Black Swan (DVD) Testbericht


Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Dr_Ed
Komm auf die schwarze Seite des Schwans
Pro:
eine großartige Natalie Portman
Kontra:
der Film ist nicht sehr leicht zugänglich
Empfehlung:
Ja
Regisseur Darren Aronofsky hat mit seinem Film „The Wrestler“ vor 2 Jahren einen sehr verstörenden Blick auf die Wrestler-Szene in den USA geworfen und damit den eigentlich schon in der Versenkung verschwundenen Mickey Rourke zu einem fulminaten Comeback verholfen. In seinem neuesten Werk wendet sich Aronofsky nun dem Ballett zu. Ob nun ein ähnlich verstörender Film oder nur ein seichtes Tanz-Filmchen daraus geworden ist, dazu mehr in diesem Bericht.
### DER INHALT ###
~~~ Der Tanz wird einmal mehr eröffnet von der „Gemeinwesen hat mit Prima-Ballerinen nichts am Hut“ - Kurzversion ~~~
Nina ist Mitglied eines renommierten New Yorker Ballett-Ensembles. Die neue Saison soll mit dem Klassiker „Schwanensee“ eröffnet werden. Dafür soll die bisherige Prima-Ballerina Beth McIntyre ersetzt werden. Etwas überraschend entscheidet sich der künstlerische Direktor Thomas Leroy für Nina. Für sie geht ein Lebenstraum in Erfüllung, als sie erfährt, dass sie die Hauptrolle in dem Stück spielen soll. Das besondere dabei: Sie soll nicht nur den weißen Schwan, sondern auch den schwarzen Schwan verkörpern. Allerdings tut sich Nina sehr schwer damit, auch die Rolle des schwarzen Schwans angemessen auszufüllen. Darüber hinaus bekommt Nina auch noch Konkurrenz von ihrer Kollegin Lily, die die dunkle Seite des schwarzen Schwans nahezu perfekt zu verkörpern scheint. Außerdem bekommt sie nicht nur von Leroy, sondern auch von ihrer Mutter eine Menge Druck. Allmählich zweifelt Nina daran, ob sie den ganzen hohen Erwartungen an sie standhalten kann...
~~~ und wo der Tanztee vorbei ist, gibt es jetzt wieder die „Dr.Ed lässt lieber die Puppen tanzen“ - Langversion ~~~
Nina (Natalie Portman) gehört einem renommierten New-Yorker Ballett-Ensemble an. Sie ist dort Ballerina und möchte wie alle Tänzerinnen groß herauskommen. Zu Beginn der neuen Saison ergibt sich dazu die große Chance: Ballett-Meister Thomas Leroy (Vincent Cassel) gibt bekannt, dass die neue Saison mit dem Klassiker Schwanensee eröffnet werden soll. Allerdings in einer völlig neuen Inszenierung, in der beide Schwäne von einer Tänzerin verkörpert werden. Dafür bedürfe es einer neuen Prima-Ballerina, da die bisherige, Beth McIntyre (Winona Ryder), diese Rolle nicht mehr übernehmen könne.
Nach einigem Hin und Her fällt die Wahl auf Nina. Für sie geht ein Lebenstraum in Erfüllung und auch ihre Mutter (Barbara Hershey) ist natürlich begeistert, da ihr diese Ehre nie vergönnt war. Ninas Tanztechnik ist nahezu perfekt, nur die dunkle und verruchte Seite des schwarzen Schwans geht ihr fast völlig ab. Thomas bemängelt zu wenig Leidenschaft, Unbekümmertheit und Verführung. Trotzdem kann Nina Thomas in allerletzter Sekunde davon überzeugen, dass sie der Rolle gewachsen ist. Doch Nina bekommt Konkurrenz von Lily (Mila Kunis), die Nina zwar technisch unterlegen ist, aber dafür umso besser die dunkle Seite des Schwans zu verkörpern vermag.
Trotz aller Konkurrenz und Rivalität entsteht zwischen Nina und Lilly eine komplizierte Freundschaft. Das komplizierte daran ist, dass Nina irgendwie in ihrer kindlichen, aber professionell ehrgeizigen Art gefangen scheint und ihre Mutter ihr auch kaum freien Raum zur persönlichen Entfaltung lässt. Verzweifelt ist Nina darum bemüht, sich mit der dunklen Seite in ihr auseinanderzusetzen und Lily soll ihr dabei helfen, diese dunkle Seite zu finden und auszuleben. Aber je mehr Nina mit ihrer dunklen Seite in Kontakt gerät, desto weniger gelingt es ihr, zwischen Wahn und Wirklichkeit zu unterscheiden und daran droht sie fast kaputt zu gehen...
### EXKURS ###
Zum besseren Verständnis für alle, die vom Ballett ebenso wenig Ahnung haben wie ich: Worum geht es eigentlich in Schwanensee?
Die Prinzessin Odette ist vom bösen Zauberer Rotbart in eine Schwanenkönigig verwandelt worden. Dieser Fluch könne sie nur derjenige erlösen, der ihr ewige Liebe schwöre. Der Prinz Siegfried ist vom Liebreiz der schönen Schwänin so überwältigt, dass er ihr ewige Liebe und Treue schwört. Zauberer Rotbart hat diese Unterhaltung mitbekommen, ohne dass die beiden davon etwas merken. Am nächsten Tag findet im Schloss Siegfrieds ein Festball statt, wo er eine Braut erwählen soll.
Unerwartet wird ein edler Gast gemeldet. Der Baron Rotbart (niemand anderes als der böse Zauberer in Verkleidung) und sein hübsches Geschöpf Odile, die ein verführerisches, aber negatives Ebenbild von Odette ist. Siegfried glaubt, in ihr seine geliebte Odette zu erkennen und verfällt ihren Reizen. Anschließend hält er ihre Hand an und schwört ihr ewige Treue. Voller Triumph über die gelungene Täuschung verlässt Rotbart mit Odile den Festsaal, während Odettes weißer Geist im Festsaal erscheint.
Siegfried läuft verzweifelt zum See. Dort warten die Schwäne schon auf die Rückkehr von Odette, die ihnen von den tragischen Ereignissen berichtet. Als der Prinz den See erreicht, bittet er Odette um Verzeihung, woraufhin sie ihm vergibt. Nun bedroht eine große von Ratbart geschickte Welle Siegfried zu ertränken. Daraufhin stürzt sich Odette in die Fluten, um Siegfried zu retten. Je nach Inszenierung stirbt entweder Siegfried oder Odette oder alle beide. Es gibt aber auch welche, in denen beide überleben und bis zum Lebensende miteinander glücklich sind.
### MEINE MEINUNG ###
Wer jetzt hier ein klassisches Tanzdrama à la „Save the last dance“ oder eine belanglose Teenie-Ballett-Geschichte à la „Anna“ erwartet, der ist hier derbe schief gewickelt. Was sich hier entspinnt, ist eher eine Art Psycho-Thriller, subtiler Horror und coming-of-age-drama. Zwar ist dieser Film in der Welt des Balletts angesiedelt, aber im Zentrum der Geschichte steht die Entwicklung der Hauptfigur, die von allen möglichen Seiten unter Druck gesetzt wird und ihre liebe Mühe damit hat, diesem Druck standzuhalten und an ihrer Situation mitunter schier verzweifelt, weil sie versucht, allen Erwartungen gerecht zu werden. Nina soll Seiten an sich finden, von denen sie bislang gar nicht wusste, dass es diese überhaupt an ihr gab.
Anfänglich lebt Nina in einer von ihrer besitzergreifenden Mutter streng behüteten Welt, die von Prüderie und vom Streben nach Perfektionismus geprägt ist. Sie hat eine etwas naive, kindlich liebenswerte Art. Nach Meinung des fordernden Chef-Choreografen Thomas zwar die perfekte Besetzung für den weißen Schwan, aber völlig ungeeignet für den schwarzen. Thomas versucht auf höchst provozierende Weise, die man schon als sexuelle Belästigung bezeichnen könnte, diese dunkle Seite aus Nina herauszukitzeln. Da Nina aber in ihrer behüteten Welt die Existenz dieser dunklen verneint bzw. unterdrückt hat, fällt es ihr sichtlich schwer, aus sich herauszugehen.
Während Nina sich mit der dunklen Seite auseinandersetzt, wird sie zunehmend verwirrt. Sie hat Visionen, Halluzinationen und kann bald nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Sie fügt sich im Unterbewusstsein Verletzungen zu und träumt dabei, sie würde ihre Konkurrentin verletzen. Nina verliert immer mehr die Kontrolle über sich, was ihr aber letztendlich dabei hilft, sich in die Rolle des schwarzen Schwans einzuleben. Allerdings merkt sie dabei auch, welch selbstzerstörerische Tendenzen in ihr stecken, so dass das Ganze immer mehr zum Alptraum für sie zu werden droht.
Insgesamt hat der Film also eine sehr düstere Note und Regisseur Aronofsky gelingt es nahezu perfekt, diese Atmosphäre filmisch umzusetzen. Ähnlich wie schon bei „The Wrestler“ fließt Blut, es knacken die Knochen (auch wenn diesmal keine brechen) und auch als Zuschauer merkt man erst nach Ablauf eine Szene, auf welcher Ebene – Traum oder Realität – sie sich gerade abgespielt hat. Die meisten Bilder sind kalt und düster und vieles wirkt bedrohlich, fast schon unheimlich. Man kann als Zuschauer sehr gut nachempfinden, durch welche emotionalen Abgründe die Hauptfigur gerade wandeln muss.
Dass das Ganze so beklemmend wirkt, ist auch ein Verdienst von Natalie Portman. Sie tanzt die allermeisten Tanzpassagen selbst mit vollem Körpereinsatz und ohne Body-Double. Sie versteht es, die Zerbrechlichkeit ihrer Figur perfekt zu verkörpern. Die verschiedenen Entwicklungsstufen, die ihre Figur durchläuft, stellt sie mit einer Glaubwürdigkeit dar, die wirklich beeindruckend ist. Doch auch die Nebenrollen, allen voran Mila Kunis als dunkle Verführerin, können überzeugen. Gleiches gilt auch Vincent Cassel als einerseits etwas schmierigen, fordernden und andererseits aber auch fördernden Ballett-Direktor.
### FAZIT ###
Dieser Film dürfte sicher nichts für jedermann sein. Für FreundInnen des Balletts oder des seichten Tanzfilms dürfte er zu verstörend und unheimlich sein. Für Horror-Fans fehlt es einfach an Grusel-Effekten. Am ehesten könnte man das Ganze als intensives Psycho-Drama betrachten. Man muss aber schon bereit sein, sich auf die Wucht des Dramas einzulassen, denn sonst findet man keinen rechten Zugang zu dem Film. Sicher nichts für die breite Masse, aber auf jeden Fall sehenswert und zu Recht ein heißer Oscar-Kandidat für den besten Film, die besten weibliche Haupt- und Nebenrollen und vielleicht auch noch das beste Original-Drehbuch. Von mir gibt es daher 4 von 5 möglichen Schwanenfedern.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2010; 107 Min.; FSK 16
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Mark Heymann und John McLaughlin (beide Buch); Andrés Heinz (Story)
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Clint Mansell
~ Nina – Natalie Portman
~ Ihre Mutter Erica – Barbara Hershey
~ Thomas Leroy – Vincent Cassel
~ Lily – Mila Kunis
~ Beth McIntyre – Winona Ryder
u.v.a.
54 Bewertungen, 13 Kommentare
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14.04.2011, 21:20 Uhr von yeppton
Bewertung: sehr hilfreichgut gemacht, Lg Markus
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25.02.2011, 08:14 Uhr von Lucky130
Bewertung: sehr hilfreichIch hatte mehr erwartet und war einfach nur endtäuscht!
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20.02.2011, 20:29 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
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20.02.2011, 01:34 Uhr von dsander
Bewertung: sehr hilfreichMit den besten Grüßen von David! Freue mich über Gegenlesungen :-D
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19.02.2011, 22:30 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichschönes wochenende lg. petra
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19.02.2011, 17:22 Uhr von Agrippa07
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße.................Agrippa07
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19.02.2011, 16:45 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichSchönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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19.02.2011, 15:54 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund ein wunderschönes wochenende
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19.02.2011, 13:34 Uhr von catmum68
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreicher Bericht, LG
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19.02.2011, 13:14 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße, schönes WE KATJA
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19.02.2011, 13:10 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsche ein schönes Wochenende
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19.02.2011, 12:55 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichvon dem film habe ich schon viel gehört, viele tänzer beklagen, das zuviele klsichees bedient werden-gut vorgestellt
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19.02.2011, 12:35 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
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