Domestic Violence (DVD) Testbericht

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ab 48,46
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

Privatsache. Privatsache?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Bezüglich asiatischer Filmproduzenten bin ich offen gestanden im vorhinein immer ein wenig skeptisch. Zu rasch lässt sich im Groben und Ganzen beinahe alles Dargebotene in entweder ultra-fies oder aber eher-oberflächlich einsortieren. Die Grauzone dazwischen wird meiner bisherigen Erfahrung nach eher selten abgedeckt. Bei dem 85minütigen

===Domestic Violence=== scheint auf dem ersten Blick erkennbar, dass es sich nicht nur um Laiendarsteller, sondern darüber hinaus um eine recht billige Produktion handeln mag, die bezüglich der gestalterischen Qualität an „Downloading Nancy“ erinnert.
Ohne Umschweife hingegen zeigt bereits die erste Szene Yasuko, die von Wundmalen übersät ist. Wenige Sekunden darauf fällt der Blick auf eine Art Fragebogen, dessen Antworten typische für misshandelte Frauen sind. Schon allein dank dieser ersten Kameraeinstellung weiß der Zuschauer direkt, auf was er sich eingelassen hat: das bedrückte Gefühl wird ihn nur in den Szenen verlassen, in denen es der puren Fassungs- und Verständnislosigkeit weicht.
Die Frage

_“Wie muss ich mich verhalten, damit er zu seinem alten Ich zurückkommt?“
ist nur eine derjenigen, die Yasuko sich stellt. Doch nicht nur sie selbst gibt sich persönlich die Schuld daran, dass ihr Mann Shogo sie erst spontan auf der Straße mit einem Regenschirm schlägt, wenig später ihr Konto auflöst und vehement „bittet“, sie solle ihren Job kündigen. Schließlich wolle man ein gemeinsames Kind; die Jobaufgabe sei von Eheanfang an beschlossene Sache gewesen. Regelrecht erschütternd Shogos sexueller Übergriff auf Yasuko, die mit schwerer Grippe im Bett liegt ~ das kaltherzig geäußerte
„Die zwei Minuten wirst du doch wohl aushalten“
offenbart auf vielerlei Hinsicht eine denkwürdige Logik.
In Ihrer Verzweiflung wendet sich Yasuko anfänglich an ein Internetforum, schildert kurz die Begebenheiten ~ und wird regelrecht abgewatscht. „Du brauchst doch nur Aufmerksamkeit“, „du missbrauchst das Forum für deine Selbstdarstellung“ ~ allesamt Reaktionen, die Yasuko sich noch hilfloser fühlen lassen, sie in ihrer Ansicht, dass sie schlicht und ergreifend irgendetwas falsch macht, bestärken.
Es liegt auf der Hand, dass sie sodann tatsächlich ihren Job aufgibt ~ und noch mehr liegt auf der Hand, dass Shogo sie trotzdessen nicht in Ruhe lässt. Immer kleinere Ansätze sind es, die ihn immer brutaler zuschlagen und -treten lassen.
===In der weiteren Umsetzung=== muss ich gestehen, dass ich anfänglich gar nicht mal so doof fand, dass Shogo die gesamten Fotoalben Yasuko's mit der Begründung „du musst dich von deiner Vergangenheit lösen“ wegwarf. Tatsächlich hatte dieser Gedanke etwas für sich; wäre da nicht der Aspekt, dass Shogu seine Frau mehr und mehr entmachten und zu seinem Eigentum erklären will.
Wenig später erteilt er ihr die Anweisung:

„Kein Mittagessen mehr über 1.000 Yen!“
und torpediert damit überdies Yasukos gesellschaftliches Leben, an dem sie im weiteren Verlauf immer weniger teilnehmen darf ~ bzw. kann.
„Domestic Violence“ besticht vorrangig durch seine ruhige und eher stille Art, die Ereignisse vorzutragen. Regisseur Shun Nakahara verzichtete darauf, die Bebilderung mit dramatischer Filmmusik untermauern zu lassen; die Kameraführung lässt den Zuschauer keinen ultimativen Einblick auf die Gewaltdarstellungen nehmen, während man sich nicht zuletzt die Frage, welchen Zeitrahmen das Gesehene umfasst, vielleicht gar nicht mal stellen soll.
Die Eindringlichkeit erzielt „Domestic Violence“ in eindeutig klinischerer Art als es bei den meisten Werken seitens der USA der Fall ist. Vieles muss der Zuschauer anhand der Dialoge und kurzen Einblicken auf Yasukos Körper selbst schlussfolgern ~ und es funktioniert.
Mehrere kleinere Szenen gehen absolut unter die Haut, die Hilflosigkeit Yasukos überträgt sich auf den Zuschauer, der oftmals regelrecht fassungslos gegen eine Art aufsteigende Übelkeit ankämpfen muss, als Yasuko ~ und nicht zuletzt er selbst ~ mit (Nicht-)Reaktionen seitens vermeintlich Außenstehender konfrontiert wird.

===Summa summarum=== sei noch gesagt, dass '''die DVD''' selbst über '''keinerlei Bonusmaterial''' verfügt. '''Bild und Ton''' siedeln sich irgendwo im Mittelmaß an, was in diesem Fall jedoch die Trostlosigkeit noch ein wenig mehr unterstreicht.
Etwas verwirrend hingegen die Unterschiedlichkeit von Untertitel zu Übersetzung ~ während auf deutsch _gesagt wird „Er schlägt mich tot!“, wird hingegen der Satz „Ich krepier doch sonst“ eingeblendet. Meines Erachtens nach passt die gesprochen Übersetzung besser zur Figur Yasuko's; wobei ich ~ verständlicherweise ~ keinerlei Ahnung habe, was in der Original-Tonspur tatsächlich gesagt wurde. Ferner erweist es sich vereinzelt als etwas ungünstig, gelbe Untertitel gewählt zu haben ~ insbesondere in der Szenerie, in der jene über die Schrift auf dem hellblauen PC-Bildschirm eingeblendet werden, kann man nur schwerlich etwas entziffern.

Fast schon als kongenial hingegen ist der Karaoke-Song zu bezeichnen, den Shogo sich in einer Bar aussucht ~ der Moment, in dem er erneut (in der Öffentlichkeit) zuschlägt, wird von einem Kameraschwenk auf die Songtextzeile
_“Ich will, dass du mich schreien hörst“
regelrecht untermauert. Insgesamt betrachtet ist die Darbietungsweise innerhalb „Domestic Violence“ natürlich nicht vergleichbar mit Werken wie „Evil“. Eher, um in diesem Vergleich zu bleiben, mit dem themengleichen „An american crime“, der ebenfalls darauf verzichtete, dem Filmgucker die Übergriffe via Kameraeinstellung überdeutlich vor Augen zu führen.

"Domestic Violence" schockiert auf seine eigene Art und Weise, fungiert eher kühl und sachlich. Es macht nur bedingt etwas aus, in vielen Szenen erkennen zu können, dass die Schläge augenscheinlich nur angedeutet wurden. Denn darum geht es nicht. Der Schwerpunkt liegt vielmehr darauf, auf gewisse Missstände aufmerksam zu machen ~ auch, wenn schlussendlich die Frage bleibt, was der Zuschauer durch schonungslos-authentische Darbietungen eigentlich zu lernen überhaupt bereit ist.

41 Bewertungen, 8 Kommentare

  • Powerdiddl

    17.11.2010, 15:40 Uhr von Powerdiddl
    Bewertung: besonders wertvoll

    LG und einen schönen restlichen Tag.

  • Lale

    16.11.2010, 19:20 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß *~*

  • senora

    16.11.2010, 18:58 Uhr von senora
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ich wünsche einen ganz gemütlichen Abend.

  • morla

    16.11.2010, 17:45 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • XXLALF

    16.11.2010, 17:35 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ganz liebe grüße

  • Lakisha_1

    16.11.2010, 12:59 Uhr von Lakisha_1
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht. hättest du lust auf eine Leserunde, dann einfach im GB melden. lg

  • tina08

    16.11.2010, 11:41 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • uhlig_simone@t-online.de

    16.11.2010, 11:09 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich freue mich auf gegenlesungen-viele grüsse von simone