Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry (gebundene Ausgabe) / Rachel Joyce Testbericht



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Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
=== Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry – Rachel Joyce ===
+++ Bezugsquelle & Preis +++
Gekauft habe ich die gebundene Ausgabe des Romans bei amazon.
Diese kostet regulär dank Buchbindung 18,99 €.
+++ Eckdaten +++
Titel: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Originaltitel: The unlikely pilgrimate of Harold Fry
Autorin: Rachel Joyce
Übersetzung: Maria Andreas
Verlag: Krüger
Genre: Drama / Humor
Seitenanzahl: 378 Seiten
+++ Rachel Joyce +++
Rachel Joyce weiß, wie man Menschen mit Worten ganz direkt berührt. Die Autorin hat über 20 Original – Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ist ihr erster Roman. Er erscheint in über 30 Sprachen auf der ganzen Welt. Rachel Joyce lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Gloucestershire auf dem Land.
Quelle: Roman
+++ Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry +++
Es ist ein ganz normaler Morgen im Leben von Harold Fry und seiner Frau Maureen, bis Maureen einen Brief aus dem Postkasten holt, der von Harolds ehemaliger Arbeitskollegin Queenie Hennessy stammt. Sie teilt ihm in kurzen Worten mit, dass sie an Krebs erkrankt sei, nicht mehr lange zu leben habe und derzeit in einem Hospiz in Berwick upon Tweed auf ihren Tod wartet.
Harold möchte einen Brief zurückschreiben, bringt ihn sogleich zum nächsten Briefkasten.
Er wirf ihn aber nicht etwa ein. Er beschließt, vollkommen unvorbereitet ohne Proviant, ohne Handy und nur mit Segeltuchschuhen an den Füßen zu ihr zu gehen und sie zu besuchen. Harold hat sich damit eine Strecke von 1000 Kilometern zu Fuß vorgenommen. Denn er ist Queenie noch etwas schuldig...
+++ Eindrücke +++
Die noch kürzere Inhaltsangabe auf dem Buchrücken lässt es bereits erahnen: Der geneigte Bücherwurm hat es mit Rachels Joyces Debutroman keineswegs mit einem standardmäßigen Werk zu tun. Nein, bereits die wenigen Worte machen deutlich, dass es sich bei „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ um einen Roman handelt, der Tiefgang besitzt, Werte vermitteln möchte, ohne dabei auf den berühmten erhobenen Zeigefinger zurückzugreifen. Erwarten dürfte man also Figuren mit Charakter, Ecken, Kanten und Geschichte.
Dass man genau dies bekommt, machen bereits die Seiten deutlich. Allerdings beginnt der Roman zunächst einmal sehr heiter und lädt ob der freundlichen Verschrobenheit des Protagonisten so manches Mal zum schmunzeln ein. Auch, als Harold sich dann schließlich auf den Weg macht, erliegt man wohl immer noch der Versuchung zu glauben, dass es sich beim vorliegenden Roman um einen humorvollen Solchen handelt, in dem es um eine aberwitzige Pilgerreise geht. Dies ist nicht so und dieser Fakt wird immer deutlicher, umso weiter man in der Handlung zusammen mit Harold voranschreitet. Denn immer wieder blitzen Gedankengänge und Erinnerungen Harolds auf, die erahnen lassen, dass Harold keineswegs der kauzige alte Mann ist, den man eingangs kennengelernt hat. Die Nuancen seines Charakters werden immer deutlicher, man kann immer genauer erkennen, wer er ist. Auf der ersten Hälfte des Buches immer noch nur in Rudimenten, später immer deutlicher und immer intensiver. Während gut der ersten Hälfte des Romans widmet die Autorin sich eher noch den Widrigkeiten Harolds ungeplanter Reise – wie ungünstig es ist, ohne Landkarte loszuwandern, ohne Proviant, mit denkbar ungeeigneten Schuhen und ohne das sichere Wissen um einen Schlafplatz. Joyce zeigt, wie Harold auf immer wieder neue Menschen trifft, die immer wieder anders sind in ihren Eigenarten, ihren Weltsichten, die gänzlich andere Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, als viele von uns es wohl jemals werden. Die Autorin zeichnet anhand der Art und Weise, wie Harold auf jene Menschen eingeht, ein hervorragendes Charakterbild des Protagonisten, aber auch eines der Welt an sich. Allein dies dürfte unweigerlich dazu führen, dass man selbst während des Lesens und auch lange danach noch über die eigene Sicht auf die Menschen nachdenkt.
Die zweite Hälfte des Romans zieht dann deutlich an und stellt eine reichlich krasse Wende im Verlauf der Geschichte dar. Das gediegene Herumschleichen der Hauptfigur hat ein Ende – sowohl im realen als auch im übertragenen Sinne. Wird Harold doch plötzlich zu so etwas wie einer Sensation – mit allen Konsequenzen. Ab hier beginnt Rachel Joyce dann auch tiefgründiger zu beleuchten, was sie bis dato stets nur angedeutet hat. So legt sie den Fokus zunehmen auf Harolds Vergangenheit und auf sein Leben mit seiner Frau Maureen, auf das Verhältnis der beiden zueinander und die Gründe dafür. Der Leser beginnt zu ahnen, worin das, was er aktuell vor sich hat, gipfelt bzw. wieso es auf diese und keine andere Weise gipfelt. Die Geschichte der Vergangenheit setzt sich nach und nach wie ein Puzzle zusammen. Und die Schläge in die Magengrube werden höher frequentiert, heftiger, das Schmunzeln verebbt schließlich ganz und bleibt nur noch eine vage Erinnerung an die ersten Kilometer von Harolds Reise. Es stellt sich eine enorme Melancholie ein, mit der man zunächst nicht umzugehen wissen dürfte. Dennoch bleibt einem nichts anderes, als Kilometer um Kilometer mit Harold weiter zu laufen, mit ihm zu leiden, mit ihm zu erleben. Die Atmosphäre wird enorm dicht, enorm fesselnd, die besondere Spannung, die dem Roman innewohnt nimmt kein Ende und scheint sich ins Unermessliche zu steigern.
Demgegenüber steht der Fokus auf Harolds Frau Maureen, die zunehmen mehr beleuchtet wird. Denn auch sie ist ein wichtiger Teil des Puzzles. Rachel Joyce zeichnet ein Bild, das man sich nicht nur hervorragend vorstellen kann, sondern das in einem wohl das widerstreitenste Wechselspiel der Gefühle auslösen dürfte, das man bislang in einem Roman erlebt hat. Dachte man doch bis hierhin, man könne die Ehefrau des Pilgers einschätzen, wisse alles über sie und ihren Charakter. Absolute Fehlanzeige. Auch hier nehmen die Schläge aufs Gemüt deutlich zu.
Der Schreibstil der Autorin Rachel Joyce ist in der Tat so, wie der Verlag es auf dem Buchumschlag anpreist: Sie vermag zu berühren. Sei es nun mit leichtem Humor, Wortwitz oder Dramatik, die niemals zu dick aufträgt. Joyce stellt ihre Hauptfiguren so plastisch dar, nur über Worte, wenige Worte mitunter, kurze Ellipsen, die mehr aussagen, als es ellenlange Kapitel vermögen könnten. Der Roman ist überwiegend aus auktorialer Sicht geschrieben, wechselt aber immer wieder mal in kurze Briefabschnitte, Gedankengänge und Erinnerungen aus Sicht der einzelnen Figuren. Die Mischung unterstreicht die melancholische und zuweilen heitere Stimmung einmal mehr und trägt zu einem wohligen Lesegenuss bei. Man merkt deutlich, dass Joyce jedes Wort sorgsam ausgewählt hat, dass jedem Satz viel Gefühl und viel Liebe innewohnt.
Genauso liebevoll und durchdacht wie der Stil der Autorin kommen auch die Figuren daher – der ruhige und besonnene Harold, dem jedoch schon seit Jahrzehnten vieles auf der Seele liegt, seine Kindheit, sein Erwachsenenleben, seine Ehe, sein Arbeitsleben. Seine Weltsichten werden beleuchtet, machen ihn plastisch und zuletzt enorm sympathisch. Er ist alles andere als ein alter Kauz im Rentenalter, der es noch mal wissen oder vor seiner Frau fliehen will. Auch ist er mehr als der vordergründig unüberlegte Retter, der sich einbildet, das Leben der tot-kranken Queenie mit seiner Pilgerreise irgendwie retten zu können. Harold Fry ist so vielschichtig wie wohl nur die wenigsten realen Menschen. Ganz genauso verhält es sich mit seiner Ehefrau Maureen. Diese spielt zwar erst ab der späten zweiten Hälfte des Romans eine so bedeutende Rolle, dass man sie auch ernst nimmt und wirklich kennenlernt, dafür aber in so intensivem Maße, dass sie genauso plastisch erscheint wie ihr Mann. Bemerkenswert ist an „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ jedoch, dass die Nebenfiguren, derer es sehr viele gibt, im Vergleich zu jenen in vielen anderen Romanen allesamt genauso plastisch daherkommen. Sie sind alles andere als bloßes Füllwerk. Sie erfüllen alle einen Zweck und wurden mit viel Sorgfalt von der Autorin erdacht. Jeder einzelne von ihnen, ob sympathisch oder nicht, ist sichtbar und erkennbar, vorstellbar.
„Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ist ein wundervoller, wichtiger und sehr beeindruckender Roman, den man gelesen haben sollte, wenn man sich nicht andauernd nur mit Trivialliteratur zufrieden geben möchte. Die Autorin vermittelt unendlich viel, ohne, dass es so wirkt, als wolle sie das tatsächlich. Es geschieht wie nebenbei, dass man viel nachgrübelt, denn der Roman hallt lange nach dem Beenden nach. So ist es wenig verwunderlich, wenn einen beim Lesen des finalen Satzes eine Gänsehaut überfällt, die selten bei einem Buch so intensiv ausgefallen sein dürfte. Die Figuren sind allesamt sehr vielschichtig, lassen Raum für Interpretationen, nicht zuletzt aber sind sie auch liebenswert und sympathisch. Entsprechend sei der Roman eigentlich jedem empfohlen, der sich nicht nur zwischendurch berieseln lassen möchte, sondern erleben möchte und vor allem, der berührt werden möchte. Außer Frage stehen also fünf Sterne und eine absolute Empfehlung.
42 Bewertungen, 12 Kommentare
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15.09.2012, 14:45 Uhr von HEIDIZ
Bewertung: besonders wertvollperfekt berichtet gibt bw
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13.09.2012, 09:44 Uhr von campino
Bewertung: besonders wertvoll.lg.
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12.09.2012, 18:45 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollBW und liebe Grüße!
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12.09.2012, 12:20 Uhr von debbi87
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße...debbi!
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12.09.2012, 11:59 Uhr von pontiaclilly
Bewertung: besonders wertvollhört sich toll an, BW und lg
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12.09.2012, 11:41 Uhr von atrachte
Bewertung: sehr hilfreichsh. lg
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12.09.2012, 11:04 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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12.09.2012, 10:49 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWÜNSCHE DIR EINEN SCHÖNEN MITTWOCH....
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12.09.2012, 10:11 Uhr von Noire
Bewertung: sehr hilfreichEinen schönen Start in den Tag (:
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12.09.2012, 09:57 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichViele liebe Grüße KATJA
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12.09.2012, 08:49 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollAllerbesten Gruß *~*
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12.09.2012, 08:43 Uhr von MelE
Bewertung: besonders wertvollDas Buch ist eins der Highlighte für 2012!
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