Big Country war, zumindest meiner Ansicht nach, eine der prägenden Rockbands der 80er. Mit Songs wie z.B. "In a Big Country", "Look away" oder "Fields of fire" haben sie einen einmaligen Mix aus sehr rockigen Songs mit charakteristischen mehrstimmigen Gitarrenparts und den Elementen des schottischen Folks geschaffen. Sänger und Hauptsongwriter der Band war Stuart Adamson.
Nachdem es Anfang bis Mitte der 90er etwas ruhig um die Band wurde, gab es 1995 und 2000 noch zwei herausragende Alben. Doch 2001 wurde das Ende der Band verkündet und zum Abschluß noch ein Live-Doppelalbum und mehrere CDs mit Raritäten auf den Markt gebracht.
Als Grund für das Ende der Band wurde angeführt, das Adamson sich musikalisch neue orientieren wollte und in die USA übersiedelte.
Ich persönlich interessiere mich eigentlich weniger für den Klatsch und Tratsch rund um Musiker, die ich gerne höre. Mir kommt es mehr auf die Musik selbst an. Doch wer sich in den letzten Jahren näher mit Big Country beschäftigte, dem konnte nicht verborgen bleiben, dass Stuart Adamson scheinbar massive Probleme hatte. Sowohl von Beziehungsproblemen und eine Scheidung, als auch von ihm selbst zugegebene Probleme mit Alkohol waren immer wieder zu hören. Außerdem litt er scheinbar an Depressionen. 1999 war er für mehrere Wochen spurlos verschwunden. Als dies Ende 2001 wieder der Fall war, ahnte man schon Böses. Und leider bewahrheitete sich diese Ahnung. Mitte Dezember 2001 wurde Stuart Adamson tot in einem Hotel auf Hawaii aufgefunden.
Ein genialer Musiker zu sein ist leider keine Garantie dafür, auch sein Leben zu meistern.
Als eine Erinnerung an diesen begnadeten Musiker hier die Rezension seiner letzten CD:
Die CD:
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Nach dem Ende von Big Country und dem Umzug nach Amerika wurde Adamson von seinem Management mit der Country-Szene in Nashville in Verbindung gebracht. Dort lernte er den Songwriter Marcus Hummon kennen, der schon für vielen Country-Größen wie Dixie Chicks oder Tim McGraw Songs geschrieben hat. Zusammen mit John Mock, einem weiteren Country-Musiker und Mark Brzezicki, dem ehemaligen Schlagzeuger von Big Country, gründeten sie "The Raphaels". Erklärtes Ziel der Band war, laut Aussagen bei der Plattenankündigung und in Interviews, die Zusammenführung der Elemente Country und des keltisch geprägten Rocks, wie ihn Big Country gespielt hat.
Die Songs:
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Supernatural
Geprägt von der Mundharmonika, akustischer Gitarre und dem abwechselnden Gesang ist der Titelsong der CD ein richtige Folkstück. Das Mittelstück mit Akkordeon, Mandoline und Geige kann die schottisch-keltischen Wurzeln von Adamson nicht leugnen.
Simple man
Erinnert schon von den ersten Tönen an ein Big-Country-Stück. Typische Gitarren-Riffs und die prägnante Stimme von Stuart Admason. Ein Mid-Tempo-Stück mit einem schönen doppelten Gitarrensolo in der 2.Hälfte.
Private Battlefield
Sehr ruhiger, nachdenklicher Song, sparsam instrumentiert und sich ganz auf die Kraft der beiden Stimmen in wunderschönen Harmonien verlassend. Der Text zeigt schon etwas Resignation und wenn man ihn im Nachhinein nach den oben genannten Ereignissen verfolgt, läßt sich vielleicht ein wenig von dem erfahren, was in Adamson vorging: "Making love is making war I wonder who I?m fighting for ........ Now I need a place to hide
till the dust has cleared on our private battlefield"
Old country, country
Basierend auf Flöte, Geige und Akustikgitarre geht es wieder etwas flotter und sehr in Richtung Folk weiter.
Learning to row
Wieder sehr ruhiger Song mit einem sehr schönen Refrain, eigentlich akustisch, aber eine sehr schön eingebaute elektrischer Gitarrenpart, der wunderbar harmoniert.
Shattered Cross
Hier hört man in Ansätzen deutlich die für Adamson und somit auch für Big Country typische Gitarre. Doch auch dies ist kein Rocksong wie man ihn von den früheren Big-Country-Alben kennt. Das Tempo bleibt gedrosselt obwohl die Gitarre im Hintergrund schneller wirkt als der Gesamtsong. Aber auch hier fügen die so unterschiedlichen Elemente zu einem einheitlich, sich ins Ohr schleichende Sound.
Toujour Aimez
Ein Liebeslied mit einer dominanten, etwas scheppernden Gitarre, wahrscheinlich Stahlsaiten. Auch wenn das Lied nicht schlecht ist, fällt es, wahrscheinlich auch wegen des etwas simplen, fast schnulzigen und mit etwas vielen Wiederholungen gespickten Textes gegenüber dem Rest der Platte ab.
My only crime
Dafür kommt aber auch gleich wieder ein Höhepunkt der CD. Langsamer Anfang mit Gesang und Klavier, der sich aber zu einer Art Choral mit einer genialen E-Gitarre steigert.
Stand up
Hier hört man die Country-Einflüsse mit dem ¾-Takt und dem Wechsel zwischen erzählendem Gesang und Chorus. Die schöne Mundharmonika darf da nicht fehlen.
Too many ghosts
Einer meiner Lieblingssongs auf der CD: Flotte E-Gitarrenparts, ein eingängiger Refrain, durch die Geigenuntermalung ist der Folkeinfluß weiterhin vorhanden. Ein Song in bester Big Country-Tradition und trotzdem eine Weiterentwicklung ersichtlich.
Blue rose
Wieder etwas mehr in Richtung Country; diesmal ist die Stimme von Marcus Hummon etwas mehr im Vordergrund. Eventuell auch ein wenig zu schnulzig.
Mexican Trout
Das schnellste Stück der Platte. Ein richtiger Rock?n?Roll-Song, der fast ein wenig wie eine Jam-Session wirkt. Doch auch hier wirkt der Sound ein wenig, als ob sie die "Handbremse nicht ganz lösen" wollten. Trotzdem noch richtig fetzig.
Life is a church
Zum Abschluß der CD gibt es noch eine Höhepunkt: Eine richtige Hymne. Klavierbestimmt, gesungen und geschrieben von Marcus Hummon.
Fazit:
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Insgesamt definitiv keine schlechte Platte. Doch dem selbsterklärten Ziel, der Verbindung von Country und dem für Adamson typischen Mix aus Rock und keltischem Folk, konnten sie sich zwar annähern, aber nur in wenigen Songs gelingt diese Verbindung wirklich. Ansonsten sind die Songs entweder der einen oder der anderen Richtung zuzuordnen. Was dem Big Country-Fan der früheren Jahren auffallen wird, ist das fast völlige Fehlen richtig fetziger Nummern und die im Vergleich zu Stücken der damaligen CDs zurückhaltenden Gitarrenparts. Dieser Trend weg vom Rock hin zum Singing/Songwriting war bei Adamson schon auf dem letzten Big Country-Album "Driving to Damascus" spürbar und daher ist diese Zusammenarbeit mit dem Country-Songwriter Hummon auf dieser Platte nur konsequent. Ich persönlich mag auch diese ruhigen Töne und mag daher dieses Album. ?Reine? Big-Country-Fans könnten eventuell etwas enttäuscht sein.
Zusammenfassend zwar kein Meisterwerk aber eine gute Platte und mit der Weiterentwicklung in die Songwriter-Richtung hätte Stuart Adamson bestimmt noch viele schöne Platten machen können. Doch er hat leider einen anderen Weg gewählt.