Troja (DVD) Testbericht

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Troja-dvd-historienfilm
ab 3,64
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Tronein

Pro:

Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd !

Kontra:

Bis es soweit ist und die trojanische Mähre endlich ins Rollen kommt, muss man mehr als zwei Stunden langamtiges Gemäre über sich ergehen lassen

Empfehlung:

Ja

Zu einem Preis, der ziemlich genau dem von zwei ordnungsgemäß versteuerten Schachteln Zigaretten entspricht, habe ich „Troja“ auf DVD erstanden. Mein Eindruck, nachdem ich mir den Film zu Gemüte geführt habe: ich habe bestimmt gut daran getan, nicht in blauen Dunst zu investieren – aber „Troja“ hätte ich mir wohl auch sparen können.


Die Geschichte dürfte, zumindest in groben Zügen, bekannt sein: Der schöne Trojaner Paris verfällt der mindestens ebenso schöne Spartanerin Helena. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn die nicht bereits das Gespons von König Menelaos wäre. Paris freilich ist von Lenchens Spartakuss derart entflammt, dass er sämtliche Bedenken in den Wind schlägt und alsbald mit der Auserwählten in See sticht. Als König Menelaos merkt, dass Frau Helena sich aus dem Staub gemacht hat, zürnt der Gehörnte erwartungsgemäß, sinnt auf Rache und segelt den Queennappern mit einer Armada hinterher, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Allen voran fährt, mit schwarzem Segel, das Schiff von Champion Achilles, der uns in Petersens Film als eine Art antiker Rambo erscheint.

Nachdem die Flotte an kleinasiatischen Gestaden angelandet ist, dauert’s auch nicht mehr lang, bis es ordentlich zur Sache geht – will heißen: Bilder von Phalangen feindlicher Heerscharen, die gegen einander anrennen. Dank der Unterstützung von Kollege Rechenknecht wirken die Ansichten vieltausendköpf’ger Armeen natürlich auch so überzeugend, wie das im zeitgenössischen Film längst Sitte ist: schließlich wissen wir spätestens seit dem „Herrn der Ringe, dass der Großteil der Statisten in Massenszenen dank Programmen mit Namen wie „Massive“ nur noch virtuell antritt.

Hier liegt, glaube ich, auch der sprichwörtliche Hase im Pfeffer: die Schlachtengemälde in „Troja“ mögen gigantisch sein – wirklich beeindruckend sind sie aber nicht: Tut mir leid, Herr Petersen, aber das alles habe ich, so oder doch ganz ähnlich, schon gesehen. Im dritten Teil vom „Herrn der Ringe“ gab’s für den Eintrittspreis allerdings noch Flugdrachen und böse dreinschauende Pachydermen zu bewundern.

Wenn man nämlich alles, was in „Troja“ per Computer generiert worden ist, abzieht, bleibt m.E. nicht viel übrig, was den Film sehenswert machen könnte. Für meine Begriffe ist „Troja“ erstaunlich wortlastig. Um alles, was da passiert, werden unheimlich viele und unheimlich große Worte gemacht. Da gibt es zum Beispiel eine schöne Szene, in der Achilles (Brad Pitt) allein vor die Stadttore tritt und Hektor (Eric Bana) zum Zweikampf herausfordert und die fraglos einer der Höhepunkte des Films ist. Achilles steht also draußen vor dem Tor und brüllt immer wieder Hektors Namen. Und Hektor? Nimmt Abschied von seinen Lieben. Und der vor Zorn rasende Achilles brüllt sich währenddessen weiter die Seele aus dem Leib. Für einen Moment blitzte vor meinem geistigen Auge eine irrwitzige Szene auf, in der Hektor kurz über die Schulter schaut und zurückbrüllt: „Verdammte Hacke – ich komm’ ja gleich, aber erst hab’ ich hier noch ein bisschen Text aufzusagen, ok!?“

In etwa so ging es mir während des größten Teils der insgesamt 156 Minuten Lauflänge des Films: auf der Leinwand bzw. auf dem Bildschirm sagen Leute, die Helden aus einer griechischen Sage spielen, Textzeilen auf – und ich sitze davor, spiele mit der Fernbedienung herum, finde, dass mich das alles herzlich wenig angeht, fühle leises Bedauern darüber, dass selbst die Mitwirkung von Altmime Peter O’Toole (als abenteuerlich toupierter König Priamos) der Produktion keinen rechten Glanz verleiht und warte darauf, dass endlich das berühmte Pferd seinen Auftritt hat. Irgendwann ist es dann endlich so weit: Der Gaul rollt an, sieht wirklich so hübsch aus wie im Trailer und auf dem Filmplakat, und dann geht alles ziemlich flott dem Ende zu. Troja brennt pittoresker als Atlanta in „Vom Wind verweht“ und Rom in „Quo vadis“ zusammen, und wer wissen möchte, was es mit dem Begriff der Achillesferse auf sich hat, sollte in diesem Minuten auch tunlichst nicht mehr aufs Klo gehen oder neues Popcorn holen. Und wenn dann alles ausgestanden ist, darf Josh Groban im Abspann noch ziemlich pathetisch „Remember me“ singen (unglaublich schmalzig, aber doch wenigstens nicht frei von einer gewissen Großartigkeit).

Die Musik steuert übrigens, wie schon bei Petersens Film „Der Sturm“, James Horner („Braveheart“, „Titanic“) bei. Sein Tröten zum Töten wirkt auf mich allerdings wenig originell. Mehr als eine routinierte Auftragsarbeit ist das nicht. Mit viel gutem Willen und zwei zugedrückten Augen mag man hinter seinen Fanfaren eine Hommage an Korngold, Roszà und ein paar andere Komponisten vermuten, die in der Glanzzeit des Monumentalfilms die Musik zu „El Cid“, „Ben Hur“ und Co. beigesteuert haben. Ich für meinen Teil mag, obwohl ich gemeinhin ein großer Fan von Horner bin, ausnahmsweise mal nicht gutwillig sein und stelle fest: Das ist kein Horner-Score, der Teil meiner Sammlung, geschweige denn meiner Horner-Favoriten werden wird.

Zu allem Überdruss hört sich Horners Hauptthema für den Film stark danach an, als habe er sich Hans Zimmers Erfolgsrezept für „Gladiator“ zu eigen machen wollen. Aber, halt – ich will Horner da nicht Unrecht tun: Vielleicht war’s auch einfach so, dass Petersen oder irgendein Studio Executive dem Komponisten ins Stammbuch geschrieben hat: Sowas wie „Gladiator“ wollen wir! Anstelle von Lisa Gerrard darf bei Horner eine bulgarische Sängerin ein bisschen wortlosen Gesang beisteuern. Das Ergebnis erklingt im Film vorzugsweise dann, wenn’s gerade mal wieder ziemlich schicksalsträchtig zugeht.

Unterm Strich bleibt bei mir der Eindruck: Irgendwas fehlt Petersens „Troja“. Gut möglich, dass es die Seele ist. Wenn’s nach mir gegangen wäre, hätten jedenfalls irgendwann nach der ersten Hälfte des Films zum Beispiel auch gern ein paar Außerirdische landen dürfen; das wäre mal eine unerwartete Wendung gewesen und hätte dem Ganzen bestimmt erheblich mehr Pfiff verliehen. Und komme mir da bitte niemand mit Werktreue: Ich habe zwar lange nicht mehr in Gustav Schwabs Sagen des klassischen Altertums geblättert, aber wenn ich’s tue, stelle ich bestimmt fest, dass Petersens „Troja“ auch so schon recht frei mit der Vorlage umgeht. Das nächste Mal also bitte ein paar Aliens, wenn’s recht ist. Alternative: eine halbe Stunde kürzen.

Und was ist mit der DVD-Ausgabe des Films, um die es hier ja in erster Linie gehen soll?

Die ist in gewisser Weise dem Film ebenbürtig: den Film muss man nicht gesehen haben, und die DVD muss man auch nicht unbedingt gesehen bzw. im Regal stehen haben.

Auf Disc 1 findet sich lediglich der Film. Das Bild ist erwartungsgemäß gut, der Ton ist es auch. Neben dem englischsprachigen Originalton in Dolby 5.1 gibt’s die deutsche Synchronfassung im gleichen Tonformat; neben deutschen und englischen Untertiteln hat man in beiden Sprachen außerdem Untertitel für Hörgeschädigte auf die Disc gepackt.

Das Bonusmaterial hat man auf der zweiten Disc untergebracht. Oder vielleicht sollte man besser sagen: Man hat der ersten Disc eine zweite hinzugegeben, damit auf dem Cover die verkaufsträchtige Bezeichnung „2-Disc Edition“ erscheinen kann. Summa summarum bringen es die „Specials“ nämlich auf eine Laufzeit, die nur knapp über 30 Minuten liegt. Was da im Laufe von gut einer halben Stunde geboten wird, ist denn auch eher Hausmannskost denn Vier-Sterne-Diner: Ein Kurzfilm mit dem Titel „Im Eifer des Gefechts“ analysiert „die spannenden Action-Sequenzen“ (Eigenlob auf dem Cover), der noch kürzere Beitrag „Von Ruinen zur Realität“ erforsche, heißt es da, „die Historie hinter dem Produktionsdesign“ und „Troja: Eine Odyssee (!) der Effekte“, der kürzeste der drei Beiträge, „enthüllt die Geheimnisse der fantastischen Special Effects“.

Für alle drei Beiträge gilt: Wer in seinem ganzen Leben noch nie eine DVD gekauft hat und ggf. nicht weiß, was man alles unter dem Begriff „Making of“ verstehen kann, der darf hier gern ins Staunen geraten und erste Erfahrungen im Umgang mit übersichtlichen, nicht animierten DVD-Menüs sammeln. Dem Rest des mehr oder minder geneigten Publikums dürfte das, was hier geboten wird, aber wohl nur ein verhaltenes Gähnen entlocken: Die Armeen in „Troja“ stammen aus dem Rechner? Na, da schau her. Für den Sound eines Films ist der sogenannte „foley artist“ verantwortlich, der mit seinem Sammelsurium an Gerätschaften dafür sorgt, dass die Pfeile ordentlich sirren und Schwerter anständig klirren? Ja, wie isses denn nur möglich ... !? Mit Verlaub: Kennen wir, wissen wir, waren wir schon. Wer sich dafür interessiert, wie ein Film mit und ohne den richtigen Sound wirkt, findet auf einer der Discs von „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ einen sehr empfehlenswerten und vor allem anschaulichen Beitrag. Und wer wissen möchte, wie man eine Bonus-Disc zu einem Spektakel mit historischem Hintergrund mit wirklichem Mehrwert ausstattet, darf guten Gewissens zur Doppel-DVD von „Gladiator“ greifen (allein die wirklich gut gemachte Reportage „Gladiatorenkämpfe: Blutige Volksbelustigung“ ist den Mehrpreis gegenüber der Einzeldisc-Ausgabe wert).

Ach, und dann gibt's da noch eine großartig als "animierte 3D-Führung" apostrophierte Bilder-Galerie, in der ein gutes Dutzend griechischer Götter zu bewundern ist, zu denen eine Off-Stimme dann ein bisschen was erzählt. Mein Eindruck: Gut gemeint, aber mehr auch nicht; und überdies wirkt diese Zugabe auf dieser Disc auch ein bisschen willkürlich und zusammenhangslos.

Mein Resümee: Eher Tronein als Troja. Scheinbar paradox: Petersens Film ist blutig, dabei aber ziemlich blutleer. Und die Doppel-DVD? Ist erkennbar eine von den Editionen, die nur als "Appetizer" gemeint sind; mit anderen Worten: Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis Warner Brothers eine weitere Edition veröffentlichen, die dann wahlweise "Troja: The Director's Cut", "Troja: The Collector's Edition" oder "Troja: The Ultimate Definitive Muss Jeder Haben Edition" heißt. Und wie heißt es so schön bei Wilhelm Busch? Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

28 Bewertungen, 9 Kommentare

  • anonym

    05.12.2006, 00:56 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • Sayenna

    03.12.2006, 10:08 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :-)

  • anonym

    02.12.2006, 21:05 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Biggi :-)

  • bigmama

    02.12.2006, 20:24 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Anett

  • Estha

    02.12.2006, 19:00 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    toll :-)

  • anonym

    02.12.2006, 17:39 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • anundka_ki

    02.12.2006, 16:32 Uhr von anundka_ki
    Bewertung: sehr hilfreich

    "sh" - mindestens " - Tolle Analyse. Tro-nein - gilt auch für mich.

  • panico

    02.12.2006, 15:11 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico :-)

  • LittleSparko

    02.12.2006, 15:07 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela