Spielfreude kennt scheinbar kein Alter. Denn nach seiner, aus meiner Sicht und auch aufgrund der Verkaufszahlen, sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Eric Clapton auf der CD „Riding with the king“ hat B.B.King im Jahr 2000 mit „Making love is good for you“ auch noch ein zweites Album herausgebracht.
Eigentlich sollte es unnötig sein B.B.King vorzustellen, aber da man ja nicht von sich auf andere schließen soll, vielleicht doch ein paar Worte zu Einleitung:
B.B.King, der 1999 75 Jahre geworden ist, dürfte neben John Lee Hooker die bestimmende Figur des Rythm&Blues in den letzen 50 Jahren gewesen sein. Mit einem Stil, der ihn schon nach wenigen Tönen auf seiner Gitarre mit dem schönen Namen Lucille sofort wiedererkennbar macht, hat er den Übergang vom sehr spartanischen reinen Blues, wie er z.B. von Leuten wie Robert Johnson gespielt wurde, zu einem sowohl von den Instrumenten als auch vom Spielstil etwas an Jazz und Swing-Bands angelehnt Blues geschaffen. Damit wurde wahrscheinlich auch die Basis für den sogenannten „White Blues“, wie ihn z.B. Leute wie John Mayall oder der oben genannte Eric Clapton Anfang/Mitte der 60er gespielt haben, geschaffen. Sein berühmtestes Stück dürfte „Thrill is gone sein.
Für Leute, die sich nicht so für Blues interessieren wird wahrscheinlich seine Zusammenarbeit mit U2 auf „Joshua tree“ (When love comes to town) im Gedächnis geblieben sein.
Auf der CD „Making love is good for you“ zeigt B.B.King in 14 Liedern plus einem Bonsutrack wieder einmal, wie sehr es versteht, mit der richtigen Mischung aus seinem Gitarrenspiel und seinem Gesang einen Groove zu schaffen. Die meisten Songs sind garnicht einmal sonderlich schnell, sondern eher in einem schleppenden Uptempo, aber trotzdem wirkt das Spiel von King und seiner hervorragenden Tourband viel flotter und antreibender, als mancher Sound von „Schnellfinger“-Gitarristen, die meinen Tempo wäre gleichbedeutend mit Groove. Von der Art ist diese Platte seiner 98er-CD „Blues on the Bayou“ sehr ähnlich. Wer dies mochte, kann eigentlich blind zugreifen, ohne weiterzulesen :-)
Vom Songmaterial ist die Platte ein bunter Mix von alten und neuen Songs, von B.B.King selbst Geschriebenen und Cover-Version. Trotzdem wird die Platte sowohl im Stil als auch im Sound aus einem Guß. Daher fällte es auch schwer einzelnen Stücke hervorzuheben. Vielleicht trotzdem ein oder zwei Anspieltips:
„Since I felt for you“ ein wuderbares langsames Stück, das vom Wechsel zwischen Gesangsstimme, dem klagenden Klavier und den dezenten, aber trotzdem unüberhörbaren Bläsersätzen lebt. Natürlich darf die klagende Gitarre nicht fehlen.
„I know“ ist vom Tempo fast ein Swing und klingt ein bißchen nach 60er-Jahre-Pop. (Ich behaupte immer, ich würde „Speedy Gonzales“ (fragt mich nicht nach dem Interpreten) heraushören).
Und vielleicht als letztes noch „Too good to you baby“, weil es für mich das repräsentiert, was diese Platte darstellt: Klassischer Rythm&Blues in seiner reinsten Form ohne große Schnörkel.
Wenn jemand neue Entwicklungen, Experimente oder neue Einflüsse sucht, wird er bei dieser Platte nicht fündig werden. Wer aber für 60 Minuten hören will, wie jemand klingt, der seit 50 Jahren gleichbleibend gute Musik mit einer unbändigen Spielfreude macht, wer Freude daran hat, zuzuhören,
wie Musiker wirklich noch gemeinsam ein Lied spielen und nicht einfach Tonspuren nebeneinander montiert werden, der ist hier genau richtig.
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