Sucker Punch (Blu-ray) Testbericht

ab 13,52
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Erfahrungsbericht von atrachte

A sucker punch to the face

Pro:

siehe Bericht,

Kontra:

siehe Bericht,

Empfehlung:

Nein

Bisher galt Zack Snyder in Hollywood als Garant für optisch anspruchsvolles Popcornkino. Mit seinem stimmigen Remake von Romeros Zombie-Klassiker „Dawn of the Dead“ hat er beweisen, dass Aktualisierungen von alten Horrorschinken nicht pauschal Murks sein müssen. Seine Comicverfilmung „300“ spaltete die erhabenen Meinungen von Publikum und Kritik schon eher, war aber, zumindest in meinen Augen, mit das beste, was es an Realisierungen von Graphic Novels in den letzten Jahren gab. Mit dem vielerorts zum endgültigen Meisterwurf Snyders verschriebenen „Watchmen“ hatte ich da schon eher meine Probleme. Einmal mehr verstand es der Amerikaner zwar, wie man eine Comic-Vorlage grandios in eine Mischung aus Live-Action und CGI portiert, allerdings blieben Dramaturgie und Erzählung hinter der schönen Optik auf der Strecke. Letztere stehen auch in Synders neuester orgastischer Action-Explosion „Sucker Punch“ (sehr weit) hinten an.
Erstmals gab dabei keine bereits existierende Vorlage die Windrichtung vor. Stattdessen versuchte sich Snyder, gemeinsam mit Steve Shibuya, selbst als Autor und schrieb das Drehbuch nach einer eigenen Idee. Ein geradezu sakralischer Fehler. Denn Snyder ist in erster Linie kein Geschichtenerzähler, ebenso ist es ihm der eindringliche Umgang vergleichsweise mit Figuren fremd. „Sucker Punch“ zeigt dies auf erschreckende Weise. Die Handlung dieses, man kann es nicht anders sagen, dilettanten Machwerkes ist angesiedelt im Amerika der Nachkriegsjahre. Ein junges, namenloses, im Film Babydoll (Emily Browning) getauftes, Mädchen wird von ihrem Stiefvater (Gerard Plunkett), nach dem Tod der Mutter und der Schwester, in eine Psychiatrie geschickt, wo man sie dem notgeilen Pfleger Blue Jones (Oscar Isaac) überlässt. Dieser beantragt eine Lobotomie an dem Mädchen, um es endgültig zu brechen.

Von hier an brechen Snyder und Shibuya mit der noch halbwegs konventionellen Erzählung und katapultieren ihre Hauptfigur auf eine zweite (wenig später auf eine dritte erzählerische) Ebene. Denn „Sucker Punch“ versucht ähnliches, wie bereits „Matrix“ und „Inception“ vor ihm: das Spiel mit mehreren Realitäten, die alle miteinander verwoben sind. Im Falle des vorliegenden Filmes spielt sich das ganze wie folgt ab: fünf Tage bleiben Babydoll bis zu Lobotomie. Daher flüchtet sie sich in eine eigene Gedankenwelt, in der ihr Gefängnis nicht mehr die Psychiatrie, sondern ein Bordell ist. Nun ist sie eine Stripperin, deren Jungfräulichkeit binnen fünf Tagen an den Meistbietenden verkauft werden soll. Aha. Aus dieser Fantasiewelt, immerhin ist sie kaum angenehmer als die ursprüngliche Ausgangsituation, flieht Babydoll ein weiteres mal in ein weiteres Gedankenkonstrukt. Mhh. Hier bekommt sie von einem weisen Mann (Scott Glenn) den Auftrag innerhalb von fünf Tagen fünf Gegenstände zu beschaffen um endgültig aus den Fängen ihrer Unterdrücker zu fliehen. Zurück in der zweiten Ebene verbündet sie sich mit ihren Leidensgenossinnen, hier also den Prostituierten, die in der Realität ebenfalls Patientinnen in der Psychiatrie sind. Nun beginnt die Jagd nach den ominösen Gegenständen. Allerdings können diese nur auf der dritten Ebene beschafft werden. Eingeleitet durch eine tänzerische Darbietung (warum auch immer) seitens Babydoll, wechselt der Film also wieder auf die dritte Erzählebene, welche sich stets der Videospielästhetik bedient und die jungen Mädchen sich gegen Samurais mit dicken Maschinengewehren, gegen deutsche Zombie-Soldaten, Drachen und Orks bewähren müssen. Was das ganze soll? Ich habe keine Ahnung...
Die Handlung von „Sucker Punch“ konfus zu nennen wäre wohl kriminell untertrieben. Warum, wieso, weshalb die Handlung so ist, wie sie ist wissen wohl nur Snyder und Shibuya selbst, und so tut man sich ungemein schwer, in diesem Gewurschtel so etwas wie Logik ausfindig zu machen (man kann wohl lange suchen). Natürlich will der Film dabei auch noch mehr, als ein banaler Actionfilm sein. So war es, glaubt man Snyder und einigen der positiveren Kritiken, das Anliegen des Streifens die mysogynischen Züge der Popkultur offen zu legen und zu karikieren. Eine durchaus rühmliche Absicht, hätte man die Botschaft nicht in einem solchen grenzdebilen Schwachsinn verpackt, bei dem man sich schwer tut, ihn auch nur einen Augenblick lang ernst zu nehmen.

Audiovisuell, sieht man einmal von den penetranten Pop-Soundtrack ab, bestätigt Snyder einmal mehr sein Können als stilsicherer Strippenzieher, der es versteht, wie man ausgefallene Settings schafft und sie zum Leben erweckt. Allerdings wirkt die Action so mau, dass man trotzt eines absoluten Overkills an brachialen Kämpfen und allerhand abgefahrener Ideen ein müdes Gähnen kaum unterdrücken kann. Und wenn ein Film wie „Sucker Punch“ nicht einmal in dem überzeugt, was eigentlich seine Paradedisziplin sein sollte, wie könnte dieser Film dann noch unterhalten? Ganz einfach: er tut es schlichtweg nicht. „Sucker Punch“ ist langweiliges, banales, verdummendes Actionkino ohne jeglichen Mehrwert, das lediglich als billige Wichsvorlage für pubertäre Nerds herhalten könnte, die das Pech hatten in einem streng konservativen Elternhaus aufgewachsen zu sein. Dabei hätte der Film viel mehr sein können. Er hätte dreckig, düster und pornografisch sein sollen, nicht diese zugeknöpfte PG-13 Unterhaltung ohne Blut, ohne Sex, ohne Esprit. Und dann auch noch die unsäglichen Aktressen, von denen Snyder nicht mehr verlangt, als das sie entweder verängstlich, taff oder plump verführerisch dreinschauen. „Sucker Punch“ ist eine Katastrophe. Für Snyder, für das amerikanische Popcornkino und für jeden Zuschauer, der sich eine Eintrittskarte zu diesem Scheißdreck gezogen hat.
Originaltitel: Sucker Punch (USA/Kanada, 2011)
Laufzeit: ca. 110 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Emily Browning (Baby Doll), Abbie Cornish (Sweet Pea), Jena Malone (Rocket), Vanessa Hudgens (Blondie), Jamie Chung (Amber), Carla Gugino (Dr. Vera Gorski), Oscar Isaac (Blue Jones)...

2/10

52 Bewertungen, 12 Kommentare

  • dadolger

    16.03.2012, 10:00 Uhr von dadolger
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse

  • campino

    21.09.2011, 13:25 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Andrea ------------

  • anonym

    20.07.2011, 23:17 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah

  • cleo1

    08.07.2011, 11:33 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Danke für Deine Lesungen, lese immer gern zurück. LG cleo1

  • diefreche

    06.07.2011, 11:44 Uhr von diefreche
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. LG Andrea

  • mima007

    06.07.2011, 11:02 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • morla

    05.07.2011, 22:14 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • Mondlicht1957

    05.07.2011, 22:08 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • austin77

    05.07.2011, 17:29 Uhr von austin77
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich, würde mich sehr über Gegenlesung von dir freuen. lg

  • uhlig_simone@t-online.de

    05.07.2011, 16:16 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße

  • mitverstand

    05.07.2011, 16:01 Uhr von mitverstand
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wow, super beschrieben. LG

  • katjafranke

    05.07.2011, 13:09 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße. KATJA