Der Augensammler (gebundene Ausgabe) / Sebastian Fitzek Testbericht

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ab 11,12
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  gering
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von BulmaZ

Spielen ist Experimentieren mit dem Zufall.

3
  • Niveau:  anspruchslos
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  durchschnittlich
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Auch, wenn ich Thriller und Co. derzeit mehr als über habe, komme ich doch nicht umhin, direkt zuzuschlagen, wenn einer meiner favorisierten Autoren einen neuen Roman auf den Markt wirft. Immerhin musste ich gut ein Jahr auf neuen Lesestoff warten, da darf nun keine Zeit mehr verschwendet werden. Sodann begann ich umgehend, folgendes Buch zu lesen:

Der Augensammler – Sebastian Fitzek

+++ Bezugsquelle & Preis +++

Gekauft habe ich den gebundenen Roman bei www.buecher.de.
Dort habe ich 16,90 € bezahlt.

+++ Eckdaten +++

Titel: Der Augensammler
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsjahr:2010
Genre: Psychothriller
Seitenanzahl: 442 Seiten

+++ Der Autor +++

Sebastian Fitzek (* 13. Oktober 1971 in Berlin) ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Bis heute lebt er in seiner Heimatstadt und arbeitet in der Programmdirektion des Berliner Radiosenders 104.6 RTL. Er studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands. […]

Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein Erstlingswerk „Die Therapie“ erschien im Juli 2006 im Droemer Knaur Verlag, wie auch seine darauf folgenden. Die Filmrechte an dem Buch kaufte die Odeon Film AG. Im Jahr 2007 wurde „Die Therapie“ als bestes Krimi-Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Fitzeks nächster Thriller „Amokspiel“ erschien im April 2007, für den die Goldkind Film AG die Filmrechte kaufte.
Fitzeks Werke sind bislang in 20 Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren wird er auch in England und den USA verlegt.

Quelle: www.wikipedia.de

+++ Der Augensammler +++

Seit der ehemalige Unterhändler Alexander Zorbach in Notwehr eine Frau erschossen hat, die damit gedroht hat, ein Baby zu töten, ist nicht mehr viel wie es war. Inzwischen ist Zorbach kein Polizist mehr, sondern Journalist und auch seine Ehe ist inzwischen zerrüttet.

Das größte Kopfzerbrechen allerdings macht ihm die aktuelle Mordserie in Berlin. Ein irrer Serienkiller geht um, tötet die Mütter und entführt die Kinder. Er gibt den Vätern 45 Stunden Zeit, um die Kinder zu finden, ehe auch sie sterben. Gerade, als Alexander seine Gedanken auf seinem Hausboot etwas ordnen will, schneit die blinde Alina bei ihm herein und behauptet, sie habe den Augensammler in ihrer Physiotherapiepraxis behandelt und konnte während der Behandlung in seine Vergangenheit sehen. Alexander glaubt zunächst an einen schlechten Scherz. Als an einem der Tatorte aber plötzlich sein verloren geglaubtes Portemonnaie auftaucht und er zum Verdächtigen wird, beginnt ein mörderisches Katz- und Mausspiel…

+++ Eindrücke +++

Pünktlich zum Sommer beglückt Sebastian Fitzek seine Fans mit einem brandneuen Roman, auf den man vermutlich schon sehnsüchtig nach Beendigung von „Splitter“ gewartet hat. Zwar klingt der Plot in der kurzen Inhaltsangabe im Klappentext nicht nach dem gewohnt mysteriösen Reißer. Dennoch dürfte wohl jeder, der Fitzeks Geschreibsel etwas abgewinnen kann, guten Glaubens zugreifen. Die Erwartungen sind also nicht eben gering, weswegen man wohl nicht umhin kommt, sich zu fragen, ob diese an Massenproduktion grenzende Regelmäßig an Erscheinungen immer noch jene Erwartungen erfüllen kann. Nun – „Der Augensammler“ kann es nicht.

Dabei fängt der Roman doch so vielversprechend und innovativ an. Fitzek ist ja dafür bekannt, dass er sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt. So tut er dies auch hier. Er beginnt seine Geschichte einfach mal mit einem Epilog und seine erste Seite ist rein zahlenmäßig die Letze, weswegen die Seitenzahlen absteigen, umso weiter man voranschreitet. Einfach genial! Was nun noch fehlt, ist der typische Plot, der einen Hauch Mysteriöses mit gediegenem Thriller verbindet. Das Mysteriöse ist diesmal wenig auffindbar. Zwar versucht der Autor jene Spur an Unerklärbarem in Form der blinden Physiotherapeutin Alina in die Geschichte zu streuen, aber so richtig zündet dies nicht. Für einen bodenständigen Thriller ist das Ganze zu aberwitzig. Sicherlich hätte es am Ende wieder stimmen können, wenn alles anders gekommen wäre, als es letztlich kommt. Dennoch – das richtig Fitzek – Feeling mit einer Nuance Grusel fehlt gänzlich. So ist „Der Augensammler“ eigentlich objektiv, hypefrei und vollkommen die Fanliebe außen vor lassend betrachtet nur noch eines: ein durchschnittlicher Thriller. Sicher – dieser Thriller ist ob seiner Durchschnittlichkeit immer noch um Längen besser, als vieles anderes, das uns in den Bestsellerlisten als „Page Turner“ schmackhaft gemacht wird. Dennoch – etwas fehlt. Vielleicht liegt es daran, dass Herr Fitzek auf Biegen und Brechen jedes Jahr zu selben Zeit einen neuen Roman auf den Markt wirft. Möglicherweise sollte er sich, zumindest für die anspruchsvollen Thrillerfans, etwas mehr Zeit lassen, ehe er etwas Neues bringt.

Die Geschichte an sich ist gar nicht so sehr der Grund dafür, dass „Der Augensammler“ zur Durchschnittlichkeit verkommt. Vielmehr ist es die Umsetzung, die dem Leser eigentlich nur ein müdes Lächeln abringen kann. Der Roman ist nach dem klassischen Strickmuster aufgebaut, wo man angesichts des unorthodoxen Gestaltens der Buchnummerierung und der Vertauschung von Epilog und Prolog, doch eigentlich mehr hätte erwarten dürften. Genau hier hätte Sebastian Fitzek ansetzen müssen. Hat er aber nicht. Im Endeffekt erzählt er seine Geschichte auf dieselbe dröge und zigfach dagewesene Art und Weise wie jeder drittklassige Thrillerautor aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Schade – dabei war Sebastian Fitzek doch immer ein herausragendes Beispiel dafür, dass auch Deutsche das Zeug zu einem guten Thrillerautor haben. Der Verlauf der Geschichte ist einfach zu linear, er bietet keine Überraschungen und nichts, was man nicht schon im Vorfeld ahnt. Im Prinzip handelt es sich hier um die typische Schnitzeljagd – nur eben zwischen einem Exbullen und dem Serientäter. Apropos Serientäter – dessen Motive sind übrigens sehr hanebüchen und unglaubwürdig. Es wirkt fast so, als haben sie auf Biegen und Brechen am Ende zusammengeschustert werden müssen. Wie wäre es stattdessen, wenn sich mal ein Autor trauen würde, die Motive seines Killers außen vor zu lassen. Muss er denn immer eine ach so fiese Kindheit gehabt haben? Muss er von Frauen immer gemein behandelt worden sein? Wie wäre es, wenn er einfach nur des Spaßes wegen tötete? Dies wäre doch ein deutlich spannenderer Ansatz als immer nur dasselbe Küchenpsychoblabla.

Am Stil Fitzeks hat sich auch hier nichts geändert. Er bleibt sich treu, was man als gut oder schlecht sehen kann. Der Stil ist nach wie vor simpel und vor allem flott zu lesen. Keine großartig langen Satzkonstruktionen, wenig wörtliche Rede, wohl eingestreuter Zynismus zu diesem und jenem aktuellen oder weniger aktuellen Thema – klasse. Nach wie vor. Etwas über das Ziel hinaus geschossen allerdings er, indem er versucht hat, möglichst viele verschiedene Perspektiven unterzubringen. Denn so lesen wir nicht nur die Passagen des Protagonisten, Alexander Zorbach, aus der Ich – Perspektive, sondern bekommen als Kompott noch die Sichtwese von Alina, zweier Polizisten, Alexanders Volontär und des eingesperrten Jungen. All dies übrigens, ohne ersichtliches Muster. Es gibt mal mehr, mal weniger Kapitel von dieser oder jener Figur. Einen tieferen Sinn scheint es nicht zu geben, außer dem vielleicht, dass der Autor möglicherweise versucht hat, den Plot von vielen Seiten zu beleuchten. Gut gefallen dürfte Lesern, die auf einen guten Stil Wert legen, aber wohl die klare Abgrenzbarkeit gefallen haben, was die E-Mails des Augensammlers und des restlichen Stils betrifft. Die Mails sind stilistisch ganz anders – böse, diabolisch, suggestiv. Dies gefällt.

Die Figuren sind mal wieder ganz typisch Fitzek.
Allen voran wohl die klassische Männerfigur Alexander Zorbach. Wie schon einige andere männliche Protagonisten zuvor, lebt auch er in einer zerrütteten Ehe und fristet ein bescheidenes Dasein voller Schuldgefühle und Selbstzweifel. Für einen flotten Spruch allerdings, ist er sich nie zu schade. Alexander ist sympathisch, keine Frage. Aber er versinkt im Fitzek’schen Einheitsbrei der männlichen Charaktere, die immer wieder gleich gestrickt sind. Schade eigentlich. Etwas besser gelungen hingegen ist die blinde Alina Greoriev. Bei ihr merkt man, was Fitzek in den Danksagungen bestätigt: eine immense Recherchearbeit über das Leben und vor allem die Klischees von und über Blinde. Rein vom Charakter her ist Alina aber auch wieder eher bekannt und damit belanglos. Wäre sie nicht blind und hätte keine Visionen, wäre sie der pure Durchschnitt. Alle anderen agierenden Figuren sind nicht mehr als das, was sie vermutlich absichtlich sein sollten: Randfiguren, Nebendarsteller.

Alles in allem hat mich „Der Augensammler“ maßlos enttäuscht. Alle bisherigen Romane Fitzeks waren klasse und wirklich ausnehmend spannend, immer schlüssig aufgelöst, immer irgendwie innovativ. Der aktuelle Roman hingegen ist konstruiert und durchschnittlich. Etwas, das man nicht von einem Roman dieses Autors erwartet. Der Plot ist nett, die Umsetzung unspektakulär. Die Figuren ähneln sich von Buch zu Buch immer mehr, was auf Dauer auch an der Qualität zieht. Am Ende bleibt ein ganz netter Thriller, den man wohl, so man einen Funken Anspruch an dieses Genre im Leib hat, schnell wieder vergessen hat. Zukünftig sollte der Autor eher auf Klasse statt Masse setzen.

39 Bewertungen, 9 Kommentare

  • jenny_1610

    07.09.2010, 23:52 Uhr von jenny_1610
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und liebe Grüße, Jenny

  • Baby1

    16.06.2010, 23:20 Uhr von Baby1
    Bewertung: besonders wertvoll

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • XXLALF

    16.06.2010, 22:11 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    und ganz liebe grüße

  • Engal00

    16.06.2010, 11:59 Uhr von Engal00
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und liebe Grüße Engal00

  • Janosch89

    16.06.2010, 11:27 Uhr von Janosch89
    Bewertung: besonders wertvoll

    Toller Bericht. Würde mich über Gegenlesungen freuen.

  • ullams

    16.06.2010, 11:14 Uhr von ullams
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. LG, ullams

  • Michaela2015

    16.06.2010, 10:44 Uhr von Michaela2015
    Bewertung: sehr hilfreich

    viele grüssle, michi

  • Janne0033

    16.06.2010, 10:38 Uhr von Janne0033
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht LG Janne0033

  • Ringer93

    16.06.2010, 10:09 Uhr von Ringer93
    Bewertung: sehr hilfreich

    würd mich freuen wenn du ma wieder bei mir lesen würdest ;)