Grundig CR 590 stereo Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
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David siegt gegen Goliath!
ein Testbericht von mg19702005-09-11 14:10:46vom 11.09.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Aufnahmequalität, kompaktes Format, heutiger Preis...Nachteile/Kritik: Verarbeitungsmängel, inkompatibel mit schwergängigen Kassetten (Vor- , Rücklauf)
Heute möchte ich meine "Testreihe" über alte HiFi-Klassiker fortsetzen, indem ich Euch über einen meiner Kassettenrecorder berichte, der auch heute als Gebrauchtgerät ein sehr gutes "Universalgerät" sein könnte. Vor allem wenn man bedenkt, wie rar doch die wirklich guten Kassettenrecorder geworden sind. Und wer heute noch auf Kassetten angewiesen ist, könnte hier mit wenig Geld an ein ordentliches Gerät für den stationären UND mobilen Einsatz kommen.
Neu im Handel erhältlich war der Grundig CR-590 im Jahr 1985 (ich schließe nicht aus, dass er auch 1984 und/oder 1986 im Handel war, mein Exemplar stammte von Mai 1985). Er war der größere Bruder des CR-560, welcher nur die Mono-Aufnahme/Wiedergabe ermöglichte. Für mich kam von vornherein nur die Stereo-Variante in Frage, zumal auch der CR-590 mit ca. 150 DM (umgerechnet ca. 75 Euro) nicht all zu teuer war und ich zu dieser Zeit schon an hochwertigen Komponenten und 100% Stereoklang interessiert war.
Der CR-590 ist ein Toplader, d.h. das Gerät ist in Pultform, und dessen Kassettenfach befindet sich an der Oberfläche des Gerätes, die Bedienungselemente ebenfalls.
Außerdem sind 2 Lautsprecher im Gerätegehäuse eingebaut, welche das Musikhören "im Freien" erlauben, also als Standalone-Gerät bzw. Portable.
Aber der CR-590 kann ebenfalls als (fast) vollwertiges HiFi-Kassettendeck als Baustein einer hochwertigen HiFi-Anlage verwendet werden. Zur damaligen Zeit übertraf es sogar in Sachen Aufnahmequalität einige wesentlich teurere "Edel-Decks". Darauf will ich später in meinem direkten Test und Vergleich noch näher eingehen.
Das Gerät ist formschön und handlich, kann im "mobilen" Einsatz auch mit Batterien betrieben werden. Normalerweise empfiehlt sich aber der Betrieb über die Steckdose per Netzkabel.
Ich besaß und nutzte dieses Gerät zwischen 1985 und 1990. Ursprünglich kaufte ich es mir, weil ich auch in meinem Urlaub (damals noch mit meinen Eltern an einen recht langweiligen Ort) nicht auf den Musikgenuss verzichten wollte und mein Vorgänger-Kassettenrecorder (eine Mono-Gurke) zu langsam lief und auch eine nachlassende Tonqualität hatte.
Aber schon nach kurzer Zeit erkannte ich, dass wesentlich mehr Potenzial in diesem kleinen CR-590 steckt. Ein halbes Jahr vorher bekam ich für meine Stereoanlage zwei teure Kassettendecks von Yamaha, Typ K-320. Damit war ich aber nicht ganz glücklich, da die Aufnahmen sehr höhenarm waren und trotz Dolby etwas rauschten. Die Aufnahmen des CR-590 überzeugten mich mehr. Später schloss ich auch alle drei Kassettengeräte an ein Mischpult an (2x Wiedergabe, 1x Aufnahme) und "produzierte" somit meine Partykassetten, bei denen jedes Lied professionell ineinander überging. Das konnten damals meine Schulkollegen nicht.
Bis zu seinem Ausscheiden 1990 blieb der CR-590 ein fester Bestandteil meiner Anlage.
Im Neuzustand wurde folgendes geliefert: das Gerät, 1 Netzkabel und 1 Bedienungsanleitung (DIN A6-Format).
DIE OPTIK
Es handelt sich um ein formschönes und zeitlos aussehendes Kompaktgerät. Leider weiß ich jetzt nach 15 Jahren nicht mehr die genauen Abmessungen, aber auf jeden Fall ist das Gerät von den Abmessungen her kleiner als ein DIN A4-Blatt (und etwa 5 cm hoch), und es wiegt ca. 2 kg (geschätzt). Es ist also ein sehr handliches Gerät. Ich erinnere mich noch, dass ich es mal zu einer Schulveranstaltung mit Musik in einer gewöhnlichen Umhängetasche mitnahm, in der ich
damals sonst immer mein Sportzeug mit zur Schule nahm.
Das gesamte Gerät ist in Bronze und Silber gehalten, wirkt dadurch sehr edel, aber bei genauerem Hinschauen stellt sich heraus, dass das Gehäuse aus Kunststoff ist (auch bei "größeren" HiFi-Geräten war es Mitte der 80er oft so, dass das Vollmetall immer mehr durch Kunststoff ersetzt wurde).
Wenn man von oben auf das Gerät herabschaut, ist das Design "dreigegliedert". Der obere/hintere Abschnitt ist für die beiden eingebauten Lautsprecher "reserviert". Außerdem findet man links unten ein großes Grundig-Firmenlogo.
Der mittlere Abschnitt beinhaltet das Kassettenfach (Toplader), das Zählwerk und die Regler für Lautstärke und Klang.
Der untere Teil ist als einziges in Silber gehalten (sonst Bronze), dort befinden sich die sechs Tasten für die Bandlauf-Funktionen (es ist ein komplett mechanisch gesteuertes Laufwerk). Links von den Tasten ist die Typenbezeichnung "CR-590" aufgedruckt.
An der linken Seite des Gerätes findet man die Anschlussbuchsen für Kopfhörer und Stereo-Verstärker bzw. externe Quelle als Eingang, sowie einen Schalter für einen speziellen Wiedergabeeffekt (ich gehe gleich noch näher darauf ein).
An der rechten Seite findet man die Buchse für das zweiadrige 220V-Netzkabel.
Dreht man das Gerät um, so findet man am Boden das Batteriefach (man benötigt 6 übliche Baby-Batterien zu je 1,5 Volt) und eine sehr bequeme Griffmulde zum Tragen des Gerätes. Vorgänger von Grundig hatten meist einen ausziehbaren Griff. Diese Griffmulde spart mehr Platz.
DIE BEDIENUNG
Wie schon erwähnt, handelt es sich um ein manuell gesteuertes Toplader-Laufwerk. Ich gehe jetzt auf die sechs Tasten ein und beginne ganz rechts.
STOP/CASS.: Wir drücken nun diese Taste einmal herunter. Die Kassettenfach-Klappe im mittleren Abschnitt der Geräteoberfläche öffnet sich nach oben, und zwar gedämpft und leise. Dort schieben wir nun in die Einführungen diese Klappe eine Kassette ein, voller Bandwickel nach links und Bandöffnung nach vorne zeigend. Nun drücken wir die Klappe ganz herunter, bis sie einrastet.
START: Als nächstes drücken wir die START-Taste. Der Wiedergabevorgang beginnt nun. Möchten wir die Wiedergabe wieder unterbrechen, drücken wir 1x auf die STOP/CASS.-Taste. Bei einer zweiten Betätigung letzterer Taste öffnet sich das Kassettenfach wieder, zwecks Entnahme der Kassette.
CUE (>>): Schneller Vorlauf. Wenn diese Taste allein gedrückt wird, rastet sie ein, und das Band wird schnell vorgespult. Am Bandende schaltet sich das Gerät automatisch ab (gilt für alle Funktionen des Bandtransports).
Man kann diese Taste aber auch während der Wiedergabe bei gedrückter START-Taste drücken und gedrückt halten (rastet dann nicht ein). Dadurch kann man während der Wiedergabe auch kurze Bandpassagen vorspulen, beim Loslassen der Taste wird die Wiedergabe fortgesetzt. Hält man die CUE-Taste nur halb gedrückt, kann man dabei die Aufnahme auch in der hohen Geschwindigkeit hören (ist vielleicht dann hilfreich, wenn man den Anfang des nächsten Liedes schnell auffinden will).
REV. (<<): Schneller Rücklauf. Die Funktionen sind analog zum schnellen Vorlauf, nur halt in anderer Richtung.
REC.: Aufnahme. Wird diese Taste zusammen mit der START-Taste gedrückt, so wird die eingelegte Kassette gelöscht und mit dem eingehenden Tonsignal bespielt.
Ist kein externes Gerät (z.B. Verstärker, CD-Player) an die DIN-Buchse an der Seite angeschlossen, so erfolgt die Aufnahme über das eingebaute Mikrofon, d.h. alle Außengeräusche werden aufgezeichnet, auch z.B. die Sprache der Menschen, die sich in der Nähe des Recorders befinden.
PAUSE: Pausenfunktion während der Wiedergabe und Aufnahme. Im Gegensatz zur STOP-Taste wird nur die Andruckrolle zurückgezogen, die Tonköpfe bleiben mit dem Band in Kontakt, auch die Tonwelle dreht sich weiterhin. Dadurch beginnt die Wiedergabe/Aufnahme nach "Entriegeln" exakt (!) wieder an derselben Stelle, wo sie unterbrochen wurde.
Mitte der 80er Jahre hörte ich gern Musik-Mixe (Medleys, Zusammenschnitte) im Radio und versuchte mal, selbst solche zu produzieren. Dabei hat sich die Pausentaste als sehr hilfreich erwiesen ("harte Schnitte", "hard cuts"). Kein moderneres Tapedeck mit Tipptasten/Elektromagnet-Steuerung ist mehr dazu in der Lage, hier war die gute alte mechanische Pausentaste wesentlich präziser!
Im Übrigen wird vor Beginn einer Aufnahme empfohlen, erst die Pausentaste zu drücken und dann die REC- und START-Taste gleichzeitig. Diese drei Tasten signalisieren zusammen gedrückt die Aufnahmebereitschaft. Bei Aufnahmebeginn wird die Pausentaste entriegelt.
Als nächstes kommen wir zum "Mittelteil" des Gerätes.
Hier findet man links oben das Bandzählwerk. Es handelt sich noch um ein mechanisches dreistelliges Zählwerk. Hierbei kann man, falls gewünscht, die Zählwerkpositionen für jeden Liedanfang auf dem Kassettenhüllen-Inlay notieren. Das war eine Hilfe, um ein Lied besser aufzufinden, z.B.:
Lied 1: Zählwerk-Position 000
Lied 2: Zählwerk-Position 072
Lied 3: Zählwerk-Position 131
Unvorstellbar heute! Man wählt ja heute bei moderneren Medien (z.B. CD) das Lied direkt an.
Neben dem Zählwerk ist ein kleiner schwarzer Knopf, mit dem man das Zählwerk auf Null ("000") stellen kann.
Darunter dienen die linken beiden parallel zueinander liegenden Schieberegler für die Lautstärkeregelung. Der CR-590 hat nämlich 2 nebeneinander liegende Lautsprecher eingebaut, und die sind auch separat zu regeln (Balance-Funktion). Beide Schieberegler sollten aber stets parallel stehen, damit keine Signale, die auf nur einem Kanal zu hören sind, verloren gehen.
Meine Erfahrung: das mit den 2 Lautsprechern ist zwar gut gemeint, aber man hört den Stereo-Effekt nur (ein wenig), wenn man direkt vor dem Kassettenrecorder sitzt.
Etwas weiter rechts entfernt ist noch der Klangregler. Je weiter er unten positioniert ist, desto mehr Bässe kommen zur Geltung (ganz oben: maximale Höhen). Sehr gut hat sich die Mittelstellung (neutral) erwiesen.
Der letzte noch nicht hier angesprochene Schalter befindet sich an der linken Seite des Gehäuses. Wird dieser betätigt, so erhält man einen "breiteren" Stereoeffekt. Dieser Effekt, in meinen Augen eher eine Spielerei, war bei Fernsehern, Radiorecordern und kompakten Kassettenrecordern Anfang/Mitte der 80er Jahre eine Modeerscheinung ("Wide Stereo", "Spatial Stereo").
DIE ANSCHLÜSSE
Die vorhandenen Anschlüsse befinden sich an der linken oder rechten Gehäuseseite. Zum einen findet man links die Kopfhörerbuchse für 3,5mm-Klinkenstecker. Ist ein Kopfhörer daran angeschlossen, so werden die eingebauten Lautsprecher abgeschaltet. Lautstärke- und Klangregler sowie dieser Schalter an der Seite funktionieren natürlich auch mit Kopfhörer.
An der rechten Geräteseite befindet sich der Netzanschluss, an den ein handelsübliches Geräte-Netzkabel (220 Volt, 2-adrig) angeschlossen wird. Sind zur gleichen Zeit Batterien im Gerät, so wird bei eingestecktem Kabel die Batterieversorgung automatisch abgeschaltet. Also auch wenn der Netzstecker nicht in der Steckdose ist, in dem Fall hat das Gerät dann trotz Batterien keine Funktion.
Und schließlich kommen wir zur Buchse für Verbindung mit einem Stereo-Verstärker/Receiver oder einer externen Aufnahmequelle (CD-Player, 2. Kassettenrecorder, Plattenspieler mit Keramik- oder Kristallsystem, Computer). Leider handelt es sich noch um eine DIN-Buchse. Deutsche HiFi-Geräte der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten alle diese runden, 3- bis 5-poligen Stecker und Buchsen anstelle der heutigen Cinch-Anschlüsse. Da das Gerät immerhin schon aus dem Jahr 1985 stammt, fand ich die Wahl des DIN-Anschlusses schon mehr als unglücklich. Ich hatte den CR-590 mit Hilfe eines DIN/Cinch-Adapters mit meinem etwa gleich alten Yamaha Vollverstärker verbunden, bzw. später mit einem Mischpult.
Diese Buchse befindet sich ganz vorne an der linken Gehäuseseite, was ich optisch auch nicht so gelungen finde. Ich hatte das Gerät ja auch als Anlagenkomponente genutzt, und hierbei stand es in einer Schrankwand. Besser hätte ich es gefunden, wenn die DIN-Buchse (Cinch wäre noch besser gewesen) und auch die Netzbuchse an der Geräterückseite wären. So war es jedenfalls bei den Grundig-Vorgängermodellen (z.B. C-440, CN-Serie…).
Wenn man den CR-590 über einen Stereo-Verstärker betreibt, dann müssen die Lautstärkeregler auf Null stehen, da ansonsten der Ton auch aus den eingebauten Lautsprechern käme.
So weit zum "allgemeinen" Teil und der Funktionsbeschreibung dieses Gerätes. Im zweiten Teil dieses Berichtes geht's ans "Eingemachte", es geht um meine persönlichen Erfahrungen mit diesem Gerät. Und um nun auf die Überschrift des Berichtes zurückzukommen: Ich habe den "Kleinen" damals direkt gegen ein sehr teures HiFi-Kassettendeck von Yamaha getestet - und dabei kam ich zu mehr als überraschenden Ergebnissen!
DIE WIEDERGABE
Die Wiedergabequalität dieses Kassettengerätes stufe ich als gut ein. Sowohl im portablen Bereich als auch bei der Verwendung als HiFi-Komponente.
Im portablen Bereich, also über die eingebauten Lautsprecher, bringt dieses Gerät ausreichend "Power", um einen mittelgroßen Raum mit mehreren Leuten zu beschallen. Die Klangqualität ist auch angenehm. Sogar schwächere Bänder (Originalkassetten, fremdbespielte und/oder sehr alte Bänder) machen in diesem Modus einen recht passablen Eindruck.
Als HiFi-Anlagenkomponente ist die Klangqualität bei der Wiedergabe auch gut. Auch fremdbespielte Bänder machten bei mir einen passablen Eindruck. So manches wesentlich teurere Kassettendeck bekommt das wahrscheinlich auch nicht besser hin, denn das mit den fremdbespielten Bändern und der Kompatibilität unter den verschiedenen Decks ist immer so eine Sache. Dieses Gerät hat mich aber positiv überzeugt.
DIE AUFNAHME
Und jetzt kommt der Hammer! Bei vielen Kassettengeräten habe ich einen Mangel an Höhen feststellen müssen, oder auch nachlassende Höhen auf bestehenden Kassettenbändern im Laufe der Jahre. Beides war beim CR-590 NICHT der Fall, obwohl es so ein unscheinbares kleines Kompaktgerät ist!
Die Aufnahmen sind, gerade auch im Höhenbereich, äußerst detailgetreu. Außerdem war nicht das geringste Rauschen zu hören, obwohl der "Kleine" natürlich nicht über das Dolby-System verfügt! Auch auf Fremdgeräten wiedergegeben sind diese Aufnahmen erste Sahne!
Wie schon erwähnt, bekam ich ein halbes Jahr vor dem Kauf dieses Grundig 2 HiFi-Kassettendecks von Yamaha, Typ K-320, das war im Jahr 1984 die angehende Mittelklasse, und der Name "Yamaha" steht auch für Qualität.
Was mich an diesem Yamaha-Modell störte, waren die fehlenden Höhen bei der Aufnahme. Außerdem rauschten die Aufnahmen trotz Dolby. Und obwohl ich zwei neue K-320 besaß, waren Deck A und B nicht kompatibel, wenn ich meine Kassetten zwischen den beiden (gleichen) Geräten austauschte.
Aber nun hatte ich den "kleinen" Grundig mal als Aufnahmegerät eingesetzt! Ich war einfach nur begeistert!
Solche brillanten Höhen kannte ich bisher nur vom Yamaha-Deck K-560 (1981), welches in meiner ganzen HiFi-Karriere mein allerbestes Kassettendeck war.
Obwohl ich auch solche Boliden wie das Akai GX-75 II oder Denon DRS-810 hatte, blieb der Grundig ungeschlagen auf dem zweiten Platz in Sachen Aufnahmequalität und ließ die Boliden hinter sich. Deren Aufnahmen klangen zwar im ersten Moment noch besser, aber sie alterten auch schneller und waren mit verschiedenen anderen Decks nicht kompatibel. Vor allem das zeitgleich verwendete Yamaha K-320 sah besonders alt aus!
Ich war so enttäuscht von den K-320 und so begeistert vom CR-590, so dass ich diesen eine gewisse Zeit lang als Haupt-Aufnahmegerät einsetzte.
Ganz besonders gute Aufnahmeergebnisse hatte ich mit der Kassette "Maxell UD II". Aber auch die XL II brachte sehr gute Ergebnisse.
Mit sehr alten Kassetten (z.B. AGFA aus den 70ern) hatte ich auch keine nennenswerten Probleme, gerade da stellten sich einige neuere/größere Kassettendecks gern etwas quer.
Auch wenn ich die Aufnahmen des Grundig mit einem Fremdgerät (natürlich ohne Dolby) abspielte, hatte ich eine ähnlich gute Klangqualität!
Jetzt habe ich die Aufnahmequalität des CR-590 so sehr gelobt, aber einen großen Nachteil darf ich nicht verschweigen: Der CR-590 hat nur eine automatische Aufnahmeaussteuerung. Natürlich sind die Werte sehr gut, es ist nichts verzerrt oder übersteuert, aber man kann die Aufnahmen halt nicht aus- oder einblenden. Das habe ich gern gemacht, wenn ich eine ganze Kassettenseite Radioprogramm aufnahm und dann die brauchbaren Songs so auf eine andere Kassette überspielte, ohne ein abruptes Lied-Ende oder gar noch den Radiosprecher zu erwischen, oder auch bei meinen aufgenommenen Computermelodien (C64 oder Amiga, direkt an den Grundig angeschlossen), die meist eine "Endlosschleife" waren. Einzige Möglichkeit des Ein- und Ausblenden ist bei diesem Gerät, wenn man zwischen Quelle und Aufnahmegerät ein Mischpult schaltet und mit diesem das Signal ein- und ausblendet.
Von Aufnahmen mit dem eingebauten Mikrofon solcher Kassettenrecorder kann man natürlich nicht viel erwarten, jedoch sind diese als alltagstauglich einzustufen. Ein externes Mikrofon kann man nicht anschließen.
Dass es sich um ein Zweikopf-Gerät ohne Hinterbandkontrolle handelt, erklärt sich eigentlich von selbst bei diesem kompakten Geräteformat und der Preisklasse. Trotzdem habe ich das nie vermisst, denn jede Aufnahme klang einzigartig! Davon kann sich das um 175 Euro teurere Yamaha-Deck gleichen Alters wirklich mehrere Scheiben abschneiden!
DIE VERARBEITUNG
Und jetzt kommt's! Ich kann das Gerät nicht nur loben, denn mit der Verarbeitung machte ich sehr schlechte Erfahrungen. Das Gerät sieht zwar formschön und edel aus, aber wenn man näher hinschaut, erkennt man, dass es aus Plastik ist.
Nicht nur das Gehäuse, sondern auch einige bewegliche Teile sind aus Plastik. Das fängt mit dem Inneren des Kassettenfaches an. Einen sehr soliden Eindruck machten z.B. einige Teile des Tonkopfschlittens nicht auf mich. Im letzten Jahr des Besitzes (5. Jahr) ließ auch der Mechanismus der Kassettenfachöffnung nach, so dass sich das Fach ganz schnell und laut öffnete.
Die sechs Tasten sind auch aus Plastik. Und einmal geschah es, dass an einer Taste mal ein kleines Plastik-Nippelchen abbrach. Dadurch konnte die Taste nicht mehr betätigt werden. Ich gab das Gerät in die Reparatur. Die Taste wurde erneuert, die Reparatur war ziemlich billig damals (ich glaube, ich habe Anfang 1988 ca. 30 DM bezahlt, was heute nicht mehr denkbar ist).
Dann kam der größte Hammer (im wahrsten Sinne des Wortes) zu Beginn des letzten Nutzungsjahres. Die Lautstärke ließ sich nicht mehr regeln. Das Schlimmste war, dass sie stets auf Maximum blieb. Ich bekam einen riesigen Schrecken, als das Ding mit voller Pulle losging. Was machte ich? Die Kabel zu den beiden eingebauten Lautsprechern wurden von mir einfach gekappt. Somit konnte ich das Gerät nur noch in Verbindung mit meiner HiFi-Anlage betreiben.
Da bald wieder der Urlaub anstand, musste ich mir einen neuen "Portablen" kaufen. Solche guten Kassettenrecorder gab es 1990 schon nicht mehr, es wurde ein Panasonic Radiorecorder, welcher mein schlechtester Stereo-Recorder aller Zeiten war (er nahm fast nur Rauschen auf). Etwas sentimental dachte ich schon an die Zeiten mit dem Grundig zurück.
Ende 1990 wollte ich das Gehäuse des Grundig mal öffnen, um einen weiteren mechanischen Defekt vielleicht beheben zu können, dabei brach mir irgendein Teil des Gerätes endgültig auseinander (wieder Plastik), und das war's dann mit dem Grundig.
Jedoch hatte ich kurz danach sehr guten Ersatz, da ich häufig mit zwei Yamaha Tapedecks der frühen 80er Jahre aufnahm, die standen dem Gerät in nichts nach, das eine war sogar noch viel besser, auch die Aufnahmen (Dolby B).
DER BANDTRANSPORT
Ein letzter Aspekt, auf den ich eingehen möchte, ist der Bandtransport, also der Gleichlauf und die "Zugkraft" des Gerätes. Es versteht sich, dass Kassettengeräte dieser Klasse natürlich nur 1 Motor besitzen (Wiedergabe, Vorlauf, Rücklauf).
Ich hatte zu der Zeit noch einige AGFA-Kassetten aus den 70er Jahren, die sich allgemein als sehr schwergängig erwiesen. Mit dem Grundig war aber ein reibungsloser Gleichlauf möglich, ohne Aussetzer (mein 1992er Akai-Deck für 400 Euro schaltete bei der kleinsten Unebenheit gleich auf Stopp) und ohne Bandsalat! Eins meiner "Sorgenkinder" war eine orangefarbene "AGFA Low-Noise C90" von 1976. Bei der Wiedergabe lief sie einwandfrei durch, aber wenn ich sie schnell vor- oder zurückspulen wollte, ging gar nichts oder fast gar nichts! Mit etwas Glück wurden "schubweise" mal ein paar cm Band weitergespult. Kurz gesagt: die Wiedergabe von 1 Seite (45 min.) war schneller beendet als das Umspulen bei solch problematischen Kassetten. Welche gar nicht alt sein mussten! Mit der ersten Serie der Maxell XL II-S im schweren schwarzen Gehäuse (ab 1986) hatte ich ähnliche Probleme, wahrscheinlich war die Kassette irgendwie zu schwer. Die Wiedergabe funktionierte auch hier einwandfrei, das Umspulen konnte Probleme bereiten.
Am "dankbarsten" waren in diesem Gerät (und auch allen meinen anderen Laufwerken) immer noch die beliebten Maxell-Chromkassetten aus der ersten Hälfte der 80er (z.B. die UDXL II, XL II, UD II, XL II-S der ersten beiden Serien). Auch mit TDK und Sony hatte ich keine Probleme, bei BASF war es unterschiedlich, aber mit BASF hatte ich vor allem ab den 90ern in wesentlich teureren Geräten deutlich mehr Probleme, im Grundig war zumindest der Gleichlauf bei der Wiedergabe OK (ein großes Akai-Deck bekam das nicht hin bei den BASF aus den 80ern).
Abschließend: man bekommt keine Probleme mit dem Bandtransport und dem Umspulen, wenn man nicht gerade die schwergängigsten Kassetten verwendet. Die wenigen heute noch erhältlichen Kassetten (z.B. TDK) dürften gar keine Probleme bereiten.
ALTERNATIVEN UND GEBRAUCHTPREISE
Schon seit Beginn der 70er Jahre hatten Grundig immer ein "Kassettenrecorder-Paar" im Programm mit einer Mono- und einer Stereoversion. Einer der Vorgänger in meinem Besitz war der CR-455 (Produktionszeitraum ca. 1978-81), welcher die Monoversion war (Stereo: CR-485). Ein ähnlich aufgebautes und ähnlich gut klingendes Kompaktgerät, allerdings hier noch mit wesentlich mehr Metall verarbeitet. Diesen 455 hatte ich aber nur sehr kurz, da es sich um ein "Montagsgerät" handelte (meiner zerknitterte immer die Bänder). Dann gab es in meiner Verwandtschaft mal den C-440 (Stereo, ca. 1973). Obwohl mir das Design nicht so zusagte (etwas altbacken), schien der kein schlechtes Gerät gewesen zu sein. Er war als HiFi-Komponente an ein Musiktruhen-Radio (Grundig 8053, 1969, sicher kein High-End, aber für damalige Verhältnisse ganz passabel) angeschlossen, und es existierte eine sehr große Sammlung dieser "AGFA Low-Noise"-Kassetten und noch älteren Vertretern. Diese hatten mit dem C-440 eine sehr lange Lebensdauer, während ich mit meinen Exemplaren weniger Glück hatte (ich begann damals mit einem Monorecorder von Telefunken). Der C-440 selbst hielt auch sehr lange, ich sah ihn zuletzt Mitte der 80er Jahre, als er ca. 15 Jahre alt war. Bei eBay taucht auch heute dieses über 30 Jahre alte Modell gelegentlich auf.
Ab und an ist der Grundig CR-590 stereo gebraucht z.B. bei eBay zu finden. Normalerweise sollte man dafür nicht mehr als 15 Euro zahlen, evtl. bekommt man ihn zu diesem Preis auch schon inkl. Versand. Die beiden eben vorgestellten "Kollegen" als Alternativen dürften auch etwa in dieser Preisklasse liegen. Meine erste Wahl wäre aber der CR-590, da das jüngste Modell, und ich habe ja damit auch konkrete (sehr positive) Aufnahme-Erfahrungen gesammelt.
EINSATZGEBIETE (aus heutiger Sicht)
Die Kassette ist heute natürlich ein ziemlich "totes" Medium, daher sind auch nur noch wenige Kassettendecks und -recorder neu erhältlich. Wer noch Kassetten hat, diese aber nicht mehr als Hauptmedium nutzt, könnte mit diesem gebrauchten Modell einen ordentlichen Universal-Kassettenrecorder finden, mit dem man dazu auch noch sehr gute Aufnahmen in HiFi-Qualität machen kann.
Auch als HiFi-Kassettendeck ist dieser Recorder mehr als ausreichend, sofern man das Deck nur noch selten verwenden will (Wiedergabe: gut, Aufnahme: sehr gut, es fehlen nur die ganzen anderen Möglichkeiten eines großen Tapedecks, wie z.B. manuelle Aussteuerung, Aussteuerungsanzeige, Dolby).
Für Nostalgiker auch ein empfehlenswertes Gerät, vor allem für Besitzer eines deutschen HiFi-Steuergerätes (heute sagt man Receiver) aus den 60er oder frühen 70er Jahren. Diese Geräte hatte man in meinem ersten Lebensjahrzehnt (70er) sehr häufig in meinem Bekanntenkreis, und der wenig später gekaufte deutsche Kassetten-Toplader gehörte einfach irgendwie dazu! Dank DIN könnte man das Gerät an so ein Radio ganz ohne Adapter anschließen.
Für den portablen Einsatz (Kinderzimmer, Reisen, Garten/Balkon, zu Lehrzwecken etc.) hat man auch ein gutes Gerät, das man in dieser Qualität neu nicht mehr bekommt. Wenn es sein muss, kann der Grundig auch "laut genug" sein bei solchen Einsätzen. Vor allem ist das Gerät auch wesentlich handlicher als die schon seit Jahren üblichen "Ghettoblaster".
FAZIT UND ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG
Ich habe ja eigentlich schon alles gesagt, man hat mit diesem Gerät ein gutes Universal-Kassettengerät, das den heutigen Ansprüchen (Kassetten werden eher selten noch genutzt) im Großen und Ganzen voll entspricht. Ich besaß in den letzten 20 Jahren 10 verschiedene Kassettendecks von 75 bis 500 Euro, und in Sachen Aufnahmequalität erreichte der kleine Grundig bei mir den zweiten Platz unter diesen 10 Geräten. Was will man mehr? Dazu noch für sehr wenig Geld!
Wer das Gerät aber sehr häufig benutzt, dem rate ich eher davon ab, aufgrund der Verarbeitungsmängel und dadurch möglichen Defekte (Verschleiß des Materials). Alte und schwere Kassetten sind auch weniger geeignet.
Optimal sicher auch für den mobilen Einsatz wegen des kompakten und ergonomischen Formats! Einfach ein Alleskönner: portables Gerät und HiFi-Tapedeck zugleich!
Da mich vor allem die Aufnahmequalität so begeisterte, gehe ich nun erst mal von der Höchstnote als Basis aus, diese hätte das Gerät schon wegen der Aufnahmen verdient. Jedoch muss ich zwei Sterne abziehen. Den ersten für die teilweise doch recht starken Verarbeitungsmängel (dadurch im "worst case" Verkürzung der Lebensdauer möglich, nur aufgrund des "blöden Plastiks"). Den zweiten Stern ziehe ich ab wegen a) mangelnder Kompatibilität mit schwergängigeren Kassetten, vor allem beim schnellen Vor- und Rücklauf, und b) wegen des DIN-Anschlusses, welcher für das Erscheinungsjahr 1985 schon sehr untypisch geworden ist.
Insgesamt bekommt das Gerät aber noch meine volle Empfehlung, gerade auch weil es heute zu sehr kleinem Preis zu bekommen ist.
Erstveröffentlichung von mir unter gleichem Benutzernamen auch bei ciao.de in 08/2005
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