Zum Nachdenken. Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Arschloch 2004 - meine Nominierung (Text vom 15. Dezember 2004)

Pro:

Die Besten sterben immer als erste aus.

Kontra:

Die Dummen gehen uns so schnell nicht aus.

Empfehlung:

Nein

“Last chance to shoot”



Ein Schuss – ein Treffer – eine Spezies weniger! Es war einmal eine Spezies, die hieß Pyrenäen-Braunbär, und wenn sie nicht ausgestorben wäre, lebte sie noch heute.

Der Pyrenäen-Braunbär ist zwar bestimmt nicht die einzige Tierart, die in diesem Jahr ausgestorben ist. So gesehen stellt die Ausrottung einer weiteren bedrohten Art wohl noch keine besondere Leistung dar. Bemerkenswert finde ich es allerdings, wenn sich, wie im nämlichen Falle, diese Leistung ein einzelnes Menschenkind zuschreiben darf. Seitdem ich heute morgen in der gestern erworbenen Jahres-Chronik des „Spiegel“ (5 Euro, deren Ausgabe einem mehrere Stunden Jahresrückblick à la Jauch & Co. sowie das Aussitzen diverser „Ich bin doch nicht blöd“-Werbeblöcke ersparen kann) die einschlägige Meldung (siehe unten) entdeckt habe, treibt mich eine Reihe von Fragen um.

Was erzählt der wackere Waidmann Jean Dupont, der mittags die Bären-Population ums letzte Weibchen dezimiert hat, abends Frau und Kindern? Wie muss ich mir das vorstellen?



Mme Dupont:
„Hallo, Schatz, da bist du ja – wie war dein Tag?“

M Dupont:
„Och, ganz gut soweit. Ich hab’ mal wieder so richtig die Axt im Walde markieren können! Hab’ vier Wildsauen erlegt, und Milou hatte eine aufregende Begegnung mit einem Bären, gell, Milou?“ (tätschelt seinen treuen Jagdhund)

Mme Dupont:
„Mon dieu, mit einem Bären? Aber Milou ist doch hoffentlich nichts passiert!?

M Dupont:
„Nein, nein … Milou ist nichts passiert … “

Mme Dupont (geht in die Küche):
„Dann ist es ja gut. Das Essen ist auch gleich fertig!“

M Dupont:
„Da ist noch etwas. Falls, äh, heute abend jemand vom WWF anruft … oder, äh, von Greenpeace – also, uh, dann sagst du – also, am besten sagst du, ich sei nicht da, gut?“

Mme Dupont (kommt aus der Küche zurück):
„Wieso soll denn jemand vom WWF anrufen?“

M Dupont:
„Ja, also, das, äh, also das ist eine lange Geschichte.“



Oder hält unser Jäger einfach seine Klappe und vertraut sich nur seinem Tagebuch an?

„Liebes Tagebuch – hui, das war vielleicht ein Tag! Den muss ich mir aber mal wirklich rot ankreuzen im Kalender. Milou und ich waren heute zur alljährlichen Sauenhatz. Zwei Wildschweinen hatte ich schon das Lebenslicht ausgeblasen, da nimmt Milou plötzlich Witterung auf und prescht wild bellend ins Unterholz. Ich natürlich hinterher – und wen hat Milou am Hacken? Den riesigsten, wütendsten Bären, den ich je gesehen habe – offensichtlich fuchsteufelswild, aber mein tapferer Milou lässt trotzdem nicht locker. Herrchen hat dann wie der Blitz die Wumme durchgeladen – angesetzt – und Meister Petz ordentlich einen auf den Pelz gebrannt. Und weißt du, was ich hinterher erfahren habe, liebes Tagebuch? Offenbar war der Bär eine Bärin – genauer gesagt: die letzte Pyrenäen-Braunbärin, die es überhaupt gibt. Ich meine: gab.

Der Rest der Jagdgesellschaft hat natürlich nicht schlecht gestaunt, und mein alter Kumpel Luc war, glaube ich, auch mehr als nur ein bisschen neidisch: Tja, die Chance, mit einem wohlgezielten Schuss einer ganzen Art den Rest zu geben – die gibt’s nur einmal, die kommt nie wieder! Leider hat die Regierung, als sie von unserem Jagdglück Wind bekommen hat, erst mal sämtliche Jagdausflüge in der Region untersagt. Ansonsten hätte Luc ja vielleicht noch eins von den übrig gebliebenen Männchen abknallen können. Ich meine, eines mehr oder weniger ... jetzt kommt’s doch nun wirklich nicht mehr drauf an, oder … !?“


Wie dem auch sei – mein Favorit im Rennen um den Titel „Arschloch des Jahres 2004“ steht jedenfalls fest:

Ich nominiere hiermit Monsieur Knallkopp aus den Pyrenäen!



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D i e _ M e l d u n g
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„Es passiert bei einer Treibjagd auf Wildschweine, im Südwesten Frankreichs. Ein Jäger stößt auf eine Bärin und ihr Junges. Als ‚Cannelle’, wie das berühmte Tier genannt wird, aggressiv reagiert und einen Jagdhund attackiert, greift der Jäger zur Flinte und erschießt das Muttertier (…) ‚Cannelle’ war das letzte Pyrenäen-Braunbärweibchen, eine geschützte Art stirbt damit aus (…)“

(Quelle: „Der Spiegel“ – Jahres-Chronik 2004)

„München, 5. November 2004 - Das letzte Weibchen der hochbedrohten Pyrenäen-Braunbären wurde diese Woche von Jägern erschossen. Das Schicksal des Jungtieres der Bärin ‚Cannelle’ ist ungewiss. (…) Die Bärin, begleitet von ihrem circa 10 Monate alten Jungtier, wurde von den Jagdhunden aufgescheucht und verteidigte ihren Nachwuchs. Ein Jäger erschoss die Bärin angeblich in Notwehr. ‚Der Tod der Bärin wurde provoziert, denn Naturschützer hatten die Jäger zuvor über den Aufenthalt der Braunbären in genau diesem Gebiet informiert’, kritisiert die PRO WILDLIFE-Sprecherin.“

(Quelle: www.terra-nova.tv)

23 Bewertungen, 9 Kommentare

  • anonym

    14.10.2007, 15:00 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    wohlverdienter Titel ..

  • anonym

    05.10.2007, 17:50 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • bea1502

    02.10.2007, 18:57 Uhr von bea1502
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg bea

  • alge52

    02.10.2007, 17:49 Uhr von alge52
    Bewertung: sehr hilfreich

    gruß alge52

  • Wegeno

    02.10.2007, 10:42 Uhr von Wegeno
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...::: Gruß Werner :::...

  • Miraculix1967

    02.10.2007, 09:00 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich kann Dein Kontra nur unterstreichen! SH und LG Miraculix1967

  • Sandra107

    02.10.2007, 08:38 Uhr von Sandra107
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Sandra107

  • bastiansuperstar

    02.10.2007, 02:43 Uhr von bastiansuperstar
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH LG bastiansuperstar, freue mich auf Lesungen von Ihnen

  • LittleSparko

    02.10.2007, 02:07 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela