Wells, Dan Ich bin kein Serienkiller Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
„Ich war allein, doch ich war wieder ich Selbst.“
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
„Die Leute eilten umher, erledigten ihre kleinen Jobs, ernährten ihre kleinen Familien und schrien ihre bedeutungslosen Gefühle in die Welt hinaus, und ich sah von der Außenlinie zu und verstand das alles nicht. Das bringt manche Soziopathen dazu, sich überlegen zu fühlen, als wären die ganze Menschheit nur eine Herde von Tieren, die man jagen und niederstrecken kann. Andere empfinden eine heiße, eifersüchtige Wut, weil sie unbedingt haben wollen, was ihnen verwehrt bleibt. Ich fühlte mich nur einsam wie ein Blatt, das kilometerweit neben dem riesigen allgemeinen Haufen liegt.“
_(Zitat, S. 74)
Bei meinem gestrigen Spontanbesuch der Meyerschen Buchhandlung, wo ich eigentlich „Nichts“ suchte, fielen mir gleich zwei Taschenbuchausgaben ins Auge, die sich ausschließlich von der Aufmache und dem Preis her unterschieden. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich für die günstigere - 9,95 € - Variante und kaufte das als Thriller deklarierte 380 Seiten umfassende Buch
===Ich bin kein Serienkiller=== seitens des Autoren Dan Wells. Natürlich erinnerte ich mich, dass mir der Titel schon von irgendwo her vertraut war, warf einen tieferen Blick in die Lektüre, bis der Herr an der Kasse schon leicht ungeduldig zu werden schien ~ und war so lange bester Dinge, bis ich die Seite 139 erreichte.
Tatsächlich nahm mich der Schreibstil von der ersten Zeile an gefangen, die Ich-Perspektive des 15jährigen John Wayne Cleaver involviert genau die Art sezierender, trockener Feststellungen, mit denen ich mich Tag für Tag auseinandersetzen könnte, eben weil die gewisse Tiefe hier ebensowenig fehlt (vgl. hierzu S. 9; _„Das Schlimmste war dabei nicht einmal die Verwesung, sondern die Tatsache, dass es volle drei Tage dauerte, bis jemand fragte: 'Sag mal, wo steckt eigentlich die alte Dame, die da unten am Kanal wohnt?' Das ist nicht besonders würdevoll.“_)
Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte lässt nicht lange mit seiner Offenbarung auf sich warten: John hilft hin und wieder seiner Mutter nebst Tante im Bestattungsunternehmen aus; besucht obendrein aufgrund seiner intensiven Faszination für Serienmörder einen Therapeuten. Als die erste Leiche im Institut eintrifft, die buchstäblich zerfetzt wurde, steigert sich John so sehr in die Situation hinein, dass seine Mutter Angst bekommt. Angst um und vor ihrem eigenen Sohn, wohlgemerkt. Dass dieser ohnehin gewisse Regeln aufstellte, um nicht der Gefahr zu erliegen, selbst zum Serienkiller zu mutieren, ahnt sie bis dato noch nicht.
===In der Umsetzung=== liest sich „Ich bin kein Serienkiller“ wie gesagt sehr sehr gut, flüssig, schlüssig, einfühlsam und gleichermaßen bedrückend. Es geht nicht lediglich um den vermeintlichen Serienkiller, der hier sein Unwesen treibt und obendrein seinen Opfern immer ein anderes Körperteil entnimmt; überdies handelt das Buch vom Außenseiterdasein, davon, was es heißt, offiziell als „antisoziale Persönlichkeit“ zu gelten, von Familie, Zwecken einer Freundschaft und Zweckfreundschaften. Vieles geht unter die Haut, berührt auf unnachahmliche Art, während man sich gleichzeitig über Johns flappsig-sarkastische Art wunderbar amüsieren kann:
„Es war eine großartige Vorstellung und sicherlich sehr nützlich, offiziell als Soziopath zu gelten. Beispielsweise gab es dann keine nervigen Gruppenprojekte in der Schule mehr.“
_(Zitat, S. 49)
Überdies kommt der gewisse Grusel-Faktor hier nicht zu kurz, gerade die detaillierten Beschreibungen bezüglich der Arbeiten eines Bestattungsunternehmens dürften zart besaiteten Lesern hin und wieder zu viel des Guten sein; '''während sich andere über den hohen Wiedererkennungsfaktor ihres eigenen Wissens rund um Serienmörder freuen dürften.'''
Der Umstand, dass ich wie gesagt ab der ungefähren Seite 139 ziemlich dumm aus der Wäsche guckte, ist einerseits meiner eigenen Art, den sehr frühen Hinweis bezüglich eines Dämons (!) zu ignorieren bzw. stattdessen im übertragenden Sinne zu verstehen. Darüber hinaus trägt das Buch selbst auf der Covergestaltung die unübersehbaren Genrezugehörigkeit „Thriller“; ebenso offenbart der Klappentext nichts vom Reich der Horror-Fantasy.
Lediglich der geübte Blick auf die empfohlenen Bücher, die im Anhang genannt werden, hätte angebrachte Skepsis erwecken können. Überdies fehlt auch nicht unterhalb der Preisangabe der dezente Hinweise auf die Webseite: www.piper-fantasy.de.
'''Obschon ich das Buch tatsächlich nicht schlecht fand, würde ich die Deklarierung „Thriller“ schlicht und ergreifend als absolute Unverschämtheit des Verlages bezeichnen.''' Dass die Meyersche Buchhandlung die Lektüre somit ebenfalls falsch einsortierte, schiebe ich hier und heute ebenfalls in die verlagszugehörigen Schuhe.
Bis zuletzt hegte ich die persönliche Lese-Hoffnung, dass sich eine meiner Ahnungen im weiteren Verlauf bestätigen würde und dass der sog. „Thriller“ somit tatsächlich einer sein würde. Stattdessen erinnerte mich vielmehr an den Autoren Christopher Moore, der seinerseits stetig über Dämonen zu erzählen weiß, ohne hierbei einen absolut ernsten Ton anzuschlagen.
Sicherlich darf man „Ich bin kein Serienkiller“ nicht als humoristische Darbietung missverstehen ~ auch würde ich persönlich sagen, dass es sich um keine reinen Fantasy-Horror handelt. Viel zu intensiv-einfühlsam und weitreichend handelt die Geschichte dafür von der Psyche John's, seinen diffizilen Versuchen, „normal“ zu wirken. Momente, aus denen deutlich hervorgeht, dass er die Verhaltensweisen seiner Mitmenschen kopiert, um nicht weiter als „Freak“ zu gelten, berührten mich als Leser zutiefst und versöhnten mich sogar ein wenig mit der unabstreitbaren Irreführung des Verlages. Ein wenig, wohlgemerkt.
===Summa summarum=== las ich das Buch ohne Unterbrechung am gestrigen Vor-Abend. Meine geschmälerte Begeisterung sowie dem schlussendlichen Punktabzug basiert wie gesagt auf der völlig falschen Vermarktung der Lektüre. Zwar könnte man darüber streiten, ob die Einordnung ins die „Fantasy“Abteilung treffsicherere gewesen wäre, eben weil es sich hier vorrangig tatsächlich um eine Art Psychodrama mit Thrilleraspekt handelt; doch der Ausflug ins Reich der Fantasy ist zweifellos gegeben. Nicht zuletzt fand ich den Ausgang bzw. die Reaktion seitens Johns Mutter auf die Begegnung mit dem Dämon arg grenzwertig, so dass ich jene Passagen mit einem meiner skepsisgetränkten Dackelblicke quittierte. Erfreulicherweise verzichtet „Ich bin kein Serienkiller“ auf hanebüchene End-Kämpfe, wie man sie immer und immer in zig Veröffentlichungen wieder (re-)präsentiert bekommt ~ doch es ist, wie es ist: hätte ich gewusst, dass es sich hier um eine „bu-hu, ich bin's, der Dämon, der Ersatzteile braucht“ Geschichte handelt... ich wäre weitergestapft und hätte mich eben doch für ein anderes Buch entschieden.
Was allerdings auch schade gewesen wäre. Denn un-lesenswert ist „Ich bin kein Serienkiller“ tatsächlich nicht. Da ich nun allerdings weiß, mit welchem (für mich nur sehr gering faszinierenden) Inhalt sich die Fortsetzung „Mr. Monster“ befassen wird, wird mich dieses Buch dann nicht mehr zum Kauf verführen können.
Zu guter letzt bleibt festzuhalten, dass die Danksagung des Autors unabstreitbar liebenswert gestaltet wurde und ich Dan Wells jederzeit zum Tee treffen würde ~ doch der Piper-Verlag, der gehört verhauen.
Ergo des Ergos: vier Sternchen und eine „keine Ahnung, weil das Buch halt in keinerlei Hinsicht sein kann, was der Leser erwartet“ Neutralitäts-Empfehlung.
_(Zitat, S. 74)
Bei meinem gestrigen Spontanbesuch der Meyerschen Buchhandlung, wo ich eigentlich „Nichts“ suchte, fielen mir gleich zwei Taschenbuchausgaben ins Auge, die sich ausschließlich von der Aufmache und dem Preis her unterschieden. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich für die günstigere - 9,95 € - Variante und kaufte das als Thriller deklarierte 380 Seiten umfassende Buch
===Ich bin kein Serienkiller=== seitens des Autoren Dan Wells. Natürlich erinnerte ich mich, dass mir der Titel schon von irgendwo her vertraut war, warf einen tieferen Blick in die Lektüre, bis der Herr an der Kasse schon leicht ungeduldig zu werden schien ~ und war so lange bester Dinge, bis ich die Seite 139 erreichte.
Tatsächlich nahm mich der Schreibstil von der ersten Zeile an gefangen, die Ich-Perspektive des 15jährigen John Wayne Cleaver involviert genau die Art sezierender, trockener Feststellungen, mit denen ich mich Tag für Tag auseinandersetzen könnte, eben weil die gewisse Tiefe hier ebensowenig fehlt (vgl. hierzu S. 9; _„Das Schlimmste war dabei nicht einmal die Verwesung, sondern die Tatsache, dass es volle drei Tage dauerte, bis jemand fragte: 'Sag mal, wo steckt eigentlich die alte Dame, die da unten am Kanal wohnt?' Das ist nicht besonders würdevoll.“_)
Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte lässt nicht lange mit seiner Offenbarung auf sich warten: John hilft hin und wieder seiner Mutter nebst Tante im Bestattungsunternehmen aus; besucht obendrein aufgrund seiner intensiven Faszination für Serienmörder einen Therapeuten. Als die erste Leiche im Institut eintrifft, die buchstäblich zerfetzt wurde, steigert sich John so sehr in die Situation hinein, dass seine Mutter Angst bekommt. Angst um und vor ihrem eigenen Sohn, wohlgemerkt. Dass dieser ohnehin gewisse Regeln aufstellte, um nicht der Gefahr zu erliegen, selbst zum Serienkiller zu mutieren, ahnt sie bis dato noch nicht.
===In der Umsetzung=== liest sich „Ich bin kein Serienkiller“ wie gesagt sehr sehr gut, flüssig, schlüssig, einfühlsam und gleichermaßen bedrückend. Es geht nicht lediglich um den vermeintlichen Serienkiller, der hier sein Unwesen treibt und obendrein seinen Opfern immer ein anderes Körperteil entnimmt; überdies handelt das Buch vom Außenseiterdasein, davon, was es heißt, offiziell als „antisoziale Persönlichkeit“ zu gelten, von Familie, Zwecken einer Freundschaft und Zweckfreundschaften. Vieles geht unter die Haut, berührt auf unnachahmliche Art, während man sich gleichzeitig über Johns flappsig-sarkastische Art wunderbar amüsieren kann:
„Es war eine großartige Vorstellung und sicherlich sehr nützlich, offiziell als Soziopath zu gelten. Beispielsweise gab es dann keine nervigen Gruppenprojekte in der Schule mehr.“
_(Zitat, S. 49)
Überdies kommt der gewisse Grusel-Faktor hier nicht zu kurz, gerade die detaillierten Beschreibungen bezüglich der Arbeiten eines Bestattungsunternehmens dürften zart besaiteten Lesern hin und wieder zu viel des Guten sein; '''während sich andere über den hohen Wiedererkennungsfaktor ihres eigenen Wissens rund um Serienmörder freuen dürften.'''
Der Umstand, dass ich wie gesagt ab der ungefähren Seite 139 ziemlich dumm aus der Wäsche guckte, ist einerseits meiner eigenen Art, den sehr frühen Hinweis bezüglich eines Dämons (!) zu ignorieren bzw. stattdessen im übertragenden Sinne zu verstehen. Darüber hinaus trägt das Buch selbst auf der Covergestaltung die unübersehbaren Genrezugehörigkeit „Thriller“; ebenso offenbart der Klappentext nichts vom Reich der Horror-Fantasy.
Lediglich der geübte Blick auf die empfohlenen Bücher, die im Anhang genannt werden, hätte angebrachte Skepsis erwecken können. Überdies fehlt auch nicht unterhalb der Preisangabe der dezente Hinweise auf die Webseite: www.piper-fantasy.de.
'''Obschon ich das Buch tatsächlich nicht schlecht fand, würde ich die Deklarierung „Thriller“ schlicht und ergreifend als absolute Unverschämtheit des Verlages bezeichnen.''' Dass die Meyersche Buchhandlung die Lektüre somit ebenfalls falsch einsortierte, schiebe ich hier und heute ebenfalls in die verlagszugehörigen Schuhe.
Bis zuletzt hegte ich die persönliche Lese-Hoffnung, dass sich eine meiner Ahnungen im weiteren Verlauf bestätigen würde und dass der sog. „Thriller“ somit tatsächlich einer sein würde. Stattdessen erinnerte mich vielmehr an den Autoren Christopher Moore, der seinerseits stetig über Dämonen zu erzählen weiß, ohne hierbei einen absolut ernsten Ton anzuschlagen.
Sicherlich darf man „Ich bin kein Serienkiller“ nicht als humoristische Darbietung missverstehen ~ auch würde ich persönlich sagen, dass es sich um keine reinen Fantasy-Horror handelt. Viel zu intensiv-einfühlsam und weitreichend handelt die Geschichte dafür von der Psyche John's, seinen diffizilen Versuchen, „normal“ zu wirken. Momente, aus denen deutlich hervorgeht, dass er die Verhaltensweisen seiner Mitmenschen kopiert, um nicht weiter als „Freak“ zu gelten, berührten mich als Leser zutiefst und versöhnten mich sogar ein wenig mit der unabstreitbaren Irreführung des Verlages. Ein wenig, wohlgemerkt.
===Summa summarum=== las ich das Buch ohne Unterbrechung am gestrigen Vor-Abend. Meine geschmälerte Begeisterung sowie dem schlussendlichen Punktabzug basiert wie gesagt auf der völlig falschen Vermarktung der Lektüre. Zwar könnte man darüber streiten, ob die Einordnung ins die „Fantasy“Abteilung treffsicherere gewesen wäre, eben weil es sich hier vorrangig tatsächlich um eine Art Psychodrama mit Thrilleraspekt handelt; doch der Ausflug ins Reich der Fantasy ist zweifellos gegeben. Nicht zuletzt fand ich den Ausgang bzw. die Reaktion seitens Johns Mutter auf die Begegnung mit dem Dämon arg grenzwertig, so dass ich jene Passagen mit einem meiner skepsisgetränkten Dackelblicke quittierte. Erfreulicherweise verzichtet „Ich bin kein Serienkiller“ auf hanebüchene End-Kämpfe, wie man sie immer und immer in zig Veröffentlichungen wieder (re-)präsentiert bekommt ~ doch es ist, wie es ist: hätte ich gewusst, dass es sich hier um eine „bu-hu, ich bin's, der Dämon, der Ersatzteile braucht“ Geschichte handelt... ich wäre weitergestapft und hätte mich eben doch für ein anderes Buch entschieden.
Was allerdings auch schade gewesen wäre. Denn un-lesenswert ist „Ich bin kein Serienkiller“ tatsächlich nicht. Da ich nun allerdings weiß, mit welchem (für mich nur sehr gering faszinierenden) Inhalt sich die Fortsetzung „Mr. Monster“ befassen wird, wird mich dieses Buch dann nicht mehr zum Kauf verführen können.
Zu guter letzt bleibt festzuhalten, dass die Danksagung des Autors unabstreitbar liebenswert gestaltet wurde und ich Dan Wells jederzeit zum Tee treffen würde ~ doch der Piper-Verlag, der gehört verhauen.
Ergo des Ergos: vier Sternchen und eine „keine Ahnung, weil das Buch halt in keinerlei Hinsicht sein kann, was der Leser erwartet“ Neutralitäts-Empfehlung.
43 Bewertungen, 6 Kommentare
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09.02.2011, 12:35 Uhr von catmum68
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreicher Bericht, LG
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15.01.2011, 21:30 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^petra
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15.01.2011, 12:50 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund ganz liebe wochenendgrüße
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15.01.2011, 12:04 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht Liebe Grüsse
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15.01.2011, 11:45 Uhr von jkfs110
Bewertung: sehr hilfreichSehr schöner Bericht! Grüße jkfs110
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15.01.2011, 11:38 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
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