Das Kind (gebundene Ausgabe) / Sebastian Fitzek Testbericht

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ab 6,69
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von BulmaZ

Nimmer vergehet die Seele...

5
  • Niveau:  anspruchslos
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

...vielmehr die frühere Wohnung tauscht sie mit neuem Sitz
und lebt
und wirket in diesem.
Alles wechselt, doch nichts geht unter.

>Pythagoras<


Vor einer ganzen Weile hatte ich in einem Buchbericht geschrieben, dass ich die Hoffnung bislang noch nicht aufgegeben habe, noch Autoren zu ,entdecken', die vielleicht noch unbekannt aber dennoch sehr talentiert sind. Als ich irgendwann Anfang 2007 den Debutroman eines solchen neuen Autors las, war ich angenehm überrascht. Dies übrigens auch in doppeltem Sinne, denn eigentlich halte ich von deutschen Büchern nicht soviel. Inzwischen habe ich mir von besagtem Autor das dritte und momentan aktuellste Buch geholt, da mich die beiden anderen zu überzeugen, ja sogar zu begeistern wussten. Ob das Niveau mit dem aktuellen Werk gehalten werden kann, gibt es nachfolgend also zu lesen.

Das Kind - Sebastian Fitzek

â—‹â—‹â—‹ Bezugsquelle & Preis â—‹â—‹â—‹

Gekauft habe ich den Roman bei www.buecher.de über mehrere Webmilesgutscheine zum Preis von 16,95 €. Es handelt sich dabei um eine gebundene Ausgabe, ein Taschenbuch ist bisher noch nicht erhältlich.

â—‹â—‹â—‹ Kaufgrund â—‹â—‹â—‹

Wie bereits in der Einleitung beschrieben, habe ich von Sebastian Fitzek bisher alle Romane gelesen. Fand ich den ersten noch ,nur' gut, so riss mich der Nachfolger "Amokspiel" buchstäblich aus dem Hocker. Es stimmte einfach alles - Schreibstil, Spannungsbogen, Figuren und natürlich die vollkommen unerwartete Auflösung am Ende. Dasselbe erhoffte ich mir von "Das Kind" auch wieder, zumal die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken ja wirklich sehr spannend klingt und vor allem nach viel Potenzial.

â—‹â—‹â—‹ Eckdaten zum Buch â—‹â—‹â—‹

Titel: Das Kind
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer
Ausgabe: gebundenes Hardcover
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Psychothriller
Seitenanzahl: 389 Seiten

â—‹â—‹â—‹ Der Autor â—‹â—‹â—‹

Sebastian Fitzek (* 13. Oktober 1971) ist ein deutscher Journalist, Autor und Entwickler von TV-Formaten.
Sebastian Fitzek entschied sich nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion gegen eine Anwaltslaufbahn und für eine Tätigkeit in den Medien. Nach dem Volontariat bei einem privaten Hörfunksender arbeitete er als Unterhaltungschef und später als Chefredakteur beim Berliner Rundfunk und machte sich danach als Unternehmensberater und Formatentwickler für zahlreiche Medienunternehmen in Europa selbstständig. Er lebt in Berlin, wo er seit Beginn des Jahres 2005 in der Programmdirektion des Radiosenders 104.6 RTL tätig ist.
2005 hat er als Co-Autor gemeinsam mit Jürgen Udolph das Sachbuch "Professor Udolphs Buch der Namen" geschrieben, das bei Bertelsmann erschienen ist. Daraus entwickelte er das Konzept für eine Fernseh-Show rund um das Thema Namenforschung. Deutschland - deine Namen wurde im März 2006 vom ZDF unter der Moderation Johannes B. Kerners ausgestrahlt. Zudem veröffentlichte Fitzek weitere Sachbücher.

Quelle: www.wikipedia.de

â—‹â—‹â—‹ Die Story â—‹â—‹â—‹

Robert Stern in ein gut situierter Berliner Anwalt für Strafrecht. Während seiner Laufbahn ist ihm schon vieles untergekommen. Aber das, womit ihn seine ehemalige Kurzzeitgeliebte Carina Freitag konfrontiert, hatte er nicht erwartet. Sie bringt ihn mit einem zehnjährigen Jungen, Simon Sachs, zusammen, der glaubt, er habe in einem früheren Leben Menschen ermordet. Robert hält dies zunächst für ein kindliches Hirngespinst. Als Simon ihn aber zu einer Leiche führt, bekommt sein erster Eindruck einen Knacks. Noch verrückter wird die Geschichte, als der kleine Junge ihm den Ort einer weiteren Leiche nennt. Natürlich findet Robert auch dort einen Toten.
Zeitgleich erhält der Anwalt eine DVD, auf dem Aufnahmen einer Säuglingsstation zu sehen sind. Es handelt sich dabei um die schlimmsten Szenen in Roberts Leben. Denn auf der DVD sieht er seinen kleinen Sohn Felix, der nach nur zwei Tagen plötzlich verstorben ist. Während Robert die schrecklichen Bilder sieht, bekommt er von einer Stimme auf der DVD Anweisungen. Er soll den Visionen Simons nachgehen und herausfinden, wer für die Morde verantwortlich ist. Dafür gewährt er ihm fünf Tage Zeit. Im Anschluss ist auf der DVD noch ein Junge im Alter von zehn zu sehen, der Roberts totem Sohn nicht nur aufgrund des identischen Feuermals auf der Schulter gleicht.

â—‹â—‹â—‹ Eigene Eindrücke â—‹â—‹â—‹

Als ich vergangenen Sonntag mit diesem Roman angefangen habe, hatte ich irgendwie nicht damit gerechnet, so schnell damit fertig zu sein. Zwar habe ich für "Amokspiel" damals auch nur zwei Tage gebraucht, allerdings hatte ich da aber auch grade genügend Zeit. Zunächst einmal spricht also wohl das Tempo, in dem ich diesen Roman verschlungen habe, für die vorhandene Spannung.
Von der ersten Seite an wird der Leser in die Handlung geworfen. Es gibt keine Vorwarnung - man ist sofort mittendrin. Fitzek verschwendet also keinerlei Vorgeplänkel, um die Figuren einzuführen. Die geschieht wie nebenbei. Ich finde es rückblickend wirklich beeindruckend, wie gut man die Hauptfiguren einführen kann, ohne dies eigentlich ganz bewusst zu machen. Man erhält beim Fortlaufen der Handlung einen Einblick in die Seelenwelten der Protagonisten, ihre Geheimnisse und die meist düsteren Vergangenheiten. Man kann hier also ganz deutlich sagen, dass Figuren und Geschichte sehr eng zusammen gehen. Ich weiß, dass das eigentlich immer so ist. Aber grade hier in "Das Kind" hat sich dieser Eindruck bei mir so richtig deutlich und bewusst gemacht. Meines Erachtens nach ist dies schon eine kleine Meisterleistung für sich.

Aber nicht nur diese Tatsache spielt eine Rolle, wenn ihr mal einen Blick auf die Anzahl der Sterne werft, die ich vergebe. Auch die von mir eingangs erwähnte Spannung spielt natürlich eine große Rolle. Denn selbige ebbt während des gesamten Handlungsverlaufs nie ab. Es gibt keinerlei Längen oder Passagen, in denen einfach mal gar nichts passiert. Die Geschichte drängt unbeirrt voran und dem unglaublichen Ende entgegen, auf das man übrigens von alleine nicht bzw. erst sehr spät kommen würde. Zu eben dieser Spannung tragen übrigens auch die Rückblicke in Roberts Vergangenheit bei. Denn scheinbar ganz nebenbei erfährt der Leser, was damals geschehen ist, als sein Sohn Felix gestorben ist und wie sehr sich sein Leben dadurch zum Negativen gewendet hat.
Ebenso fesselnd ist logischerweise die Handlung im Hier und Jetzt. Denn das Fortlaufen selbiger führt keineswegs dazu, dass Fragen beantwortet werden. Es werden im Gegenteil nur noch mehr aufgeworfen, auf die man sich als Leser genauso wenig einen Reim machen kann wie der Anwalt Robert Stern. Durch diesen Aspekt erhält die gesamte Geschichte übrigens auch eine gewisse Rasanz, die durch den sehr flüssigen Schreibstil noch unterstützt wird. Bezüglich der vielen Fragen und Verwirrungen in diesem Roman, muss man sich übrigens keine Gedanken machen, dass man den Überblick oder sogar den ganzen Faden verliert. Dem Autor ist ein Balanceakt zwischen dichter Handlung, ungeklärten und scheinbar unklärbaren Fragen und Nachvollziehbarkeit gelungen. Wer bereits die anderen beiden Romane Fitzeks gelesen hat, dem wird das sicher alles nicht neu sein. Im Prinzip ist das Schema gleich und wurde auch nicht erst von dem Berliner Autor erfunden. Dennoch fesselt diese Strategie immer wieder, zumal sie auch immer von so irren und unglaublichen Geschichten umwoben wird.
Wie weiter oben bereits begeistert angepriesen, ist es dem Autor hervorragend gelungen, die für die Handlung wichtigen Personen einzuführen, ohne eben dieser Einführung ewig viele zähe Seiten zu widmen. Der wichtigste im Figurenensemble ist dabei wohl zweifellos der Anwalt Robert Stern.
Er ist Strafverteidiger und wohnt in einer schicken Villa irgendwo in Berlin mit Blick auf's Brandenburger Tor. Er ist in seinem Job durchaus erfolgreich. Sein Leben hingegen gleicht einem Scherbenhaufen. Denn vor zehn Jahren hat er zusammen mit seiner Exfrau seinen Sohn Felix verloren, der nach zwei Tagen am plötzlichen Kindstod gestorben war, das zumindest glaubt Robert zu wissen. Die Ehe ging danach in die Brüche. Während Roberts Exfrau sich in eine neue Ehe geflüchtet, zwei Kinder und eine bruchsichere Fassade geschaffen hat, ist Robert ins Bodenlos gestürzt. Seine flüchtige Affäre mit der Krankenschwester Carina Freitag hat er nach nur drei Wochen beendet, bevor er Gefahr lief, sich ernsthaft zu verlieben. Dies ist sicher ein oft verwendetes Bild, grade in Thrillerlektüre. Dennoch fühlt man aber mit dem Anwalt mit. Fitzek schafft dies auf ganz subtile Art und Weise. Denn er erliegt keinesfalls der Versuchung ganz offensichtlich auf die Tränendrüse des Lesers zu drücken. Die tiefe Verzweiflung und Traurigkeit, die Robert mit sich herum trägt, äußert sich immer ganz unerwartet und ist meist kaum mehr als ein Aufflackern. Trotz alledem ist Robert Stern eine sehr sympathische Persönlichkeit, der durchaus hilfsbereit ist und seinen Job als Verteidiger sehr ernst nimmt. Auch verteidigt er nicht jeden, wie das Beispiel des Päderasten zeigt, der eine eigene Pädophilenpartei gründen wollte.
Eine weitere wichtige Person in dieser Geschichte ist auf jeden Fall die Krankenschwester Carina Stern. Sie ist diejenige, mit der Robert kurz etwas hatte. Trotz dieses unglücklichen Intermezzos sind die beiden stets Freunde geblieben. So wundert es auch kaum, dass Carina bei der verrückten Odyssee mitmacht, die sich aus den Ereignissen entwickelt. Sie scheint zudem auch noch Gefühle für Robert zu haben, was allerdings ebenfalls nur an wenigen kleinen Stellen deutlich wird und sicher leicht zu überlesen ist. Sympathisch macht sie außerdem der kleine esoterische Spleen, den sie hat. Denn sie glaubt durchaus an Wiedergeburt, was ja irgendwie das einzige Argument für Simons Visionen sein kann.
Als letzte wichtige, wenn nicht sogar Schlüsselperson ist zu nennen der zehnjährige Simon Sachs. Er wurde seiner heruntergekommenen Mutter weggenommen und in ein Heim gesteckt. Bald entdeckte man bei ihm einen Hirntumor, der ihm nicht mehr viel Zeit zum Leben übrig lässt. Dennoch ist Simon ein aufgeweckter Junge, der vor allem sehr intelligent ist, ohne dabei altklug zu wirken [eine der Eigenschaften, die ich bei Kindern mit am meisten hasse]. Der Junge ist sehr sympathisch und man leidet mit ihm mit. Denn es ist kaum vorstellbar, wie ein Kind solch schreckliche Visionen aushalten kann geschweige denn, wie er mit der Gewissheit leben kann, in einem früheren Dasein andere Menschen getötet zu haben. Hin und wieder wirkt Simon in seinen Äußerungen vielleicht zu erwachsen für sein Alter, was ich aber nicht als negativ zulasten des Autors werten möchte.

Alles in allem ist Sebastian Fitzek zum dritten Mal ein Psychothriller gelungen, den man bis zum Schluss nicht zu durchschauen vermag und der die ganze Zeit über extrem spannend ist. Es wird keine Zeit bzw. keine Seiten mit überflüssigem Geschwätz verschwendet. Der Spannungsbogen steigert sich fast bis ins Unermessliche und das macht diesen Roman zusammen mit vielen kleinen Dingen einfach perfekt. Toll fand ich auch die Tatsache, dass die Geschichte in "Das Kind" wieder einmal in Berlin spielt. So konnte ich einiges nahezu bildlich verfolgen, da ich die Gegenden ja sehr wohl kenne.
Es gibt also abschließend eine absolute Empfehlung und volle fünf Sterne für diesen super spannenden und toll geschriebenen Roman.

35 Bewertungen, 11 Kommentare

  • zuckermausbiene

    28.09.2011, 14:50 Uhr von zuckermausbiene
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße von Zuckermausbiene

  • titus01

    14.09.2011, 16:20 Uhr von titus01
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG...titus01. Über Gegenlesungen freue ich mich immer!

  • cleo1

    13.09.2011, 10:46 Uhr von cleo1
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW, wie versprochen, nachgereicht. LG cleo1

  • mima007

    12.09.2011, 11:43 Uhr von mima007
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw. Viele Gruesse, mima007

  • hameln58

    12.09.2011, 09:36 Uhr von hameln58
    Bewertung: besonders wertvoll

    liebe Grüße...Gina

  • katjafranke

    12.09.2011, 00:41 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße...KATJA.

  • morla

    11.09.2011, 23:42 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^petra

  • JoergTh

    11.09.2011, 22:48 Uhr von JoergTh
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Hessen! Jörg

  • Lale

    11.09.2011, 22:12 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß *~*

  • tina08

    11.09.2011, 21:59 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina

  • Miraculix1967

    11.09.2011, 21:40 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Sonntagabend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967