Der seltsame Fall des Benjamin Button (DVD) Testbericht

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ab 3,87
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2010
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von DukeNukem

Langwierige Überraschung

Pro:

Cate Blanchett, Hommage an Zeit und das Altern, Lebensbejahung, Bildersprache, langatmig

Kontra:

langatmig, Kennenlernen von Elizabeth Abbott

Empfehlung:

Ja

Zur Liste meiner Lieblingsregisseure schreibe ich ganz klar den Namen David Fincher hinzu.

Warum?
Nun, weil dieser ehemalige Regisseur von Musikvideos mit einer geringen Anzahl von Filmen bereits jetzt schon Filmgeschichte geschrieben hat mit seinem geschickten Gespür für gute Stories, die man in eindrucksvolle und kontrastreiche Bilder verpackt, vermischt mit den bestplatzierten Kamerafahrten und –positionen ever.
Zwei Beispiele für seinen Bilderperfektionismus sind die beiden Filmklassiker Se7en (Sieben) und Fight Club. Letztere wurde leider von der Bevölkerung falsch verstanden, sah man ihn leider lediglich als Verherrlichung von Gewalt und nackten Männerkörpern an, dabei hat dieser Film einer sehr sozialkritische Botschaft.

Mit dem Film Se7en (Sieben), sein damals erst zweites Machwerk, erlangte er sogar das Recht auf seinen eigenen sogenannten „Final Cut“. Damit sei gemeint, dass er seinen eigenen Filmen mit dem Ende versehen darf, dass er haben möchte, und nicht das jeweilige Studio. Das ist auch gut so, denn das genommene Ende von Se7en (Sieben) ist zwar traurig, aber passt besser rein als das gewünschte Happy End der Studiobosse.
Dass Fincher ein eigener Regisseur mit eigenständigen und fast nicht kopierbaren Visionen ist, beweist schon sein Erstling Alien Teil 3 (spielt auf einer Gefängnisinsel), der sich heute immer noch sehr deutlich von der beliebten Reihe abhebt.

Dass er ein Virtuose dafür ist, Geschichten, welche an sich schon Verwirrung stiften, mit verwirrenden Bildern zu präsentieren, bewies er mit dem Thriller The Game. Bis zum Schluss glaubt man, dass dies alles nur ein krankes Spiel von irgendwelchen Typen sei, und erst als sich die Schlusspointe offenbart, steht man in der Mitte genauso ahnungslos und überraschend da, wie der Hauptcharakter Michael Douglas.
Mit den nur oben erwähnten wenigen Filmen schaffte es Filmemacher David Fincher, zu dem Geschichtenerzähler Nummer eins zu werden, und da er zudem auch ein Spezialist ist für etwas schwer verfilmbare Stoffe und dafür, unglaubwürdige Geschichten glaubhaft darzustellen, war es eigentlich von Beginn an klar, dass nur er eine Story, wie die von Benjamin Button verfilmen kann.

In dem Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ geht es um den titelgebenden Mann, der ungewöhnlich geboren wird und rückwärts altert. Das heißt, dass er zwar wie ein ganz normaler Mensch die Jahre von, Hausnummer, 1 bis 100 durchgeht, allerdings seine äußere, menschliche Hülle die eines alten Mannes gleicht. Und mit rückwärts altern ist gemeint, dass Benjamin Button, von außen betrachtet, bereits als neugeborener Säugling so aussieht, als wäre er so um die 90 Jahre alt, und mit der Zeit immer jünger wird.
Er durchlebt bei einer Pflegemutter die ganz normalen Wege der Erfahrungssammlung wie ein normaler heranwachsender Mensch, nur ist sein Leben faszinierend zu beobachten, da er eben Dinge wie Sex, Alkoholräusche, erster Job usw. als aussehender Greis kennen lernt, obwohl er in Wirklichkeit erst, keine Ahnung, 15 bis 18 Jahre alt ist.

Meiner Meinung nach ist dieser Film mit seinen aufgerundeten 160 Minuten zu lang, doch dies muss sein, denn dieses ruhige Meisterwerk würdigt den Themen „Alter(n)“ und „Zeit“. Also ich bin selber etwas verwundert und gleichzeitig beeindruckt darüber, dass mein Manko Langatmigkeit eigentlich wieder als positiv anzusehen ist, denn wäre er wesentlich kürzer in seiner Lauflänge, wäre auch Benjamins Leben schneller vorbei, und das geht aber nicht. Da Benjamins Lebenserfahrungen wunderschön bebildert wurden, kann man sich seiner Faszination nicht entziehen, es ist daher auf einmal logisch, dass der Film genau richtig gewählt wurde mit 160 Filmminuten, da er das komplette Leben eines einzelnen Menschen in Szene setzt und ein Menschenleben darf nicht so schnell enden.
Als ich den Film startete mir anzusehen, war ich zu Beginn schon gelangweilt, da er mir persönlich zu langwierig erschien, erst nach einer Stunde Laufzeit präsentierte dieses auf Leinwand, und später auf DVD, gebannte Meisterwerk seine Begründung für das Auseinanderdehnen von Geschichte und gezeigten Ereignissen.

Es gibt hier eine Szene, die zeigt, wie wichtig die Zeit mit ihren Minuten und sogar Sekunden doch ist. In dieser erwähnten Szenerie wurde Daisy, perfekt und wundervoll verträumt dargestellt von Cate Blanchett, leider von einem Auto angefahren. Interessant ist bei diesem Verkehrsunfall aber der Faktor Zeit, und zwar, die vielen Verspätungen von gut fünf oder sechs Menschen, bevor das Taxi mit ihr kollidierte und das dies alles hätte verhindert werden können, wenn eine Frau nicht ihrem Mantel vergessen hat, ein Mann nicht fünf Minuten zu spät aufgestanden wäre usw. Einfach genial!
Der seltsame Fall des Benjamin Button huldigt aber auch der Liebe, ganz besonders der lang vergangenen Zeit, bis sie zu einer wahren und unzerstörbaren wird. Herrlich.

Einen Lebensabschnitt von Benjamin hätte man meiner Meinung nach weglassen können, und zwar den, in dem er Elizabeth Abbott, in prachtvoller Ruhe verkörpert von Schauspielerin Tilda Swinton, kennen und auch kurz lieben lernt. Hätte meiner Meinung nach auch der Schere zum Opfer fallen können.
Dem Regisseur David Fincher ist mit diesem Film hier ein echtes Meisterwerk gelungen und ging mit 3 Oscars einfach leer aus. Die Bildersprache ist wie immer prunkvoll und sehr kontrastreich und der Erzählstil ist, im Vergleich zu seinen früheren Filmen, sehr ruhig und lässt sich sehr viel Zeit, um den Figuren enorm viel Freiraum zu geben und ihren Charakter komplett zu entfalten. Mit dem Einsatz von den besten Künstlern im Bereich der visuellen Effekte wurde aus Benjamin Button auch eine Art Kunstwerk geschaffen, denn der alt geborene Säugling sieht doch so aus, wie in seinen späteren Alterungs- bzw. Verjüngerungsstadien, als ob er aus dem echten Leben entsprungen wäre. Der Einsatz von Computern ist, dank der grenzenlosen Hingabe für Bilder und fürs Detail, schnell in Vergessenheit geraten und man badet während des Ansehens in dieser träumerischen Kulisse.

Brad Pitt, der hier den titelgebenden Lebens-Ja-Sager verkörpert, hat zwar, meiner Meinung nach, keine Glanzleistung in seiner Mimik, aber dadurch, dass Benjamin verkehrt und ahnungslos und die ganze Zeit über nachdenklich in unsere Welt hineingeboren wurde, passt sein desinteressiertes Schau dieses Mal perfekt zu seiner Figur.
Ein großes Lob bei den Schauspielern gebührt aber der wunderbaren Cate Blanchett.
Sie spielt Daisy mit einer wahren Hingabe und Verständnis, schafft mit Bravour den Balanceakt zwischen glücklich, nachdenklich und traurig. Eine echte Schauspielerin eben.

Fazit:
Der Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist ein Beweis dafür, dass ein jeder Mensch sein eigenes Leben ernst nehmen und JA hierzu sagen soll. Eine wundervolle Hommage an das Leben selbst, die Liebe, das Älterwerden und vor allem die Zeit, die, auch wenn es fast alle so glauben, sehr langsam vergeht und immer weiter läuft, auch nach dem Tod.

Must-See-Moment:
Am Ende des Films sieht man eine bereits angestaubte Uhr, die rückwärts läuft. Und trotz des Todes des Hauptcharakters tickt sie immer noch weiter, denn das Leben hört mit dem Tod niemals auf, sondern geht einfach weiter, und bleibt nie stehen.

31 Bewertungen, 11 Kommentare

  • xSunnyx

    09.06.2010, 18:03 Uhr von xSunnyx
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH... Ich wünsche dir einen wunderschönen und traumhaft sonnigen Tag ... viele liebe Grüße von xSunnyx

  • XXLALF

    09.06.2010, 15:00 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ganz liebe grüße

  • morla

    09.06.2010, 14:24 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • Lakisha_1

    09.06.2010, 14:21 Uhr von Lakisha_1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Lg

  • anum74

    09.06.2010, 13:38 Uhr von anum74
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen Tag noch und LG

  • austin77

    09.06.2010, 12:33 Uhr von austin77
    Bewertung: sehr hilfreich

    du liest bei mir und ich bei dir, so macht yopi Spaß. Liebe Grüße

  • Eiswuerfel

    09.06.2010, 10:42 Uhr von Eiswuerfel
    Bewertung: sehr hilfreich

    gut geschrieben, lg

  • Frederica_20

    09.06.2010, 10:31 Uhr von Frederica_20
    Bewertung: sehr hilfreich

    Man liest sich. :-) Liebe Grüße! Frederica_20

  • warismoney

    09.06.2010, 09:55 Uhr von warismoney
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hy, toller Bericht. Würde mich über eine Gegenlesung freuen. lG, Domi

  • peter_nordberg

    09.06.2010, 09:42 Uhr von peter_nordberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht von dir. lg Peter

  • anonym

    09.06.2010, 09:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gut geschrieben, Saludos Negerle