Borat (DVD) Testbericht

ab 14,15
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Erfahrungsbericht von Kanyoka

Fremd im anderen Land

Pro:

Humorvoll; "Anders"; Sehr eindrucksvoll; Abwechslungsreich; teils überraschend

Kontra:

Zum Teil weit unter der Gürtellinie

Empfehlung:

Nein

Dokumentationen sind interessant, normalerweise aber auch langweilig – zumindest oft. Dass das nicht immer so sein muss, zeigt Sacha Baron Cohen mit seiner Figur „Borat Sagdiyev.“ Borat ist ein kasachischer Fernsehreporter und reist im Auftrag des Innenministeriums von Kasachstan in die USA, um die Verhaltensweisen der amerikanischen Bürger zu studieren und daraus Vorteile zu ziehen. Dabei wird er von seinem Produzenten Azamat Bagatov (dargestellt von Ken Davitian) sowie einer Kamera begleitet.

---> Jeder Abschied fällt schwer
Bevor Borat seine Reise antritt, zeigt er voller Stolz sein Zuhause in Kasachstan. Ein altes Haus ohne Türen und Fenster, in dem eine Kuh als Haustier dient, ein Radio und viel Gerümpel bilden sein Heim. Zu Gesicht bekommen wir auch seine Ehefrau, eine etwas unsympathische Dame, die ihm beim Abschied droht, ihm sein Glied abzuschneiden, sollte er es wagen, in den USA etwas mit einer anderen Frau anzufangen. Außerdem bekommen wir seine Schwester zu sehen, die stolz einen Pokal in die Kamera hält, der zeigt, dass sie die „viertbeste Prostituierte“ in der Gegend ist.

Zum Flughafen wird er dann in einem grünen Fahrzeug gefahren, mit ganzen zwei Pferdestärken – im wahrsten Sinne des Wortes. Einen Motor hat das Gefährt nämlich nicht; es wird von zwei Pferden wie eine Kutsche gezogen.

---> U, S und A
Am JFK Airport in New York gelandet, beginnt sowohl der eigentliche Film als auch das Abenteuer.

Was tut man als erstes, wenn man irgendwo neu ist? Richtig: man versucht, neue Kontakte zu knüpfen. Während der „normale“ Mensch das durch Gespräche versucht (sei es zum Beispiel in einer Kneipe), geht Borat auf der Straße wildfremden Personen entgegen, stellt sich ihnen vor und versucht, ihnen einen Bruderkuss zu geben. Dass die Leute von ihm weglaufen, ist dabei noch die harmloseste Reaktion.

Früher oder später checkt er dann in seinem Hotel ein, gemeinsam mit seinem Produzenten, versteht sich. Obwohl er vor hatte, sich schlafen zu legen – denn am nächsten Morgen stehen wichtige Termine an – sieht er noch ein wenig fern und landet bei der Serie „Baywatch“, wo er sich prompt in C.J (Pamela Anderson) verliebt und kurzum beschließt, sie zu suchen.

---> Wichtige Termine
Die Termine nimmt er wahr, trotz der Tatsache, dass er die ganze Nacht vor der Glotze saß. Zunächst geht er zu einer Arena, wo er die kasachische Nationalhymne in der Melodie der amerikanischen singen soll, wobei er vorher die kasachische Solidarität im amerikanischen Kampf gegen den Terrorismus beteuert („Möge Georg Bushe trinken voll Genuss das Blut jedes Mannes, jeder Frau und Kind von Irak“) - es artet so aus, dass Borat und Azamat flüchten müssen.

Dennoch nimmt der Fernsehreporter ein Treffen mit einer feministischen Frauengruppe an, die ihm eigentlich nur erklären sollen, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Er aber glaubt das nicht – für ihn sind Frauen höchstens Sklaven – und macht sich über sie lustig, bis sie gedemütigt den Raum verlassen. Es folgen weitere Termine, unter anderem im Fernsehen und in einem Haus einer wohlhabenden Familie(?), auf die ich jedoch nicht eingehen werde – sind aber im ähnlichen Humor gehalten.

---> Pamela Anderson
Wie gehabt, hat sich Borat in Pamela Anderson verliebt und sucht seither nach ihr. Auf dem Weg durch Amerika stößt er auf eine Frau, die in ihrem Vorgarten einen kleinen Trödelmarkt betreibt und fragt sie – er denkt, sie sei eine Zigeunerin – ob er ihre Tränen haben könne. Zufällig sieht er dabei eine Zeitschrift über Baywatch, blättert darin und findet sowohl ein Bild als auch eine Beschreibung seiner Angebeteten. Außerdem findet er heraus, dass sie in Kalifornien lebt. Kurz darauf will er genau dorthin, um ihr einen Heirats“antrag“ zu machen – ob er es schafft?

---> Borat und sein Humor
Borat Sagdiyev hat einen sehr eigensinnigen, primitiven und außergewöhnlichen Humor, der gleichzeitig jedoch auch die Gesellschaft kritisiert – bei näherer Betrachtung. Wobei selbst das Interpretationssache sein mag. Er ist antisemitistisch und das zeigt er auch (mehrmals beleidigt er Juden und macht sich über selbige lustig), frauenfeindlich (in seinem Weltbild sind Frauen Sklaven, die eingekauft werden [„Als ich meine Frau gekauft habe..“] und kein Rederecht besitzen) und er scheint ein kleiner Choleriker zu sein (als er in der Fahrschule ist, beleidigt er andere Verkehrsteilnehmer, weil sie ihn angesehen haben). Kurzum: Das genaue Gegenteil des Idealbildes eines „normalen“ Mannes.

Allein deshalb dürfte der Film „Borat“ etwas Besonderes sein – das ist er meines Erachtens auch. Zugegeben ist nicht alles lustig (zum Beispiel als Borat und Azamat nackt miteinander kämpfen; das war eher, nunja, abstoßend als lustig), einige längere humorvolle Passagen sind aber trotzdem enthalten. Als Beispiel für letzteres möchte ich das Zusammentreffen zwischen Borat und einer Jugendbande nennen, die ihm auf seinen Wunsch ein paar Sätze des Jugendslangs beibringen, die er promt verwendet („Was geht ab, Vanilla-Backe? Ich und mein Homie Azamat gerade unsere Karre draußen geparkt..“) und anschließend des Plates verwiesen wird.

Der Film zeigt aber auch interessante Einblicke in die USA, beziehungsweise einem Teil der Bürger. So trifft Borat auf einen Mann, der ihn indirekt als Terroristen bezeichnet, weil er eben einen schwarzen Bart trägt und rät ihm gleichzeitig, selbigen abzurasieren. Es wird oft auf solche Klischees eingegangen; nicht nur im Bezug auf Terrorismus, sondern auch im Bezug auf Homosexuelle. Mit Sicherheit spricht er Humor nicht jedermann an, dafür ist er viel zu tief unter der Gürtellinie und vulgär, trotzdem zeigt er einige Abgründe der Gesellschaft (unter anderem trifft er auch auf frauenfeindliche Studenten), bei denen man vielleicht nicht zum Lachen, aber immerhin zum Nachdenken kommt.

---> Die DVD
Der Film dauert rund 80 Minuten. Als Extras findet sich 30 Minuten zusätzliche Szenen, die im Film nicht zu sehen sind, eine Dokumentation der Promotion-Tour, zensierte Szenen (unter anderem „Hundekäfig“), ein Video der kasachischen Polizei, ein Trailer, Werbung, und Rodeo-News.

Das Bild erinnert ein wenig an einen normalen Dokumentarfilm, sprich nichts spezielles – dennoch klar und fürs Auge recht angenehm.

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Türkisch
Sprache: Deutsch (5.1 – Dolby Digital), Deutsch (5.1 – DTS), Englisch (5.1 – Dolby Digital), Russisch (2.0 – Surround)
Menü: Deutsch und Englisch
Regionalcode: 2 PAL

---> Fazit
Man mag ihn, oder eben nicht. Der Film ist eine Gradwanderung zwischen Kopfschütteln und Lachen, wobei meiner Meinung nach letzteres deutlich überwiegt. Allein wie Borat in manchen Situationen ohne wirklichen Grund die Fassung verliert und herumpöbelt, im nächsten Moment dann wieder in Trauer versinkt oder vor Freude strahlt, ist eine Klasse für sich. Dass Sascha den Borat „nur“ spielt, ist fast nicht zu glauben – mir kam es eher so vor, als sei er auch wirklich Borat aus Kasachstan. Dennoch darf man dem Film (insbesondere was die geschilderten Verhältnisse in Kasachstan anbelangt) nicht alles glauben, vielmehr sollte man dem ganzen mit einem Augenzwinkern begegnen.

51 Bewertungen, 17 Kommentare

  • Puppekaa

    11.11.2008, 08:26 Uhr von Puppekaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner Bericht - LG

  • Estha

    09.08.2008, 01:56 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße

  • try_or_die87

    22.07.2008, 21:01 Uhr von try_or_die87
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Regensburg

  • frankensteins

    25.06.2008, 20:22 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich find den köstlich, so nebenbei einfachtoll lg

  • Django006

    29.03.2008, 21:33 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    den kann ich gar nicht ab, lg Alan

  • mami_online

    07.11.2007, 00:48 Uhr von mami_online
    Bewertung: sehr hilfreich

    Da ich ihn noch nicht selbst gesehen habe, kann ich mir keine Meinung dazu bilden. Ich habe zu viele kontroverse Meinungen dazu gelesen. Aber der Bericht ist sehr gut. LG, Nicole

  • Baby1

    10.10.2007, 23:44 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Puenktchen3844

    09.10.2007, 01:08 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wieder ein tadelloser Bericht von Dir. LG

  • sigrid9979

    05.10.2007, 18:30 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht... Lg Sigi

  • Mondlicht1957

    01.10.2007, 23:18 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH LG Pet

  • samatweb

    29.09.2007, 14:55 Uhr von samatweb
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe nicht einmal gelacht bei diesem Film! So verschieden sind Geschmäcker und Humor... Gruß!

  • sabrina.witte@gmx.de

    29.09.2007, 14:31 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende

  • anonym

    29.09.2007, 12:14 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh! Sehr schöner Bericht, von jeder Seite beleuchtet. Gefällt mir wirklich gut.

  • _knuddelmonster88_

    29.09.2007, 11:32 Uhr von _knuddelmonster88_
    Bewertung: sehr hilfreich

    Endlich keine Codes mehr. LG Sara

  • morla

    29.09.2007, 00:26 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir ein schönes wochenende. l.g. petra

  • LittleSparko

    28.09.2007, 23:01 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela

  • Miraculix1967

    28.09.2007, 22:00 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Den Film würde ich gerne mal sehen! SH, schönes WE und LG Miraculix1967