Die Welle des Folk- und Protestsongs der 60er und 70er Jahre ist unweigerlich mit dem Namen Joan Baez verbunden. Auch ich (LosGatos) höre seit über 30 Jahren ihre Platten, früher sicher mehr als heute. Um im Rahmen meiner Reihe „Voices of the Past“ an sie zu erinnern, habe ich das Album „Farewell Angelina“, das bereits 1965 erschien und später auch als CD herauskam, ausgewählt. Obwohl ich von Joan Baez natürlich viele schwarze Scheiben besitze, habe ich mir diese CD kürzlich noch zugelegt, da auf ihr das bekannte schottische Lied „Wild Mountain Thyme“ enthalten ist, ein Lied, das ich auch im Rahmen meiner Berichte über meine diesjährige Schottlandreise angesprochen habe. Natürlich gibt es unzählige Interpreten, die dieses Lied singen, aber ich wollte es gerne von Joan Baez. Denn sie hat für mich die schönste Stimme, die es auf dieser Welt gibt....
Da es um die Sängerin Joan Baez schon seit einiger Zeit etwas ruhiger geworden ist, möchte ich auch heute nicht versäumen, den jüngeren unter uns mit einem kleinen Steckbrief auf die Sprünge zu helfen:
Joan Baez wird am 9.1.1941 auf Staten Island / New York geboren. Ihr Vater ist Mexikaner und von Beruf Physiker, ihre Mutter Amerikanerin. Aufgrund ihrer etwas dunkleren Hautfarbe macht sie bereits als Kind mit rassistischen Vorurteilen Bekanntschaft. Berufsbedingt verbringt die Familie auch ein Jahr im Irak. Nach der Rückkehr lässt sich Familie Baez im Jahre 1952 erst in Kalifornien und später in Boston nieder. Inspiriert durch eine Rede Martin Luther Kings wird die 15jährige Joan zu einer entschlossenen Pazifistin. Als 17jährige nimmt sie erstmals Lieder auf, ohne tragenden Erfolg. Erst als sie die Sänger Bob Gibson und später Bob Dylan kennenlernt, wird sie bekannt. Immer wieder setzt sie sich für Gleichberechtigung von Schwarzen ein und protestiert gegen alles, was mit Krieg zu tun hat. Vor allem natürlich gegen den Vietnamkrieg. Um diesen nicht zu unterstützen, weigert sie sich, Steuern zu zahlen. Doch immer und überall ist es bis heute so gewesen, dass kritische Stimmen mundtot zu machen versucht werden und mit Sanktionen belegt werden. Ihre Protestaktivitäten bringen ihr eine 90-tägige Haftstrafe und eine Verbannung ihrer Platten aus Plattenläden ein. Auch nach Ende des Vietnamkrieges sieht Joan Baez keinen Grund zu schweigen, Militärdiktaturen und Menschenrechtsverletzungen in Südamerika lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Wie man diesen Zeilen entnehmen kann, war Joan Baez stets politisch mindestens so aktiv wie als Sängerin.
Das Album „Farewell Angelina“:
Joan Baez ist vorwiegend Interpretin, eigene Lieder hat sie nur wenige geschrieben. Dabei hat sie sich immer wieder die Songs von Bob Dylan als Vorlage genommen. Die bekanntesten Lieder von Bob Dylan sind auch gleichzeitig die bekanntesten Stücke von Joan Baez. So gibt es wohl kaum CDs, auf denen sie keine Werke des Meisters zum besten gibt. Nicht anders auf dieser CD. Nicht nur der Titel-Song FAREWELL ANGELINA, sondern auch IT’S ALL OVER NOW BABY BLUE, ONE TOO MANY MORNINGS und A HARD RAIN’S A GONNA FALL stammen aus Dylan’s Feder und gehören zu seinen bekanntesten Werken. Das ruhige FAREWELL ANGELINA handelt vom Abschied in
einer Welt, die überall von Gewalt bedroht ist. Auf allen Liedern begleitet sich Joan Baez selbst auf akustischer Gitarre, ansonsten gibt es wenig begleitende Instrumente, ein Umstand, der dazu führt, dass manchem ihre Lieder zu monoton erscheinen, typisches Beispiel: DADDY, YOU’VE BEEN ON MY MIND. Sehr viele Interpreten haben immer wieder Dylan’s IT’S ALL OVER NOW BABY BLUE gesungen. Für mich ist es Dylan’s schönstes Lied und ich höre es eigentlich in allen mir bekannten Versionen gerne, egal, ob von ihm persönlich, von der Gruppe „Them“, von Brian Ferry oder hier von Joan Baez, die gekonnt ihre Sopranstimme und ihr Gitarrenspiel wechselweise glänzen lässt. Danach das schottische Traditional WILD MOUNTAIN THYME, das für mich ein wichtiger Kaufanreiz für diese CD war. Endlich mal heile Welt zwischendurch, könnte man meinen. Dieses Lied ist wirklich etwas zum Genießen, der absolute Höhepunkt der Platte. Joan Baez lässt bei ihrem Vortrag keine Höhen aus und setzt zwischendurch wieder ruhig und leise auf.
Etwas weniger spektakulär wirkt dagegen RANGER’S COMMAND. COLOURS ist ein Lied vom Schotten Donovan, der in den 60er Jahren mit Titeln wie „Universal Soldier“ oder „Atlantis“ (von letzterem Titel gab es kürzlich ein kommerzielles Remake, was einem Sakrileg gleich kommt). SATISFIED MIND, das was Joan Baez hier besingt, hat sie bei ihrem Kampf für Gerechtigkeit wohl selten empfunden. Ihre Ballade THE RIVER IN THE PINES ist wieder von sehr hohen Stimmlagen dominiert. Nicht alle Lieder von Joan BAEZ sind in englischer Sprache, wenn auch die meisten. Bekannt ist vor allem auch ihre Version von „Gracias a la Vida“, die hier jedoch nicht vertreten ist. Stattdessen gibt sie in PAUVRE RUTEBOEUF eine Kostprobe in französischer Sprache. Dann folgt das durch Marlene Dietrich berühmt gewordene SAGT MIR WO DIE BLUMEN SIND. Zwar gibt es von diesem Lied auch eine englische Version. Aber dieses Lied gehört einfach auf Deutsch gesungen. Dieses Antikriegslied beklagt immer wiederkehrende Kriege, bedingt durch die Uneinsichtigkeit der Menschheit. A HARD RAIN’S A-GONNA FALL ist Dylan’s bekannte Hymne gegen Bombenhagel. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ – Dylan drückte es mit ONE TOO MANY MORNINGS etwas anders aus. Von Dylan kenne ich den Titel gar nicht, jedenfalls wird er von Joan Baez sehr ruhig und einfühlsam vorgetragen. Neben den bekannten Liedern eines der schönsten Stücke der Platte. Schrammelige Gitarrenmusik begleitet das langsame Rock, SALT AND NAILS. Und THE WATER IS WIDE bildet den gelungenen Abschluss über 52 Minuten besinnliche Unterhaltung mit Joan Baez.
FAZIT
Joan Baez gehörte neben Bob Dylan und Judy Collins zu meinen bevorzugten Interpreten der Woodstock-Ära. Liebe, Tod, Gewalt und Krieg, den sie mit ihren Mitteln zu bekämpfen sucht, waren stets ihre Themen, die sie inbrünstig vortrug. Es ist klar, dass ich solche Platten auch heute gelegentlich mal wieder auflege. Sie sind eine schöne Erinnerung an eine Zeit, die musikalisch und emotional einen ungewöhnlichen Reichtum bescherte. Auch wenn die Lieder eines Bob Dylan oder einer Joan Baez samt ihrer Texte etwas aus der Mode gekommen sind, aktuell werden sie wohl für alle Zeiten bleiben.
Und hier der Text zu dem Lied, das Altrocker Brian Ferry erst kürzlich mal wieder ausgegraben hat („It’s all over now, Baby Blue“)
You must leave now, take what you need, you think will last.
But whatever you wish to keep, you better grab it fast.
Yonder stands your orphan with his gun,
Crying like a fire in the sun.
Look out the saints are comin' through
And it's all over now, Baby Blue.
The highway is for gamblers, better use your sense.
Take what you have gathered from coincidence.
The empty-handed painter from your streets
Is drawing crazy patterns on your sheets.
This sky, too, is folding under you
And it's all over now, Baby Blue.
All your seasick sailors, they are rowing home.
All your reindeer armies, are all going home.
The lover who just walked out your door
Has taken all his blankets from the floor.
The carpet, too, is moving under you
And it's all over now, Baby Blue.
Leave your stepping stones behind, something calls for you.
Forget the dead you've left, they will not follow you.
The vagabond who's rapping at your door
Is standing in the clothes that you once wore.
Strike another match, go start anew
And it's all over now, Baby Blue.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 21.11.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Yopi, Talk-On und vielleicht Dooyoo
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Produktbeschreibung Farewell Angelina - Joan Baez
Allgemeine Informationen Farewell Angelina - Joan Baez
gelistet seit: 10.09.2003Bewertung durch unsere Mitglieder
Produktbewertung:
Allgemeine Informationen
Interpret: Joan Baez
Tonträger-Typ: CD
Interpreten von A-Z: ja
Genre: Folk