Borat (DVD) Testbericht

ab 14,15
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Erfahrungsbericht von MatthiasHuehr

Jagshemash! Mein Name Borat

Pro:

Spiegel der Gesellschaft

Kontra:

nix für Weicheier

Empfehlung:

Nein

… und ich sein Reporter von Fernsehen Kasachstan… begrüßt die Borat Hauptfigur die Zuschauer des Filmes und zeigt ihnen sein geliebtes Heimatdorf mit all seinen Bewohnern. Dieses fiktive Dorf liegt in den Bergen Kasachstans was ziemlich rückständig ist. Um dieses zu verändern, wurde beschlossen Borat mit einem Filmteam nach Amerika, was das fortschrittlichste Land der Welt sein soll, zu schicken, damit er die dortige Kultur filmen kann, damit die glorreiche Nation von Kasachstan daraus zu ihrem Vorteil lernen kann. In Amerika angekommen sieht Borat Pamela Anderson in Baywatch und verliebt sich in sie. Er beschließt daher nach Kalifornien zu fahren um sie dort zu finden und heiraten zu können. Unter dem Vorwand, dass man dort am meisten über das Land erfahren könnte, überzeugt er seinen Manager zu dieser Planänderung und die Tour mit den entblößenden Interviews beginnt …

Borat ist ein Film bei dem die Meinungen stark auseinander gehen in der Frage, ob er nun verdeckt intellektuell und komisch oder aber einfach nur geschmacklos und rassistisch ist. Ich persönlich, um es schon vorneweg zu sagen, bin der Meinung, das Ersteres zutrifft. In den meisten negativen Kritiken kann man zwischen den Zeilen lesen, dass die jeweiligen Verfasser die eigentliche Aussage des Filmes nicht verstanden haben, denn so offensichtlich sind die Schwachstellen in der Formulierung ihrer Kritik

Borat … ein Schwein von einem Mann oder doch das wahre Spiegelbild seiner jeweiligen Gesprächspartner? Die Figur des Borat wird von den meisten Kritikern als ein rassistischer und homophober Macho wahrgenommen, doch ist er eher etwas anderes was er darstellt. Borat mimt den hinterwäldlerischen Reporter und sagt die Dinge frei heraus, die seine Interviewpartner denken. Durch seine ein Art des Auftretens und die angeblichen Verständigungsprobleme, die ihn immer die falschen Worte sagen lassen, fühlen sich seine Gesprächspartner bestärkt seine Aussagen zu bekräftigen und Dinge sagen, die sie sonst nicht so öffentlich gesagt hätten. Diese Taktik ist eine bekannte Manipulationsmethode und wie man sieht recht erfolgreich was des Ergebnis betrifft. Borat ist daher eher wie ein Psychotherapeut, der sich das Vertrauen der Leute zueigen macht und ihre innersten Gefühle und Neigungen an das Tagelicht fördert. Doch in diesem Fall geschieht dieses öffentlich und stellt diese Leute auf humoristische Weise an den Pranger,. Das aber in einer Art und Weise, die nicht die Aussage direkt auf den Punkt bringt, sondern eher auf eine unterschwellige Art, mit der sich die Opfer praktisch von selbst entblößen.

Dass die Figur des Borat nun unbedingt ein kasachischer Reporter sein muss, ist der Tatsache geschuldet, dass aufgrund der Unkenntnis über dieses Land, wie heißt noch mal gleich die Hauptstadt, ihm jeder seine Aussagen glaubt, die er seinen Gesprächspartnern auftischt. Dass islamische Länder an sich sehr konservativ und nicht unbedingt das sind was man liberal nennt, ist vielleicht das einzige was die Leute gerade noch so wissen. Die Aussagen, die er macht treffen auf ein dankbares Publikum, welches innerlich so tickt, wie sie es von Borat glauben. Mit einer gewissen Naivität bringt er seine Fragen und Aussagen in den Interviews unter, als ob diese völlig normal sind. Mit dem "Wie? Hier ist das nicht so?" bringt er problemlos einfach die Sympathien seiner Interviewpartner auf seine Seite und kann sie dann problemlos dahin führen wo er sie gerne haben möchte. Auch die Tatsache, dass er eine Kamera dabei hat, kann er wunderbar mit seiner gespielten Rolle erklären, beziehungsweise so an bestimmte Leute herantreten, die sich dadurch geschmeichelt und wichtig fühlen.

Um einen Handlungsstrang seine Interviews zu bekommen, wurde eine Geschichte konstruiert, die mit der Figur des Borats in Einklang stehen musste. Wenn Michael Moore einen seiner Filme macht, kann er problemlos als er selbst in Erscheinung treten. Sasha Baron Cohen kann dieses im Gegensatz dazu nicht so machen, da die Figur des Borat ja nur fiktiv ist und er das daraus resultierende Glaubwürdigkeitsproblem mit der vollständigen Vereinnahmung des Charakters im Film löst. Durch diese halbdokumentarische Umsetzung könnte man fast glauben, dass alles echt sei, wären da nicht ein paar Dinge, die vielleicht etwas zu krass für die Realität, oder was die Zuschauer dafür gerne halten möchten, wären. Die Sache ist aber, dass viele der Szenen gar nicht so abgeschottet von der Realität sind, wie man glauben könnte. Zweifelsfrei sind der Beginn und das Ende des Filmes gestellt, auch Pamela Anderson hat nur eine Rolle gespielt, zwar sich selbst, aber gestellt bleibt gestellt. Meiner Meinung war die angebliche afroamerikanische Prostituierte auch nur eine Schauspielerin, da sie auch am Ende des Filmes in Kasachstan weilte und auch kein entlarvendes Interview mit ihr gezeigt wurde. Der Rest der Darsteller dürfte wohl nicht gestellt sein, dafür wirkten sie zu realistisch.

Was wird Borat nicht alles vorgeworfen, von Antisemitismus bis Rassismus ist alles mit dabei was man heutzutage und hierzulande als politisch nicht korrekt bezeichnen würde. Aber was bleibt von den Vorwürfen übrig wenn man sie genauer beleuchtet? Rein gar nichts! Cohen verarbeit in seinen verschiedenen Rollen seine bisherige Lebenserfahrungen und schuf mit Borat eine anscheinend völlig überzogene Klischeeüberzeichnung, die mit ihrer provokanten Art und Weise den Zuschauern die Augen öffnen soll. Schaut man sich an zu welchen Reaktionen und Antworten seine Fragen geführt haben, dann fragt man sich wer denn nun genau derjenige ist, der rassistisch und diskriminierend ist. Hätte ich nicht diesen Film gesehen wüsste ich nicht welche Waffe am besten geeignet ist um sich Juden vom Hals zu halten oder wie die Schäden am neuen Auto ausfallen, wenn man damit in eine Gruppe Zigeuner fährt. Man bekäme nicht die homophobe Haltung vieler Leute zu sehen oder wie schnell die gespielte Weltoffenheit sich in Luft auflöst, wenn man zu einem Dinner eine afroamerikanische Tischdame mitbringt. Wer hat denn beispielsweise bei diesem besagten Treffen mit fadenscheinigen Argumenten den Tisch fluchtartig verlassen? Doch nicht etwa Borat? Betrachtet man das Verhalten der Leute, dass sie sogar im Beisein einer Kamera so offenherzig zeigten, muss dem Zuschauer eigentlich bewusst werden, wie gesellschaftlich rückständig und illiberal das nach eigener Meinung nach freiheitlichste und demokratischste Land auf der Welt in Wirklichkeit ist. Man muss nur etwas am Lack kratzen und schon sieht man wie schlecht es darunter eigentlich aussieht.

Merkwürdigerweise gehören die wenigsten Kritiker zu den Gruppen, die in diesem Film angeblich so schlecht dargestellt werden. Selbst die Regierung von Kasachstan sieht den Film inzwischen sehr positiv und hat sogar Cohen alias Borat offiziell eingeladen um das Land zu besuchen. Sogar ich, als in gewisser Weise persönlich Betroffener, kann in diesem Film nichts finden, was Borat vorgeworfen wird. Man kann es mit bestimmten Dingen auch übertreiben. Aber zum Glück gibt es genug Leute mit Humor und daher auch noch keinen Verein für Antiblondinismusforschung, der alle Leute verklagt, die es wagen Blondinenwitze zu erzählen. Was aber zu befürchten wäre, ist die Tatsache, dass ein ähnlicher Film, der hier bei uns in Deutschland handeln würde, leider auch zu einer ähnlichen Reaktion der beteiligten Gesprächspartner führen würde.

"Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen" ist ganz bestimmt kein Film für schwache Gemüter. Borats machohaftes Auftreten und seine derbe Art, die Cohen mit großer schauspielerischer Leistung glaubwürdig verkörpert, sind ganz bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Auch einige Bilder, wie die Szene mit dem Nacktringen sind nicht gerade ein optischer Leckerbissen. Der Humor ist richtig derb, meistens sehr tief unter der Gürtellinie und hundertprozentig nicht politisch korrekt. Man muss schon ein sehr großer Freund des schwarzen Humors sein, um an diesem Film seine Freude zu haben. Da man eigentlich wissen müsste, um was für eine Art von Film es sich bei Borat handelt, da die Figur aus dem Fernsehen bekannt ist, sollte man nicht wie einige den Humor des Filmes kritisieren. Man geht ja auch nicht in einem Film von Otto und erwartet dann ernsthaft, dass dieses Machwerk dann auch noch lustig sein könnte. Ich persönlich hatte sehr viel Spaß bei meinem Kinobesuch, vom Preis der Kinokarte mal abgesehen, und kann daher diesen Film mit gutem Gewissen weiterempfehlen.


Also viel Spaß dabei und passt auf was ihr sagt, wenn ein gewisser Bruno, seines Zeichens Reporter von Austria gay-TV (OJRF), euch Fragen stellen möchte! ;-)

54 Bewertungen, 21 Kommentare

  • panico

    07.02.2009, 13:47 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerliebste Grüße von panico:-)

  • Tuffi2106

    04.02.2009, 22:45 Uhr von Tuffi2106
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, lieben Gruß und einen schönen Abend! Tuffi

  • frankensteins

    20.01.2009, 12:34 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße Werner

  • Bunny84

    11.01.2009, 21:12 Uhr von Bunny84
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen schönen Restsonntag wünscht ich dir. Liebe Grüße aus dem noch immer verschneiten Münsterland.

  • anonym

    15.12.2007, 21:30 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh! wünsche einen schönen 3. Advent! LG

  • sindimindi

    17.10.2007, 23:14 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Provozieren und auffallen um jeden Preis! - da hat man es wohl ein bisschen übertrieben...mir ist der 'Humor' zu primitiv geraten. RS

  • Frosch14

    03.10.2007, 15:16 Uhr von Frosch14
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich fand den Film nur blöd

  • mami_online

    03.10.2007, 03:16 Uhr von mami_online
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + LG, Nicole

  • luxusklasse1

    30.09.2007, 19:25 Uhr von luxusklasse1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Da hab ich ja was dazu gelernt. Das sich Kazachstan beruhigt hat, kann ich mir nur mit diplomatischer Hilflosigkeit erklären. Für mich wäre der Film o.k. gewesen, wenn Borat wirklich aus einem fiktiven Land gekommen wäre und die antijüdischen Witze rausgel

  • hope1

    23.09.2007, 04:13 Uhr von hope1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hab ich das verpasst, ... oder in wie weit bist du selbst Betroffener?

  • Mondlicht1957

    02.09.2007, 15:33 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Pet klopft an und sagt super, du bist auch bei mir willkommen, LG

  • Kjeldi

    25.08.2007, 06:34 Uhr von Kjeldi
    Bewertung: sehr hilfreich

    prost und guter Bericht, schau mir doch mal den Film an, unser Bekannter aus Kasachstan wird dann wohl Kopf stehen, aber den verdonnere ich gleich mit, Vorurteile schaft man nicht mit Ignoranz weg

  • Janet

    22.08.2007, 00:32 Uhr von Janet
    Bewertung: sehr hilfreich

    am Anfang waren sie in Kasachstan aber gegen den Film nun ja das legte sich aber schnell wieder. Wohl auch weil Borat so erfolgreich war.

  • Clarinetta2

    21.08.2007, 19:38 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse Bericht

  • anonym

    21.08.2007, 11:26 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich!

  • morla

    21.08.2007, 01:39 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    l.g. petra

  • echodelta

    21.08.2007, 01:12 Uhr von echodelta
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh von mir für einen Spiegel, der mir nicht unbedingt gefällt! VG KAI

  • waltraud.d

    20.08.2007, 23:54 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • anonym

    20.08.2007, 21:30 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    das ist gar nicht mein Fall

  • Baby1

    20.08.2007, 21:19 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Engelchen0109

    20.08.2007, 21:17 Uhr von Engelchen0109
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht... LG vom Engelchen