Slumdog Millionär (DVD) Testbericht

ab 4,53
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von Prisca

Es ist Schicksal!

Pro:

gut umgesetzter Film - tolle Darstelle - gute Musikunterlegung

Kontra:

+++

Empfehlung:

Ja

Ich habe Urlaub und viel Zeit zum Filme gucken - wird auch Zeit, das ich mal seine sammelte Werke durch gucke. Dieses mal war es ein etwas aktuellerer Film als gewöhnlich, nämlich

*** SLUMDOG MILLIONÄR ***

Auf den Film war schon von Anfang an neugierig, denn ich mag die Quizsendung mit Günther Jauch und auch die Nebengeschichte hörte sich recht interessant an. Trotzdem bin ich irgendwie nie so recht dazu gekommen, mir den Film anzuschaffen - bis ich neulich bei Tauschticket sehr günstig die Doppel-DVD-Version ergattern konnte.

*** INHALT ***

Der Inhalt des Films lässt sich nicht so schnell erzählen, aber ich will es mal versuchen, ohne zu viel vorweg zu nehmen.

Jamal Malik lebt in den Slums von Indien. Ein Leben, das von Armut und Gewalt geprägt ist. Trotzdem ist Jamal als Kind mit seinem Leben zufrieden - bewahrt sich einen Humor, der erstaunlich ist. Bis sich alles ändert: seine Mutter wird getötet, von nun an muss er sich allein mit seinem Bruder und einigen Freunden durchschlagen.

Sie geraten an eine Bande, die Straßenkinder zu Bettlern "abrichtet" - zunächst erscheint es den jungen gar nicht so schlimm, immerhin finden sie einen Platz zum Schlafen und etwas zu Essen und sie können zusammen bleiben. Aber schon bald begreifen sie die harte Realität und fliehen. Zurück bleibt Latika, ein kleines Mädchen, mit dem Jamal schon als Kind auf besondere Weise verbunden ist ...

das Leben meint es nicht gut mit Jamal, aber er kämpft sich durch. Zunächst gemeinsam mit seinem Bruder, als der sich aber als Handlanger an einen Bandenchef verkauft - und auch noch Latika mit hineinzieht, die sie inzwischen wiedergefunden haben - kommt es zum Bruch zwischen den Brüdern.

Jamal schlägt sich durchs Leben und endet schließlich als Teeservierer in einem Callcenter. Durch Zufall gelingt es ihm, hier den Aufenthaltsort von Latika herauszufinden und er hat nur noch ein Ziel: sie wiederzusehen ...

Wer sich jetzt fragt, was das Ganze nun mit "Wer wird Millionär" zu tun hat: nun, der Film hat eigentlich drei Erzählebenen. Die erste findet statt in einem Polizeipräsidium, in dem Jamal grausam verhört und sogar gefoltert wird. Er soll gestehen, das er in der Sendung "Wer wird Millionär" geschummelt hat, denn niemand kann sich vorstellen, wie es ein kleiner, ungebildeter Junge aus den Slums bis zur Millionenfrage gebracht hat.

Während des Verhörs gibt es Rückblenden. Erstens in die Sendung "Wer wird Millionär" - hier wird gezeigt, wie Jamal - zunächst dem Spott des Moderators ausgesetzt, später mehr und mehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses - sich den Fragen stellt. Zweitens Rückblenden in die oben geschilderte Vergangenheit Jamal, die eigentlich den Hauptbestandteil des Films bildet.

*** MEIN EINDRUCK ZUM FILM ***

Damit sind wir dann auch schon mitten in den Eindrücken, die dieser Film bei mir hinterlassen hat. Anfangs ist man durch die Erzählweise ein bisschen verwirrt. Ich habe recht wenig über den Film gewusst, nur das es um einen jungen Mann aus Indien geht, der es als erster geschafft hat, in der Quizsendung "Wer wird Millionär" bis zur Millionenfrage vorzudringen.

Umso erstaunter ist man, das der Film mit einem scharfen Verhör in einem Polizeipräsidium startet, in dem geschlagen, gefoltert, gedemütigt wird. Ich muss zugeben, diese Anfangsszenen haben mit ein wenig geschockt, denn darauf war ich nicht vorbereitet

Allerdings kommen gleich darauf die ersten Rückblenden in Jamals Vergangenheit und man sitzt nur noch gefesselt vor dem Bildschirm. Die Geschichte des kleinen Jamal ist eine traurige, aber geprägt von seinem unbeirrbaren Humor. Es gibt trotz allem Elends immer wieder kleine Szenen am Rande, die mich als Zuschauer zum Schmunzeln bringen.

Nach und nach beginnt man sich auf die etwas sprunghafte Erzählweise mit den drei Ebenen des Films einzulassen. Von dem Zeitpunkt an ist man nur noch gefesselt. Einerseits von Jamal Geschichte, die fast ein bisschen was von einem Märchen hat. Andererseits ist es die Tatsache, das er auf alle gestellten Fragen des Quizsendung die passende Antwort weiß - obwohl ungebildet, kaum des Lebens fähig. Aber es wird sehr schnell klar, das er seine "Weisheit" nicht aus Büchern hat, sondern aus dem Leben selbst.

Die Geschichte von Jamal wird immer recht locker erzählt, gleitet niemals in Dramatik ab, obwohl Jamal genug Schlimmes in seinem Leben durchmachen muss. Diese Erzählweise empfinde ich als sehr angenehm. Man fühlt mit ihm, aber gleichzeitig bewundert man die Stärke und Hartnäckigkeit, die den kleinen Jungen alles überleben lässt, der immer treu zu sich selbst steht, egal was passiert oder was andere ihm antun.

Das Ende ist ... ich möchte jetzt nicht zu viel verraten, aber es ist eindeutig kitschig. Zu schön um wahr zu sein. Und trotzdem kommt es nicht so rüber. Es scheint ein "logisches Ende" zu sein, ein Ende wie dieser Film es verdient. Man akzeptiert es, ohne genervt die Augen zu verdrehen und zu sagen: DAS ist nun aber wirklich ein bisschen zu viel des Guten.

Erwähnen möchte ich in diesem Fall noch die sehr gelungene Musikunterlegung - natürlich typisch indische Musik. Eine Musikrichtung, die mir eigentlich eher fremd ist (obwohl sie in letzter zeit doch recht populär geworden ist durch all die Bollywood Filme). Trotzdem habe ich sie als sehr angenehm und als Bereicherung dieses Films empfunden. Sie ist niemals aufdringlich - aber auch nicht so unscheinbar, das sie total im Film untergeht.

*** DIE SCHAUSPIELER UND IHRE ROLLEN ***

Jamal (der 18-jährige Jamal) wird gespielt von Dev Patel - er macht seine Sache sehr, sehr gut. Ein ernster junger Mann, der sehr unbewegt und steif wirkt. Aber das ist Jamal, das ist das, was das Leben aus ihn gemacht hat. Es ist eine wirklich überzeugende Darstellung die mit mehr als einer Auszeichnung bedacht wurde.

Madhur Mittal spielt seinen Bruder Salim, eine kleinere Rolle, aber auch sehr gut gespielt. Gleiches gibt für Freida Pinto als Latika.

Was ich ein wenig bedauere ist das man eigentlich nichts über die Kinder weiß, die die Rollen von Jamal, Salim, Latika und all ihre Freunden als Kinder übernommen haben. Kinder aus den Slums. Dort "entdeckt" für diesen Film - und hinterher dort "vergessen".

Wirklich beinahe vergessen. Ich finde es mehr als traurig, das die Produktionsfirma dieses Films erst reagiert hat, nachdem die Öffentlichkeit darauf aufmerksam wurde. Es ist fast so, als würde dieser Film die Ausbeutung und Lebensumstände dieser Kinder anprangern - und trotzdem hat sich in der Realität nichts für diese Kinder geändert Erst nachdem die Öffentlichkeit anfing Fragen zu stellen, reagierte die Produktionsfirma mit der Einrichtung eines Fonds für diese Kinder, die diesen Film nicht unerheblich mitgetragen haben durch ihre bewundernswert natürliche Leistung, der ihnen endlich Wohnung, Ausbildung und ein halbwegs gesichertes Leben ermöglichte.

*** AUSZEICHNUNGEN UND CO ***

Dieser Film hat Aufmerksamkeit erreicht wie kaum in anderer. Im November 2008 startete er in nur 10 amerikanischen Kinos - und erreichte an einem Wochenende einen Umsatz von 360.000 US-Dollar. Im Laufe der nächsten Wochen lief er dann in bis zu 2244 US-Kinos gleichzeitig. Innerhalb des nächsten Jahres eroberte er die Welt. Bis zum Juni 2009 hatte er insgesamt über 380 Millionen Dollar eingespielt.

Er gewann zahllose Auszeichnung, darunter acht Oscars (Film, Regie, Drehbuch, Kamera, Filmmusik, Ton, Schnitt, bester Song) , vier Golden Globes (Film, Regie, Drehbuch, Filmmusik) , sieben BAFTA Awards (Film, Regie, Drehbuch, Kamera, Filmmusik, Ton, Schnitt) ... insgesamt über 100 Auszeichnung und über 50 weitere Nominierungen.

*** DER FILM UND DIE DVD ***

Slumdog millionär
Gedreht: 2008 USA
Regie: Danny Boyle, Loveleen Tandan (indischer Co-Director)

Deutschlandpremiere: 2009
DVD-Veröffentlichung: 2009

Es gibt zwei DVD Veröffentlichung, die normale mit einer DVD und die Millionärs-Edition mit zwei DVDs Dieser Bericht und die folgenden Daten beziehen sich auf die 2-er DVD Version (die weitestgehend mit der Einzel DVD identisch ist, bis auf eine entscheidende "Kleinigkeit" - das dazu später mehr).

Bild: 16:9 - 1.77:1
Ton: deutsch, englisch, hindi (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: deutsch
Bild und Ton sind, wie man es für eine neue DVD erwartet, gut bis sehr gut. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle das Vorhandensein einer Hörfilmfassung für Sehbehinderte.

Lauflänge: 115 Minuten

FSK: 12 Jahre

Preis:
Normal DVD: 11,99 Euro
Millionärs-Edition: 18,99 Euro

Extras:
Von der Idee zum Film: die Toilettenszene
Slumdog Dreams: Danny Boyle und die Entstehung von Slumdog Millionär
Interviews
12 neue, unveröffentlichte Szenen
Musikvideo
Audiokommentar von Danny Boyle (Regie) und Dev Patel (Jamal)
Audiokommentar von Christian Colson (Produzent) und Simon Beaufoy (Drehbuch)
Originaltrailer, deutscher Trailer
Die Extras haben eine Lauflänge von ca. 28 Minuten. Nichts Besonderes für eine 2-er DVD Version.

Das Entscheidende an der Millionärs-Edition ist in diesem Fall auch keine DVD mit besonders vielen, ausführlichen Extras, sondern es sind ZWEI Filmfassungen, die sich auf den DVDs befinden.

Die erste Filmfassung ist die deutsche - hierbei wurden die Fragetafeln in der Quizsendung der deutschen "Wer wird Millionär" Ausgabe angepasst. Der Film ist komplett deutsch synchronisiert.

Die zweite Filmfassung dürfte für Leute mit guten Englischkenntnissen die interessantere sein. Hierbei handelt es sich um die englische Originalversion, bestimmte Passagen des Films wurden aber in hindi belassen und mit besonders ausgefallenen Untertitel-Tafeln (in englisch) versehen. In dieser Version sind die Fragetafeln des Quiz der englischen "Who Wants to Be a Millionaire?" Fassung angepasst.

*** MEIN FAZIT ***

Ein wirklich sehenswerter Film, der viel mehr hergibt als die Inhaltsangabe auf dem ersten Blick verspricht.

Dazu beitragen tun viele Dinge: die Art, wie die Geschichte von Jamal auf drei Erzählebenen gleichzeitig erzählt wird - die Umsetzung des ganzen in einen bunten, lebensbejahenden Film - die dazu passende Musik - die wirklich sehr überzeugenden Darsteller.

Ich kann eine Anschaffung des Films nur empfehlen - wer des Englischen mächtig ist, sollte ruhig ein paar Euro mehr investieren und zur Millionärsedition greifen. Die Atmosphäre wird einfach noch besser eingefangen als in der komplett eingedeutschten Version

@ Prisca - April 2010

29 Bewertungen, 9 Kommentare

  • morla

    14.04.2010, 17:57 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • sigrid9979

    14.04.2010, 17:38 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Sigrid...

  • kaltermorgen

    14.04.2010, 15:40 Uhr von kaltermorgen
    Bewertung: besonders wertvoll

    Eine wirklich hervorragende Kritik, gerne gelesen!

  • Shirty1980

    14.04.2010, 15:23 Uhr von Shirty1980
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut geschrieben. Ich freue mich über Gegenlesungen. LG Markus

  • spidermorph@yahoo.de

    14.04.2010, 14:52 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Film.Besten gruss, Tony

  • Iris1979

    14.04.2010, 14:35 Uhr von Iris1979
    Bewertung: besonders wertvoll

    Super Bericht. LG Iris

  • crazy_angel

    14.04.2010, 14:16 Uhr von crazy_angel
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße, Chrissy

  • KnolliNicole

    14.04.2010, 13:33 Uhr von KnolliNicole
    Bewertung: sehr hilfreich

    KLasse Bericht...Liebe Grüße Nicole

  • Hornet2005

    14.04.2010, 13:21 Uhr von Hornet2005
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW Bericht lg Sandra