Fischer Verlag Tender BAr / Moehringer, J.R. Testbericht

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ab 10,11
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2007

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Erfahrungsbericht von Mareike22

WunderBar

Pro:

Träume können wahr werden -

Kontra:

wenn man für sie kämpft

Empfehlung:

Ja

Schon lange machte der Fischer Verlag in diversen Fachzeitschriften auf das Werk von JR Moehringer

~~ Tender Bar ~~

aufmerksam. Klar, dass auch ich irgendwann reagierte und es unbedingt lesen wollte.
“Eine neue Stimme der amerikanischen Literatur, so rauchig und herzzerreißend wie Sinatra” sagt die New York Times.
Doch wer ist diese neue Stimme, die selbst die New York Times zu solchen Komplimenten hinreißen lässt?

JR Moehringer, geboren im Jahre 1966 (oder 1964 - da scheint sich selbst der Fischer Verlag nicht einig zu sein), studierte in Yale und wurde Journalist. Nach Stationen bei der New York Times und den “Rocky Mountains News” landete er bei der “Los Angeles Times”.
Im Jahre 2000 gewann der Pulitzer Preis für seine Reportage von Gee’s Bend, Alabama. “Tender Bar” ist sein erstes Buch, welches direkt auf Platz 5 der New York Times Bestsellerliste landete.
Mehr kann und will ich nicht über den Autor erzählen, denn sein Buch trägt im Original noch den Untertitel “a memoir” und ihr ahnt es bestimmt schon: Es ist eine Biografie über die Kindheit, Jugend und Jahre als junger Erwachsener des JR Moehringer.


Wir begleiten den kleinen JR Moehringer durch seine Kindheit und Jugend.

Alles beginnt in dem kleinen Stadtteil Manhasset, Long Island, New York.
JR lebt mit seiner allein erziehenden Mutter bei seinen Großeltern, zusammen mit seiner Tante und den 6 Cousins bzw. Cousinen sowie einem allein stehenden Onkel.
Dieser ganze Haufen lebt in einer baufälligen Bruchbude, mit zusammengeklebten Möbeln, einem undichten Dach und den vielen Launen und Macken der unterschiedlichen Leute.

Schon von klein auf ist JR fasziniert von der Bar des kleinen Stadtviertels, die sein Onkel Charlie regelmäßig besucht.
Doch dieser Zugang wird ihm als 6-jähriger (noch) verwehrt, denn seine Mutter hat Großes mit ihm vor: Er soll Anwalt werden.
So bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit seinem kleinen Cousin zu spielen, den Opa zu nerven und Radio zu hören, welches eine große Sehnsucht in ihm weckt: Sein Vater, der kurz nach seiner Geburt die kleine Familie verlassen hat und sich seitdem um nichts kümmert - geschweige denn Unterhalt zahlt, moderiert verschiedenste Radiosendungen im ganzen Land. Aus diesem Grund ist “Die Stimme” JR’s einziger Kontakt zu seinem Vater.

Im Alter von gut 10 Jahren zieht er mit seiner Mutter nach Arizona und obwohl ihn die Hitze dieses Wüstenstaates schier zu erdrücken scheint, findet er schnell Anschluss. Manhasset vergisst er jedoch nie, verbringt so manchen Sommer dort und kommt auch dort zum ersten Mal mit der Bar in Berührung: Sein Onkel Charlie und seine Freunde nehmen ihn mit zum Strand und so manches Mal mit in die Bar. Für ihn ein wahres Wunderland aus skurrilen, aber menschlichen Gestalten und so manche Person ersetzt für ihn die nie vorhandene Vaterfigur.

In dieser Bar, das “Dickens” welches später in “Publicans” umbenannt wird, feiert er viele Premieren: Er sieht sein erstes Baseballspiel im Fernsehen, entdeckt seine Liebe zu Sinatra, lernt viel über Gut und Böse und dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt.


Wie weiter geht? Lasst euch überraschen!

Die Covergestaltung halte ich für ziemlich gelungen: Ein kleiner Junge, mit hübschen, treuen braunen Augen und gegelten Haaren blickt so eben über den Rand einer langen, dunkelbraunen Holztheke, im Hintergrund sind hochgestellte Stühle zu sehen. Da das ganze Buch in dunklen Brauntönen gehalten ist, hat der Verlag eine helle Schriftfarbe gewählt, um den nötigen Kontrast zu schaffen. Allerdings geht das Buch durch diese dunklen Farben im Wust der gerade erschienenen Bücher ziemlich unter: Zu schnell blickt man drüber hinweg - wären da nicht diese leicht traurigen Augen des kleinen Jungen - diese zwingen einen doch noch einmal genauer hinzusehen und das Buch zur Hand zu nehmen.

Hält man es nun schon in Händen, kann man es doch gleich aufblättern, um euch anhand eines kleinen Textauszuges das Buch ein wenig näher zu bringen.
Erzählt wird hier von der ersten Begegnung mit Bill und Bud - 2 Buchhändler in einem Einkaufszentrum, die sich gerne vor den Kunden verstecken, aber bei JR dennoch die Liebe zu Literatur fördern und zwar in dem sie ihm einen Aushilfsjob geben.

…”Dreiser! Soll er vielleicht ein Zyniker werden wie du? Und Dos Passos liest niemand mehr. Dos Passos ist Dos Passé. Wenn er etwas über die Ostküste lesen soll, dann Cheever.”
“Wer ist Cheever?” fragte ich.
Sie drehten sich langsam zu mir.
“Damit wäre das geregelt”, sagte Bud.
“Komm mit mir”, sagte Bill.
Er führte mich in die Abteilung Prosaliteratur und zog jeden Titel von John Cheever aus dem Regal, auch die dicke, gerade veröffentliche Sammlung von Kurzgeschichten. Dann brachte er die Bücher in den Lagerraum und riss rasch bei jedem den Einband ab. Es schien ihm richtig weh zu tun, als würde er einen Verband abreißen. Ich fragte, was er da mache. Er sagte, Buchläden könnten nicht jedes unverkaufte Taschenbuch an die Verlage zurückschicken - dazu hätten Verlage gar nicht den Lagerraum - also schickten sie nur die Einbände zurück. Wenn Bill und Bud ein Buch wollten, rissen sie einfach den Einband ab und schickten ihn an den Verlag, der den Betrag an die Kette zurückerstattete, “und alle sind glücklich”. Er versicherte mir, das sei kein Diebstahl. Mir war das ziemlich egal.
An jenem Wochenende las ich Cheever, schwamm in Cheever, verliebte mich in Cheever. Ich wusste nicht, dass Sätze eine solche Wirkung erzielen konnten. Cheever machte mit Wörtern das, was Seaver mit Fastballs machte. (…)
Freitag nachmittags fragten mich Bill und Bud immer, was ich während der Woche in der Schule gelesen hatten. Meistens schnalzten sie dann abschätzig mit der Zunge, führten mich durch den Laden und füllten eine Einkaufstüte mit einbandlosen Büchern.

S. 139 in Auszügen

Manch einer kann sich jetzt bestimmt vorstellen, wie schallend ich gelacht habe, als ich diese Textstelle gelesen habe.
Denn diese Form der vereinfachten Remission (körperlos genannt - meistens wird aber nur die erste Seite eingeschickt, der Einband bleibt drum), wird eigentlich nur gemacht, wenn ein Buch beschädigt ist oder es sich um einen Fehldruck handelt und es sich wirklich nicht mehr lohnt es zurückzuschicken. Klar, kann man diese Bücher dann behalten. Bevor sie in die Tonne kommen, lohnt es sich bestimmt noch, einen Blick reinzuwerfen. Aber dennoch: Was diese beiden da treiben, grenzt schon an Kriminalität - so verlockend auch es auch scheint… ;o)

Ab dieser Textstelle hatte der Autor mich als Leser schon gewonnen. Zu überzeugend waren seine Beschreibungen, sein Leben. Alles hübsch verpackt in eine einfache, aber dennoch tiefgründige Sprache, die mich zum Lachen gebracht, aber auch sehr nachdenklich gemacht hat.

Denn zu oft schiesst einem der Gedanke durch den Kopf: Wie kann ein so junger Mensch erstens soviel mitgemacht haben und zweitens nicht dem Alkohol verfallen? Wie hat er es geschafft, rechtzeitig die Kurve zu kratzen und sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen, um dann auch noch ein rennomierter Reporter zu werden?
Ich würde es Willensstärke nennen, gepaart mit einem ordentlichen Schuß Humor sowie einer großen Portion Glück und die ständige Unterstützung seiner Mutter.
Vom Schreibstil ist dieses Werk mit Autoren wie John Irving, Ian McEwan oder auch Frank McCourt zu vergleichen. Der Autor schafft es wirklich, einen in seinen Bann zu ziehen und man wird von Seite zu Seite neugieriger. Neugieriger auf ein Leben, welches sich in den 70ern bis zu den Anfängen den neuen Jahrtausends hinzieht, mit all seinen Höhen und Tiefen, Skurilitäten und Schicksalsschlägen.

Doch nicht nur dem Autor ist hier ein Lob auszusprechen, ein Weiteres gilt der Übersetzerin Brigitte Jakobeit, die schon seit 15 Jahren Werke aus dem Englischen übersetzt (u. a. die Biografie von Miles Davis, Audrey Niffenegger etc.). Und dies gelingt ihr auch in diesem Fall: Sie wählt die richtigen Worte, um die Welt des JR Moehringer auch in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland bekannt zu machen, damit wir ihn kennen und lieben lernen.


Wie ihr bestimmt beim lesen schon gemerkt habt, wird das Fazit dieses Buches einfach nur positiv ausfallen. Endlich mal wieder ein schönes Buch, welches mich in seinen Bann gezogen und das ich sehr, sehr gerne gelesen hab.


Deshalb kurz und knapp: Lest es!



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Für alle die jetzt wirklich neugierig geworden sind, hier noch die Eckdaten:

JR Moehringer
Tender Bar
Preis € 19,90
Preis SFR 34,90
464 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-10-049602-7
S. Fischer Verlag
Auch als Hörbuch bei Argon für ca. 29,95 €

Weiter Infos unter:

www.tenderbar.com
www.fischerverlage.de

68 Bewertungen, 26 Kommentare

  • Puenktchen3844

    05.04.2009, 16:22 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein guter Bericht. LG

  • jamesi_bg

    06.12.2007, 09:49 Uhr von jamesi_bg
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH von mir, lg aus AT, Bianca!

  • panico

    04.12.2007, 16:56 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico:-)

  • Clarinetta2

    09.09.2007, 15:11 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner Bericht

  • princesse

    06.09.2007, 21:41 Uhr von princesse
    Bewertung: sehr hilfreich

    fein geschrieben, jetzt kommt meiner ;-)

  • Mondlicht1957

    05.06.2007, 23:43 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr informativer Bericht LG Pet

  • JustOliver

    03.06.2007, 12:13 Uhr von JustOliver
    Bewertung: sehr hilfreich

    Steht auch schon auf meinem buecher.de-Merkzettel. :-) Einen schönen Sonntag, O.

  • Sabate

    25.05.2007, 21:52 Uhr von Sabate
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grüsse aus Berlin...Todd

  • anonym

    15.05.2007, 19:10 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • Music-King

    15.05.2007, 19:04 Uhr von Music-King
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG, Roland

  • Sayenna

    15.05.2007, 13:24 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    - sh - lg - Ela -

  • anundka_ki

    15.05.2007, 10:56 Uhr von anundka_ki
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh - informativ und übersichtluch - klasse !

  • Matze1195

    15.05.2007, 08:48 Uhr von Matze1195
    Bewertung: sehr hilfreich

    :::-SH-:::LG, Matze

  • morla

    14.05.2007, 23:31 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    l. g. petra

  • bigmama

    14.05.2007, 21:58 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • Django006

    14.05.2007, 17:58 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan ;>))))

  • wusi

    14.05.2007, 14:53 Uhr von wusi
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und grüße claudi

  • LittleSparko

    14.05.2007, 14:33 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela

  • MasterT86

    14.05.2007, 14:05 Uhr von MasterT86
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super bericht. Lg Tobias

  • TheLick

    14.05.2007, 14:01 Uhr von TheLick
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG TheLick

  • anonym

    14.05.2007, 13:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Biggi

  • strubbine

    14.05.2007, 13:38 Uhr von strubbine
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg und schönen Montag wünsch ich Dir

  • melek107

    14.05.2007, 13:06 Uhr von melek107
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG MELEK

  • paula2

    14.05.2007, 10:44 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • gensinrw

    14.05.2007, 09:58 Uhr von gensinrw
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH!!! Lieben Gruß, gensinrw

  • sandrad198

    14.05.2007, 09:45 Uhr von sandrad198
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Sandra