Erfahrungsbericht von Haramis
Wie die Ilias zur Odyssee wurde
Pro:
Hektor war ja ganz gut...
Kontra:
... aber den Rest kann man getrost vergessen
Empfehlung:
Nein
Nicht erst seit Marion Zimmer Bradley\'s \"Die Feuer von Troja\" hat mich dieses Thema interessiert, als Studentin der Klassischen Archäologie gehört es ja praktisch auch zu meinem Fachgebiet. Selbstverständlich war es nicht nur reines Pflichtgefühl, das mich ins Kino getrieben hat, sondern auch die Vorschau, die einen recht guten Film versprochen hat. Zumindest machte mich die Vorschau so neugierig, daß ich sogar über Brad Pitt hinwegsah...
=o=o=o=
Story
=o=o=o=
Vor ca. 3.200 Jahren verliebt sich der junge Königssohn Paris in die schöne Helena, die dummerweise aber bereits mit Menelaos verheiratet ist. Ohne lange zu fackeln, nimmt er sie mit zu sich nach Hause, sprich nach Troja. Menelaos, der seine Frau aber gerne wiederhaben will, holt sich Hilfe von seinem Bruder Agamemnon und zieht mit den Griechen gegen Troja in den Krieg.
Auf Seiten Agamemnons kämpft auch der junge Achilles mit seinen Männern, der allerdings sehr eigenwillig ist und gerne querschießt.
=o=o=o=o=o=o=o=o=o=o=o=
Gut, daß Homer blind war...
=o=o=o=o=o=o=o=o=o=o=o=
... den Anblick dieses Filmes hätte er sicher nicht verkraftet.
Den meisten, die diesen Film anschauen, wird die Story sicher schon bekannt sein, nicht zuletzt durch Gustav Schwabs \"Sagen des Klassischen Altertums\". Doch wer jetzt glaubt, er wüßte schon, was auf ihn zukommt, den muß ich enttäuschen. Der Homersche Epos wurde derart entfremdet, daß es schon nicht mehr schön ist. Da sterben Leute, die eigentlich überleben sollten, während andere fliehen, die eigentlich sterben müßten.
Wer den Film noch anschauen und sich einen Rest von Spannung erhalten will, der sollte besser hier nicht weiterlesen, da ich durchaus ins Detail gehen werde. Andererseits ist von Spannung in diesem Film sowieso fast nichts zu merken...
Nach der Lektüre von \"Die Feuer von Troja\", die aus der Sicht der Kassandra erzählt wird, hatte ich natürlich auch im Film einen Kassandra-Part erwartet, mußte jedoch sehr schnell feststellen, daß nicht nur die Seherin fehlte, sondern auch noch andere Figuren wie etwa Hekabe, die Ehefrau von Priamos, oder die Amazonen inkl. Penthesilea, die von Achilles getötet wird und deren Leiche er schändet. Penthesilea wird stattdessen durch die Priesterin Briseis ersetzt, in die Achilles sich verliebt und in deren Armen er stirbt. Schließlich kann man aus Brad Pitt keinen strahlenden Helden machen und ihn dann eine Tote vergewaltigen lassen, selbst wenn es tausendmal im Original steht...
Der Zweikampf zwischen Menelaos und Paris hatte für mich auch ein überraschendes Ende. So weiß man doch seit Homer, daß Menelaos seine Helena am Ende zurückkriegt und sie entgegen seinen Vorsätzen nicht tötet, sondern von ihrer Schönheit so geblendet ist, daß er sie wieder mit sich nimmt. In diesem Film aber stirbt er mittendrin einfach weg und macht so den Weg für ein Happy End frei.
Gleiches gilt für Agamemnon, der laut Homer erst zuhause von seiner Ehefrau Klytaimnestra und deren Liebhaber ermordet werden sollte.
Homer wird hier also mit Füßen getreten und die historische Überlieferung fast zur Unkenntlichkeit verdreht. Da frage ich mich: Wieso dreht Petersen nicht gleich einen Fantasy-Film? Hätte man die Namen umgeändert, wäre es sowieso keinem aufgefallen, daß es um Troja geht.
Ich hatte während des gesamten Filmes das dumpfe Gefühl, in einem schlechten Remake vom \"Herrn der Ringe\" zu sitzen. Dies lag nicht nur an Orlando Bloom und Sean Bean, sondern auch daran, daß ständig gekämpft wurde und das meiste Geld mit Sicherheit für die vielen Statisten ausgegeben wurde, die die gewaltigen Armen der Griechen und Trojaner bildeten.
=o=o=o=o=o=o=
Allgemeines
=o=o=o=o=o=o=
Regisseur: Wolfgang Petersen
Laufzeit: 155 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Der Film basiert weniger auf der Geschichte um Troja als vielmehr auf einer fast ständigen Kampfhandlung. Die Frage war nie \"Worum geht\'s?\" sondern immer nur \"Wer kämpft gerade mit wem?\" Deswegen kam auch die ganzen ermüdenden drei Stunden bei mir nie so etwas wie Spannung auf, es war einfach nur gähnend langweilig. Selbst die actionreichsten Kämpfe verlieren ihren Reiz, wenn sie sich buchstäblich über Stunden hinziehen.
Was mir noch aufgefallen ist, sind die lächerlichen Kulissen. Troja selbst ist zwar eine beeindruckende Stadt und der Palast hat Mauern, die durchaus als unüberwindbar durchgehen können, aber die ganzen Statuen, die überall rumstanden, waren schon ein wenig lächerlich, vor allem die komische goldene Apollo-Statue, die eher nach einer Mischung aus Eros und Buddha aussah.
Mit albernem Aussehen konnten auch die Könige dienen, die lange Ketten um den Hals hängen hatten mit einer schönen Scheibe dran. Diese Scheibe mag zwar dekorativ wirken, sah für mich aber verdächtig nach Schildbuckeln aus. Warum die sich so etwas um den Hals hängen, will ich lieber gar nicht wissen...
Ein wenig seltsam fand ich auch den Zweikampf Hektor-Achilles. Die beiden griffen sich tatsächlich zuerst einmal mit Speeren an. Normalerweise verwendet man solche Speere ja, um sie zu werfen, aber die beiden haben sich aus nächster Nähe damit gepiekt, bevor sie irgendwann auf die Schwerter umgestiegen sind.
Vermutlich unfreiwillig komisch war eine Szene, in der Paris beim Fluchttunnel einen Jungen trifft, der seinen Vater mit sich schleppt. Paris gibt ihm sein Schwert (\"Das Schwert Trojas\" – schon wieder etwas, das mich intensiv an den \"Herrn der Ringe\" erinnert hat) und fragt ihn nach seinem Namen. Und was sagt er natürlich: \"Ich heiße Aeneas.\" Für alle die, die es nicht wissen: Aeneas trug seinen Vater auf dem Rücken aus Troja und fuhr – mit einigen Umwegen – nach Italien, wo er eine Stadt gegründet hat. Seine direkten Nachfahren waren Romulus und Remus, die sagenhaften Gründer Roms.
Natürlich zählte auch Aeneas zu den Helden Trojas, doch die Rolle im Film hätte man nun wirklich ersatzlos streichen können. Es wirkte eher wie ein schlechter Scherz, den die meisten im Kino sowieso nicht verstanden haben.
=o=o=o=o=o=o=o=
Die Schauspieler
=o=o=o=o=o=o=o=
Orlando Bloom -------- Paris
Eric Bana --------------- Hektor
Brad Pitt ---------------- Achilles
Diane Krüger ---------- Helena
Peter O\'Toole ---------- Priamos
Sean Bean -------------- Odysseus
Brendan Gleeson ------ Menelaos
Saffron Burrows ------- Andromache
Brian Cox --------------- Agamemnon
Die meisten der Schauspieler waren mir fremd. Orlando Bloom und Sean Bean kannte ich natürlich beide schon aus den Ringen, wobei Orlando Bloom als Legolas eine wesentlich bessere Figur machte als als lockenköpfiger Paris, der im Grunde nur die Aufgabe hatte, Helena zu entführen und Achilles zu töten. Den Rest seines Parts hätte man getrost streichen können. Wie schon beim \"Fluch der Karibik\" ist er auch hier nur schmückendes Beiwerk, für die Handlung an sich aber nicht wirklich wichtig.
Eric Bana, der den ältesten Sohn von Priamos, Hektor, verkörpert, war mir bis dato unbekannt. Er ist jedoch einer der wenigen, die ihre Rollen überzeugend spielen. Hektor ist der stärkste Gegner von Achill und als er aus Versehen dessen Vetter tötet, hätte sogar ich beinahe zu Heulen angefangen. Das war dann auch die einzige Stelle, die richtig ergreifend war, im Gegensatz zu der grenzenlosen Langeweile während des restlichen Films.
Nach spätestens einer halben Stunde hat man das Gefühl, der Film wäre einzig und allein für Brad Pitt gedreht worden. Ich weiß ja nicht, was manche Leute so toll an ihm finden, in \"Troja\" spielt er seine Rolle jedenfalls nicht besonders überzeugend. Der Charakter an sich wäre ja sehr interessant, aber vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte den Film in \"Achilles\" umbenannt. Troja ist unwichtig, der Krieg nur eine Rahmenhandlung, die eigentliche Handlung besteht aus Achilles und seinem Bestreben, sich einen Namen zu machen. Seinen Wunsch, auch in tausend Jahren noch bekannt zu sein, äußert er alle paar Minuten, so daß es der Zuschauer auch ja nicht vergessen kann. Wieso er dann letztendlich tatsächlich in die Geschichte eingeht, bleibt im Film ein wenig auf der Strecke, denn so tolle Sachen leistet er gar nicht. Er ist ein arroganter Angeber, der darauf wartet, daß die Könige vor ihm zu Kreuze kriechen, und dafür bewundert ihn das Heer.
Am Ende wird er natürlich an seiner \"Achillesferse\" tödlich verwundet, aber falls es Zuschauer gibt, die diesbezüglich eine Bildungslücke haben, dann dürften die sich hier ein wenig veralbert fühlen. Es wird nirgendwo erklärt, daß Achilles nur an der Ferse verwundbar ist. Paris schießt ihm einen Pfeil hinein, und – nachdem der \"Held\" sich erstmal genüßlich die anderen Pfeile aus der Brust gezogen und sich von seiner Briseis verabschiedet hat – fällt er plötzlich tot um. Dabei macht er noch nicht einmal einen besonders schwachen Eindruck.
Sean Bean hatte ich von den Ringen her als \"Boromir\" noch in negativer Erinnerung, aber als Odysseus wirkte er eigentlich ganz passabel. Schade nur, daß seine Rolle so klein ist, daß sie fast vollständig untergeht. Odysseus muß Achilles zum Kampf bewegen und irgendwann auf die Idee mit dem Holzpferdchen kommen, mehr verlangt keiner von ihm.
Enttäuscht war ich auch von Peter O\'Toole. An seinen Erfolg als \"Lawrence von Arabien\" kann er mit \"Troja\" sicher nicht anknüpfen. Als König Priamos wirkt er eher hilflos als gerecht und weise - ein alter Trottel, der von Kriegsführung keine Ahnung hat und alles den Göttern überläßt. Auch bei ihm hatte ich das Gefühl, daß man rein durch den Schauspielernamen die Leute ins Kino locken wollte.
Überzeugender dagegen fand ich die deutsche Diane Krüger alias Helena und Saffron Burrows als Andromache. Die beiden Frauen hatten zwar auch wenig mehr zu tun als gut auszusehen, aber in den wenigen Szenen wirkten sie auf mich recht sympathisch. Hektor und Andromache gaben ein Pärchen ab, mit dem man sehr gut hätte mitleiden könnten, hätte man die Story auf ihnen aufgebaut statt auf Achilles.
Die restlichen Schauspieler kannte ich überhaupt nicht, aber von denen hatte ohnehin niemand mehr eine größere Rolle. Ich muß zugeben, daß ich bis zum Schluß Agamemnon und Menelaos nicht auseinanderhalten konnte, weil die mit ihren Fusselbärten sich alle sehr ähnlich waren und auch sonst nichts charakteristisches an sich hatten.
=o=o=o=
FAZIT
=o=o=o=
Viel Lärm um nichts, wie der alte Schüttelbier sagen würde...
Ich war von dem Film sehr enttäuscht. Das Troja, das ich kannte, ist nach diesem Film endgültig zerstört worden, nicht von Homer, nicht von den Griechen, sondern von Wolfgang Petersen. Nur um Brad Pitt gut dastehen zu lassen wurde die eigentliche Sage so stark abgewandelt, daß nur noch das Grundgerüst stehenblieb. Der Film hat kaum noch Handlung und es wird fast ausschließlich gekämpft. Wer solche Filme mag, dem kann ich \"Troja\" durchaus empfehlen. Ich selbst würde ihn mir vermutlich kein zweites Mal antun, obwohl ein paar Szenen durchaus eine gewissen Atmosphäre erzeugt haben.
Danke für\'s Lesen!
Eure Haramis
=o=o=o=
Story
=o=o=o=
Vor ca. 3.200 Jahren verliebt sich der junge Königssohn Paris in die schöne Helena, die dummerweise aber bereits mit Menelaos verheiratet ist. Ohne lange zu fackeln, nimmt er sie mit zu sich nach Hause, sprich nach Troja. Menelaos, der seine Frau aber gerne wiederhaben will, holt sich Hilfe von seinem Bruder Agamemnon und zieht mit den Griechen gegen Troja in den Krieg.
Auf Seiten Agamemnons kämpft auch der junge Achilles mit seinen Männern, der allerdings sehr eigenwillig ist und gerne querschießt.
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Gut, daß Homer blind war...
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... den Anblick dieses Filmes hätte er sicher nicht verkraftet.
Den meisten, die diesen Film anschauen, wird die Story sicher schon bekannt sein, nicht zuletzt durch Gustav Schwabs \"Sagen des Klassischen Altertums\". Doch wer jetzt glaubt, er wüßte schon, was auf ihn zukommt, den muß ich enttäuschen. Der Homersche Epos wurde derart entfremdet, daß es schon nicht mehr schön ist. Da sterben Leute, die eigentlich überleben sollten, während andere fliehen, die eigentlich sterben müßten.
Wer den Film noch anschauen und sich einen Rest von Spannung erhalten will, der sollte besser hier nicht weiterlesen, da ich durchaus ins Detail gehen werde. Andererseits ist von Spannung in diesem Film sowieso fast nichts zu merken...
Nach der Lektüre von \"Die Feuer von Troja\", die aus der Sicht der Kassandra erzählt wird, hatte ich natürlich auch im Film einen Kassandra-Part erwartet, mußte jedoch sehr schnell feststellen, daß nicht nur die Seherin fehlte, sondern auch noch andere Figuren wie etwa Hekabe, die Ehefrau von Priamos, oder die Amazonen inkl. Penthesilea, die von Achilles getötet wird und deren Leiche er schändet. Penthesilea wird stattdessen durch die Priesterin Briseis ersetzt, in die Achilles sich verliebt und in deren Armen er stirbt. Schließlich kann man aus Brad Pitt keinen strahlenden Helden machen und ihn dann eine Tote vergewaltigen lassen, selbst wenn es tausendmal im Original steht...
Der Zweikampf zwischen Menelaos und Paris hatte für mich auch ein überraschendes Ende. So weiß man doch seit Homer, daß Menelaos seine Helena am Ende zurückkriegt und sie entgegen seinen Vorsätzen nicht tötet, sondern von ihrer Schönheit so geblendet ist, daß er sie wieder mit sich nimmt. In diesem Film aber stirbt er mittendrin einfach weg und macht so den Weg für ein Happy End frei.
Gleiches gilt für Agamemnon, der laut Homer erst zuhause von seiner Ehefrau Klytaimnestra und deren Liebhaber ermordet werden sollte.
Homer wird hier also mit Füßen getreten und die historische Überlieferung fast zur Unkenntlichkeit verdreht. Da frage ich mich: Wieso dreht Petersen nicht gleich einen Fantasy-Film? Hätte man die Namen umgeändert, wäre es sowieso keinem aufgefallen, daß es um Troja geht.
Ich hatte während des gesamten Filmes das dumpfe Gefühl, in einem schlechten Remake vom \"Herrn der Ringe\" zu sitzen. Dies lag nicht nur an Orlando Bloom und Sean Bean, sondern auch daran, daß ständig gekämpft wurde und das meiste Geld mit Sicherheit für die vielen Statisten ausgegeben wurde, die die gewaltigen Armen der Griechen und Trojaner bildeten.
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Allgemeines
=o=o=o=o=o=o=
Regisseur: Wolfgang Petersen
Laufzeit: 155 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Der Film basiert weniger auf der Geschichte um Troja als vielmehr auf einer fast ständigen Kampfhandlung. Die Frage war nie \"Worum geht\'s?\" sondern immer nur \"Wer kämpft gerade mit wem?\" Deswegen kam auch die ganzen ermüdenden drei Stunden bei mir nie so etwas wie Spannung auf, es war einfach nur gähnend langweilig. Selbst die actionreichsten Kämpfe verlieren ihren Reiz, wenn sie sich buchstäblich über Stunden hinziehen.
Was mir noch aufgefallen ist, sind die lächerlichen Kulissen. Troja selbst ist zwar eine beeindruckende Stadt und der Palast hat Mauern, die durchaus als unüberwindbar durchgehen können, aber die ganzen Statuen, die überall rumstanden, waren schon ein wenig lächerlich, vor allem die komische goldene Apollo-Statue, die eher nach einer Mischung aus Eros und Buddha aussah.
Mit albernem Aussehen konnten auch die Könige dienen, die lange Ketten um den Hals hängen hatten mit einer schönen Scheibe dran. Diese Scheibe mag zwar dekorativ wirken, sah für mich aber verdächtig nach Schildbuckeln aus. Warum die sich so etwas um den Hals hängen, will ich lieber gar nicht wissen...
Ein wenig seltsam fand ich auch den Zweikampf Hektor-Achilles. Die beiden griffen sich tatsächlich zuerst einmal mit Speeren an. Normalerweise verwendet man solche Speere ja, um sie zu werfen, aber die beiden haben sich aus nächster Nähe damit gepiekt, bevor sie irgendwann auf die Schwerter umgestiegen sind.
Vermutlich unfreiwillig komisch war eine Szene, in der Paris beim Fluchttunnel einen Jungen trifft, der seinen Vater mit sich schleppt. Paris gibt ihm sein Schwert (\"Das Schwert Trojas\" – schon wieder etwas, das mich intensiv an den \"Herrn der Ringe\" erinnert hat) und fragt ihn nach seinem Namen. Und was sagt er natürlich: \"Ich heiße Aeneas.\" Für alle die, die es nicht wissen: Aeneas trug seinen Vater auf dem Rücken aus Troja und fuhr – mit einigen Umwegen – nach Italien, wo er eine Stadt gegründet hat. Seine direkten Nachfahren waren Romulus und Remus, die sagenhaften Gründer Roms.
Natürlich zählte auch Aeneas zu den Helden Trojas, doch die Rolle im Film hätte man nun wirklich ersatzlos streichen können. Es wirkte eher wie ein schlechter Scherz, den die meisten im Kino sowieso nicht verstanden haben.
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Die Schauspieler
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Orlando Bloom -------- Paris
Eric Bana --------------- Hektor
Brad Pitt ---------------- Achilles
Diane Krüger ---------- Helena
Peter O\'Toole ---------- Priamos
Sean Bean -------------- Odysseus
Brendan Gleeson ------ Menelaos
Saffron Burrows ------- Andromache
Brian Cox --------------- Agamemnon
Die meisten der Schauspieler waren mir fremd. Orlando Bloom und Sean Bean kannte ich natürlich beide schon aus den Ringen, wobei Orlando Bloom als Legolas eine wesentlich bessere Figur machte als als lockenköpfiger Paris, der im Grunde nur die Aufgabe hatte, Helena zu entführen und Achilles zu töten. Den Rest seines Parts hätte man getrost streichen können. Wie schon beim \"Fluch der Karibik\" ist er auch hier nur schmückendes Beiwerk, für die Handlung an sich aber nicht wirklich wichtig.
Eric Bana, der den ältesten Sohn von Priamos, Hektor, verkörpert, war mir bis dato unbekannt. Er ist jedoch einer der wenigen, die ihre Rollen überzeugend spielen. Hektor ist der stärkste Gegner von Achill und als er aus Versehen dessen Vetter tötet, hätte sogar ich beinahe zu Heulen angefangen. Das war dann auch die einzige Stelle, die richtig ergreifend war, im Gegensatz zu der grenzenlosen Langeweile während des restlichen Films.
Nach spätestens einer halben Stunde hat man das Gefühl, der Film wäre einzig und allein für Brad Pitt gedreht worden. Ich weiß ja nicht, was manche Leute so toll an ihm finden, in \"Troja\" spielt er seine Rolle jedenfalls nicht besonders überzeugend. Der Charakter an sich wäre ja sehr interessant, aber vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte den Film in \"Achilles\" umbenannt. Troja ist unwichtig, der Krieg nur eine Rahmenhandlung, die eigentliche Handlung besteht aus Achilles und seinem Bestreben, sich einen Namen zu machen. Seinen Wunsch, auch in tausend Jahren noch bekannt zu sein, äußert er alle paar Minuten, so daß es der Zuschauer auch ja nicht vergessen kann. Wieso er dann letztendlich tatsächlich in die Geschichte eingeht, bleibt im Film ein wenig auf der Strecke, denn so tolle Sachen leistet er gar nicht. Er ist ein arroganter Angeber, der darauf wartet, daß die Könige vor ihm zu Kreuze kriechen, und dafür bewundert ihn das Heer.
Am Ende wird er natürlich an seiner \"Achillesferse\" tödlich verwundet, aber falls es Zuschauer gibt, die diesbezüglich eine Bildungslücke haben, dann dürften die sich hier ein wenig veralbert fühlen. Es wird nirgendwo erklärt, daß Achilles nur an der Ferse verwundbar ist. Paris schießt ihm einen Pfeil hinein, und – nachdem der \"Held\" sich erstmal genüßlich die anderen Pfeile aus der Brust gezogen und sich von seiner Briseis verabschiedet hat – fällt er plötzlich tot um. Dabei macht er noch nicht einmal einen besonders schwachen Eindruck.
Sean Bean hatte ich von den Ringen her als \"Boromir\" noch in negativer Erinnerung, aber als Odysseus wirkte er eigentlich ganz passabel. Schade nur, daß seine Rolle so klein ist, daß sie fast vollständig untergeht. Odysseus muß Achilles zum Kampf bewegen und irgendwann auf die Idee mit dem Holzpferdchen kommen, mehr verlangt keiner von ihm.
Enttäuscht war ich auch von Peter O\'Toole. An seinen Erfolg als \"Lawrence von Arabien\" kann er mit \"Troja\" sicher nicht anknüpfen. Als König Priamos wirkt er eher hilflos als gerecht und weise - ein alter Trottel, der von Kriegsführung keine Ahnung hat und alles den Göttern überläßt. Auch bei ihm hatte ich das Gefühl, daß man rein durch den Schauspielernamen die Leute ins Kino locken wollte.
Überzeugender dagegen fand ich die deutsche Diane Krüger alias Helena und Saffron Burrows als Andromache. Die beiden Frauen hatten zwar auch wenig mehr zu tun als gut auszusehen, aber in den wenigen Szenen wirkten sie auf mich recht sympathisch. Hektor und Andromache gaben ein Pärchen ab, mit dem man sehr gut hätte mitleiden könnten, hätte man die Story auf ihnen aufgebaut statt auf Achilles.
Die restlichen Schauspieler kannte ich überhaupt nicht, aber von denen hatte ohnehin niemand mehr eine größere Rolle. Ich muß zugeben, daß ich bis zum Schluß Agamemnon und Menelaos nicht auseinanderhalten konnte, weil die mit ihren Fusselbärten sich alle sehr ähnlich waren und auch sonst nichts charakteristisches an sich hatten.
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FAZIT
=o=o=o=
Viel Lärm um nichts, wie der alte Schüttelbier sagen würde...
Ich war von dem Film sehr enttäuscht. Das Troja, das ich kannte, ist nach diesem Film endgültig zerstört worden, nicht von Homer, nicht von den Griechen, sondern von Wolfgang Petersen. Nur um Brad Pitt gut dastehen zu lassen wurde die eigentliche Sage so stark abgewandelt, daß nur noch das Grundgerüst stehenblieb. Der Film hat kaum noch Handlung und es wird fast ausschließlich gekämpft. Wer solche Filme mag, dem kann ich \"Troja\" durchaus empfehlen. Ich selbst würde ihn mir vermutlich kein zweites Mal antun, obwohl ein paar Szenen durchaus eine gewissen Atmosphäre erzeugt haben.
Danke für\'s Lesen!
Eure Haramis
20 Bewertungen, 2 Kommentare
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18.05.2004, 16:54 Uhr von Mangaia
Bewertung: sehr hilfreichDu musst nur bedenken, der Film ist für die Amis gedacht ist. Von denen weis doch keiner was Troja überhaupt ist! Viele Grüße Mangaia
-
18.05.2004, 11:10 Uhr von Micha_S
Bewertung: sehr hilfreichHi Haramis, habe mich köstlich amüsiert beim Lesen Deines hervorragenden Berichts, der bestimmt tausendmal besser ist als der Film! Ciao - Micha
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