich, mitleidig und extrem lebensnah herüber, das es zeitweise schmerzt, diesem Schauspiel zuzusehen. Außergewöhnlich gut gespielt. Da gibt es nichts dran zu mäkeln. Die Figur der Maria ist echt, ist aus dem Leben gegriffen und jede Sekunde des Films glaubwürdig dargestellt. Das musste sie auch, da Maria den Mittelpunkt, die Hauptpräsenz über die 90 Filmminuten bildet. Lavinia Wilson meistert die Rolle der MARIA bravourös. Dagegen können die weiteren Rollen nur abfallen, mal ganz abgesehen davon, dass Jan, Wolfgang und Marias beste Freundin Sarah eh nur Nebenrollen spielen.
Den größten Part nimmt dabei noch MAXIMILIAN BRÜCKNER als neuer Freund JAN ein. Der wirkt als der Prototyp eines perfekten Freundes: zuerst etwas schüchtern, aber stets hilfsbereit, gefühlvoll, einsichtig, gut aussehend, mit beiden Beinen im Leben stehend, ehrlich und immer da, wenn Maria ihn braucht. Nur: sie sieht das nicht und macht es ihm dadurch ungemein schwer. Maximilian Brückner spielt den Jan überzeugend, nicht mehr und auch nicht weniger.
Die sich ständig um den Zustand Marias sorgende Freundin SARAH wird verkörpert von VICTORIA MAYER. Die wenigen Szenen mit ihr haben vordergründig den Sinn mehr über die Vergangenheit und die Probleme Marias zu erfahren. Sie ist die einzige Stütze Marias und auch die einzige, die über die Krankheit bescheid weiß. Über mehr als eine unterstützende Funktion, um die Protagonistin dem Zuschauer näher zu bringen, geht ihre Rolle dabei nicht hinaus. Zum Freispielen blieb Victoria Mayer somit keine Zeit und kein Raum.
Die letzte erwähnenswerte Figur ist WOLFGANG, gespielt von RICHY MÜLLER, dem wohl bekanntesten Darsteller des Ensembles. Wolfgang ist der etwas ältere machohafte reiche Typ, der sich nicht am Gefühlszustand Marias interessiert, sondern nur an ihren körperlichen Vorzügen und ihrer so offenen Art. Man könnte auch sagen: Während Sarah die gute Seite Marias metaphorisiert, ist Wolfgang das Böse, die Krankheit. Richy Müller ist die richtige Besetzung für diesen schmierigen Typen und spielt wie eigentlich immer überzeugend.
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FILM-CREDITS
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Allein
Deutschland 2005
88 Minuten
Regie: Thomas Durchschlag
Drehbuch: Thomas Durchschlag
Kamera: Michael Wiesweg
Musik: Maciej Sledziecki
Schnitt: Ingo Ehrlich
Produktion: Lichtblick Film- und Fernsehproduktion
Mit: Lavinia Wilson (Maria), Maximilian Brückner (Jan), Richy Müller (Wolfgang), Victoria Mayer (Sarah) u.a.
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Preise: Max-Ophüls-Preis 2005 (Beste Nachwuchsdarstellerin)
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FAZIT
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"Bereits vor meiner Studienzeit an der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) hatte ich von dem Phänomen gelesen, das die Psychologen Borderline nennen. Ich wollte wissen, warum Menschen sich selbst wehtun, warum sie sich die Arme aufschneiden, in Exzessen leben und sich selbst nicht lieben können."
So äußert sich Regisseur Thomas Durchschlag über die Herkunft der Grundidee seines Debütwerkes ALLEIN.
Und er setzte seine Idee in beeindruckender Klarheit, mit direkten und realistischen Bildern, in einer ruhigen Bildersprache filmisch um. Größter Pluspunkt des Films ALLEIN ist aber definitiv Lavinia Wilson in der Rolle der Hauptfigur und Borderline-Opfer Maria. ALLEIN ist einer dieser Filme, der noch danach zum Nachdenken animiert, zum Weiterrecherchieren des Themas. Keine leichte Kost für einen entspannten Popcornabend, sondern das aufmerksame Rezipieren von ALLEIN sind Voraussetzung zum Verständnis. Nur, wer sich auf die Intensität und das intensive Spiel Marias einlässt, wird diesem Film ein unbedingtes positives Echo geben können. Alle anderen sollten sich erst gar nicht auf den Film einlassen oder es auf den richtigen Moment der Aufnahmefähigkeit verschieben.
Übrigens: Ein amerikanischer Film, der sich ebenfalls mit der Krankheit Borderline-Syndrom befasst, den Schwerpunkt der Handlung aber ganz anders setzt, ist "Durchgeknallt- Girl, interrupted". Auch sehenswert, da so ziemlich einzige Performance, in der mich Angelina Jolie überzeugen konnte, die hier neben der Hauptdarstellerin Winona Ryder agiert.
(*) http://www.jugend-hilft-jugend.de/de/beraterin/suchtinfos/krankheiten/Borderline-Syndrom.php
>>> Dies ein Bericht über den Film. Da es keine eigene Kategorie dafür gibt, ist die DVD-Kategorie die einzig wählbare. <<<
43 Bewertungen, 18 Kommentare
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08.02.2007, 21:34 Uhr von evaachenbach
Bewertung: sehr hilfreichlg eva
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19.11.2006, 02:04 Uhr von DonCemo
Bewertung: sehr hilfreichTop Bericht! Hilft Empathie für Betroffene zu entwickeln und löst die Schranke vor dem Betrachten des Films auf. Toll, dass Du an so ein Tabu-Thema herangegangen bist. Bin jetzt neugierig auf den Film geworden. LG aus OB
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19.11.2006, 00:04 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichGrussaussizilien - bernie
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18.11.2006, 21:03 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Biggi :-)
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18.11.2006, 19:00 Uhr von B_Engal
Bewertung: sehr hilfreichSH von mir. MfG B_Engal
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17.11.2006, 22:51 Uhr von LittleSparko
Bewertung: sehr hilfreichlg, daniela
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17.11.2006, 22:17 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSh & lG von Diana (c;
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17.11.2006, 21:41 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreich~~ SH. Gruß, Ralf ~~
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17.11.2006, 21:27 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße :o)
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17.11.2006, 20:24 Uhr von Vicky
Bewertung: sehr hilfreich* Sehr hilfreich - Vic *
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17.11.2006, 20:16 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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17.11.2006, 19:58 Uhr von stegi
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht - LG Martin
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17.11.2006, 19:27 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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17.11.2006, 19:00 Uhr von gummibaerchen20
Bewertung: sehr hilfreichEin klasse Bericht!!! Lg
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17.11.2006, 18:57 Uhr von fritzchen2
Bewertung: sehr hilfreichSH erhoffe Gegenbewertungen
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17.11.2006, 18:54 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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17.11.2006, 18:50 Uhr von Düsseldorf
Bewertung: sehr hilfreichweil ich so SUPER GERNE lese gibts n SH ;:)
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17.11.2006, 18:42 Uhr von atrachte
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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