Fucking Berlin (Taschenbuch) / Sonia Rossi Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von LilithIbi

Weil SIE sich nichts und ER sich SIE leisten kann.

3
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  durchschnittlich
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Geschickt-geschenkt bekommen habe ich im Laufe der letzten Wochen das Buch

//FUCKING BERLIN//

Welches mich zwar irgendwie durch die entsprechende Bücherfrühlings-Vorstellung gereizt hat, zu dem ich mich jedoch anfänglich alles andere als aufraffen konnte. Bevor ich den (angeblichen?) Lebenserfahrungsroman jedoch wieder weiterreichen würde, wollte ich dann doch zumindest einen Blick reinwerfen ~ schon allein, weil mein persönlicher Mentor mir sagte, dass dies das Mindestmaß des Anstandes sei.
Recht schnell war ich dann tatsächlich mittendrin im Geschehen: die Autorin Sonia Rossi berichtet von ihrer Erfahrung, als sog. „Teilzeithure“ gearbeitet zu haben, um ihre Studienzeit finanziell überstehen zu können bzw. ihren Kiffer-Freund und späteren Ehemann mit durchziehen zu können. Der Begriff „Teilzeithure“ ist hier nicht ganz richtig, eben weil Sonia anfänglich ihr Geld durch ein Online-Erotik-Portal verdient; ein wenig chat, ein wenig strip, jedoch kein Sex. Als sie dortig aufhört, beginnt sie in einem Salon für erotische Massagen ~ alles Weitere ist ein „Kann, kein Muss“. Noch schwört Sonia sich, niemals Sex mit anderen Männern zu haben, doch dieser Idee und nobles Vorhaben hält nicht lange vor…


/DIE UMSETZUNG/

wurde zweifelsohne lebendig gehalten. Der Leser kann sich recht schnell einfinden, in die Story einfügen und wird durch die Egoperspektive in die Beweggründe und Gedankenwelt Sonias integriert. Der Lesefluss bleibt somit, wie sich das für einen Fluss gehört, fließend ~ trotz der an für sich wiederkehrenden Geschehnisse macht sich keine Langeweile breit.

Dadurch, dass Sonia ebenfalls von ihrem Studium, ihrem Freundeskreis, ihrer Familie und ihrer Ehe sowie dem entsprechenden Spagat zwischen all diesen Dingen berichtet, wirkt „Fucking Berlin“ keinesfalls einseitig, sondern liefert ein grobes „rundherum-Bild“ ab, welches vorrangig eben wegen dieser spezifischen Dinge interessanter bleibt als ein bloßer „das hab ich heut im Puff gemacht“ – Bericht.

Natürlich bleiben hier und da explizite Schilderungen der „Bestellungen“ der Kunden nicht aus; auch unterhalten sich die Angestellten mehrfach über die Wünsche, Vorlieben und Vorstellungen der Kunden bzw. den Eindrücken, die die Prostituierten selbst bekommen haben. Nicht nur Sonia hat Familie, andere Charaktere sind Mütter und versuchen, sich mit jenem Job über Wasser zu halten ~ Sonias Hauptproblem besteht darin, dass sie als Ausländerin in Berlin kein Bafög bekommt und ihr Mann Ladja, wenn überhaupt, ab und an Gelegenheitsjobs bekommt.

Schon bezüglich dieser „Umstände“ jedoch geriet ich ins erste wundern ~ Ausländer bekommen nicht mal Sozialhilfe? Wäre mir neu. Zumal Sonia Ladja schließlich heiratet, um wenigstens Ansprüche beim Amt zu bekommen. Im weiteren Buchverlauf berichtet sie sodann sogar von einem weiterem Amtsbesuch (diesmal beim „JobCenter“), bemängelt diesmal lediglich, dass die Bearbeitung „bekanntlich mindestens 4 Monate dauern würde“. Tjaaaaa…. Wie gut, dass ich nicht in Berlin lebe, denn ich wartete lediglich einen Monat, während mein Noch-Mann schon beim Antrittsbesuch einen Überbrückungsscheck nebst Lebensmittelgutscheinen erhielt.

Wie dem aber auch sei; ich will den Wahrheitsgehalt dieses Romans nicht an solchen Kleinigkeiten messen, doch merkwürdig finde ich das ganze schon irgendwo. Laut Buch kifft Ladja lediglich und geht hin und wieder in die Kneipe, was meiner Einschätzung nach durch die angeblichen Einnahmen Sonias (mindestens 100 EUR am Tag) mehr als machbar hätte sein müssen. Trotzdem liest man immer wieder, wie wenig Geld den beiden zur Verfügung stand, wie leer der Kühlschrank immer sei ~ selbst, als Ladja mal wieder ein paar Tage verschwand bzw. einen kleineren Job hatte.

Kommt man mit 3000 EUR im Monat wirklich nicht auf die Idee, mal etwas auf die Seite zu schaffen, eben weil man ja „nur in Notsituationen“ „anschaffen“ gehen will?
Ist es wirklich so einfach, mit Null Erfahrungen einfach mal eben vor der WebCam zu strippen, Männer zu massieren bzw. auf jede erdenkliche Art sexuell zu befriedigen? Sonia wurde laut ihrem Bericht direkt und unvermittelt ins kalte Wasser geschubst, keiner hat ihr so genau gesagt was überhaupt erwartet wird. Und immer waren die Kunden schon vom ersten Versuch an begeistert? Ein wahres Naturtalent, sozusagen….
Oder doch eher zu dick aufgetragen?

Definitive Zweifel hegte ich bzgl. Sonias Schwangerschaftsabbruchs. Nicht nur, dass es ungemein praktisch war, dass sie zu dieser „Entdeckungszeit“ grad in der Schweiz war, wo der Abbruch viel leichter von Hand gehen sollte als in Berlin. Vielmehr machte mich die Angabe, dass der Arzt gesagt haben soll „knapp einen Millimeter groß, Sie sind also in der 8.ten Woche ungefähr“ zu der Zweiflerin de Luxe. Mein ungeborenes war in der 7. SW bereits 6,6mm groß ~ also entweder hätte ich ein Nilpferd ausgetragen, oder aber der Roman ist zumindest bzgl. ein paar Details völliger Mumpitz.

In der letzten Zeit kommt es oft vor, dass ich an manchen „wahren Begebenheiten“ zweifle; entweder weil ich immer ungläubiger (zu ungläubig?) werde und mir nicht vorstellen kann (oder will?) dass all diese Erfahrungsberichte tatsächlich passiert sind… oder weil es eben doch so ist, dass die Masse erkannt hat, dass das Volk hauptsächlich diese Werke lesen will. Der Trend geht immer weiter Richtung „wahre Geschichten“, was man schon allein an der mir nicht wirklich nachvollziehbaren immer größer werdenden Auswahl an einschlägigen Frauenzeitschriften wie „Meine Geschichte“, „Mein Geheimnis“; „Mein Erlebnis“ etc. pp. absehen kann ~ somit liegt meiner Ansicht nach der Verdacht nicht unbedingt so in der Abwegigkeit begraben.

//SUMMA SUMMARUM//

Ob nun hundertprozentig war, zu 50% verändert oder völlig frei erfunden; Fakt ist jedenfalls, dass „Fucking Berlin“ zweifelsohne „trotzdem“ einen Einblick in jene Welt der Prostitution gibt, dem sich die oder der ein oder andere hin und wieder anschließen, weil sie für sich keine andere Möglichkeit mehr sehen.
„Fucking Berlin“ greift das „Umstehende“; die unterschiedlichen Gründe auf, geht auf die Empfindungen der Frauen ein, die aus den differenziertesten Umständen heraus verzweifelt sind. Hin und wieder schockieren einige Details, hinterlassen zumindest ein nicht ganz angenehmes Gefühl ~ bspw. erfährt man, dass eine Mutter sich lediglich prostituiert, um ihren Kindern ein Weihnachtsgeschenk kaufen zu können.

Und ja, genauso ist es oftmals… auch wenn man sich über solche Dinge nur allzu ungern Gedanken machen mag. Erst recht nicht, wenn man selbst jene Dienstleistung in Anspruch nimmt ~ man will ja schließlich was für sein Geld bekommen; und sich nicht von dem „drumherum“ das Hochgefühl des „ich gönn mir jetzt mal was“ madig machen lassen….

28 Bewertungen, 10 Kommentare

  • Striker1981

    11.06.2009, 15:50 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER

  • MasterSirTobi

    28.05.2009, 18:30 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, ganz toller Bericht. LG MasterST

  • werder

    22.05.2009, 18:48 Uhr von werder
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima berichtet! Freu mich auch immer über Gegenlesung! LG aus Hannover!

  • sigrid9979

    22.05.2009, 18:26 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht.....Lg Sigi

  • anonym

    22.05.2009, 18:14 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH ......... Liebe Grüße

  • Tuffi2106

    22.05.2009, 15:48 Uhr von Tuffi2106
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und einen schönen Tag. LG Tuffi

  • peter_nordberg

    22.05.2009, 15:09 Uhr von peter_nordberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. lg Peter

  • Mondlicht1957

    22.05.2009, 14:57 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich PS: bevorzugt lese ich bei denjenigen, die auch auf meiner Bewertungsseite auftauchen

  • Michaela2015

    22.05.2009, 13:16 Uhr von Michaela2015
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht, lg michi

  • willma1984

    22.05.2009, 12:47 Uhr von willma1984
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG willma1984 :)