Salt (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 09/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von das-christian
Saltwater - ist interessanter und intelligenter!
Pro:
Angelina Jolie, Action
Kontra:
So viele Löcher im Plot, dass ein LKW reinfallen würde, spielt mit veralteten Klischees
Empfehlung:
Nein
Salt – ein hanebüchener Actionmumpitz mit Politthriller-Ambitionen, der mit einem veralteten Thema langweilt, welches nur noch Omma und Oppa interessiert. Langsam erweckt es mir den Anschein, als ob Drehbuchautor Kurt Wimmer die letzten 20 bis 50 Jahre verschlafen hat, denn schon in seinem bekanntesten Werk Equilibrium war er nicht in der Lage den Zahn der Zeit zu spüren und hat einen ebenso bescheuerten Mix an Einfallslosigkeit und dreistem Klau zusammengeschustert. Immerhin konnte er in seiner darauf folgenden Regiearbeit zeigen was er kann – nämlich Nichts - Ultraviolet war ein optisch furchtbarer Film, der nur mit seiner Hauptdarstellerin punkten konnte. Aber Wimmer begeht bei Salt den gleichen Fehler wie mit Equilibrium, der aus gutem Grund an den Kinokassen versagte. Regisseur Phillip Noyce hat seine beste Zeit (wenn überhaupt) bereits hinter sich, es war noch im letzten Jahrtausend, als er mit Filmen wie Sliver oder der Knochenjäger Zuschauer an die Kinokassen locken konnte.
Story
Unser (= USA) Feind des 21. Jahrhunderts sind selbstverfreilich die Russen. Diese haben einst, in den Zeiten des kalten Krieges, eine Rasse perfekter Killer gezüchtet (Schläfer), die vereinzelt und unauffällig zuschlagen und große Schäden anrichten, die auch politische Folgen haben, so wie es einst bei der Ermordung von John F. Kennedy der Fall war, der wurde, wie wir ja alle wissen, auch von den Russen durchsiebt. Dieses Programm nennt sich KA-12. Salt (Angelina Jolie) ist eine dieser russischen Geheimagenten. Als ein übergelaufener russischer Pate dies der CIA erzählt, in der Frau Salt arbeitet, gibt es anfangs noch Gelächter, aber schnell nehmen die Vorwürfe Formen an und Salt befindet sich ab diesem Zeitpunkt auf der Flucht. Ihr wird vorgeworfen ein Attentat auf den russischen Präsidenten ausführen zu wollen, der grad in der Stadt ist. Als der russische Präsident seine Rede hält ist Salt auch anwesend und die Vermutung wird zur Realität, denn nun ist Salt noch mehr auf der Flucht als vorher….
Kritik
Die Story ist absoluter Humbug und eine Beleidigung für den menschlichen Verstand. Ein russisches Ausbildungslager während des kalten Krieges, in dem versucht wurde Killer zu züchten, wäre ja noch tragbar, die russischen Killer für sämtliche Attentate verantwortlich zu machen ist schon leicht frech, dann natürlich auf die Idee zu kommen, dass die ganzen russischen Agenten mittlerweile beim CIA ihren Arsch breit sitzen ist weit hergeholt und die Tatsache, dass die Russen immer noch eine eiskalte Killernation sind, verdient einen kräftigen Tritt in die Poperze. Zudem prügelt und schießt sich Angelina Jolie durch die ganzen Geheimagenten(dabei müssen jedoch nur die bösen Russen mit ihrem Leben bezahlen, die Amerikanischen werden nur verletzt), dass für die Wahl des Titels „Tomb Raider III – Mission Russia“ treffender gewesen wäre. Wenn man dieses komplette Konstrukt betrachtet, kann man schnell hinter die bröckelnde Fassade blicken und sieht eine gewollt intelligente Story, die aber an zu vielen Faktoren zerbricht: das Thema ist verstaubt; zu viele Wendungen, die eigentlich nur zur gewollten Verwirrung beitragen und zu einem unmotivierten Finish führen; bescheuertes Drehbuch; Kurt Wimmer und die Tatsache, dass eine solche Satire völlig humorfrei daherkommt.
Es mangelt bei Salt an Bodenständigkeit und der Realitätssinn geht sehr früh verloren - Angelina Jolie alias Salt ist eine Art Super(Lippen)Woman ohne Cape – bedeutet also, dass es auch an Spannung mangelt, da sie sowieso in der Lage ist 12 muskelbepackte russische Profikiller in 2 Minuten auszuschalten und man Frau Salt auch fünf Meter mit dem Kopf voraus gegen eine Beton-Wand werfen kann, ohne dass sie Anzeichen von Kratzern oder Schürfwunden bekommt. Sicherlich mangelt es bei ähnlichen Vertretern wie James Bond und Jason Bourne auch manchmal an Logik, nur da hat man es mit Agenten und nicht mit Supermännern beziehungsweise -Frauen zu tun. Zumal sie dann noch wie Spider-Man die Wände entlang klettert oder mit vollbepackten Rucksack einen Fahrstuhlschacht hinunter gleitet. Zumal man bei einigen Szenen auch die Anzahl der Knochenbrüche mitzählen kann, so oft, wie sie aus einer unsäglichen Höhe auf fahrende Trucks springt.
Wer einen Actionstreifen sehen will, dem kann man diesen Film hier empfehlen, die ganzen Verfolgungsjagden und Schießereien sind gut in Szene gesetzt und es geht auch vieles zu Bruch, ob Autos, Gegenstände oder Russen. Der nahezu zeitgleich gestartete Film The Expendables ist in Sachen was Action betrifft jedoch noch einige Stufen höher und härter anzusiedeln. Insbesondere Frau Salts Flucht gestaltet sich action- und temporeich, der finale Showdown endet dann in einem Duell, welches jedoch aufgrund vorhergehender Löcher im Plot etwas an Unterhaltung einbüßen muss. Auch wenn sich die eigentliche Wahrheit der Geschichte erst gegen Ende herausstellt, so wurde gleichzeitig versucht den verzweifelten Zuschauer bei all den unnötigen Story-Twists ein paar Hinweise mit auf den Weg zu geben (wie beispielsweise mit der Spinne), was dazu führt, dass man sich noch vor der eigentlichen Aufklärung den Ausgang zusammenreimen kann und man im eben erwähnten schwachen, jedoch auch actionreichen Finish dann die Bestätigung bekommt.
Aber es gibt auch positive Dinge zu erwähnen – Angelina Jolie. Auch wenn sie ziemlich gewöhnungsbedürftige Frisuren in diesem Film hat - kann sie das Klischee der hübschen Superheldin voll und ganz erfüllen. Bereits in Tomb Raider und Wanted tat sie dies mit Bravour, hier ebenso, auch wenn dieser Film solch übernatürliche Figuren gar nicht nötig gehabt hätte. Des Weiteren fällt noch Liev Schreiber positiv auf, der lange Zeit als Einziger Frau Salt Rückendeckung gibt und seine Rolle glaubhaft spielt und gar einen Sympathiebonus bei den Ein oder Anderen Zuschauer abbekommen dürfte. Wer Liev Schreiber jedoch kennt, der weiß, was er für Rollen meist aufgebrummt bekommt, hier ist das genauso, er ist in der Rolle des Ted Winter der typische Bad Guy, eine Charakterzeichnung, die in ihrem Verlauf eigentlich auch vorhersehbar ist. Chiwetel Ejiofor kann man nicht wirklich viel vorwerfen, dass er zwar eine Rolle bekommen hat, die eigentlich nur darauf hinausläuft, genau die gegenteiligen Charakterzüge von Liev Schreiber in den parallelen Handlungssträngen aufzunehmen, aber schauspielerisch macht er das beste daraus, auch wenn an ihm ein Quotenneger verloren gegangen ist und selbst zum Ende hin keine wirklichen Sympathien aufkommen. August Diehls Auftritte, der die weibliche(!) Person an Angelinas alias Salts Seite spielt, sind eher von kurzer und unbedeutender Dauer, sie sollten wohl die sentimentale Seite des Films etwas unterstützen, was jedoch nicht gelingt, da der Film keine sentimentale Seite hat und drei Sekunden künstliche Trauer mit getrockneten Filmtränen dafür nicht ausreichen. Seit Inglorious Basterds hat er es scheinbar auch in die gehobene Hollywood-Riege geschafft und hatte hier sogar eine Szene, in der er Angelina Jolie einen Kuss geben darf, dieser Drecksack!
Bei all den tollen Plot Twists, wurde leider auch die Logik etwas außer Acht gelassen. Wieso kommt ein russischer Agent zur CIA und schwärzt seine eigene Agentin an, die ja noch einen Auftrag für ihn ausführen muss? Wieso glaubt niemand der CIA-Agentin Salt und warum will die CIA Salt gleich töten, nur weil dieser Typ sie anschwärzt (Motto: erst schießen, dann fragen)? Warum kommt Salt ohne Probleme ins weiße Haus, nur weil sie sich als Mann verkleidet (Mr. Doubtfire) und keiner in der Lage ist dies zu erkennen (würde bedeuten, wir setzen allen weiblichen Spionen Nasenbrillen auf und sie kommen überall rein)? Wieso hat Salt, nachdem sie angeschossen wurde eine Blutsträhne auf ihrem Rücken, obwohl sie eine Schutzweste trägt? Und wieso dieses seltendämliche Ende, bei dem eigentlich alles geklärt ist, dann aber doch ein anderer, spektakulärer und zugleich verwirrender, Ausgang gesucht wird?
Und da soll noch jemand von einem guten Film sprechen. Nebenbei wird uns noch klargemacht, dass alle Russen böse, teuflische und Wodkatrinkende Killer sind, die alle auf verrosteten Schiffen hausen, die Amerikaner hingegen stehen für Gerechtigkeit, das Gute und eine gewisse Wehrlosigkeit. Ich dachte die Zeit des kalten Krieges wäre vorbei, aber es ist ja auch unglaublich interessant den Braten vom letzten Jahrtausend wieder aufzuwärmen, nicht wahr, Herr Wimmer? Genau durch diese stereotypischen Darstellungen und die erwähnten Plot Holes, geht ein möglicher sozialkritischer Aspekt verloren, da die Darstellungsformen schlichtweg falsch und veraltet sind.
Fazit
Im Grunde dürfte dieser Film für das alte Mütterchen so interessant sein, wie der 480ste Ossi-Witz für Ossis. Wären noch einige anspruchsvolle Aspekte dabei gewesen, hätte man Salt noch etwas abgewinnen können, aber so bleibt nur ein plumper Actionstreifen, mit einer verzwickten Möchtegern-Story, die so stabil ist, wie eine Salzstange. Man merkt, dass krampfhaft versucht wurde eine in sich verschachtelte Geschichte zu präsentieren, die dann aber nur vor Fehlern protzt. Salt ist ein Film, dem es eindeutig an Peppa fehlt, sofern das Peppa für eine gut durchdachte und unterhaltsame Storyline steht. Schmeißt man ähnliche Vertreter wie Tödliche Weihnachten, Tomb Raider, The Transporter oder Auf der Flucht zusammen, dann entsteht so ein Film wie Salt. Hätte man fähige Menschen nun noch dahinter gesetzt, wäre er sicherlich gut geworden, aber allein zahlreiche Actionszenen und eine Angelina Jolie mit guter Fitness (oder besser gesagt, einem oder zwei guten Stunt-Doubles) und knackigem Körper, machen einen Film noch nicht sehenswert. Daher keine Empfehlung und eine ebensolche Bewertung für einen Film, der wohl bald mit einem Sequel zurückkommt.
Filminfos
Titel: Salt
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Regie: Phillip Noyce
Drehbuch: Kurt Wimmer
Darsteller: Angelina Jolie, Liev Schreiber, Chiwetel Ejiofor, Yara Shahidi, Zoe Lister Jones, Gaius Charles, Victor Slezak, August Diehl…
29 Bewertungen, 8 Kommentare
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16.04.2011, 20:50 Uhr von yeppton
Bewertung: sehr hilfreichwie auch immer, deine Meinung in einem guten, persoenlichen Bericht, Lg Markus
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13.11.2010, 13:22 Uhr von Lucky130
Bewertung: sehr hilfreichFreue mich sehr über Gegenbesuche!
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06.11.2010, 21:14 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichschönes wochenende lg. petra
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06.11.2010, 20:21 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvollund ein wunderschönes wochenende
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06.11.2010, 18:41 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße von der KATJA
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06.11.2010, 18:40 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima vorgestellt! GLG
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06.11.2010, 18:39 Uhr von Lanch999
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht! LG von Lanch999 Würd mich freuen wenn du bei meinen Berichten vorbeischaust! :D
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06.11.2010, 18:38 Uhr von knoopiwahn
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße von knoopiwahn!
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