Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Den habe ich nicht bis zum Ende durchgehalten
Pro:
Fans von unapettitlichen Folterbildern kommen hier auf ihre Kosten
Kontra:
fragwürdiger Inhalt, fragwürdige Moral, fragwürdige Absicht, erzählerische Defizite
Empfehlung:
Nein
„Hostel“ habe ich mir in dem vergeblichen Bemühen darum angesehen, meinen Nachholbedarf in Sachen „Horrorfilm“ endlich zu stillen. Während die anderen Kinder sich längst die Schauerfilme aus den „Hammer“-Studios im Fernsehen ansehen durften, blieben Dracula & Co. in meiner Familie tabu – so ein Schund (so hieß Trash damals noch) wurde nicht geguckt, basta. Den Begriff Schund akzeptiere ich heute sogar, mit dem basta habe ich mich nie wirklich abgefunden.
Immer wieder mal treibt mich die kindliche Neugier dazu, mir eine der ehemals verbotenen Früchte zu pflücken. „Hostel“ habe ich mir angesehen, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass Quentin Tarantino da in irgendeiner Funktion mitgetan hat. Dessen Film „Pulp Fiction“ mag ich, und seinen Auftritt in Robert Rodriguez’ irrwitzigem Vampir-Splatterfilm „From Dusk till Dawn“ mag ich auch.
Und „Hostel“? Fand ich in etwa so interessant wie einen Auffahrunfall auf der A3, bei dem ein Lkw voller gefrorener Schweinehälften ungebremst auf ein Stauende trifft. Wer sich so etwas länger als unbedingt nötig ansieht, ist wahrscheinlich Sanitäter oder Metzger und bringt dem Anblick ein gewisses berufliches Interesse entgegen. Der Rest des Publikums tut gut daran, zügig weiterzufahren und die Karambolage links liegen zu lassen. Letzteres kann man m.E. auch getrost mit „Hostel“ machen.
Das Cover lässt schon erahnen, was in „Hostel“ geschieht: Menschen werden gefoltert und getötet, und zwar auf unglaublich perfide, perverse Art und Weise – ich glaube, als Inhaltsangabe taugt das schon ganz gut. Im Gegensatz zu einer Dokumentation über Konzentrationslager kommt ein Gewaltporno wie „Hostel“ natürlich nicht ohne ein erzählerisches Grundgerüst aus. Auch das ist in seiner Wackeligkeit ziemlich schnell beschrieben: Zwei amerikanische Studenten packen ihre Rucksäcke und reisen ins alte Europa, um dortselbst mal so richtig die Sau rauszulassen. Auf ihrem Trip lernen sie außerdem einen Isländer kennen, der sich ihnen anschließt. Aufgrund eines einschlägigen Tipps macht sich das Trio gemeinsam auf die Reise Richtung Tschechien. Dort soll’s irgendwo ein Hostel geben, das ihnen als eine Art Heim für gefallene Mädchen ohne finanzielle Interessen und mit ausgeprägtem Faible für amerikanische Staatsbürger beschrieben wird. Jaja, so ist das: das alte Europa – ein kostenloser Bahnhofspuff für lüsterne Kolonialisten.
Bis der Film das alles erzählt hat (natürlich brav hintereinander), vergeht eine gute halbe Stunde. In der gibt’s zwar noch keine Folterszenen zu sehen, dafür aber einiges an nackter Haut. Warum auch nicht. Das treibt zwar die Handlung nicht voran, aber wenn man schon was abkurbelt, was das Prädikat „ab 18“ bekommt, kann man’s schließlich auch richtig machen. Erst Sex, dann Crime.
Tschechien entpuppt sich en gros als eine ziemlich trostlose Angelegenheit. Wie könnte es auch anders sein – immerhin befinden wir uns in einem ehemaligen Ostblock-Staat, und in dem ist das alte Europa eben noch etwas rückständiger als anderswo. Erst recht gilt das, wenn man es im Zug bereist, in dem man überdies auf zwielichtige Mitreisende trifft – ein Klischee mit Tradition, mit dem schon Alfred Hitchcocks „Eine Dame verschwindet“ (1938) sehr effektiv spielt. Die Herberge, immerhin, entpuppt sich zwar tatsächlich als der avisierte Ort sexueller Ausschweifung. Dass die Reisenden in eine Art Touri-Venusfalle geraten sind, dämmert den beidem Jungs aus Amiland aber auch dann noch nicht, als ihr Reisegenosse plötzlich verschwunden ist und verschwunden bleibt. Hier gibt’s dann noch ein paar Szenen zu sehen, in der ein Mensch durch enge Gassen huscht, der die Jacke des Vermissten zu tragen scheint – ich glaube, da hat der Herr Regisseur sich von „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ inspirieren lassen.
Natürlich ist der Mensch aus Island nicht, wie man die beiden glauben machen möchte, überstürzt abgereist, sondern wird im Keller gefangen gehalten. Dort lassen zahlkräftige Kunden gegen entsprechendes Entgelt ihren perversen Gelüsten freien Lauf und versuchen sich unter Zuhilfenahme von Heimwerkergerät an Vivisektionen, die natürlich ohne Betäubung durchgeführt werden; unter anderem wird den Kniescheiben der wehrlosen Opfer mit der Bohrmaschine zugesetzt. Ich habe mir das bis zu einer Szene angesehen, in der sich einer unserer geilen Ami-Buben auf einem Rollwagen versteckt, auf dem einer der Schlächter bereits diverse Leichen und Leichenteile gestapelt hat.
Dann hat mein Telefon geklingelt, und obwohl ich mir vorgenommen hatte, mir irgendwann auch den Rest des Films anzusehen, habe ich genau das immer wieder vergessen.
R e s ü m e e
Erzählerisch wenig raffinierter Schocker, in dem Geilheit mit der Todesstrafe bewehrt ist. Ein Film, der perverse Ideen in drastische Bilder packt und Otto Normalzuschauer wie angehenden Folterknechten aus ganz unterschiedlichen Gründen schlaflose Nächte bereiten dürfte.
26 Bewertungen, 9 Kommentare
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30.10.2006, 13:55 Uhr von indie_hh
Bewertung: sehr hilfreichWär auch nix für mich! liebe grüsse
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27.10.2006, 01:00 Uhr von Fantomiss
Bewertung: sehr hilfreichnee, sowas muss ich mir nicht anschauen...
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26.10.2006, 15:31 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich«:::S:::» «:::P:::» «:: I :::» «:::T:::» «:::Z:::» «:::E:::»
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26.10.2006, 02:46 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichlg Anett
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25.10.2006, 23:56 Uhr von stegi
Bewertung: sehr hilfreichLG Martin
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25.10.2006, 20:25 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Birgit :-)
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25.10.2006, 17:41 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße :o)
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25.10.2006, 16:54 Uhr von Voodoo-Benshee
Bewertung: sehr hilfreichja der Film ist wirklich krank, aber gut ;)
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25.10.2006, 16:26 Uhr von Elli04
Bewertung: sehr hilfreichSH. Gruß aus Köln.




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