schmerzstillende Mittel Testbericht

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Erfahrungsbericht von odile2002

Aspirin - das erste Schmerzmittel auf dem Mond

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Seit 100 Jahren ist Aspirin das erfolgreichste Schmerzmittel der Welt. Im März 1999 feierte Bayer den runden Geburtstag seines beühmtesten Produkts mit einem Riesenspektakel. 30 Bergsteiger verhüllten das Firmenhochhaus in Leverkusen à la Christo. Mit Hilfe von PVC- Bahnen wurde die Konzernzentrale in die grösste Aspirinschachtel der Welt verwandelt.
Kaum einer dachte in diesem Augenblick daran, wie alles begann.

Geschichte und Herkunft

Oft wird übersehen, dass dieses Heilmittel ursprünglich der Natur entstammt.
Sowohl die Assyrer und Babylonier, als auch die alten Ägypter kannten das Geheimnis des Weidenbaumes (Salix alba). Vor mehr als 3500 Jahren kochten sie dessen Rinde und tranken den Tee.

Der berühmte Arzt Hippokrates verordnete Weidenrinde bereits 400 v. Chr. als Medizin bei Gelenkentzündungen, Schmerzen und Fieber. Knapp ein halbes Jahrtausend später, im 1. Jhdt. n. Chr., berichtete Dioskorides von Anazerbus in seinen Schriften von diesem Heilmittel.

Hildegard von Bingen empfahl Weidenextrakt im 12. Jhdt. bei Fieber und Schmerzen.Im Mittelalter setzte man Weidenrindentee als Medizin bei Rheuma, Erkältungskrankheiten und steifen Gelenken ein. Albertus Magnus nennt die Weide ein Antiaphrodisiakum.
Danach, aber sicherlich nicht deshalb, geriet das Heilmittel weitgehend in Vergessenheit.

1763 verfasste der Brite Stone eine wissenschaftliche Abhandlung über Weidenrinde und in Mitteleuropa erwachte das Interesse der Forscher neu.
1874 wurde mit der industriellen Produktion des Wirkstoffs der Weide, der Salicylsäure, begonnen. Doch schmeckte das Pulver abscheulich bitter und war sehr schlecht verträglich.

Dem deutschen Chemiker Felix Hofmann, angestellt bei Bayer, glückte es 1897 die Salicylsäure mit Acetylsäure (Essigsäure) stabil zu verbinden. So entstand Acetylsalicylsäure (=ASS), die weniger scheusslich schmeckte und verträglicher war.
Ein industriell profitables Herstellungsverfahren wurde entwickelt und am 06.03.1899 der Name Aspirin in die Warenzeichenrolle des Patentamtes Berlin eingetragen.
Eine unvergleichliche Erfolgsstory nahm ihren Anfang.

Bereits 1950 kam Aspirin als meistverkauftes Schmerzmittel weltweit ins Guiness-Buch der Rekorde.
1969 begleitete das Medikament den Astronauten Neil Armstrong und dessen Kollegen zum Mond.
Erst 1971 gelang es dem Briten John Vane die Wirkungsweise der Acetylsalicylsäure exakt zu entschlüsseln. Für diese Leistung erhielt er später (1981) den Nobelpreis für Medizin.
Die Forscher J. Smith und A. Willis wiesen im selben Jahr die „blutverdünnende“ Wirkung des Aspirins nach.
1988 gelang dem Australier Prof. Gabriel Kune der erste klinische Nachweis für eine mögliche krebsvorbeugende Wirkung von ASS.
1999 wurde Aspirin in die Hall of Fame des Smithsonian National Museum of American History aufgenommen.

Aspirin wird mittlerweile in über 80 Länder exportiert. Mit mehr als einer Milliarde Umsatz pro Jahr ist es das weltweit meistverkaufte Schmerzmittel.

Der Name

Der Name Aspirin setzt sich folgendermassen zusammen:
A - steht für Acetyl von acetum= lat. für Essig
-spir - verweist auf die Spirsäure aus der Spirstaude (Mädesüß). Spir- und Salicylsäure sind chemisch identisch
-in - schliesslich war damals die übliche Endung für chemische Bezeichnungen

Inhaltsstoffe

Wie schon der Name belegt ist Acetylsalicylsäure der Hauptbestandteil des Aspirin und verwandter Heilmittel. Je nach Präparat kommen weitere Inhaltsstoffe hinzu, die dem jeweiligen Beipackzettel entnommen werden können.

Ich werde Sie daher nicht mit der Auflistung derselben langweilen. Allerdings möchte ich auf einige wichtige Hilfsstoffe und ihre Aufgaben eingehen. Der Zusatz von

- Vitamin C sorgt dafür, dass die Magenschleimhaut nicht verletzt wird und erhöht deren Widerstandsfähigkeit. Macht Aspirin also besser verträglich.

- Coffein soll die schmerzlindernde Wirkung des Präparates erhöhen. Ausserdem wirkt Aspirin durch diesen Zusatz schneller.

- Natriumhydrogencarbonat erhöht die Wasserlöslichkeit des Aspirins. Auch dies beschleunigt die Wirksamkeit.

- Stickstoffmonoxid (NO). NO hat dort, wo ASS gegen Infarkt und Schlaganfall wirkt, gute Eigenschaften: es lässt die Muskulatur der Blutgefäßwände erschlaffen. Die Folge: der Blutdruck sinkt. Bayer entwickelt derzeit ein neues Aspirin mit diesem Hilfsstoff.

Die Darreichungsform

sollte nach Bedarf gezielt ausgewählt werden.
Wer unter akuten Schmerzen leidet, greife zur Brause- oder aber zur Kautablette. Beide zeichnen sich durch ihre besonders schnelle Wirkung aus.

Wer Aspirin zwecks Herz-Kreislauf-Prophylaxe regelmässig und langfristig einnimmt, wählt die Tablettenform. Hier umgibt eine spezielle magensaftresistente Lackschicht das Medikament. Der Wirkstoff wird so erst im Dünndarm freigesetzt und die Magenschleimhäute geschont.

Das Wirkungsspektrum

Wie im Altertum wird der Wirkstoff der Weide noch heute bei Schmerzen, wie Migräne, Kopfweh, Zahnbeschwerden, „Kater“ und Neuralgien angewandt. Ebenso kommt das Heilmittel unverändert bei Rheuma, Fieber und Erkältungskrankheiten zum Einsatz.
Nur wird heute in der Regel der synthetische Wirkstoff, meist in Form von Aspirin, eingenommen.

Mittlerweile wurden noch zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten für dieses Medikament entdeckt. Seine blutverdünnende Wirkung macht Aspirin zu einer Waffe gegen Herzinfarkt und Schlaganfall.
So soll die regelmässige Einnahme von ASS das Schlaganfallrisiko um 25%, das Risiko eines Gefässverschlusses um 40% und die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden um 30-40 % senken.

Neueste Forschungsergebnisse (US-Studie von 1995) lassen hoffen, dass Aspirin auch Darmkrebs verhindern kann, bzw. das Risiko daran zu erkranken um über 40% senkt.

Nebenwirkungen

ASS ein Wundermittel? Ganz so einfach kann man das nicht sagen. Längst nicht jeder Patient verträgt diesen Wirkstoff gut.

Neben eher harmlosen Nebenwirkungen, wie beispielsweise Hautrötungen, treten immer wieder ernstzunehmende Unverträglichkeiten auf. Blutungen der Darm- und/oder Magenschleimhaut sowie Geschwüre können für die Betroffenen gefährlich werden.
Eine Studie der Universität Oxford ergab, dass das Blutungsrisiko von Langzeit(!)-Anwendern um 70% erhöht ist.

Vor der Einnahme gründlich den Beipackzettel studieren und die empfohlene Dosis beachten!

Von dauerhafter Selbstmedikation ist dringend abzuraten! Wer plant, Aspirin zur Prophylaxe, also langfristig einzunehmen, sollte sich unbedingt vorher mit seinem Behandler beraten.



Ausblick

Obwohl Aspirin vermutlich das bestdokumentierte und getestete Medikament ist, scheint sein Wirkungspotential immer noch nicht völlig ausgelotet zu sein.
Neueste Forschungen lassen darauf schliessen, dass Aspirin auch krebshemmende Eigenschaften besitzt. Ob dies nur auf Darmkrebs oder auch andere Krebserkrankungen zutrifft, muß erst noch geklärt werden.

Wie schon erwähnt, wird fieberhaft an der Herstellung eines wesentlich besser verträglichen Aspirins gearbeitet. Stickstoffmonoxid soll dazu der Schlüssel sein. Noch in diesem Jahr soll das Produkt auf den Markt kommen.

Jährlich erscheinen rund 3500 wissenschaftliche Abhandlungen, die Aspirin oder ASS zum Thema haben. Wir dürfen also auf weitere Entdeckungen gespannt sein.
Der Hersteller Bayer hat für sein bekanntestes Produkt eine eigene Homepage eingerichtet www.aspirin.de.

Weidenrindentee

Wer pharmazeutische Erzeugnisse lieber meidet, muss deshalb auf die Wirkstoffe der Weide nicht verzichten, sondern kann auf Weidenrindentee ausweichen.

Zubereitung:

1 Esslöffel fein geschnittener Weidenrinde wird mit 1/4 Liter kaltem Wasser angesetzt und ganz langsam zum Sieden erhitzt. Danach wird der Sud vom Herd genommen und nach ca. 15 Minuten abgeseiht. Als Dosierung sind 3 bis 5 Tassen Tee pro Tag empfohlen.
Der Tee hat deutlich weniger Nebenwirkungen als Aspirin, ist für Schwangere aber untersagt.

Weidenrinde enthält Salicin, das ähnlich wirkt wie Acetylsalizylsäure und seit Jahrhunderten gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt wird. Der Tee wird jedoch von
Magenempfindlichen manchmal schlecht vertragen und wirkt nicht so schnell wie eine Tablette.

ACHTUNG: wer auf Salicylsäure allergisch ist, muss auch auf Weidenrindentee verzichten!

Mein Fazit

Die Geschichte des Aspirins ist beeindruckend. Allerdings sollte man nie vergessen, dass es sich hier immer noch um ein Medikament handelt, mit dem als solches verantwortungsbewusst umgegangen werden muss. Der Griff zum Schmerzmittel sollte stets eine gut überlegte Handlung sein.

Für den, der ASS gut verträgt, ist dieses Heilmittel nach meiner Erfahrung im Bedarfsfall eine gute Wahl.

Wer sparen will oder muss, findet in der Apotheke auch preiswertere Medikamente, die Acetylsalicylsäure enthalten. Denn der Patentschutz von Aspirin ist längst abgelaufen.

20 Tabletten „Aspirin direkt“ kosten ca. 7 Euro

Salut
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