Der Diktator (DVD) Testbericht
D
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Treice564
Der Diktator
Pro:
X
Kontra:
X
Empfehlung:
Ja
Inhalt
Während eines Besuchs in New York wird auf den Diktator eines fiktiven nordafrikanischen Staates von Widersachern aus dem eigenen Hofstaat ein Attentat verübt, das er zwar überlebt, das ihn aber verloren in den Straßen der Stadt stranden lässt. Eine Bioladenbesitzerin und ein Nuklearwissenschaftler aus seiner Heimat helfen ihm. Eine nur bedingt komische Sketchparade ohne rechten Biss. Statt eine Kunstfigur auf reale Menschen loszulassen, veranstaltet der Filmemacher diesmal eine rein fiktive Farce, der nur gelegentlich einige satirische Spitzen gelingen.
Kritik
Autoritäre Systeme an sich sind nicht komisch. Zum Lachen kann allerdings die satirische Bewältigung des Schreckens sein, wie sie Charlie Chaplin in "Der große Diktator" konkurrenzlos gelang. Es wirkt heilsam, wenn der Popanz auf die allzumenschliche Ebene herabgezerrt wird. Die lächerliche Diskrepanz zwischen Protz und Patschigkeit, zwischen gewaltiger Geste und kleinem Ausrutscher funktioniert auch in "Der Diktator" immer noch, wobei sich eine gewisse Nähe zu Chaplins Klassiker nicht auf den Titel beschränkt. Sacha Baron Cohen spielt den zottelbärtigen Führer des fiktiven nordafrikanischen Staats Wadiya, der sein Volk unterjocht, sich im Luxus suhlt, ein obsessives Faible für Atomwaffen an den Tag legt und sich an den Ölvorkommen seines Landes eher desinteressiert zeigt. Ganz im Gegensatz zu seinen heimlichen Widersachern im Palast, die am Kapitalismus teilhaben wollen und dafür sogar demokratische Reformen in Kauf nähmen. In seiner kindlichen Egozentrik erinnert der Potentat mit dem putzigen Namen Aladeen tatsächlich ein wenig an Chaplins Diktator Hynkel, angesichts seiner exzentrischen Auftritte wirkt er mitunter wie eine Kreuzung aus Muammar al-Gaddafi und Baron Cohens letzter Schöpfung, dem schwulen Modeschöpfer Brüno.
Das Besondere an Filmen wie "Borat" und "Brüno" waren die realsatirischen Elemente, etwa wenn Baron Cohens Kunstfiguren Leuten von der Straße antisemitische und andere haarsträubende Aussagen entlockte. Der gestiegene Bekanntheitsgrad des Comedy-Stars bedeutet offenbar das Ende dieser filmischen Guerilla-Taktik und führt dazu, dass das Zusammenspiel der Schauspielprofis unter sich deutlich an Schärfe verliert. Daran ändern Cameo-Auftritte wie jene von Megan Fox oder Edward Norton, die insinuieren, dass Hollywood-Stars für alles inklusive Sex käuflich sind, überhaupt nichts. Speziell der große Werbeaufwand für den Film - Filmkritiker wurden mit wadiyanischem Papiergeld "bestochen", eine aufwändige Website der angeblichen Republik wurde in Auftrag gegeben - signalisiert, dass Sacha Baron Cohen endgültig im Mainstream angekommen ist. Der hier und da durchaus zündende, oft aber arg zotige Humor kann den Mangel an subversivem Witz nur bedingt wettmachen. Für einen Film nach bewährtem Hollywood-Strickmuster wartet "Der Diktator" wiederum mit zu laschem Spannungsbogen auf. Die Handlung zieht sich in die Länge, was Mel Brooks oder auch den Zucker-Brüdern in ihren Farcen nie passiert wäre. Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist aus Komödien wie "Der Prinz aus Zamunda" oder "Verwünscht" bekannt: Die Hauptfigur verschlägt es in den Big Apple und damit auf ungewohntes Parkett. Beim unvermeidlichen Zusammentreffen mit den New Yorkern ergibt sich die Komik aus krassen Mentalitätsunterschieden und diversen Missverständnissen. Aufgrund einer Intrige seines Bruders (sinister gespielt von Ben Kingsley) wird Aladeen im Rahmen eines UNO-Besuchs durch einen Doppelgänger ersetzt, überlebt einen Mordversuch (witziger Kurzauftritt: John C. Reilly als Attentäter) und findet sich ohne Bart, Oberbekleidung und Identitätsnachweis auf der Straße wieder. Hilfe naht in Gestalt einer Ökoladenbesitzerin aus Brooklyn, die Aladeen trotz seiner haarsträubenden Ansichten über Frauen, Farbige und Kinder Asyl gewährt. Wie die Farce so spielt, wird der Ex-Diktator zusätzlich ausgerechnet von einem exilierten Nuklearwissenschaftler seines Landes unterstützt, weil dem das Weiterforschen wichtiger scheint als die erlittene Schmach. Aladeens Rückweg zur Macht ist mit allerlei Grotesken gepflastert. Der Gipfel ist eine Geburtshilfe-Szene zwischen Bioladenregalen, während der sich die Hände Aladeens und seiner Trauten im Geburtskanal der Gebärenden finden.
Baron Cohen und Regisseur Larry Clark entwickeln ihre unterwärts der Gürtellinie angesiedelten Gags nicht mit der Konsequenz der Monty-Python-Gang, und so wird kaum mehr als ein mittelwitziger Sketchparcours geboten. Dass Baron Cohen richtig zubeißen kann, zeigt erst die finstere Pointe im Finale, die eine Umkehrung der pazifistischen Rede des Kleinbürgers am Schluss des "Großen Diktators" darstellt. Mit sentimentalem Aplomb versucht Aladeen, den Amerikanern die Diktatur schmackhaft zu machen, indem er die "Vorzüge" der Schurkenstaatsform aufzählt. Doch was er nennt, ist kein Diktatorentraum, sondern die Realität. Aladeens Liste entpuppt sich als Katalog tatsächlicher US-amerikanischer Problemfelder: Viel Kapital für wenige Reiche, Foltergefängnisse unterm Radar der Gerichtsbarkeit, die wohlfeile Manipulation öffentlicher Meinung durch eine Hand voller Medientycoons. Baron Cohen hält einer Nation den Zerrspiegel vors Gesicht. Diesmal leider viel zu kurz.
Während eines Besuchs in New York wird auf den Diktator eines fiktiven nordafrikanischen Staates von Widersachern aus dem eigenen Hofstaat ein Attentat verübt, das er zwar überlebt, das ihn aber verloren in den Straßen der Stadt stranden lässt. Eine Bioladenbesitzerin und ein Nuklearwissenschaftler aus seiner Heimat helfen ihm. Eine nur bedingt komische Sketchparade ohne rechten Biss. Statt eine Kunstfigur auf reale Menschen loszulassen, veranstaltet der Filmemacher diesmal eine rein fiktive Farce, der nur gelegentlich einige satirische Spitzen gelingen.
Kritik
Autoritäre Systeme an sich sind nicht komisch. Zum Lachen kann allerdings die satirische Bewältigung des Schreckens sein, wie sie Charlie Chaplin in "Der große Diktator" konkurrenzlos gelang. Es wirkt heilsam, wenn der Popanz auf die allzumenschliche Ebene herabgezerrt wird. Die lächerliche Diskrepanz zwischen Protz und Patschigkeit, zwischen gewaltiger Geste und kleinem Ausrutscher funktioniert auch in "Der Diktator" immer noch, wobei sich eine gewisse Nähe zu Chaplins Klassiker nicht auf den Titel beschränkt. Sacha Baron Cohen spielt den zottelbärtigen Führer des fiktiven nordafrikanischen Staats Wadiya, der sein Volk unterjocht, sich im Luxus suhlt, ein obsessives Faible für Atomwaffen an den Tag legt und sich an den Ölvorkommen seines Landes eher desinteressiert zeigt. Ganz im Gegensatz zu seinen heimlichen Widersachern im Palast, die am Kapitalismus teilhaben wollen und dafür sogar demokratische Reformen in Kauf nähmen. In seiner kindlichen Egozentrik erinnert der Potentat mit dem putzigen Namen Aladeen tatsächlich ein wenig an Chaplins Diktator Hynkel, angesichts seiner exzentrischen Auftritte wirkt er mitunter wie eine Kreuzung aus Muammar al-Gaddafi und Baron Cohens letzter Schöpfung, dem schwulen Modeschöpfer Brüno.
Das Besondere an Filmen wie "Borat" und "Brüno" waren die realsatirischen Elemente, etwa wenn Baron Cohens Kunstfiguren Leuten von der Straße antisemitische und andere haarsträubende Aussagen entlockte. Der gestiegene Bekanntheitsgrad des Comedy-Stars bedeutet offenbar das Ende dieser filmischen Guerilla-Taktik und führt dazu, dass das Zusammenspiel der Schauspielprofis unter sich deutlich an Schärfe verliert. Daran ändern Cameo-Auftritte wie jene von Megan Fox oder Edward Norton, die insinuieren, dass Hollywood-Stars für alles inklusive Sex käuflich sind, überhaupt nichts. Speziell der große Werbeaufwand für den Film - Filmkritiker wurden mit wadiyanischem Papiergeld "bestochen", eine aufwändige Website der angeblichen Republik wurde in Auftrag gegeben - signalisiert, dass Sacha Baron Cohen endgültig im Mainstream angekommen ist. Der hier und da durchaus zündende, oft aber arg zotige Humor kann den Mangel an subversivem Witz nur bedingt wettmachen. Für einen Film nach bewährtem Hollywood-Strickmuster wartet "Der Diktator" wiederum mit zu laschem Spannungsbogen auf. Die Handlung zieht sich in die Länge, was Mel Brooks oder auch den Zucker-Brüdern in ihren Farcen nie passiert wäre. Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist aus Komödien wie "Der Prinz aus Zamunda" oder "Verwünscht" bekannt: Die Hauptfigur verschlägt es in den Big Apple und damit auf ungewohntes Parkett. Beim unvermeidlichen Zusammentreffen mit den New Yorkern ergibt sich die Komik aus krassen Mentalitätsunterschieden und diversen Missverständnissen. Aufgrund einer Intrige seines Bruders (sinister gespielt von Ben Kingsley) wird Aladeen im Rahmen eines UNO-Besuchs durch einen Doppelgänger ersetzt, überlebt einen Mordversuch (witziger Kurzauftritt: John C. Reilly als Attentäter) und findet sich ohne Bart, Oberbekleidung und Identitätsnachweis auf der Straße wieder. Hilfe naht in Gestalt einer Ökoladenbesitzerin aus Brooklyn, die Aladeen trotz seiner haarsträubenden Ansichten über Frauen, Farbige und Kinder Asyl gewährt. Wie die Farce so spielt, wird der Ex-Diktator zusätzlich ausgerechnet von einem exilierten Nuklearwissenschaftler seines Landes unterstützt, weil dem das Weiterforschen wichtiger scheint als die erlittene Schmach. Aladeens Rückweg zur Macht ist mit allerlei Grotesken gepflastert. Der Gipfel ist eine Geburtshilfe-Szene zwischen Bioladenregalen, während der sich die Hände Aladeens und seiner Trauten im Geburtskanal der Gebärenden finden.
Baron Cohen und Regisseur Larry Clark entwickeln ihre unterwärts der Gürtellinie angesiedelten Gags nicht mit der Konsequenz der Monty-Python-Gang, und so wird kaum mehr als ein mittelwitziger Sketchparcours geboten. Dass Baron Cohen richtig zubeißen kann, zeigt erst die finstere Pointe im Finale, die eine Umkehrung der pazifistischen Rede des Kleinbürgers am Schluss des "Großen Diktators" darstellt. Mit sentimentalem Aplomb versucht Aladeen, den Amerikanern die Diktatur schmackhaft zu machen, indem er die "Vorzüge" der Schurkenstaatsform aufzählt. Doch was er nennt, ist kein Diktatorentraum, sondern die Realität. Aladeens Liste entpuppt sich als Katalog tatsächlicher US-amerikanischer Problemfelder: Viel Kapital für wenige Reiche, Foltergefängnisse unterm Radar der Gerichtsbarkeit, die wohlfeile Manipulation öffentlicher Meinung durch eine Hand voller Medientycoons. Baron Cohen hält einer Nation den Zerrspiegel vors Gesicht. Diesmal leider viel zu kurz.
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