Das dienstälteste Gerät meiner Heim-Anlage, dass bisher meiner Aufrüstwut erfolgreich entging, ist gleichzeitig deren Herzstück: Der AV-Receiver. Lange bevor ich meinen Silber-Tick was Home-Elektronics angeht entdeckte war dieser possierliche Kerl bereits in Verwendung, er ist das einzige Gerät, dass entgegen zum Rest bei mir mal ausnahmsweise schwarz ist. Seinerzeit war ich auf der Suche nach einem (relativ) zukunftssicheren Verstärker, an welchen ich meinen Video Recorder genauso anschliessen konnte, wie den CD-Player, Tape und Plattenspieler – an LD und DVD habe ich damals noch gar nicht gedacht, obgleich der KRF-V bereits mit dieser Anschluss-Option ausgerüstet war, kam dieser zukunftsweisende Zug von ihm mir erst später entgegen. Da ich bereits gute Erfahrungen mit Kenwood-Geräten gesammelt hatte, stach mir das Angebot bei Saturn von 359.- DM (vor 4 Jahren) besonders in die Augen, schon damals war der KRF-V5010 (Der kleinste dieser Serie) ein angehendes Auslaufmodell, er besitzt zwar Dolby ™ ProLogic 5.1 jedoch nicht das zu dieser Zeit grade topaktuell werdende AC-3 – Im sicheren Glauben, dieses auch so schnell nicht zu benötigen, habe ich den schwarzen Kasten dann auch mitgenommen...seither gebietet er von DVD / Video bis hin zum Radio über den Sound in der Bude.
Allgemeines / Installation
Ein AV-Receiver ist, wie erwähnt nicht nur das Herz einer jeden Heimkino-Anlage, ein richtiger Allrounder, der sich nicht nur auf das Verstärken von ProLogic Signalen versteht, sondern alle Audio-Quellen an die Leine nimmt und noch dazu über einen RDS-EON Tuner für den Radioempfang verfügt. Aufgrund seiner vielfältigen Einsatzgebiete, sind Nicht-HiFiisten erstmal von der Fülle der Anschlüsse auf der Rückseite erschlagen und geraten vermutlich in Panik, wenns ans Einstellen der Funktionen geht – ohne Fleiss kein Preis und kein Sound, da muss man jetzt durch, auch wenn der 5010 „nur“ der Kleinste seiner Art und somit spärlicher ausgestattet ist, als seine grossen Brüder, kommt man als Neuling auf diesem Gebiet um ein wenig Hintergrundwissen und genaues Studium der Bedienungsanleitung nicht herum. Als zentrales Gerät hat man hier am Meisten zu verkabeln und einzustellen...werfen wir ein Blick auf das Gerät.
Bevors losgehen kann ist der Receiver natürlich erstmal aus seiner Transportverpackung zu nehmen und das Zubehör auf Vollständigkeit zu checken: Gerät plus Bedienungsanleitung, Dipol-Antenne, Rahmen-Antenne und FB (Batterien inklusive) finden sich im Karton, weitere eventuell benötigte Kabel – vor allem Cinch – sind für den Preis nicht enthalten und müssen entweder nachgekauft werden oder liegen (im Idealfall) sogar manchmal auch den Quell-Geräten (wie Video, DVD/CD-Playern) direkt bei. Wie dem auch sei: ohne Verbindungskabel heissts langes Gesicht und dicke Backen machen...no connection – no sound. Wo wir grade beim Sound sind, ein simples Stereopärchen an einen AV-Receiver anzuschliessen ist natürlich uneingeschränkt möglich, bedeutet aber Perlen vor die Säue werfen, einem ProLogic Verstärker gelüstet es nach mindestens 5 Lautsprechern ( 2 Stereo, 2 Effekt und 1 Center) meist in Verbindung mit einem zusätzlichem, aktiven (!) Subwoofer (Der Sub-Ausgang ist bei diesem Modell nämlich nicht verstärkt und benötigt daher einen eigenen Nachbrenner). Praktisch sind die beiden beschalteten und integrierten Steckdosen, die Geräte mit maximal 150 Watt Leistungsaufnahme aufnehmen können, das bietet sich für
Tape-Decks, Plattenspieler und Audio-CD Player an, nicht jedoch für DVD-Spieler. Grund: Schaltet man den Receiver ab, liegt auch keine Spannung mehr an den beiden Dosen an, ergo „vergisst“ ein DVD-Player seine eingespeicherten Einstellungen, da kein Saft für den Speichererhalt mehr da ist.
Hat man alles beisammen, wendet man sich unter Zuhilfenahme des Handbuchs der Vielzahl an Anschlüssen auf der Rückseite zu. Eigentlich ist die Reihenfolge der Verbindungen unerheblich, doch hab ich es mir zur Gewohnheit gemacht die einfachsten Sachen zuerst anzuschliessen (Antenne – wahlweise Koax oder Mitgelieferte) und dann jedes Gerät komplett für sich, so kommt man nicht durcheinander, welche Strippen wohin gehören – ganz zum Schluss erst werden die Lautsprecher in die Klemm-Terminals eingeführt und der Netzstecker eingestöpselt. Noch bevor der Receiver (die meisten werden ihn in ein Rack stellen) endgültig & dauerhaft an seinem angestammten Platz gestellt wird, macht man für gewöhnlich einen Testlauf, um nochmal sicher zu gehen, dass alles auch wirklich funktioniert, wie’s soll...man kann bei der ganzen Kabelage schon mal den einen oder anderen Bock schiessen und sich schlichtweg in der Steck-Buchse irren, umso ärgerlicher, wenn man das Gerät schon adrett im Rack verstaut hat und den ganzen Krempel wieder erst mühsam herausziehen muss, weil sich irgendwo ein Verkabelungsfehler eingeschlichen hat...Läuft alles zur Zufriedenheit, kommt die Einstellarbeit, wie Sendersuche und die klangliche Anpassung an die räumlichen/technischen Gegebenheiten.
integrierte Steckdosen (2): Euro-Norm (Switched) / max. 150 W belastbar
Gehäusefarbe: Schwarz
Handling
Hat man die Hürde des Anschliessens erst einmal hinter sich gelassen, stehen eine Reihe von Funktionen zur Auswahl, die den alltäglichen Gebrauch bereichern, wobei man dank des grossen Multifunktionsreglers und der klar definierten Tasten den 5010 sowohl am Gerät selbst, als auch über die mitgelieferte FB bedienen kann, was wohl meistens der Fall sein wird. Dank seiner verschiedenen Sound-Modi lässt sich der 5010 an jedwede Quelle anpassen, so ist es natürlich nicht erforderlich, den Phono-Ausgang mit Surround-Sound zu betreiben, so schaltet man bequem von der FB aus zwischen Dolby-Prologic, 3-Stereo oder Stereo um, je nachdem, welche Art Gerät das Signal liefert, wobei das grosse übersichtliche Display mittels erst Laufschrift und später mit Piktogramm anzeigt, in welchem Modus sich der Receiver grade befindet. Apropos Laufschrift: Er unterstützt bereits – trotz seines Alters – Radiotext, d.h. sendet ein Radiosender zusätzlich zu seiner RDS-Kennung noch weitere Daten mit (idR Interpret, Songname), dann scrollt diese endlos durch das Display. Der Tuner an sich ist sehr störarm, was aber nichts heissen muss, da ich über Kabelanschluss verfüge und die terristische Antenne in all den Jahren noch nicht ein einziges Mal getestet habe.
Die FB liegt recht gut in der Hand und ist relativ klein, was auch ihr beinahe einziges Manko darstellt, denn entsprechend winzig sind auch die gummierten und unbeleuchteten Tasten. Ansonsten sind auf ihr alle Funktionen abruf- und einstellbar, die auch am Gerät selbst vorgenommen werden können, zudem kann sie weitere Kenwood-Komponenten steuern – nicht jedoch Geräte anderer Hersteller, Klartext: sie ist nicht programmierbar. Dort liegt bei meiner Konfiguration dann auch der Hase im Pfeffer, mein neu hinzugekommener DVD-Player (Dual DVD 8000 MP) liegt auf der gleichen Empfangs-Frequenz und kommt daher der FB des Kenwood ins Gehege. Das äussert sich dadurch, dass beispielsweise beim Verstellen der Lautstärke am Receiver die Wiedergebe pausiert, das DVD-Setup Menü aufgeht und dergleichen Mätzchen mehr...sehr ärgerlich! Umgekehrt passiert am Receiver nichts, wenn ich die FB des DVDs betätige...höchst seltsam, das soll mir mal einer erklären. Im Übrigen sollte man die obligatorische Warnung, Gerät und/oder FB nicht mit Reinigungsflüssigkeiten zu reinigen in Fall des 5010 ernst nehmen, ich habs mit (sanftem) Glasreiniger versucht und prompt den Aufdruck der FB partiell gekillt...die obere Tastenreihe hat nun keine Beschriftung mehr...oops! ;-)
Ansonsten ist alles drin und alles dran, was das (kleine) Heimkino so verlangt, selbst die Laufzeit des Signals lässt sich per DSP verändern, lobenswerterweise muss man hier nicht von MilliSekunden in Strecken umrechnen, der Receiver bietet die Laufzeitkorrektur Fix-und-Fertig in Fuss und Metern an, man braucht also nur den Abstand zwischen dem einzustellenden Lautsprechen und der Hörposition messen und kann diese dem Kenwood im Klartext mitteilen. Der DSP bietet zusätzlich nur noch zwei weitere Effekte: „Hall“ und „Live“, die ich aber für fragwürdig bzw. gewöhnungsbedürftig erachte, nette Spielerei, aber nicht wirklich erforderlich. Standard sind Bass- und Treble Regelung, sowie ein Bassboost, welche sich stufenlos von –10 bis + 10 dB (Dezibel) regeln lassen, welche Einstellung man hier vornimmt, liegt am Hörgeschmack, den verwendeten Lautsprechern und der Audio-Quelle, zu beachten gibt’s lediglich die Grundregel: Wenns verzerrt wars eindeutig zuviel und im Hinterkopf sollte man immer die Physik haben – eine Veränderung nach oben um 10 dB entspricht einer verZEHNfachung der elektrischen Leistung, welche die armen MOSFETs bereitstellen müssen und sich dadurch dementsprechend auch erhitzen. Wo wir grade bei der Hitzeentwicklung sind, bisher hat die thermische Schutzschaltung noch nie bei mir ausgelöst, obschon der Receiver direkt unter dem DVD und dem Video in einem verdammt engen Rack steht – scheinbar produziert der Kleinste dieser Baureihe längst nicht soviel Abwärme, wie seine Vettern (Im Bekanntenkreis tummelt sich ein 7010, der sich alle Naselang mit blinkender Power-Diode abschaltet)
Fazit
Klar, etwas mehr Wumms dürfte er ruhig haben, habe ich aber eigentlich nicht nötig, da meine Rigipswände auch schon durch den 5010 genug Beschallung bekommen um sie dröhnen zu lassen, von daher brauche ich wohl auch in der nächsten Zeit kein anderes Gerät, zumal dieser sehr zuverlässig läuft und auch alle Funktionen hat, die man für einen anständigen Kino-Abend benötigt. Ob nun Radio, CD, Vinyl oder Video/DVD (Tape-Deck besitze ich keins), für alles ist er gerüstet und auch leicht zu bedienen, sieht man von dem enormen Verkabelungsaufwand mal ab, möchte man ihn nicht mehr missen. Durch seine Funktionsvielfalt empfiehlt er sich als Allrounder und mit seinen 5 x 50 Watt Ausgangsleistung eher für kleinere Anlagen idealerweise mit externem und aktivem Subwoofer, dann knallt der Ullige wie ein grosser mit ansprechendem Klang und guter Auflösung des Geschehens...wer einmal auf den Geschmack eines AV-Receivers gekommen ist, sieht Filme nie wieder nur mit VirtualSurround oder gar „billigem“ Stereo...mit dem KRF-V5010 holt man sich einen soliden Spielgefährten ins Haus, der sogar auf engstem Raum nicht überhitzt und elegant, spartanisch aussieht, es aber faustdick hinter den Leistungstransistoren hat...Klare 4 Sterne von mir – einen muss ich aufgrund des Alters abziehen, es gibt heute vergleichbare Geräte, die natürlich auch über wesentlich modernere Features verfügen, an die vor fast 4 Jahren kaum einer gedacht hat. Zum Alten Eisen gehört er aber dennoch noch lange nicht.
Was rumort so spät noch
...durch Haus und Raum?
Des Pharaos Kenwood ist’s...
...man glaubt es kaum!