Tödlicher Absturz (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht
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Summe aller Bewertungen
- Niveau:
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- Spannung:
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- Stil:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
"Nichts, was uns direkt betrifft, aber alles, was einen echt betroffen machen kann."
Pro:
gibt Täter von Anfang an Preis, Schreibstil, hochgradig spannend, glaubhafte Wendungen
Kontra:
Täter - Monolog zum Ende hin; hat den Umstand des leserlichen Täterwissens nicht ganz perfekt gelöst
Empfehlung:
Ja
Ein wenig fühlte es sich für mich merkwürdig an, ein Buch zu lesen, welches erst jüngst (März 2013) erschienen, dessen Hauptverfasser Andreas Franz jedoch bereits seit nahezu exakt 2 Jahren tot ist. Ob und inwieweit Co-Autor Daniel Holbe somit hier und dort die letzten Lücken des Thrillers alleine schloss, ist mir weder bekannt, noch ist dies an einem womöglich auseinanderklaffenden Schreibstil erkennbar.
Fakt ist: die insgesamt 477 Seiten las ich binnen zweier Tage, zumal die Hochspannung von Anfang an als präsent bestach und die Story an sich nicht zuletzt durch die tiefergehende Charakterzeichnung zu bestechen verstand.
Die Handlung an sich beginnt mit einer merkwürdigen Fahrgast inmitten des Prologs, der mich persönlich direkt fesselte. Rasant spannend tappte ich diesbezüglich bis zur Auflösung im letzten Viertel des Gesamtwerkes förmlich im Dunkeln, griff dessen ungeachtet immerfort auf gewisse Theorien, Verdächtigung und bloße Überlegungen zurück, um den Prolog einordnen wie verstehen zu können.
Bereits auf der 57.ten Seite geschieht sodann ein Mord an der jungen Prostituierten Lara; der Verdacht fällt rasch auf Karl von Eisner, der sich mit der Dame hin und wieder vergnügte. Während die Ermittlungen nur schleppend voranschreiten, wird die nächste Tote gemeldet: Natalie Löbler liegt mit geöffneten Pulsadern in der Badewanne, während gegen ihren Mann zuvor mehrere Anzeigen wegen häuslicher Gewalt erstattet wurden.
Während Julia Durant uns ihre Kollegen nur vage Vermutungen anstreben, ob und inwieweit die ganze Sache womöglich Zusammenhänge aufweisen könnte, weiß der Leser Dank der Erzählperspektive schon längst, dass ein gewisser Arthur Drechsler nicht nur eine Randfigur darstellt...
Obschon es mich persönlich durchaus reizt und ich obendrein solche Schreibweisen bevorzuge, in denen die Sicht des Täters preisgegeben wird, gestaltet sich eben dieses Wissen hinsichtlich der konstant zu halten versuchten Spannung etwas schwerfällig.
So sehr man einerseits förmlich mitfiebert und die diversen Versuche, den bzw. die Tatverdächtigen einzukreisen, mit Faszination verfolgt, kann jene Szenerie von Grund auf nicht mehr sooooooooo sehr fesseln ~ eben weil der Name Arthur Drechsler bereits auf den ersten Seiten genannt wurde.
Statt nun also intensiv mitzugrübeln, raten und zu schlussfolgern, nahm ich als Leser die einzelnen möglichen Motive diverser Beteiligter nur noch zur Kenntnis.
Absolut positiv hervorzuheben in diesem Kontext somit zweifellos, mit welchen Wendungen, Überraschungen und kleineren Randentwicklungen „Tödlicher Absturz“ zu punkten verstand.
Das Timing für solche Knaller liegt respektive lag den Autoren zweifelsohne; fand meines Erachtens eine derartige Überraschung immer dann ihren Platz, wenn die Breite der Leserschaft vermutlich am wenigsten damit gerechnet hätte. Überzogen, übertrieben oder gar konstruiert wirkt indes nichts, während der Fokus generell nicht alleinig auf die Selbst/Morde an sich, sondern gleichermaßen auf quasi sämtliche auftretende Charaktere gelegt wurde.
Soll heißen: blass, undurchsichtig oder gar überzeichnet gestaltet sich inmitten von „Tödlicher Absturz“ niemand; wohingegen potentiell Interessiert eher förmlich dazu getrieben werden, sich in die Figuren hineinzuversetzen, nachzufühlen wie auch alternativ geschockt zu sein.
Selbstjustiz, Ruhmsucht, Überheblichkeit, soziale Kälte... all dies findet man in dem packenden Thriller ohne den metaphorischen erhobenen Zeigefinger wieder; Motive, die man nicht unbedingt nachvollziehen können muss oder gar nur soll, werden wie so oft im mich für meinen Teil etwas missmutig stimmenden Finale genannt. Der begründende Punkt hierfür ist schlicht und ergreifend der, dass meinem Wunsch, einen Thriller vorzufinden, der auf den berühmt-berüchtigten langezogenen Erklärungsmonolog verzichtet, erneut nicht stattgegeben wurde.
Nichtsdestominder sog ich ebenso jene Seiten in mich auf, um zu guter Letzt das Gefühl behalten zu dürfen, einen durchaus gelungenen Roman gelesen zu haben, dessen Schreibstil mich dazu bewog, mich dem letzten Werk von Andreas Franz – „Todesmelodie“ – welches von Daniel Holbe beendet wurde, widmen zu wollen.
Trotzdessen ich die Erzählweise hier und dort als etwas zu detailverliebt einstufen würde, überzeugten mich erschreckend wahre Passagen wie
„Es ist, wie es ist. Halb so viel Bürokratie und ein, zwei Kollegen, die es draufhaben - und wir wären weitaus effizienter als ein Dutzend Eurojobber. Aber letzten Endes bin ich ja selbst einer. (…) Die Zeiten, in denen es so etwas wie eine gute Seele in jedem größeren Gebäude gab, einen, der jeden Winkel kennt und weiß, wie es tickt, diese Zeiten sind wohl ein für alle Mal vorbei.“
(Zitat, S. 34)
oder gar
„Wer etwas Soziales tut, bekommt sofort vorgeworfen, es nur aus schlechtem Gewissen zu tun. Und es ist immer zu wenig, ganz gleich, wie viel es ist.“
(Zitat, S. 185-186)
umso eindringlicher. Die finale Kabumm-Überraschung um die 386te Seite herum pappte mich persönlich noch einmal so richtig an die Seiten, so dass ich die kurze Überlegung, den „Rest“ erst am Folgetag zu lesen, rasch verwarf.
Offen gestanden hat mich der Buchumfang im ersten Moment ein wenig abgeschreckt, befürchtete ich zumindest in Teilen Langatmigkeit, zu viele Nebenhandlungen oder Rückblenden. Obschon „Tödlicher Absturz“ hier und dort auf eine zurückliegende Entführung von Julia Durant anspielt, benötigt man die Kenntnis des entsprechenden Bandes zu keiner Stelle, um dem aktuellen Thriller geistig folgen zu können.
Anfänglich prasseln zwar recht viele Figuren auf den Leser ein, doch anhand der vorbildlich gehaltenen Erzählkunst der Verfasser findet man sich meines Erachtens nach zügig zurecht, lernt die Eigenheiten der Personen kennen, schätzen bzw. mit weniger Sympathie zu begegnen.
Alles in allem bin ich von „Tödlicher Absturz“ durchweg angetan sowie des Lobes voll, wenngleich ich das unleidige „Ich monologisiere so lange vor mich hin, wie die Retter Zeit benötigen, um mich zu überwältigen“ alles andere als geglückt empfinde. Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass ich wie bereits erwähnt gerne die Täter-Sicht präsentiert bekomme, jene inmitten „Tödlicher Absturz“ jedoch manchen Zeilen förmlich den Schwung nahm.
Marginaler Punktabzug somit, was der meinerseitigen Empfehlung jedoch keinerlei Abbruch tut.
Fakt ist: die insgesamt 477 Seiten las ich binnen zweier Tage, zumal die Hochspannung von Anfang an als präsent bestach und die Story an sich nicht zuletzt durch die tiefergehende Charakterzeichnung zu bestechen verstand.
“Tödlicher Absturz“
trägt den Untertitel „Ein neuer Fall für Julia Durant“, wodurch konsequenterweise auf der Hand liegt, dass die Ermittlerin bereits in früheren Büchern aktiv werden durfte. Tatsächlich finden sich in „Tödlicher Absturz“ diverse Verweise auf frühere Erlebnisse, lassen den Leser in dem jeweiligen Kontext jedoch keinesfalls im Regen stehen. Das, was man wissen muss, um den einzelnen Erinnerungen Folge leisten zu können, wurde seitens der Autoren gekonnt in Szene gesetzt, in den Verlauf eingewoben wie auch empathisch an den Leser herangetragen.Die Handlung an sich beginnt mit einer merkwürdigen Fahrgast inmitten des Prologs, der mich persönlich direkt fesselte. Rasant spannend tappte ich diesbezüglich bis zur Auflösung im letzten Viertel des Gesamtwerkes förmlich im Dunkeln, griff dessen ungeachtet immerfort auf gewisse Theorien, Verdächtigung und bloße Überlegungen zurück, um den Prolog einordnen wie verstehen zu können.
Bereits auf der 57.ten Seite geschieht sodann ein Mord an der jungen Prostituierten Lara; der Verdacht fällt rasch auf Karl von Eisner, der sich mit der Dame hin und wieder vergnügte. Während die Ermittlungen nur schleppend voranschreiten, wird die nächste Tote gemeldet: Natalie Löbler liegt mit geöffneten Pulsadern in der Badewanne, während gegen ihren Mann zuvor mehrere Anzeigen wegen häuslicher Gewalt erstattet wurden.
Während Julia Durant uns ihre Kollegen nur vage Vermutungen anstreben, ob und inwieweit die ganze Sache womöglich Zusammenhänge aufweisen könnte, weiß der Leser Dank der Erzählperspektive schon längst, dass ein gewisser Arthur Drechsler nicht nur eine Randfigur darstellt...
Die Umsetzung
des Buches gibt dem Leser in der Tat einen großen Vorteil. Dadurch, dass die Sicht nicht ausschließlich auf die Ermittler beschränkt wird, sondern ebenfalls Einblicke in die Absichten, Gedanken wie Taten des Täters offen bereit hält, fühlte ich mich als Leser oftmals dem Duo Frank Hellmer und Julia Durant ein Stück voraus.Obschon es mich persönlich durchaus reizt und ich obendrein solche Schreibweisen bevorzuge, in denen die Sicht des Täters preisgegeben wird, gestaltet sich eben dieses Wissen hinsichtlich der konstant zu halten versuchten Spannung etwas schwerfällig.
So sehr man einerseits förmlich mitfiebert und die diversen Versuche, den bzw. die Tatverdächtigen einzukreisen, mit Faszination verfolgt, kann jene Szenerie von Grund auf nicht mehr sooooooooo sehr fesseln ~ eben weil der Name Arthur Drechsler bereits auf den ersten Seiten genannt wurde.
Statt nun also intensiv mitzugrübeln, raten und zu schlussfolgern, nahm ich als Leser die einzelnen möglichen Motive diverser Beteiligter nur noch zur Kenntnis.
Absolut positiv hervorzuheben in diesem Kontext somit zweifellos, mit welchen Wendungen, Überraschungen und kleineren Randentwicklungen „Tödlicher Absturz“ zu punkten verstand.
Das Timing für solche Knaller liegt respektive lag den Autoren zweifelsohne; fand meines Erachtens eine derartige Überraschung immer dann ihren Platz, wenn die Breite der Leserschaft vermutlich am wenigsten damit gerechnet hätte. Überzogen, übertrieben oder gar konstruiert wirkt indes nichts, während der Fokus generell nicht alleinig auf die Selbst/Morde an sich, sondern gleichermaßen auf quasi sämtliche auftretende Charaktere gelegt wurde.
Soll heißen: blass, undurchsichtig oder gar überzeichnet gestaltet sich inmitten von „Tödlicher Absturz“ niemand; wohingegen potentiell Interessiert eher förmlich dazu getrieben werden, sich in die Figuren hineinzuversetzen, nachzufühlen wie auch alternativ geschockt zu sein.
Selbstjustiz, Ruhmsucht, Überheblichkeit, soziale Kälte... all dies findet man in dem packenden Thriller ohne den metaphorischen erhobenen Zeigefinger wieder; Motive, die man nicht unbedingt nachvollziehen können muss oder gar nur soll, werden wie so oft im mich für meinen Teil etwas missmutig stimmenden Finale genannt. Der begründende Punkt hierfür ist schlicht und ergreifend der, dass meinem Wunsch, einen Thriller vorzufinden, der auf den berühmt-berüchtigten langezogenen Erklärungsmonolog verzichtet, erneut nicht stattgegeben wurde.
Nichtsdestominder sog ich ebenso jene Seiten in mich auf, um zu guter Letzt das Gefühl behalten zu dürfen, einen durchaus gelungenen Roman gelesen zu haben, dessen Schreibstil mich dazu bewog, mich dem letzten Werk von Andreas Franz – „Todesmelodie“ – welches von Daniel Holbe beendet wurde, widmen zu wollen.
Trotzdessen ich die Erzählweise hier und dort als etwas zu detailverliebt einstufen würde, überzeugten mich erschreckend wahre Passagen wie
„Es ist, wie es ist. Halb so viel Bürokratie und ein, zwei Kollegen, die es draufhaben - und wir wären weitaus effizienter als ein Dutzend Eurojobber. Aber letzten Endes bin ich ja selbst einer. (…) Die Zeiten, in denen es so etwas wie eine gute Seele in jedem größeren Gebäude gab, einen, der jeden Winkel kennt und weiß, wie es tickt, diese Zeiten sind wohl ein für alle Mal vorbei.“
(Zitat, S. 34)
oder gar
„Wer etwas Soziales tut, bekommt sofort vorgeworfen, es nur aus schlechtem Gewissen zu tun. Und es ist immer zu wenig, ganz gleich, wie viel es ist.“
(Zitat, S. 185-186)
umso eindringlicher. Die finale Kabumm-Überraschung um die 386te Seite herum pappte mich persönlich noch einmal so richtig an die Seiten, so dass ich die kurze Überlegung, den „Rest“ erst am Folgetag zu lesen, rasch verwarf.
Summa summarum
hätte ich mir diesen Thriller ohne die glückliche Fügung, via der Facebook-Internetpräsenz „Crimethrill“ ein Exemplar gratis zur Verfügung gestellt zu bekommen, aller Wahrscheinlichkeit nach zwar auf die Leseliste gesetzt, jedoch erst in zig Monaten (wenn überhaupt) in den Händen gehalten.Offen gestanden hat mich der Buchumfang im ersten Moment ein wenig abgeschreckt, befürchtete ich zumindest in Teilen Langatmigkeit, zu viele Nebenhandlungen oder Rückblenden. Obschon „Tödlicher Absturz“ hier und dort auf eine zurückliegende Entführung von Julia Durant anspielt, benötigt man die Kenntnis des entsprechenden Bandes zu keiner Stelle, um dem aktuellen Thriller geistig folgen zu können.
Anfänglich prasseln zwar recht viele Figuren auf den Leser ein, doch anhand der vorbildlich gehaltenen Erzählkunst der Verfasser findet man sich meines Erachtens nach zügig zurecht, lernt die Eigenheiten der Personen kennen, schätzen bzw. mit weniger Sympathie zu begegnen.
Alles in allem bin ich von „Tödlicher Absturz“ durchweg angetan sowie des Lobes voll, wenngleich ich das unleidige „Ich monologisiere so lange vor mich hin, wie die Retter Zeit benötigen, um mich zu überwältigen“ alles andere als geglückt empfinde. Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass ich wie bereits erwähnt gerne die Täter-Sicht präsentiert bekomme, jene inmitten „Tödlicher Absturz“ jedoch manchen Zeilen förmlich den Schwung nahm.
Marginaler Punktabzug somit, was der meinerseitigen Empfehlung jedoch keinerlei Abbruch tut.
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