Melodie A.M. - Röyksopp Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Bewertung (5.0 von 5)
von 100% aller Autoren empfohlen (2/2).
Bewertungsverteilung:
Klangqualität:
ausgezeichnet
Cover-Design:
ausgezeichnet
Vorteile
Traumhafte, sphärische Klänge aus anderen, elektronischen Welten...
Alles.
Nachteile/Kritik
Hmm, da weiß ich nichts anzubieten...
Nichts.
Aufbruchsstimmungen
ein Testbericht von northstar2003-07-16 18:04:10vom 16.07.2003Empfehlung: ja
Vorteile: Traumhafte, sphärische Klänge aus anderen, elektronischen Welten......Nachteile/Kritik: Hmm, da weiß ich nichts anzubieten...
Röyksopp. Man weiß jetzt wieder mal gar nicht wie sich diese Band aussprechen lässt. Aber das scheint mir auch unwichtig, denn es ist ihre Musik, die für sie spricht. Songs, rein, klar, unverfänglich, sphärisch. Und unglaublich schwierig zu beschreiben, was ich dennoch in meinem nun folgenden Text probieren möchte...
Band
Röyksooo besteht aus zwei Leuten, nämlich Torbjorn Brundtland & Svein Berge. Beide stammen aus Tromso, Norwegen, was so weit weg von Musik ist wie der Mond von der Erde. Man zogen nach Bergen, gründete vor Jahren schon die Band / Zweimanntruppe genannt Röyksopp und legte im Jahr 2001 mit Melody A.M. das erste Album vor. So einfach und kurz kann das manchmal sein.
Cover & Booklet
Gerade noch die Tannenspitzen mit auf das Bild bekommen, welche mäjestätisch in einen leuchtenden gold-braunen Himmel ragen. Man spürrt die Wärme förmlich, aber auch die Leere des Raums, der fats nicht mehr hier ist. Beeidruckend.
Im Booklet findet man nun direkt die Credits, dazu in einen Bärenazug verpackt Brundtland & Berge. Alles barun, ocker, matt, sanft. Erdig. Das hat Style...
Songs
Ich finde es ungehuer schwierig die Musik Röyksopp’s zu beschreiben, wie so oft bei elektromischer Musik, die ja meist wenig Text aufweist und wenn, dann dient dieser ja zumeist dem Klangbild der Songs, weniger der textbezogenen Message der Worte in diesem Song. Wie gesagt, schwierig...
So Easy – Gesänge, unverständlich, träumerisch schön verlieren sich in der Weite des Raums, hallen auf und nieder, werden durch Beats unterbrochen, gestreckt, gezerrt. Irgendwie auch gruselig, mysteriös, geheimnisvoll, aber eben von wunderschöner Gelassenheit, wie der Gang durch eine fremde Welt, hier der Eingang. Man schwimmt hinein, getragen, aber nicht alleingelassen...
Eple – Es klingt wie Vögel,fröhlich losgelassen auf diese Welt, verspielt, ausgelassen, locker ins Sonnenlicht der Welt gesetzt. Man genießt wie sich die Melodien anschleichen und auftauchen, um direkt wieder zu verschwinden. Spielarten eines Raumkonzertes, Experimente im Licht.
Sparks – Langsam schleppt sich ein Beat daher, unterbrochen durch die telephonisch eingebrochene Stimme einer Sängerin, nämlich Anneli Drecker. Die lässt sich über „Sparks“ aus, deren kleines, zwischenzeitliches Licht, Reflextionen über Reflextionen. Atmosphärisch vertieft in gelösste, jazzige Schwingungen...
In Space – Schwerelos, man fühlt sich tatsächlich ins Allversetzt, unterbrochene Melodie, klassisch, beatuntermalt, -ausgemalt. Man rotiert einfach zwischen den Sternen, genießt den Blick, schweift ab, vielleicht in die Ferne...
Poor Leno – Der wohl bekannteste Track der beiden Norweger. Versüßt durch die Stimme Erlend Oye’s, bekannt von den Kings of Convenience. Jetzt wird’s auch tanzbarer, denn die Beats treiben, hämmern. Aber immer noch die fremdartige Schneelandschaft, durch die sich Oye’s Stimme als Band der Gelassenheit windet. Da kann man sich, oder Leno, schon mal drin verlieren, aber ok, „where you be, I’ll be, where you be, I’ll find you“...
A Higher Place – Sprudelnd, prickelnd, elektronischer fließt der Track in einer Spur undurchsichtiger Flächigkeit dahin. Schwerer, aber eben auf der Suche nach dem „higher place“, den man erreichen mag, das Streben wird aber nie zum verzweifelten Flehen, nie zum Kreuzzug einer Erlösung, sondern stets gelassene Reise...
Röyksopp’s Night Out – Selbst Nick Hornby war begeistert. Und besser als er kann man
sich dem Stück nicht nähern. Hier geht es raus, in die hektische Stadt, raus in die Welt der Nacht, wo alles passieren kann; so auch in der Musik, die umschlägt, sich windet, Tempo fordert und nimmt...
Remind Me – Oye singt wieder mal die Vocals, was dem Text, neben der beschwingten Leichtigkeit der Musik, mit der das Stück daher kommt, eine fast geistige Tiefe verleiht. Heiß es da „waiting for the light to come back“, so merkt man schon bald wie’s heller, wärmer wird. Gute Laune in leichtfüssiger Hingabe. Wer sich jetzt nicht mehr in Röyksopp verliebt, dem kann ich eigentlich auch nicht helfen...
She’s So – Ein Saxophone verliert sich in der Stille, einsam durchzieht es die Welt, findet Anteil in anderem, aber bleibt dennoch klar isoliert in der jazzigen Verspieltheit der Melodien..
40 Years Back / Come – Düster, man blickt in den dunklen Teil Elektronika, geisterhaft aufgehellt, verklärt. Schwingend, fast nicht mehr da, ausklingend in die Unendlichkeit sich ergebend, bis diese ganz übnernimmt und die neue, andere Welt ins Nichts abtaucht, vielleicht für immer, so hofft man aber kaum...
Produziert wurde die Platte von Röyksopp und läuft etwa 47 Minuten lang.
Fazit
Selbst beschreiben die beiden Norweger ihre Musik als Suche nach der Wahrheit und eine Mischung aus Filmmusik und Orchestersounds. Dazu ein Mix aus 70er und 80er Sounds, darunter kühle Beats. Aber eben auch die leichte Wärme des Lichts des hohen Nordens. Das sind Röyksopp in short. Und das hört man Melody A.M. auch an. Jedem Song, jedem Ton.
Vergleichbar finde ich dies nicht; ich wüßte nicht wer wie Röyksopp klingt und das ist etwas Gutes. Denn Vergleiche sagen immer auch, dies ist nicht einzigartig. Aber Röyksopp bestehen für sich in ihrer eigenen Soundwelt, in die man eintauc tund in der man sich verlieren kann. Fremd, aber vertraut und angenehm.
Melody A.M. ist sicherlich ihre erste Platte und weitläufig kaum bekannt, aber ich hoffe von dieser Band noch viel mehr zu hören, viel tiefer in deren Welten vordringen zu dürfen. Und das sollte ein jeder. Denn Melodie A.M. ist erst der Anfag, sozusagen der Morgen vor dem Tag, die Sonne geht auf, es beginnt...
Denn wie immer bestehe ich darauf, dass Qualität sich durchsetzt. Und Röyksopp’s Qualitäten liegen offensichtlich für jeden erkennbar dar, man muss nur den versteckten Weg bis dahin finden. Viel Glück dafür...
Fazit: Musik anderer Welten, vielleicht auch für andere Leute. Grandios und unverschämt gut. Bestnote.
------------------- by Northstar '03 -----------------
Link
www.astralwerks.com /royksopp -> Seite der Band, nicht sonderlich aktuell, aber schön gemacht.
Besonderer Tipp
Nick Hornby, 31 Songs; KiWi, 14,90 € - Wer keine Popmusik schreiben kann, der schreibt Bücher, jetzt eben auch Bücher über Popmusik. Hornby schreibt über Lieder, zu denen er etwas zu sagen hat. Und auch Röyksopp sind Hornby’s Feder nicht entgangen. Lesenswert.
...
Wie wertvoll eine Sache ist, erkennt man manchmal recht spät. Manchmal viel zu spät. Manchmal genau rechtzeitig, aber viel zu selten zu früh. Oft kann man sich über manche Dinge gar nicht freuen, obwohl sie so verdammt wertvoll sind. Vielleicht ist man einfach zu blöd, vielleicht hat man einfach nicht die Power einzusehen, was Sache ist. Ein ewiges dahinvegetieren – ohne Ausbruchsversuche. Da liegt der Hund begraben. Klar, man ist selbst Schuld, aber es kann eben verdamt weh tun. Wenn man sich in einer Sache irrt und sich dann falsch verhält. Oh ja. Das kennen wir alle.
Röyksopp sind auch so ein Fall. Ich hätte mein Glück jedenfalls beinahe nicht erkannt. Ich hätte beinahe aufgegeben, was die CD angeht. Einfach so. Was für eine Schande.
Gekauft hab ich sie aufgrund vieler Empfehlungen von Leuten, die Ahnung haben. Und da ich auch Ahnung hab, hab ich sie wiederrum gekauft. Und ich war damit eigentlich überhaupt nicht glücklich. Komisch, dabei war Röyksopp genau die Musik, die ich zu dem Zeitpunkt gebraucht hab. Außer den verqueeren Múm, dem göttlichen Gotan Project und der immer wieder stylischen Thievery Corporation kam mir da nichts in die Anlage. Frei nach dem Motto: Ja, es geht auch ohne verzerrte Starkstromgitarren. Schließlich ist das nur ein kleiner Zipfel einer faszinierenden, großartigen Welt. Und eigentlich hat es fast jeder Ort auf diesem Rund (?) verdient, bereist zu werden. Zumindest genügend Zeit sollte man den Flecken geben. Erst dann kann man sich eigentlich wirklich ein Urteil erlauben – und kleine Reisegruppen durch die Welt schicken. Ja, das macht Spass!
Jedenfalls: „Melody A.M.“ bewirkte irgendwie nichts in mir. Irgendwie klang mir das Ganze viel zu obskur und völlig anders als erwartet. Eingewöhnung ist das Zauberwort. Und die ging ganz auf einmal von selbst. Geistige Verfassung möge eine Rolle gespielt haben. Zum Glück entpuppten sich nicht die, die mir die Scheibe empfohlen haben als Verlierer, sondern ich selber. Ungebremster Egoismus lebe hoch!
Dort, woher Röyksopp stammen, ist ihr Bandname wahrscheinlich sogar ein normales Wort. Vergesst die ganzen Black Metal-Pussies, denn diese Band ist wahrer nordischer Stoff. Viel nördlicher kann man nämlich gar nicht wohnen. Röyksopp stammen aus den Gegenden, in denen pro Tag gerade mal für 2,178 Minuten die Sonne scheint. Oder so ähnlich. Jedenfalls war das sogar den beiden Mitgliedern zuviel und so zogen die zwei Soundtüftler (übrigens unabhängig voneinander) in den sonnigen Süden Norwegens. Wo es zwar meistens ebenfalls saukalt ist, aber in ihren Augen wohl trotzdem der richtige Ort um die ursprünglich aufgelösten Röyksopp 1998 zu reformieren.
Gut, dass diese Kälte im Bandsound nichts verloren hat. Torbjørn Brundtland und Svein Berge, so heißen Röyksopp ausgeschrieben, frönen viel mehr einem organisch-erdigem Sound, der auf jeden Fall weich und warm ist. Unterkühlte Beats sind eben so Fehlanzeige, wie arktische Abfahrten in eisige Tiefen. Röyksopp wollen ihre Hörer nicht abschrecken, indem sie kalte oder komplexe Musik machen. Nein, Röyksopp sind einfach nur da, um die Leute mit Anspruch chillen zu lassen. Ein wenig Downbeat, ein wenig Lounge, ein wenig Ambient. Alles zusammengewürfelt zu einem Cocktail, der zwar
erst nach mehrmaliger Einfuhr schmeckt, aber dann fast von Durchlauf zu Durchlauf bekömmlicher wird. Ein wenig konnte sich die Band ihre Herkunft doch wahren, denn wo die Thievery Corporation stehts urban wirkt, sind Röyksopp nochmals anders gepolt. Eine wahre Zuordnung kann man ihnen nicht geben – das macht auch den Reiz aus. Die Thievery Corporation lärmt zwischen Wolkenkratzern, Gotan Project spielen in rauchigen Jazz-Clubs in Paris, aber was machen Röyksopp? In dem angedeuteten Wald auf dem Cover würden sie sich jedenfalls auch nicht wirklich gut machen. Oder doch? Mysteriös. Vielleicht sollten Röyksopp einfach einen „Great Gig In The Sky“ veranstalten, falls sie den perfekten Auftrittsort suchen. Denn schweben kann man auf ihrem Sound fast immer. Egal, ob Röyksopp einen auf Eighties-Disco machen oder auf Seventies-Jackie Brown.
Alles auf einmal, nichts keinmal. Schade, dass alles so schnell vorbei ist. Mehr als 47 Minuten in zehn Songs gönnen einem Berge/Brundtland nicht. Das reicht nur, wenn man weiß, wo sich der Repeat-Knopf an der Anlange befindet. Oder man hat sich in weiser Voraussicht die Doppel-CD gekauft, die auch auf dem Markt ist/war. Da gibt es noch drei Remixe und drei Videos. Leckerer Nachschlag also.
Drei Videos? Das heißt: Drei Singles. Ja, so ähnlich. Inzwischen sind es zwar vier („Sparks“), doch die Eckpunkte des Albums sind in der Tat die drei ersten Singles. „Eple“ und „Poor Leno“ wurden schon im Vorfeld von „Melody A.M.“ veröffentlicht und machten ihre Sache auf diversen Chill Out-Samplern ganz gut, sodass das Phänomen Röyksopp eigentlich erst richtig Gestalt annehmen konnte. „Poor Leno“ (melancholisch locker) ist der Anker, der den ganzen Sound zurückhält, wenn es sein muss. Und der erst den Zugang ermöglicht. Kurz: Der Hit. Das heißt allerdings nicht, dass „Eple“ (befreit) und „Remind Me“ (clubig) dem Ganzen irgendwie nachstehen würden, im Gegenteil. Jeder Song für sich zeigt Facetten der beiden Tüftler auf und zeigt so eindrucksvoll, was für eine Bandbreite die Norweger haben. Die Pfeiler des Albums. Das ungewöhnlichste Stück ist sicherlich das überlange „Röyksopp´s Night Out“ – der Songtitel sagt alles. Nachtleben, wohlfühlen, toll sein. Vielleicht noch ´ne Line und alles wunderbar. Der Anzug darf auch nicht fehlen. Und schon sind wir wieder bei der Thievery Corporation. Oder doch nicht? Röyksopp sind viel mehr als nur pure Anbiederung. Röyksopp sind ihr eigenes Kind.
„Melody A.M.” versprüht genau die Magie, die dem Genre in letzter Zeit etwas verloren gegangen war. Frisch und unverbraucht, abseits von vorgefertigten Spuren. Genau deshalb konnte die Band wohl auch die Früchte ihrer Arbeit einheimsen, denn zum Kult sind Röyksopp schon lange mutiert. Und das völlig berechtigt. Schließlich kann das Duo auch Live völlig überzeugen und auch außerhalb eines Clubs bestens Stimmung und Atmosphäre erzeugen, was bei dieser Mucke zumindest in meinen Augen nicht ganz alltäglich ist.
Falls das zweite Album an diese Scheibe hier anknüpfen kann, dann haben wir hoffentlich neue Helden in der Szene. Heiß, Baby, Heiß, Heiß!
01. So Easy
02. Eple
03. Sparks
04. In Space
05. Poor Leno
06. A Higher Place
07. Röyksopp´s Night Out
08. Remind Me
09. She´s So
10. 40 Years Back / Come
...