Restaurant Finster Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 07/2009
Erfahrungsbericht von Lilia81
Ich sehe nur noch schwarz und soll dabei auch noch essen
Pro:
tolle Erfahrung, super Betreuung im Gastraum
Kontra:
Atmosphäre im Vorraum
Empfehlung:
Ja
Text der Inhaber
„Genießen Sie in völliger Finsternis die Explosion der Sinne.
Eine noch nie zuvor erlebte Gefühlserfahrung.
Schmecken, Riechen, Hören, Fühlen, Sehen.“
Adresse
Restaurant FINSTER
Steinhausenstrasse 26
45147 Essen
Telefon: 0201/4519567
Fax: 0201/7499848
Mail: [email protected]
Internet: www.finster-essen.de
Anfahrt
Diese Location befindet sich in Essen – Holsterhausen, in unmittelbarer Nähe der Uni Klinik. Man gelangt über die A 40 (Ausfahrt Essen Holsterhausen, dann noch etwa 1 km) oder auch über die A 52 (Ausfahrt Margarethenhöhe, dann noch etwa 2,3 km) dorthin. Den genauen Wegverlauf sollte man sich besser im Vorfeld per Routenplaner ausdrucken oder einfach per Navi fahren. Es befindet sich in einer etwas kleineren Seitenstrasse. Ein Parkplatz befindet sich gleich gegenüber. Per Bahn (bis zum Hauptbahnhof, dann in die U17) mit einem etwa 7 minütigen Fußmarsch erreicht man es auch. Also recht zentral und gut erreichbar gelegen.
Öffnungszeiten
Das Restaurant hat täglich von 18.00 Uhr bis 24.00 Uhr geöffnet – Dienstags ist Ruhetag. Bei Gruppenanfragen ab 20 Personen ist auch ein Besuch am Ruhetag möglich. Wenn man Auskunft zu den Öffnungszeiten an Feiertagen haben möchte, sollte einfach auf der Internetseite nachschauen. Dort findet man die Informationen dazu.
Es wird darum gebeten, im Vorfeld eine Reservierung vorzunehmen. Das ist recht einfach – entweder per Mail oder Telefon. Ich habe es über Mailkontakt gemacht und auch nur wenig später eine Bestätigung dazu erhalten. Alles problemlos!
Die Idee
Im Jahr 2007 eröffnete mit dem Restaurant FINSTER das erste „Dinner in the Dark!“ Restaurant im Ruhrgebiet und bereits mehr als 40.000 Gäste haben dieses besucht. Es handelt sich um ein Restaurant, in dem völlige Dunkelheit herrscht und auf den Besucher eine neue Sinneserfahrung wartet. Die Sehkraft ist außer kraft gesetzt und man muss sich auf seine übrigen Sinne konzentrieren. Wie esse ich im Dunkeln? Wo war mein Glas noch mal? Wie sieht der Mensch mit dieser sympathischen Stimme wohl aus? Riecht es nach Essen? Oder ist es doch eher ein Parfüm? Was esse ich da gerade? Diese und noch viel mehr Fragen stellt man sich, wenn es um einen herum auf einmal schwarz ist.
Begrüßung
Von außen wirkt das Restaurant wie eine übliche Kneipe, die man an jeder Ecke oder Straße sehen kann. Nichts besonderes, eher etwas unscheinbar. Der Vorraum, der wie eine normale Kneipe wirkt, weist eine Theke, ein paar Tische mit Stühlen und einen Empfangstresen auf. Die Einrichtung wirkt ein wenig in die Jahre gekommen. Licht ist hier noch vorhanden. Nach einer kurzen Begrüßung, die auf mich etwas genervt und gelangweilt wirkte, haben wir unsere Garderobe abgelegt. Leider wurde uns hier der Ablauf des Abends nicht so richtig erläutert. Es hieß nur: „Bitte Uhren mit Licht, Handys ablegen. Dann suchen Sie sich bitte ein Menü aus. Die Karte dazu hängt an der Wand.“ Da fühlt man sich ja schon mal richtig pudelwohl.
Speisekarte
Es stehen 7 Menüs in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen zur Auswahl. Zunächst gibt es alles als 3 Gang Menü mit Vorspeise oder Suppe (also Suppe oder Vorspeise – Hauptgang – Nachtisch) oder auch als 4 Gang Menü. Dann gibt es verschiedene Geschmacksrichtungen, die aber nur durch Oberbegriffe beschrieben werden:
Wild
Italienisch
Vegetarisch
Rind
Schwein*Fisch
Geflügel
Das siebte Menü ist extra für Kinder, welche ab 8 Jahren herzlich willkommen sind. Bei der Bestellung sollte man angeben, wenn man gegen irgendetwas allergisch ist oder einfach nicht mag. Das wird dann berücksichtigt. Leider wurden wir hierzu nicht befragt. Die Preise beginnen bei 35,50 € (3 Gang Menü Vegetarisch) und gehen hoch auf bis zu 51,50 € (4 Gang Menü, Rind). Der Rest pendelt sich dazwischen ein. Das sind natürlich erst mal recht deftige Preise, aber zum einen hat man da natürlich auch 3 Gänge und zum anderen wird wohl einfach auch die Idee / das Ambiente mit aufgeschlagen.
Nachdem wir uns für ein Menü entschieden hatten (ich habe italienisch, 3 Gang gewählt), sollten wir auf den Kellner warten, der uns in den Speiseraum führen sollte. Wir standen dort ein wenig wie bestellt und nicht abgeholt herum. Smalltalk wurde von Seiten des Personals nicht betrieben.
Auf ins Abenteuer
Die in dem lichtlosen Gastraum bedienenden Kellner sind alle blind oder stark sehbehindert. Ein Kellner hat uns dann aus dem Vorraum abgeholt (leider weiß ich seinen Namen nicht mehr), stellte sich absolut sympathisch und freundlich vor und wir sind auch sofort beim Du gelandet. Er führte uns in eine Art Zwischenschleuse, wo das Licht dann gelöscht wurde und weiter ging es dann im Polonaisenmarsch in den Raum, wo wir an unseren Tisch geführt worden sind. Wir saßen an einem Zweiertisch. Soweit ich das beurteilen kann, waren die Tische und Stühle aus Holz.
Der erste Eindruck behagte mir so gar nicht. Der Raum ist absolut dunkel, man sieht wirklich gar nichts – keinerlei Schatten oder Umrisse. In einen Raum zu gehen, den man nicht kennt, nicht weiß, was wie und wo steht, war trotz Hand auf der Schulter des Kellners nicht angenehm. Als ich dann gesessen habe, musste ich erst mal durchatmen und mich sammeln. So hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt. Die Neugierde siegt dann natürlich und wir fingen an, den Tisch mit Hilfe der Hände abzutasten. Wo fängt er an und wo endet er? Ist er rund oder eckig? Messer, Gabel, Teller und Servierte liegen bereits an seinem normalen Platz, was man ja auch erst durch das Tasten herausfindet. Das Gehör stellt sich natürlich auch sofort extremer ein. Im Raum saßen bereits mehrere Leute und haben sich unterhalten. Verschiedene Stimmlagen und Lautstärken schwallten einem entgegen. Wie ihr merkt, ist man zunächst mit so vielen Dingen beschäftigt.
Die Getränke
Der Kellner erfragt dann nach einiger Zeit, die man wohl auch einfach zur Eingewöhnung benötigt, nach dem Getränkewunsch. Ich bestellte erstmal eine Cola light und was bringt der Kellner? Ein Glas und eine Flasche – Fazit: Bitte einmal selber einschenken. Hört sich nun leicht und problemlos an, aber wie viel passt in so ein Glas hinein? Zum Glück habe ich die Füllhöhe nie überschritten und alles blieb schön sauber. Mir ist es dann später aber auch häufiger passiert, dass ich gar nicht einschätzen konnte, ob sich überhaupt noch etwas in meinem Glas befunden hat. So setze ich auch öfters mal ein leeres Glas an meinen Mund. Aber das sieht ja zum Glück keiner :-)!
Die Speisen
Zunächst stellt der Kellner einen Brotkorb mit einem Dip auf den Tisch. Nun, ohne mit dem Finger in die Sauce zu patschen konnte ich leider das Schälchen nicht finden. Schwieriges Unterfangen! Da der Korb mittig stand, musste man sich erst an ihn herantasten und dabei aber auch vorsichtig sein, damit man sein Getränk nicht umstößt. Als ersten Gang habe ich einen Salat bekommen und die Schwierigkeiten gingen dann erst richtig los. Wo liegt was auf meinem Teller? Wie viel ist überhaupt noch drauf? Wie viel liegt auf meiner Gabel? Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft ich eine leere Gabel in meinen Mund geschoben habe. Es ist ein etwas mulmiges Gefühl nicht zu wissen, was man da so isst. Der feste Glaube daran, dass das Restaurant es sich nicht erlauben kann, mir irgendwelche Abfälle oder dergleichen auf den Teller zu legen, beruhigte mich. Das Rätselraten hatte begonnen. Was esse ich da wohl gerade? Viele Dinge konnte ich identifizieren, andere aber so gar nicht. Geschmeckt hat mir alles, aber ich bin auch wirklich ein fast alles Esser. Als zweiten Gang gab es ein warmes Gericht mit Fleisch, Beilage und Gemüse. Es ist erstaunlich, dass man immer wieder neue Dinge auf seinem Teller entdeckt. Die normalen Essgewohnheiten mit Messer und Gabel habe ich nach einiger Zeit über den Haufen geworfen. Fleisch schneiden ging erstaunlich gut, aber die Speisen mit dem Messer auf die Gabel schieben hat bei mir nicht funktioniert. Was aber nichts heißen soll, denn mein Gegenüber hat das angeblich hinbekommen. Ich muss zugeben, dass da die Finger einfach öfters mal zum Einsatz kamen. Die Nachspeise bestand aus Tiramisu, Eis, Sahne, Trauben und einer Creme. Sehr, sehr, sehr lecker und auch gut definierbar. Mit dem Löffel klappt das alles auch recht gut.
Die Speisen insgesamt haben sehr gut geschmeckt - waren nicht verkocht oder kalt. Mir persönlich sind die Gerüche des Essens nicht wirklich richtig in die Nase gestiegen, was aber auch bei Salat und dem Nachtisch wohl normal ist, dass diese nicht soviel Duft versprühen.
Das Ende
Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, uns noch ein Tässchen Kakao / Kaffee gegönnt haben, wurden wir von dem Kellner hinausgeführt. In der Schleuse wurde das Licht wieder angeschaltet und wie man es ja kennt, war das für die Augen doch recht ungewohnt und störend. Im Vorraum haben wir uns dann an der Bar noch ein Sektchen getrunken. Auch hier fehlte mir wie bei der Ankunft ein wenig die Betreuung. Wir fragten nach, ob wir nun erfahren könnten, was wir da gegessen haben. Mmmm! Uns wurde dann auch ein Zettel dazu ausgehändigt. Viele Dinge haben wir richtig erraten (zum Beispiel den Salat, Tomaten, Gurken, Tiramisu, Eis, Sahne), doch war mir nicht bewusst, dass ich ein Wachtelei gegessen hatte. Für mich war es irgendeine Sorte von Käse. Da ich so ein Ei aber vorher auch noch nie probiert habe, kannte ich den Geschmack natürlich auch nicht. Wieder um eine Geschmackserfahrung reicher. Sehr schön war auch, dass die Leute, die schon draußen saßen oder später hinauskamen, recht kommunikativ waren. Man kannte ja nur die Stimmen aus dem Raum und nun kam das Äußere hinzu. Habe mir die Menschen (wie es ja auch oft am Telefon passiert) allein aufgrund der Stimmen ganz, ganz anders vorgestellt. Erstaunlich und oft auch zum Lachen! Schon im Gastraum haben wir überlegt, wie lange wir wohl ungefähr dort gesessen haben. Jetzt stellte sich heraus, dass wir tatsächlich 3 Stunden diniert haben. Das Zeitgefühl war komplett verschwunden. Nach dem Bezahlen sind wir dann wieder Richtung Bochum gefahren und haben uns noch länger über diese Erfahrung unterhalten.
Verhaltensregeln
Damit der Abend in der Dunkelheit zu einem Erlebnis werden kann, gibt es einige Verhaltensregeln, die eingehalten werden müssen. Sie sind absolut nachvollziehbar und werden auch streng eingehalten (darauf achten die Kellner). Ich habe sie jetzt mal wort wörtlich von der Internetseite kopiert:
Bitte schalten Sie Ihr Handy komplett AUS! Das "Lautlos"-Profil schaltet leider nicht das Display ab
Rauchen ist nicht erlaubt. Schon der kleinste Lichtschein einer glühenden Zigarette würde das Erlebnis für alle Gäste zerstören. Möchten Sie zwischen den Gängen nicht auf Ihre Zigarette verzichten, begleitet Sie Ihr "persönlicher" Kellner gerne aus dem Dunkelraum heraus.
Ferner möchten wir Sie bitten, Uhren mit leuchtenden oder fluorizierenden Zifferblatt abzunehmen und in einer Tasche zu verstauen. Gerne verwahren wir diese Dinge auch sicher in unserem Kassenbereich.
Bitte stehen Sie möglichst nicht auf oder bewegen sich alleine im Raum. Unser Servicepersonal ist meist sehr leise und schnell unterwegs und mag Zusammenstöße nicht besonders.
Ihre Garderobe nehmen wir an der Kasse kostenlos in Empfang und bewahren sie sicher auf. Das Mitnehmen von Jacken, Mänteln etc. in den Dunkelbereichen ist aus Sichterheitsgründen nicht erlaubt; zu leicht könnte man darüber stolpern.
Eindrücke
Wo soll ich da jetzt nur anfangen? Innerhalb des 3 Stündigen Aufenthalts sind so viele neue Eindrücke auf mich eingeprasselt. Anfänglich hat mir die absolute Dunkelheit wirklich ein wenig zugesetzt. Ich habe es als extrem unangenehm empfunden und mich sehr unwohl gefühlt. Da ist so eine Art Unsicherheit, Verletzbarkeit und Unselbstständigkeit im Spiel, die ich so nicht gekannt habe. Durch die vertrauensvolle und humorvolle Art des Kellners löste sich meine Verkrampftheit dann zum Glück recht schnell. Dafür schon mal ein ganz dickes Lob an den Kellner. Erst dann konnte ich die Eindrücke irgendwie so richtig aufnehmen. Am Anfang haben wir sehr extrem auf die Mitmenschen im Raum geachtet. Die Stimmenvielfalt fällt einem sonst ja gar nicht so recht auf und man fängt automatisch an, sich die Personen zu den Stimmen vorzustellen. Ist er/sie groß oder klein? Welches Alter? Dick oder dünn? Klamotten? Manche Stimmen waren einem sofort sympathisch und andere wiederum gar nicht – manche hörten sich interessant an, manche monoton, leise, laut, lustig, ernsthaft. Alles war dabei! Als ich dann ein paar Leute davon draußen gesehen habe, war ich sehr überrascht. Ich lag mit meiner bildlichen Einschätzung fast zu 99 % falsch. Das finde ich absolut erstaunlich. Wir haben uns zu Beginn auch nicht so recht getraut, uns richtig zu unterhalten, da uns ja jeder scheinbar hören konnte (was bei Licht ja auch nicht anders ist). Diese Scheu lässt dann aber nach. Ich habe mich sehr schwer damit getan, einzuschätzen, wie groß der Raum wohl ist und wie viele Gäste sich gerade darin befinden. Zu Beginn war es recht voll und wusselig und ein Stimmengewirr schalte uns entgegen. Es wurde nach und nach immer leerer und da konnte man schon besser die einzelnen Stimmen und Richtungen zuordnen. Die Augen versuchen in der ungefähr ersten halben Stunde krampfhaft, irgendetwas zu fixieren. Das hat meine Augen so ein bisschen ermüdet, aber auch das legt sich wieder.
Beim Essen und Trinken empfand ich die Erfahrung als neu, aber nicht soooo erschreckend. Damit kam ich ganz gut zurecht und ich fand es spannend, welche Geschmacksrichtung jetzt wieder in meinem Mund landet. Natürlich muss man da in gewisser Weise ein wenig dem Restaurant vertrauen, dass die Speisen in Ordnung sind. Der Aspekt „Das Auge isst mit“ entfällt hier natürlich und man konzentriert sich nur auf den Geschmack und die Konsistenz des Essens.
Normalerweise achtet man in der Öffentlichkeit ja schon ein wenig auf seine Körperhaltung. In der ersten Zeit habe ich das auch im Dunkelraum so gemacht – gerade sitzen, Beine übereinanderschlagen, Hände leicht auf dem Tisch. Mit der Zeit vergeht das dann ein wenig und ich habe mich dabei ertappt, dass ich die Ellbogen auf den Tisch gestellt, meine Beine lang ausgestreckt und mich auf dem Stuhl nach unten sacken gelassen habe. Alles unter dem Motto: Mich sieht ja keiner :-).
Zur Begrüßung gibt man bei uns im Höchstfall die Hand. Körperkontakt ist ja gerade bei fremden Leuten eher ungewöhnlich und wir sind da ja eher ein wenig steif. In einem Restaurant hält der Kellner Abstand und vermeidet normalerweise den Körperkontakt. Hier geht es natürlich oftmals gar nicht anders, was ich absolut nicht als unangenehm, aber als ungewohnt empfunden habe. Schon beim Reingehen nahm der Kellner meine Hand und legte sie auf seine Schulter. Wie hätte ich sonst auch den Tisch finden sollen? Beim Essen reichen fasst er einem an die Schultern, damit er weiß, wo die Teller hinkommen. Die Hände berühren sich, wenn er einem das glas reicht oder zeigt, wo er es abgestellt hat. Der kellner fragte mich im Laufe des Abends riechend, was ich denn für ein Parfüm tragen würde. Das riecht gut. Im normalen Restaurant hätte ich da schon ein wenig verdutzt geschaut, wenn mir da jemand so nahe gekommen wäre. Das alles war keine blöde Anmache, sondern einfach nur nett gemeint und notwendig (oftmals zum Schutz meiner Kleidung). Sehr ungewohnt!
Fazit
Für mich persönlich war der Besuch in einem Dunkelrestaurant absolut erstaunlich und sowohl eine faszinierende als auch erschreckende Erfahrung. Ich habe vorher irgendwie geglaubt, da ich ziemlich schlechte Augen habe und ohne Kontaktlinsen auch schon ein kleiner Maulwurf bin, dass das Blindsein ohne Frage sehr schlimm sein muss, aber für ein paar Stunden in einem Restaurant nicht so ein Chaos in einem auslöst. Man sieht wirklich gar nichts – es ist komplett schwarz. Keine Umrisse, keine Schatten, keinerlei Fixierungspunkte! Das hat mich am Anfang absolut entsetzt, hilflos gemacht und ich habe mich sehr unwohl gefühlt. Ich war nur mit dem Schwarz beschäftigt. Die fehlende Raum- und Menscheneinschätzung hatte ich mir bereits im Vorfeld auch so vorgestellt. Das Essen und Trinken selber ist sehr spaßig und einfach mal als ein Erlebnis zu sehen.
Da ich einige Jahre davor ja bereits in Köln in so einem Restaurant war, hatte ich natürlich schon eine gewisse Vorstellung von dem Ablauf und den zu erwartenden Empfindungen. Vielleicht habe ich jetzt beim zweiten Besuch ein wenig mehr auf Kleinigkeiten geachtet. Nun speziell zum FINSTER in Essen. Ich war mittlerweile auch hier in Bochum in einem Dunkelrestaurant und habe daher natürlich ganz gute Vergleichsmöglichkeiten. Die Location in Essen sieht sowohl von außen, als auch von innen ein wenig wie eine normale Kneipe aus. Alles ein wenig düster und „verbraucht“! In Bochum und auch Köln ist hier das Erscheinungsbild einfach um einiges freundlicher, heller, moderner, edler und einladender. Das ist zum einen natürlich Geschmackssache und zum anderen wurde das Restaurant in Essen bereits 2001 als erstes Restaurant dieser Art im Ruhrgebiet eröffnet und da hat man vielleicht noch nicht so viel Wert auf diese Dinge gelegt. Positiv finde ich, dass es gleich auf der anderen Straßenseite ein Parkplatz bereit steht, so dass man nicht noch lange nach einem Abstellplatz für sein Auto suchen muss. Das Personal im Vorraum, also zur Begrüßung und Einführung, habe ich etwas unfreundlich, uninteressiert und wortkarg empfunden. Die Frau machte auf mich einen genervten Eindruck, so unter dem Motto „Jetzt sind schon wieder Gäste da und alles wieder von vorne“. Man ließ uns da zum Teil einfach etwas blöd in der Ecke stehen und das macht einfach keinen guten Eindruck. Der Wohlfühleffekt, der in Köln und Bochum sofort da war, kam hier leider nicht zustande. Es kann sein, dass wir an diesem Tag einfach das falsche Personal erwischt haben. Daher möchte ich jetzt hier auch nicht pauschal sagen, dass das Personal unfreundlich ist. Vielleicht ist dem Laden auch noch nicht bewusst, dass sie durch Bochum eine Konkurrenz haben. Der uns zugewiesene Kellner hingegen war einfach nur klasse. Schon bei der Begrüßung ist er uns sehr herzlich, locker und freundlich entgegengetreten. Er war den ganzen Abend über unsere Ansprechperson und meinte gleich zu Beginn, dass wenn wir etwas wünschen, einfach laut im Raum nach ihm rufen sollten. Er würde dann sofort kommen. Dieses Versprechen hat er auch stets eingehalten. Er hatte eine vertrauensvolle Art an sich, was hier auch wichtig ist. Während des Abends hat er gerne mal den einen oder anderen Scherz gemacht (hat uns gerne mal erschreckt), netten Smalltalk mit uns gehalten und war für uns immer greifbar. Manchmal war es schon ein wenig unheimlich, wie lautlos er umhergelaufen ist. Trotz allem wurde er nicht nervig oder anstrengend, was man ja auch schon mal häufiger erlebt. Wir hatten ausreichend Zeit um uns erst mal mit der Situation zu befassen, Eindrücke zu sammeln und miteinander alleine darüber zu sprechen. Ich persönlich kam mit seiner Art hervorragend zurecht und ich glaube, dass er bezüglich der Gäste ein sehr gutes Feingefühl besitzt.
Ich hatte das Gefühl, dass das Essen sehr zügig serviert worden ist. In Köln hatten wir immer sehr ausgedehnte Pausen dazwischen, die einfach zu lang waren. Hier war das Timing um einiges besser. Das Essen selber war wirklich sehr lecker. Besonders hat mir die Nachspeise gefallen, da sie so vielfältig war. Über das Preis-Leistungsverhältnis kann man sich jetzt natürlich streiten. Es ist zunächst natürlich viel Geld, was man dort hinlegt. Ich kann nicht so recht beurteilen, ob das Essen rein von der Qualität her sein Geld wert war. Durch das nicht sehen der Speisen verwischt da meine Einschätzung ein wenig. Es war definitiv alles frisch, lecker und mundig. Auf der anderen Seite habe ich mir im Nachhinein auch überlegt, was ich in einem normalen Restaurant für ein 3 Gänge Menü plus Getränke bezahlt hätte (zumeist bestelle ich mir nur halt dort keine 3 Gänge) und kam zu dem Entschluss, dass es da auch nicht günstiger gewesen wäre. Hier bezahlt man natürlich auch ein wenig die Idee mit, was ich aber auch in Ordnung finde. Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr dort mal zu zweit hingehen solltet, bestellt auf jeden Fall das gleiche Menü. Dann lässt es sich gemeinsam besser raten, was da so in den Mund wandert. Die unterschiedliche Meinung dazu ist verblüffend. Ich war zum Beispiel davon überzeugt, Kartoffelklöße zu essen – mein Bekannter meinte, dass es Kroketten sind. Im Enddefekt waren es dann Schupfnudeln. Erstaunlich, dass man manche Dinge wirklich nicht errät und andere einem sofort klar sind. Das Eis und die Sahne habe ich sofort erkannt. Woran das wohl liegen mag?!
Wenn man mal auf die Toilette oder auch ein Raucherpäuschen einlegen möchte, kann das natürlich problemlos machen. Der Kellner führt einen dann einfach raus und später wieder rein. Obwohl ich rauche, habe ich das nicht getan, da ich einfach nicht so ein Cut dazwischen haben wollte, sondern mich einfach für 3 Stunden auf die Dunkelheit einlassen wollte.
Alles, was das Essen selber und die Betreuung im verdunkelten Raum betrifft, kann ich dieses Restaurant absolut weiterempfehlen. Hier hat man sich hervorragend betreut gefühlt, das Essen war gut und wurde sehr schnell serviert. Die Atmosphäre und Betreuung davor und danach war einfach nicht so toll und ich fühlte mich dort einfach nicht so recht wohl. Das lief in Köln und Bochum wesentlich besser ab. Für mich waren die Besuche in den Dunkelrestaurants einfach eine großartige Erfahrung, die ich auch im Nachhinein nicht mehr missen möchte. Absolut faszinierend und erschreckend, welche Gefühle die Dunkelheit in einem auslösen. Probiert es einfach mal aus!!!!!
75 Bewertungen, 15 Kommentare
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13.10.2011, 02:20 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollHabe auch schon davon gehört. Super Bericht. Lg
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30.08.2011, 17:26 Uhr von ThomasKu
Bewertung: besonders wertvollSehr guter Bericht! Würde mich über Gegenlesungen freuen! MfG ThomasKu
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23.08.2011, 11:05 Uhr von giselamaria
Bewertung: besonders wertvollfinde ich toll :-) - naja - aber interessant auf jeden Fall - bw - LG gisela
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22.08.2011, 07:10 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße und einen schönen Montag
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19.08.2011, 21:41 Uhr von The_Ghostwriter
Bewertung: besonders wertvollAuch hier kann ich nicht anders. Klares BW. LG, Claus
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19.08.2011, 20:19 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollInteressant. BW und liebe Grüße!
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19.08.2011, 15:49 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollSchöne Grüsse, Talulah
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19.08.2011, 15:45 Uhr von trullilu
Bewertung: sehr hilfreichGrüße schickt dir trullilu !!!
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19.08.2011, 12:25 Uhr von mima007
Bewertung: besonders wertvollbw. Viele Gruesse, mima007
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19.08.2011, 00:58 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße....KATJA
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19.08.2011, 00:05 Uhr von feliciano2009
Bewertung: besonders wertvollsehr ausführlich...
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19.08.2011, 00:00 Uhr von Hansi04
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße; Hansi04
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18.08.2011, 23:58 Uhr von morla
Bewertung: besonders wertvolllg. ^^^^^^^^^^^^^^petra
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18.08.2011, 23:51 Uhr von sani001
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße! Über Gegenlesungen würde ich mich freuen!
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18.08.2011, 23:50 Uhr von Winters09
Bewertung: sehr hilfreichSH von mir =)
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